Das Schicksal eines in Kaltenkirchen verstorbenen KZ-Häftlings

16.05.2004



Arie RodersZu Beginn dieses Jahres fanden wir ein vom Regen verblichenes Foto und niedergelegte Blumen an der Gräberstätte Moorkaten. Wenige Tage danach meldeten sich zwei Niederländer, Rene und Henny Roders, über die Homepage des Trägervereins und teilten mit, dass sie an der Gräberstätte Moorkaten und an der Gedenkstätte in Springhirsch gewesen seien, um ihren Onkel Arie Roders zu betrauern und Näheres über sein Schicksal zu erfahren. Sie hatten nach langem Suchen jetzt endlich herausgefunden, dass ihr Onkel Arie Roders am 2. Januar 1945 in Kaltenkirchen verstorben war und zu den nicht identifizierten Toten in Moorkaten gehörte.

In einem regen Briefwechsel der beiden Niederländer mit Gerhard Hoch, Vorsitzender des Trägervereins, konnten einige Einzelheiten über das erschütternde Schicksal von Arie Roders erfahren werden. Arie Roders wurde 1913 in Amsterdam geboren. Er war während der Besetzung des Landes durch die Deutschen Angestellter beim Einwohnerregister der Stadt Amsterdam. Um Juden vor der Deportation zu retten, fälschte er deren Identitätskarten. Wie es heißt, sei er ein Idealist und Humanist gewesen und habe sich deshalb einer Widerstandsgruppe gegen die Deutschen angeschlossen.

An einem Morgen im März oder April 1943 wurde Arie Roders von den Deutschen verhaftet. Seitdem war er verschwunden. Seine Frau, seine Eltern und seine zwei Brüder hatten keinerlei Informationen über seinen Verbleib. Die Familie vermutete immer, dass er in einem Lager hingerichtet worden sei. Nichts anderes blieb von Arie Roders als eine Plakette mit seinem Namen im Einwohnerregister von Amsterdam. Die Familie kannte keinen Ort, wo sie ihren Angehörigen betrauern konnte.

Inzwischen sind die Eltern und Brüder von Arie verstorben, ohne je erfahren zu haben, was mit ihrem Sohn und Bruder geschehen war. Erst den Söhnen der beiden Brüder ist es jetzt vor fünf Monaten gelungen zu erfahren, dass der Name Arie Roders unter der Häftlingsnummer 59052 auf einer Neuengammer Liste zu finden ist. Darauf ist vermerkt, dass Arie Roders als KZ-Häftling am 2. Januar 1945 mit 31 Jahren im KZ-Kaltenkirchen verstorben ist. Jetzt, fast 60 Jahre nach seinem Tode, legten Rene und Henny Roders für ihren Onkel in Moorkaten Blumen nieder. Sie schrieben: " Wir sind froh und dankbar, dass es einen Ort gibt, an dem wir sein Andenken pflegen können."

Jürgen Gill
Pressesprecher des Trägervereins
 

 

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