15.01.2008
Liebe Mitglieder und Freunde des Trägervereins,
wir können auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken, obwohl es mit einem
traurigen Ereignis für uns begann: im Januar 2007 verstarb völlig unerwartet
unser langjähriger Kassierer, Herr Reinhold Krause. Sein Tod hinterließ eine
große Lücke. Ebenfalls verstorben ist ein weiteres langjähriges Mitglied,
Herr Zietz aus Bad Bramstedt, der zusammen mit seiner Frau unsere Arbeit
über viele Jahre treu begleitet hat. Wir werden ihr Andenken in Ehren
halten.
Es gibt einige personelle Veränderungen bei uns im Vorstand zu verzeichnen.
Herr Piet Verschragen führt jetzt unsere Finanzen, zunächst kommissarisch,
später bestätigt durch die Mitgliederversammlung im Mai. Jürgen Wiese ist
aus der aktiven Vorstandsarbeit ausgeschieden, steht uns aber nach wie vor
mit Rat und Tat zur Verfügung. Wir danken ihm für sein langjähriges
Engagement! Neu im Vorstand sind als Beisitzer Manfred Freund und Karl
Stanek aus Kaltenkirchen.
Ein wichtiges Ereignis im vergangenen Jahr war die Aufstellung und der
Ausbau des zweiten Containers. Viele Spender hatten dazu beigetragen, dass
wir einen großen, gebrauchten Container anschaffen konnten. Doch mit dem
Kauf allein war es nicht getan. Ein umfangreicher Innenausbau mit effektiver
Wärmedämmung wurde nötig. Durch einen Außenanstrich und eine
Dachkonstruktion wurde aus dem zunächst noch recht unansehnlichen Container
ein großer, heller Ausstellungsraum. Viele Helfer haben daran mitgewirkt.
Ein besonderes Verdienst kommt jedoch unserem Vorstandsmitglied Jürgen Fock,
der die Arbeiten vor Ort leitete, und dem Architekten Jens Olaf Nuckel aus
Quickborn zu, der uns fachlich beraten und vertreten hat. Die
Inneneinrichtung ist völlig neu und einheitlich. Wir verfügen mit 40 Stühlen
und 6 Rhombentischen über die Möglichkeit, uns auf die Bedürfnisse von
unterschiedlich großen Besuchergruppen einzustellen. Diese Anschaffung wurde
ermöglicht durch einen großzügigen Rabatt der Firma Dodenhof in
Kaltenkirchen.
Der neue Container konnte anlässlich der Mitgliederversammlung im Mai der
Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bei der Einweihung sprachen der
Bürgermeister von Kaltenkirchen, Herr Stefan Sünwoldt, Herr Tebel von der
Stiftung der Sparkasse Südholstein und Herr Quaritsch von der
Flughafengesellschaft Hamburg Grußworte - stellvertretend für alle Kommunen,
Kirchengemeinden, Stiftungen, Firmen und Einzelspender, denen wir es
verdanken, dass wir jetzt endlich über einen zweckmäßigen Ausstellungs- und
Versammlungsraum verfügen.
Die Außenanlage präsentiert sich ebenfalls in einem gepflegten Zustand. Das
verdanken wir hauptsächlich zwei Ein-Euro-Kräften, die von Jürgen Gill und
Jürgen Fock betreut wurden. Herr Horstmann, den wir wegen seiner
Zuverlässigkeit und seines Engagements sehr schätzen gelernt haben, wird uns
glücklicherweise noch bis zum März 2008 zur Verfügung stehen. Wir würden ihn
sehr gern weiter beschäftigen. Leider ist uns dies aus finanziellen Gründen
zur Zeit nicht möglich.
Das Vorhandensein eines beheizbaren Ausstellungsraumes und die - dank der
Anwesenheit von Herrn Horstmann - regelmäßigen Öffnungszeiten in der Woche
tragen ihre Früchte. Wir haben eine wesentlich größere Besucherzahl zu
verzeichnen. Neben den Einzelbesuchern, die durch das Schild „geöffnet“
spontan den Weg zu uns finden, sind es wiederum zahlreiche Gruppen, die wir
im vergangenen Jahr auf der Gedenkstätte führen konnten.
