Besucherrekord bei der Filmvorführung im Bürgerhaus Kaltenkirchen

16.11.2004

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Wie angekündigt, stellte der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen am Volkstrauertag der Öffentlichkeit einen Videofilm vor, den Schüler der Realschule Kellinghusen über das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen gedreht haben. Mit dieser öffentlichen Vorstellung sollte die hervorragende filmische Leistung der Schüler und ihres Lehrers, Walter Vietzen, gewürdigt werden. Stolz konnten die anwesenden Filmemacher feststellen, welch enorme Resonanz nun ihr Werk in der Bürgerhalle Kaltenkirchen gefunden hat. Mit mehr als 120 Besuchern war die Diele übervoll.

Das Foto wirft einen Blick auf die Zuschauer im Bürgerhaus. Der von den Schülern unter Leitung ihres Lehrers Walter Vietzen fast professionell gestaltete Videofilm beeindruckte die vielen Zuschauer so sehr, dass nach Ende der Vorführung eine lange nachdenkliche Pause entstand. Was haben die Schüler gezeigt? Sie zeigten, wie in Deutschland nach 1933 nach und nach Demokratie und Menschenrechte abgeschafft wurden und ein Netz von Konzentrationslagern entstand, in die unliebsame Personen ohne Rechtsurteil weggesperrt wurden. Sie zeigten, wie die Verfolgung und Drangsalierung missliebiger Personen nicht nur unter den Augen der Bevölkerung, sondern auch mit deren überwiegender Zustimmung stattfanden. Und schließlich zeigten sie, dass auch hier in unserer Nachbarschaft Menschen gequält, geschunden und zu Tode gebracht wurden.

Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen, ein Außenlager des großen KZ-Neuengamme bei Hamburg, war im Sommer 1944 von der Luftwaffe in Springhirsch an der Reichsstraße 4, heute B4, eingerichtet worden. Über 550 KZ-Häftlinge sollten in der Schlussphase des Krieges den Militärflugplatz Kaltenkirchen für eine "Wunderwaffe", düsengetriebene Jagdflugzeuge, ausbauen. Unzureichend ernährt, schlecht gekleidet, demütigend behandelt und unmenschlich geschunden starben Hunderte von ihnen in der kurzen Zeit vom Sommer 1944 bis zum Frühjahr 1945. Die Menschen in Kaltenkirchen und in der Wald- und Gartenstadt Springhirsch konnten die Vorgänge täglich beobachten. Die Schüler zeigten, dass von den vielen Beobachtern des Leidens der KZ-Häftlinge einige Wenige den Geschundenen halfen, indem sie heimlich den Häftlingen Nahrung zuschoben. Eine Frau, Hertha Petersen, nach der heute in Kaltenkirchen ein Straßenname benannt ist, half drei französischen Flüchtlingen durch Unterkunft in ihrem Hause sich ihren Häschern zu entziehen und damit zu überleben. In dieser Zeit, Mitte April 1945, wurde das Lager vor dem Herannahen der Engländer evakuiert, die KZ-Häftlinge nach Wöbbelin in Mecklenburg unter unglaublichen Bedingungen verfrachtet, wobei eine Großzahl von ihnen ums Leben kam. Den drei Franzosen war die tödliche Evakuierung erspart geblieben und sie überlebten, wobei es einem von ihnen, Richard Tackx, später gelang, viele seiner verstorbenen französischen Kameraden im Massengrab Moorkaten zu identifizieren und für ihre Rückführung nach Frankreich in Familiengräber zu sorgen.

Besonders beeindruckend im Film war das Interview mit einem Überlebenden des Kaltenkirchener Lagers, mit dem achtzigjährigen Roger Remond. Die Filmgruppe hatte ihn in Frankreich besucht. Er erzählte, wie er mit anderen jungen Männern des französischen Dorfes aus Rachegründen von den Deutschen in das Konzentrationslager Neuengamme verschleppt und nach Kaltenkirchen zur Arbeit an dem Militärflugplatz gezwungen wurde. Von seinen sieben mitverschleppten Kameraden überlebte keiner. Er überlebte als Einziger, er, der die Nachricht vom Tode den betroffenen Familien überbringen musste. Das war für ihn das Schwerste. Er stellte immer wieder die Frage: "Warum habe ich überlebt und alle meine Kameraden sind gestorben?"

Nach dem langen nachdenklichen Schweigen am Ende der Vorführung stellten einige Zuschauer Fragen an die Filmemacher. Unter anderem wurde gefragt, warum sie sich mit diesem schweren Thema auseinandergesetzt haben. Sie und Herr Walter Vietzen machten deutlich, dass es darum gegangen sei, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, dass besonders junge Leute informiert werden müssten, um sie zu stärken, um sie sensibel zu machen, damit in Zukunft die Beseitigung von Recht, Demokratie und Menschlichkeit nie wieder vorkommen könnten. Dafür hätten sie den Film geschaffen und ihn dem Trägerverein zur Verfügung gestellt, damit er im Dokumentenhaus Schulklassen gezeigt und die pädagogische Arbeit für mehr Mitmenschlichkeit, Wahrung der Menschenrechte und Demokratie unterstützt und gefördert werden könnte. Eine weitere Frage aus dem Zuschauerraum zielte darauf, warum im Film nicht Personen aus Kaltenkirchen genannt und ihre damalige Verstrickung in die unmenschlichen Vorgänge beklagt worden seien. Hierauf antwortete ein Vertreter des Trägervereins, dass er es gut fände, dass die Schüler mit dem Film nicht anklagen, sondern aufklären und informieren wollten, dass sie z.B. zeigen wollten, wie das Unrecht damals die Menschen infiziert hat, ein Vorgang, der sich nie wiederholen dürfe.

Frau Uta Körby vom Trägerverein dankte den Schülern und dem Lehrer Walter Vietzen für die hervorragende filmische Leistung, indem sie jedem Schüler ein kleines Geschenk überreichte.
Sie versicherte, dass der Film im Dokumentenhaus der Gedenkstätte, die ohne dem Engagement und der wissenschaftlichen Arbeit des Historikers Gerhard Hoch nicht existieren würde, von nun an vielen Besuchergruppen und Schulklassen gezeigt würde. Auch Gerhard Hoch bedankte sich bei den Schülern. Er drückte seine Freude darüber aus, dass gerade junge Leute seine Aufklärungsarbeit so wirkungsvoll unterstützten.



Für den Trägerverein

Jürgen Gill
Pressesprecher
 

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