Verleihung der Ehrenpromotion in Flensburg

17.11.2004

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Prof. Dr. Heiner Dunckel, Rektor der Universität Flensburg
Verleihung der Ehrenpromotion an Gerhard Hoch durch Prof. Dr. Heiner Dunckel, Rektor der Universität Flensburg
Dankesworte von Dr. hc. Gerhard Hoch
Festrede von Priv.-Doz. Johannes Tuchel von der FU Berlin
Dr. hc. Gerhard Hoch mit seiner Frau Gesa und seinem Sohn Christoph
Mitglieder des Vorstandes des Trägervereins der Gedenkstätte Kaltenkirchen
Mitglieder des Vorstandes des Trägervereins der Gedenkstätte Kaltenkirchen
Dr. hc. Gerhard Hoch im Gespräch mit seinen Gratulaten

Am 16. November 2004 verlieh die Universität Flensburg in einer Feierstunde die Ehrendoktorwürde an Gerhard Hoch, nunmehr Dr. phil. h.c. Gerhard Hoch. Wie der Historiker Prof. Ruck mitteilte, ist damit Gerhard Hoch in der Geschichte der Flensburger Universität der dritte Würdenträger dieser hohen Auszeichnung, die im Schnitt nur einmal in zehn Jahren vergeben wird. Damit würdigte die Universität die hervorragende wissenschaftliche Leistung von Dr. Hoch zur Erforschung der nationalsozialistischen Vergangenheit Schleswig-Holsteins. Prof. Ruck unterstrich die Pionierleistung Dr. Hochs seit Mitte der siebziger Jahre, die bis heute die neuere Forschung bestimme.

Auch Prof. Dr. Heiner Dunckel, Rektor der Universität Flensburg hob die wissenschaftliche Leistung Dr. Hochs hervor, an der die heute Studierenden und Forschenden nicht vorbeikämen. Mit der Verleihung der Ehrenpromotion an Gerhard Hoch schmücke sich auch die Universität Flensburg und erhöhe damit ihr eigenes Gewicht und stärke ihre Bedeutung in der Universitätslandschaft, was die Lehre und die Forschung der Geschichte des Nationalsozialismus angehe. Auch ein Vertreter der schleswig-holsteinischen Landesregierung beteiligte sich an der Laudatio.

Die Festrede, ein hochinteressanter Vortrag, hielt Priv.-Doz. Johannes Tuchel von der FU Berlin. Sein Thema "Verfolgung im Nationalsozialismus: Ansätze der neueren Forschung" beschäftigte sich mit der "Volksgemeinschaft" im Nazireich, mit ihrem Identifikationsangebot für viele Menschen, mit der Haltung, den Einstellungen und Erwartungen einer überwiegenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung gegenüber der nationalsozialistischer Herrschaft. Er stellte dar, wie 1933 die Macht der Nationalsozialisten sich auf eine breite Zustimmung der Bevölkerung stützen konnte, die nach den Erfahrungen des Versailler Vertrages, der wirtschaftlichen Krisen und Arbeitslosigkeit mit der Machtergreifung der Nazis neue Hoffnungen verknüpfte. Die Mehrheit der Menschen war in Deutschland schnell bereit, dafür demokratische Errungenschaften, ja sogar die elementaren Menschenrechte zu opfern. Johannes Tuchel führte aus, "wenn 1938 in Deutschland tatsächlich freie Wahlen stattgefunden hätten, dann hätte sich die Hitlerpartei einer überwältigenden Zustimmung ihrer Politik erfreuen können, einer Politik der Intoleranz, der Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger und der offenkundigen Kriegsvorbereitung." Seine Ausführungen gipfelten in der Feststellung, dass ohne diese Unterstützung durch die deutsche Bevölkerung die Nazis ihre Macht und Stärke nie hätten ausspielen können, ja dass ihr verbrecherisches Herrschaftssystem geradezu darauf gründete. Denunziantentum, Wegschauen, wenn der jüdische Nachbar abgeholt wurde, Klammern an Strohhalme der Hoffnung trotz offenkundig bevorstehender Niederlage, wenn Göbbels redete, alles das war bis zuletzt an der Tagesordnung. Zum Denunziantentum nannte Johannes Tuchel Beispiele: Nach dem Ende eines Bombenangriffs in Berlin läuft ein Mann über eine mit Trümmern übersäte Straße, bückt sich und hebt etwas auf. Jemand beobachtet ihn dabei und macht sofort Meldung bei der Polizei. Der Mann wird untersucht, kann die Herkunft eines Gegenstandes, den er bei sich hat, nicht erklären, wird von einem Schnellgericht wegen Plünderung zum Tode verurteilt und am nächsten Tag in Plötzensee exekutiert. Andere Beispiele belegen die auf Denunziantentum, Zustimmung und Angst ruhende Macht der Nazis, mit der ungestört und vor den Augen der Bevölkerung halbtote KZ-Häftlinge über öffentliche Straßen geführt und jüdische Mitbürger offenkundig in Vernichtungslager deportiert werden konnten. Der Referent stellte fest, dass entgegen aller Beteuerung nach dem Kriege, man habe von den Verbrechen nichts gewusst, alle entweder davon gewusst haben oder zumindest davon hätten wissen müssen, wenn sie nicht bewusst die Augen davor verschlossen haben.

Das sind die Ergebnisse "der neueren Forschung", wie sie von Johannes Tuchel vorgestellt wurden. Viele Zuhörer haben sie in solcher Pointierung selten gehört.

Dr. phil. h.c. Gerhard Hoch bedankte sich für die hohe Auszeichnung und erzählte aus seinem Leben, u.a. aus seinen Erfahrungen im Umgang mit seinen früheren Weggenossen, die wie er im Nationalsozialismus als junge Menschen sozialisiert worden waren. Sie warfen ihm später vor, "von der Fahne gegangen zu sein". Wir wünschten, es wären noch mehr so "von der Fahne" gegangen wie er.

Das Foto zeigt den Rektor der Universität, Prof. Dr. Heiner Dunkel unmittelbar vor der Überreichung der Urkunde.


Jürgen Gill
Pressesprecher
 

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