Newsletter
KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen in Springhirsch
Nr. Nr. 11 vom 25. Mai 2004
Neues zur Entwicklung der Gedenkstätte
Ort der Trauer
nach 59 Jahren gefunden
Kalisz,
Patengemeinde in Polen
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1. Neues zur Entwicklung der Gedenkstätte:
• ABM-Kräfte: Seit Anfang Mai arbeitet Herr Ahlrichs im Rahmen einer AB-Maßnahme im Außengelände der Gedenkstätte. Seine Handschrift kann man jetzt schon erkennen. Am Rande des Dokumentenhauses herrscht eine neue Ordnung. Zur Zeit werden die Barackenmarkierungen erneuert. Was schon fertig ist, kann sich sehen lassen: Stabil, ansehnlich und dauerhaft! Seit kurzem geht ihm Herr Bauscher zur Hand, die zweite ABM-Kraft. Sein Arbeitsgebiet befindet sich aber hauptsächlich im Dokumentenhaus.
• VHS Kaltenkirchen: Der Geschäftsführer der VHS Kaltenkirchen-Südholstein, Rainer Nordmann, hat die Beschäftigung der beiden ABM-Kräfte an unserer Gedenkstätte möglich gemacht. Durch die Berichterstattung über die Anschläge auf die Gedenkeinrichtungen im Winter war er aufmerksam geworden. Ziel der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM), die von der VHS betreut wird, ist es, den Neu- oder Wiedereinstieg arbeitloser Jungerwachsener und langzeitarbeitsloser Erwachsener in das Berufsleben vorzubereiten.
• Neue Öffnungszeiten: Mit der Tätigkeit der beiden ABM-Kräfte in der Gedenkstätte ergeben sich neue Öffnungszeiten des Dokumentenhauses. Die Öffnung an Sonn- und Feiertagen kann nun auf die Werktage von Montag bis Donnerstag 9.00 bis 17.00 Uhr ausgeweitet werden. Weil beide Kräfte am Freitag alle vierzehn Tage zur Schulung müssen, steht der Freitag nur vierzehntägig von 9.00 bis 12 Uhr für die Öffnung zur Verfügung. Ein Aushang wird genauer darauf hinweisen. Ob am Sonnabend von 13.00 bis 17.00 Uhr geöffnet werden kann, prüft derzeit Inga Toft.
• Telefonanschluss: Für die Gewährleistung einer sinnvollen Bürotätigkeit im Dokumentenhaus ist ein Telefonanschluss unabdingbar. Der wurde bei der Telekom beantragt. Da eine Leitung verlegt werden muss, dürfte der Anschluss nicht so schnell erfolgen, wie wir uns das wünschen.
• Elektrische Pumpe: Der Pumpenbauer, Herr Jöhnke, hat inzwischen eine elektrische Pumpe zur Förderung von Waschwasser installiert. Das Waschwasser wird in einen 1000 l fassenden Behälter gepumpt, wo es anschließend zur Verfügung ist. Nach ihrer einstündigen Pumparbeit kann die elektrische Pumpe immer wieder diebstahlsicher verwahrt werden.
• Sicherung des Dokumentenhauses: Nach den Anschlägen des letzten Winters wurde klar, dass das Dokumentenhaus besser gesichert werden muss. Hierfür sind Angebote der Firma Elektro-Ahrens und der Firma Lembcke, beide aus Kaltenkirchen, eingeholt worden. Die Entscheidung, welche Firma den Auftrag erhält, kann erst gefällt werden, wenn der Telefonanschluss installiert und die schriftliche Zusage eines Zuschusses der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten eingetroffen ist.
2. Ort der Trauer nach 59 Jahren gefunden:
Zwei Niederländer, Rene und Henny Roders haben nach 59 Jahren das Schicksal ihres Onkels, Arie Roders, aufklären können. Roders war während der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen Angestellter beim Einwohnerregister der Stadt Amsterdam gewesen. Um Juden vor der Deportation zu retten, fälsche er deren Identitätskarten. Als Idealist und Humanist hatte er sich einer Widerstandsgruppe gegen die deutsche Besatzungsmacht angeschlossen. Im April 1943 war er verhaftet worden. Seitdem hatte seine Familie, hatten die Ehefrau, seine Eltern und seine beiden Brüder über seinen Verbleib und über sein Schicksal keinerlei Informationen. Inzwischen sind die Eltern und die beiden Brüder von Arie Roders verstorben, ohne je erfahren zu haben, was mit ihrem Sohn und Bruder geschehen war. Erst den Söhnen der beiden Brüder ist es jetzt nach 59 Jahren gelungen zu erfahren, dass ihr Onkel Arie Roders als KZ-Häftling mit der Nummer 59052 am 2. Januar 1945 in Kaltenkirchen verstorben ist. Im März dieses Jahres besuchten Rene und Henny Roders die Gräberstätte Moorkaten und legten Blumen nieder. Jetzt schrieben sie Gerhard Hoch: „Wir sind froh und dankbar, dass es einen Ort gibt, an dem wir sein Andenken pflegen können.“
3. Steine niedergelegt:
Aus verschiedenen Listen sind 213 Verstorbene des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen bekannt, obwohl das Lager erheblich mehr Opfer gehabt hat. Auf 213 Feldsteinen wurden die Namen wetterfest geschrieben. Am 8. Mai legten Besucher der Gedenkstätte einen Teil der beschrifteten Steine im Gelände der Gedenkstätte nieder. Unter ihnen befindet sich auch der Stein von Arie Roders, der am 2. Januar 1945 in Kaltenkirchen verstorben ist. Seine Verwandten haben hier jetzt einen Ort, wo sie seiner gedenken können.
4. Kalisz, Patengemeinde in Polen:
Junge Polen aus Kalisz, der Kaltenkirchener Patengemeinde, werden Feldsteine mit den Namen in Kaltenkirchen verstorbener polnischer KZ-Häftlinge wetterfest beschriften. Die Vorsitzende des Freundeskreises Kalisz-Kaltenkirchen, Renate Amthor, fährt nach Polen und übergibt eine Liste mit den entsprechenden Namen. Im Sommer kommen die polnischen Schüler zu Besuch nach Kaltenkirchen und werden an der Gedenkstätte die Steine niederlegen. Vielleicht gelingt es den jungen Polen bis dahin auch, Verwandte der Toten ausfindig zu machen.
Im „Erweiterten Krankenrevier des Stammlagers XA Schleswig, Zweiglager Heidkaten“, das von 1941 bis Ende 1943 bei Kaltenkirchen existierte, dürften vierstellige Opferzahlen unter den sowjetischen Kriegsgefangenen zu beklagen gewesen sein. Als Ausdruck der besonderen Verachtung für Angehörige osteuropäischer Völker, erfuhren die sowjetischen Gefangenen, allgemein „Bolschewisten“ und „Untermenschen“ genannt, eine besonders schlechte Behandlung. „Der Dreck kann weg“ war die allgemeine Auffassung. Auch heute erleben wir wieder, was geschieht, wenn Überheblichkeit die allgemeine Auffassung von Menschenrecht und Menschenwürde zu erodieren beginnt. Als von oben angeordnet wurde, dass ein bisschen Folter als Mittel zum Zweck der Terrorbekämpfung erlaubt sein dürfe, wirkte das wie ein Dammbruch in den irakischen Gefängnissen und auf Guantanamo. Niemals darf der Zweck die Mittel heiligen Die Würde des Menschen ist unantastbar – immer, überall und in jeder Situation.
Text: Jürgen Gill
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Trägerverein
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