Wie in jedem Jahr besuchten uns im Mai Vertreter der Amicale, der
Vereinigung ehemaliger Häftlinge aus Neuengamme und ihrer Angehörigen. Unter
ihnen waren wieder die Tochter von Henri Canard, einem französischen
Häftling, der im Lager verstarb, mit ihrem Mann. Außerdem besuchten uns
wieder Colette Rey, die Tochter von Richard Tackx, mit ihrem Mann. Wir
verbrachten gemeinsam mit ihnen einen Nachmittag mit Frau Gimpel, die damals
ihrem Vater, der aus dem Lager geflüchtet war, geholfen hat. Wir sind
glücklich darüber, dass mittlerweile freundschaftliche Beziehungen zu diesen
Angehörigen ehemaliger Häftlinge bestehen.
Eine traurige Nachricht erreichte uns aus Frankreich. Roger Rémond, einer
der letzten überlebenden Häftlinge und Zeitzeuge aus Frankreich, starb nach
kurzer Krankheit im Oktober. Leider war es uns nicht möglich, so kurzfristig
zur Beerdigung nach Frankreich zu fahren. Wir hoffen, dass Gerhard Hoch in
diesem Jahr die Reise nach Frankreich antreten kann, um den Angehörigen von
Roger Rémond unsere Verbundenheit zu zeigen. Gerhard Hoch genießt auch im
Ausland großen Respekt wegen seines Einsatzes für das Andenken der
ehemaligen Häftlinge und der Einrichtung der Gedenkstätte auf dem ehemaligen
Lagergelände.
Über die Besuche von zahlreichen Gruppen und weitere Aktivitäten auf der
Gedenkstätte informierten im vergangenen Jahr regelmäßig die Newsletter Nr.
36 bis 46, die wie immer zuverlässig und aktuell von Jürgen Gill verfasst
und von unserem Webmaster Jörn Wommelsdorff versandt wurden. Die erfreuliche
Zusammenarbeit mit Kommunen, Kirchengemeinden, Vertretern von politischen
Parteien und Schulen konnte fortgesetzt und intensiviert werden.
Herausgestellt seien nur die Schüler-Eltern-Initiative von der Realschule
Kaltenkirchen, die viel Arbeit auf dem Gelände geleistet haben, der Besuch
eines gesamten Schulkollegiums, die Tagung einer Fachschaft Geschichte und
ein Unterrichtsprojekt über Vermittlung von NS-Geschichte zur Zweiten
Staatsprüfung: alles dies Beispiele, die ‚Schule machen’ sollten!
Durch die Veranstaltungsreihe „Quickborn unter dem Hakenkreuz“, für die Dr.
Gerhard Hoch zusammen mit Herrn Prof. Danker die Schirmherrschaft übernommen
hatte, und die Initiative „Stolpersteine“ aus Barmstedt kam es zu einer
weiteren Vernetzung von ‚Erinnerungsarbeit’ in der Region. Überregionale
Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit anderen Gedenkstätten in
Schleswig-Holstein. Eine Sitzung des „Arbeitskreises schleswig-holsteinische
Gedenkstätten“ fand bei uns statt. Es ging dabei um die Konzeption eines
Flyers und einen gemeinsamen Internet-Auftritt auf Landesebene. Diese
Vorhaben will die Bürgerstiftung schleswig-holsteinische Gedenkstätten
unterstützen.
Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Januar 2007 hatten wir Herrn
Prof. Dr. Pfüller von der ‚Politischen Memoriale’ aus Mecklenburg-Vorpommern
eingeladen. Er hielt im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen einen
bemerkenswerten Vortrag über die Bedeutung von kleinen, dezentralen
Gedenkstätten als Lernorten. Am Volkstrauertag war der Trägerverein wieder
eingebunden in den Gottesdienst in der Michaeliskirche in Kaltenkirchen,
auch die Kollekte war wieder für uns bestimmt. Dies hat inzwischen schon
eine gewisse Tradition, ebenso wie die sich anschließende Gedenkwanderung
von der KZ-Gedenkstätte über das Bundeswehrgelände bis zu den Massengräbern
nach Moorkaten und der Hinrichtungsstätte von Fred Göttner, die vom
Trägerverein jedes Jahr durchgeführt und von Gerhard Hoch geleitet wird.
