Ergänzende Texte:
I. Geleitwort von Dr. Gerhard Hoch
Als im Jahre 1978 mein Buch „Hauptort der Verbannung. Das KZ-Außenkommando
Kaltenkirchen“ erschien, traf es auf eine Öffentlichkeit, die über diesen
Abschnitt ihrer Geschichte weitgehend in Unkenntnis gehalten war. Dies Buch
ebnete vielen Menschen den Weg, nun auch den übrigen Teil der örtlichen und
regionalen Zeitgeschichte unter dem Hakenkreuz anzunehmen.
Das Buch ist seit langem vergriffen. Eine Fülle neuer Erkenntnisse über das
Lager in Springhirsch verlangt statt einer neuen, verbesserten Auflage eine
völlig neue Bearbeitung des Stoffes.
Diese Aufgabe hat Jürgen Gill nun mit diesem Buch geleistet. Dafür bin ich ihm
sehr dankbar. Mit Jürgen Gill verbindet mich nicht nur eine lange Freundschaft,
sondern darüber hinaus eine intensive und bewährte Zusammenarbeit am Thema eben
dieses Buches.
Ich wünsche dem Buch eine gute Aufnahme in einer Öffentlichkeit, die, anders als
im Jahre 1978, bereits für ihre Geschichte aufgeschlossen ist und die Bedeutung
dieses historischen Vermächtnisses längst zu würdigen weiß.
Gerhard Hoch.
II. Inhaltsangabe
Als Dr. Gerhard Hoch ab 1975 die bis dahin ausgeblendete NS-Vergangenheit der
eigenen Heimat wieder ins Blickfeld rückte, stieß er sehr schnell auf das
KZ-Außenlager Kaltenkirchen in Springhirsch, einem Außenkommando des großen KL
Neuengamme bei Hamburg. Während der knapp acht Monate seines Bestehens von
August 1944 bis April 1945 sind vermutlich über 500 KZ-Häftlinge – 214 davon
sind namentlich dokumentiert- nach dem Grundsatz „Vernichtung durch Arbeit“ ums
Leben gekommen, junge Männer aus vielen Ländern Europas, die sich höchstens
vorwerfen lassen können, gegen das NS-Unrechtsregime und für Menschenrechte
eingetreten zu sein. Sie sterben zu einer Zeit, in der ihr Beitrag des Ausbaues
des Militärflugplatzes Kaltenkirchen für den „Endsieg“ des Großdeutschen Reiches
besonders sinnlos erscheint und eigentlich während des letzten langen
Kriegswinters nur dazu dienen soll, die längst besiegelte Niederlage
hinauszuzögern.
In seinem Buch „Hauptort der Verbannung – Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen“,
das 1983 in dritter Auflage erschien, legte Dr. Gerhard Hoch die Ergebnisse
seiner Forschung vor, die das „vergessene“ Lager wieder ins Licht der
südholsteinischen Öffentlichkeit holten. Das passte damals manchen Zeitgenossen
überhaupt nicht, denen eine solche Schließung der Erinnerungslücke in der
Heimatchronik und die Zerstörung ihres heilen Heimatbildes sehr unangenehm war.
Das vorliegende Buch, das Gerhard Hochs Werk zur Grundlage hat, berücksichtigt
neue Quellen, die sich inzwischen während der Entwicklung der KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen zahlreich angesammelt haben und versucht, ein lebendiges Bild des
Lagers, seiner Opfer, der Täter, der Mitwisser, der Profiteure, aber auch
derjenigen Menschen, die Mitmenschlichkeit zeigen, aus heutiger Sicht zu
zeichnen. Es schildert Einzelschicksale, erfolgreiche und nicht erfolgreiche
Fluchtversuche, es würdigt den Mut und die Hilfsbereitschaft von Menschen, die
ihr Leben riskieren, es setzt sich kritisch mit einzelnen Persönlichkeiten im
Lager und außerhalb des Lagers auseinander und fragt nach deren
Verantwortlichkeit. Zudem wird zum Schluss die spannende Geschichte der
Entwicklung einer Gedenkstätte erzählt, die den Opfern Namen und Würde
zurückgeben, Kontakte zu Überlebenden und deren Angehörigen herstellen und sich
zugleich als „Lernort“ verstehen möchte, als „Lernort“, der sich nicht nur als
Vermittler von geschichtlichen Fakten versteht, sondern der auch den Besuchern
fühlbar machen will, wie wichtig die lebendige und detailreiche Erinnerung an
vergangenes Unrecht ist, um inhumane Tendenzen in der Gegenwart überhaupt
wahrnehmen zu können. Das ist also ein –in die Gegenwart zielendes- politisches
Anliegen. Diese Absicht belegen beispielhaft die beiden hier abgedruckten
Zitate, die den Schlussbetrachtungen des vorliegenden Buches entnommen sind.
III. Rückenseitentext
„…so verschwand es aus dem Gedächtnis der Region, bis Gerhard Hoch ab 1975
wieder daran rührte….Bis dahin hatte es die Allianz des Schweigens geschafft,
das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen in Springhirsch fast völlig aus dem
Gedächtnis der Menschen zu tilgen. An der Stelle, wo das ehemalige Lager vom
August 1944 bis zum April 1945 existierte, wuchs inzwischen der „Wald des
Vergessens“ …“
„… Geschichte und Gegenwart lehren, wie leicht der gesellschaftliche und
politische Orientierungsrahmen, der uns alle prägt, aus den Fugen geraten und
schleichend inhumane Züge annehmen kann …“
Auf der Rückseite des Buchs ist außerdem folgender Text abgedruckt:
„Das vorliegende Buch zeigt ein detailliertes Bild des
KZ-Außenlagers Kaltenkirchen in Springhirsch, seiner
Opfer, der Täter, der Mitwisser, der Profiteure, aber auch
Derjenigen Menschen, die Mitmenschlichkeit zeigen.
Es schildert Einzelschicksale, erfolgreich und nicht
Erfolgreiche Fluchtversuche, es würdigt den Mut und die
Hilfsbereitschaft von Menschen, die ihr Leben riskieren,
es setzt sich kritisch mit einzelnen Persönlichkeiten im
Lager und außerhalb des Lagers auseinander und fragt
Nach deren Verantwortlichkeit.
Der Blick richtet sich außerdem auf die spannende
Entwicklung einer Gedenkstätte, die den Opfern Namen
und Würde zurückgibt, Kontakte zu Überlebenden und
deren Angehörigen herstellen und sich zugleich als
„Lernort“ verstehen möchte.