Zu Beginn dieses Jahres fanden wir ein vom Regen verblichenes Foto und
niedergelegte Blumen an der Gräberstätte Moorkaten. Wenige Tage danach
meldeten sich zwei Niederländer, Rene und Henny Roders, über die Homepage
des Trägervereins und teilten mit, dass sie an der Gräberstätte Moorkaten
und an der Gedenkstätte in Springhirsch gewesen seien, um ihren Onkel Arie
Roders zu betrauern und Näheres über sein Schicksal zu erfahren. Sie hatten
nach langem Suchen jetzt endlich herausgefunden, dass ihr Onkel Arie Roders
am 2. Januar 1945 in Kaltenkirchen verstorben war und zu den nicht
identifizierten Toten in Moorkaten gehörte.
In einem regen Briefwechsel der beiden Niederländer mit Gerhard Hoch,
Vorsitzender des Trägervereins, konnten einige Einzelheiten über das
erschütternde Schicksal von Arie Roders erfahren werden. Arie Roders wurde
1913 in Amsterdam geboren. Er war während der Besetzung des Landes durch die
Deutschen Angestellter beim Einwohnerregister der Stadt Amsterdam. Um Juden
vor der Deportation zu retten, fälschte er deren Identitätskarten. Wie es
heißt, sei er ein Idealist und Humanist gewesen und habe sich deshalb einer
Widerstandsgruppe gegen die Deutschen angeschlossen.
An einem Morgen im März oder April 1943 wurde Arie Roders von den Deutschen
verhaftet. Seitdem war er verschwunden. Seine Frau, seine Eltern und seine
zwei Brüder hatten keinerlei Informationen über seinen Verbleib. Die Familie
vermutete immer, dass er in einem Lager hingerichtet worden sei. Nichts
anderes blieb von Arie Roders als eine Plakette mit seinem Namen im
Einwohnerregister von Amsterdam. Die Familie kannte keinen Ort, wo sie ihren
Angehörigen betrauern konnte.
Inzwischen sind die Eltern und Brüder von Arie verstorben, ohne je erfahren
zu haben, was mit ihrem Sohn und Bruder geschehen war. Erst den Söhnen der
beiden Brüder ist es jetzt vor fünf Monaten gelungen zu erfahren, dass der
Name Arie Roders unter der Häftlingsnummer 59052 auf einer Neuengammer Liste
zu finden ist. Darauf ist vermerkt, dass Arie Roders als KZ-Häftling am 2.
Januar 1945 mit 31 Jahren im KZ-Kaltenkirchen verstorben ist. Jetzt, fast 60
Jahre nach seinem Tode, legten Rene und Henny Roders für ihren Onkel in
Moorkaten Blumen nieder. Sie schrieben: " Wir sind froh und dankbar, dass es
einen Ort gibt, an dem wir sein Andenken pflegen können."
Jürgen Gill
Pressesprecher des Trägervereins