Newsletter
KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen in Springhirsch
Nr. 21 vom 7. Juni 2005
1. Besuch ehemaliger französischer
KZ-Häftlinge in Kaltenkirchen
3. Jahreshauptversammlung
am 19.06.05
5. Der
zweite Container als Schulungsraum
Eine Online-Version dieses Newsletters finden Sie hier.
1. Besuch ehemaliger französischer KZ-Häftlinge in Kaltenkirchen
Roger Remond,
Paul Krattinger und Piere Vigne, ehemalige KZ-Häftlinge, kamen Anfang Mai mit
zahlreichen Angehörigen nach Kaltenkirchen und besuchten die Gedenkstätte. Alle
Drei waren sichtlich bewegt, erzählten viel und betrauerten ihre verstorbenen
Kameraden. Roger Remond äußerte immer wieder: „Warum habe ich als einziger
überlebt? Sieben Kameraden, die mit mir aus unserem Dorf von den Deutschen
verschleppt worden waren, sind hier gestorben.“ Solche merkwürdigen
Schuldgefühle plagen viele überlebenden KZ-Opfer. Eine Tochter von Roger
Remond, Martine Remond, schickte uns Fotos von dem Besuch. Die 50 Besucher aus
Frankreich würdigten die Bemühungen der Gedenkstätte, die Erinnerung an die
früheren Verbrechen hier vor Ort wach zu halten und bedankten sich beim Trägerverein.
Unerwartet viele Teilnehmer waren am Bahnhof Nützen trotz kühlen und unbeständigen Wetters erschienen. Dr. Hoch informierte an den Zielpunkten über das Verbrechen einer in den letzten Kriegstagen durchziehenden SS-Einheit an zehn serbischen Zwangsarbeitern. Über die Frage, warum die Kampener Bevölkerung untätig hinter schützenden Gardinen den Erschießungen zugeschaut und dem Morden kein Ende bereitet hätten, entzündete sich eine kontroverse Diskussion. Der Bürgermeister von Nützen war der Einladung zu dieser Radtour gefolgt und beteiligte sich an den Gesprächen, die darum bemüht waren, die besonderen Ausnahmeverhältnisse damals in der Schlussphase des Krieges und ein Tag vor dem Erscheinen der englischen Truppen zu beleuchten. Die damalige Situation kann die verweigerte Hilfeleistung erklären, kann sie aber nicht entschuldigen. Die Absicht des Trägervereins, an der Mordstelle ein informierendes Schild aufzustellen, wird weiter verfolgt.
3. Jahreshauptversammlung am 19.06.05
Dr. Gerhard Hoch wird auf der Mitgliederversammlung am 19.06.05 sein Amt als erster Vorsitzender niederlegen. Der gesamte Vorstand des Trägervereins wird neu zu wählen sein. Zur Ehrung des zu verabschiedenden Vorsitzenden werden u.a. der ehemalige Bürgermeister von Kaltenkirchen, Ingo Zobel, und der Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär Franz Thönnes einige Worte sprechen. Dr. Gerhard Hoch übergibt seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin eine Gedenkstätte in gutem Zustand, die ausgezeichnet ihre Funktion zu erfüllen in der Lage ist. Der neue Vorstand wurde von ihm eingearbeitet und eingeübt, so dass die zukünftige Arbeit der Gedenkstätte in seinem Sinne gesichert ist. Dr. Hoch hat also nicht nur die Einrichtung der Gedenkstätte initiiert, entwickelt und gestaltet, sondern auch für eine funktionierende Nachfolge gesorgt. Als Ehrenvorsitzender wird er sein Kind weiterhin begleiten und ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Der neue Vorstand wird ihm auf der Mitgliederversammlung für die geleistete Arbeit danken und sein außerordentliches Engagement, ohne das es die Gedenkstätte nicht gäbe, ausdrücklich würdigen. Mit der zeitgeschichtlichen Erforschung der Region hat sich Dr. Gerhard Hoch auch überregional und sogar international einen Namen gemacht. Er gehörte zu den ersten, die die nationalsozialistische Geschichte der Heimatregion erforscht haben, eine Pionierleistung, die auch in anderen Regionen viele Nachahmer gefunden hat. Das „Kaltenkirchensyndrom“ in den siebziger und auch noch Anfang der achtziger Jahre machte als Begriff seine Runde durch die Bundesrepublik und meinte das Verdrängen, das Nichterinnern und die Tabuisierung der Geschichte des Nationalsozialismus vor der eigenen Haustür. Denn das Ausklammern und Nicht-Daran-Rühren-Wollen, wie es in Kaltenkirchen offenbar wurde, war eine bundesweite Erscheinung gewesen. Dass das heute anders ist, ist nicht zuletzt auch das Verdienst von Dr. Gerhard Hoch. Die nunmehr in der Region fest verankerte Einrichtung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen ist das sichtbare und konkrete Ergebnis dieser seiner Arbeit. Und übrigens: Heute hat Kaltenkirchen in Frankreich, in den Niederlanden, in Polen und anderswo einen guten Namen. Der ist Dr. Gerhard Hoch zu verdanken.