Vor uns liegt im neuen Jahr 2008 die Aufgabe, eine erweiterte und medial
anspruchsvolle Ausstellung zu konzipieren. Dieser Herausforderung einer
Vermittlungsarbeit für die Zeit, in der es keine Zeitzeugen mehr geben wird,
können wir uns jetzt endlich widmen, nachdem die räumlichen Voraussetzungen
dafür mit dem neuen Container gegeben sind. Unterstützung werden wir dabei
durch Prof. Pohl, den Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats der
Bürgerstiftung schleswig-holsteinische Gedenkstätten, und seinen Studenten
erfahren. Prof. Pohl und Dr. Detlef Garbe, der Leiter der KZ-Gedenkstätte
Neuengamme, hatten auf unsere Anfrage hin die Gedenkstätte im Oktober
besucht, um sich ein aktuelles Bild von unserer Einrichtung und ihren
Möglichkeiten zu machen.
Ein weiterer Schwerpunkt wird in der Überlegung liegen, wie das angrenzende
Gelände, aus dem sich die Bundeswehr Ende 2008 zurückziehen wird, in unsere
Arbeit einbezogen werden kann. Es geht um den Ort des ehemaligen
„Sterbelagers“ oder „Russenlagers“ an der B 4, die Verbindung zur
Gräberstätte in Moorkaten sowie um weitere Grabstätten, die durch gezielte
Bodenuntersuchungen möglicherweise noch entdeckt werden. In die Diskussion
um den Erhalt des historisch bedeutsamen Bahnhofsgebäudes in Kaltenkirchen
hatten wir uns bereits im letzten Sommer eingebracht. Obwohl bislang noch
keinerlei Kenntnisse über die zukünftige Nutzung des Bundeswehrgeländes
vorliegen, haben wir bereits Ideen für einen möglichen „historischen
Lehrpfad“ gesammelt, der von Kaltenkirchen über das jetzige
Bundeswehrgelände bis zur Gedenkstätte reichen könnte, und über die
Möglichkeiten eines solchen Projekts mit dem Bürgermeister von Kaltenkirchen
gesprochen.
Mit der Flughafengesellschaft Hamburg, die Eigentümerin des Geländes der
Gedenkstätte ist, stehen wir seit längerem in Verhandlung über einen
abzuschließenden Pachtvertrag. Hierbei werden wir dankenswerterweise von
unserem aktiven Mitglied, Herrn Siefert, begleitet, auf dessen juristische
Kompetenz wir uns jederzeit zuverlässig stützen können.
Ein weiteres Vorhaben, die Neuauflage des lange vergriffenen Buches
„Hauptort der Verbannung“ von Gerhard Hoch, steht kurz vor dem Abschluss.
Jürgen Gill hat den Text vollständig überarbeitet und ergänzt. Die neue
Publikation wird daher unter seinem Namen erscheinen, voraussichtlich im
Wachholtz-Verlag. Wir werden im Newsletter den Erscheinungstermin bekannt
geben.
Abschließend möchte ich Sie noch auf unsere geplanten Veranstaltungen im
nächsten Halbjahr hinweisen:
• Am Sonntag, dem 27. Januar 2008, wird Herr Prof. Danker von der
Universität Flensburg im Ratssaal von Kaltenkirchen einen Vortrag über das
Thema „Aus der NS-Geschichte lernen? – NS-Geschichtsvermittlung zwischen
Erwartungen und Leistungen“ halten (Beginn um 16.00 Uhr).
• Am 20. April 2008 wird Frau Beate Niemann, Berlin, auf der Gedenkstätte
über den Umgang mit der NS-Vergangenheit an Hand ihrer eigenen
Familiengeschichte sprechen. Ihr Vater war u.a. Gestapochef von Belgrad und
an der Ermordung von tausenden von Juden beteiligt. Dies erfuhr sie erst
nach einer langen mühseligen Recherche, nachdem ihr Vater bereits lange tot
war.
• Ebenfalls in den April fällt der Besuch von drei ehemaliger
Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine, die zur Arbeit auf dem Flugplatz
Moorkaten eingesetzt worden waren. Es wird für sie einen Empfang im Rathaus
Kaltenkirchen geben.
• Am 4. Mai findet unsere jährliche Mitgliederversammlung in Springhirsch
statt.
Ich hoffe, Sie auf einer unserer Veranstaltungen begrüßen zu können.
Im Namen aller Vorstandsmitglieder wünsche ich Ihnen
alles Gute, Erfolg und Zuversicht für das neue Jahr 2008!
Uta Körby