5. Der zweite Container als Schulungsraum
Der Antrag auf Bezuschussung des zu schaffenden Schulungsraumes nach Brüssel war im Februar fristgerecht gestellt worden. In diesen Tagen, spätestens Anfang Juni, wie wir erfuhren, will die Europäische Kommission über ihn entscheiden. Im Laufe dieses Monats, spätestens Anfang Juli, soll der Bescheid bei uns eintreffen. Wir sind gespannt. Sollte er positiv lauten, kommt eine Menge Arbeit auf uns zu. Lautet er negativ, ist unverzüglich ein Antrag zur Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten auf eine institutionelle Förderung zu stellen. Institutionelle Förderung heißt: Die laufenden Kosten des Betriebes der Gedenkstätte wie Ausgaben für Telefon, Sicherheitsanlage, Strom, Toilette, Kopierer usw. werden von der Bürgerstiftung bezuschusst. Eine solche Bezuschussung ist in diesem Jahr wegen der Antragsstellung nach Brüssel ausgesetzt, weil sich die Bürgerstiftung mit 10 000 Euro an dem Projekt „Schulungsraum“ beteiligt. Wir sind also in diesem Jahr gezwungen, die laufenden Kosten aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Das fällt schwer.
6. ABM-Kraft
Oliver Böge hat sich als Aufsicht im Dokumentenhaus und Betreuer der Anlage gut eingearbeitet. Außer am Freitag steht er den Besuchern der Gedenkstätte von Dienstag bis Sonnabend jeweils zwischen 9.00 und 17.00 Uhr zur Verfügung. Er hält die Gedenkstätte in einem gepflegten Zustand.
Text und Foto: Jürgen Gill
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Trägerverein
-------------------------------------------------------------------------
Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V.
Eine Online-Version dieses Newsletters finden Sie hier.
Homepage der KZ-Gedenkstätte: http://www.kz-kaltenkirchen.de
Vorsitzender: Dr. hc. Gerhard Hoch
Bankverbindung:
Konto: 250 276 20, Kreissparkasse Südholstein (BLZ 230 510 30)
Kontakt:
E-Mail zum Trägerverein
(Jürgen Gill) oder zum Webmaster der Homepage (Jörn Wommelsdorff):
Bitte nutzen Sie unser Kontaktformular auf unserer Homepage http://www.kz-kaltenkirchen.de
oder antworten Sie einfach auf die Absenderadresse dieses Newsletters.
Telefon (mit Anrufbeantworter) im Dokumentenhaus: 04191 / 72 34 28
Abmeldung vom Newsletter:
Sofern Sie sich von dem
Newsletter abmelden möchten, stellen Sie bitte eine Verbindung zum Internet her
und klicken dann hier. Auf der dann erscheinenden Internetseite
(http://www.kz-kaltenkirchen.de/newsletter-abmeldung) können Sie sich vom
Newsletter abmelden.
Da wir unseren Newsletter stets verbessern möchten, bitten
wir Sie, uns die Gründe für Ihre Abmeldung mitzuteilen.