29.04.2010
Am Sonnabend, dem 8. Mai um 16.00 Uhr auf der
Gedenkstätte in Springhirsch an der B4, findet die Jahreshauptversammlung des
Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen statt. Altbischof Karl Ludwig
Kohlwage, Lübeck, wird ein Grußwort sprechen. Die Vorsitzende, Uta Körby, wird
einen Bericht über das Vereinsgeschehen 2009 abgeben.
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung, um 17.00 Uhr wird Dr. Detlef Garbe,
Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, einen Vortrag über die Zeit des
Kriegsendes halten:
"Häftlinge fortschaffen - Spuren verwischen - Werte sichern: Die
Auflösung des Neuengammer Lagersystems bei Kriegsende"
Zu diesem interessanten Vortrag sind nicht nur die Mitglieder, sondern
auch Gäste herzlich willkommen.
28.01.2010
„Wie nah ist uns Auschwitz? – Versuch einer Annäherung“ so
war der bemerkenswerte Vortrag überschrieben, den Dr. h. c. Gerhard Hoch am
27.01.10 im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen gehalten hat. Trotz Schnee- und
Verkehrschaos an diesem Abend waren viele Besucher gekommen, unter ihnen
viele junge Leute (Schüler). Der neben dem Bürgermeister Sünwoldt ebenfalls
ein Grußwort hat sprechen wollen, Altbischof Karl Ludwig Kohlwage aus
Lübeck, hatte absagen müssen, weil Schnee und Eis ihn am Kommen hinderten.
Die Vorsitzende des Trägervereins verlas sein angekündigtes Grußwort.
Als Hausherr freute sich Bürgermeister Stefan Sünwold, dass auch in diesem
Jahr der Holocaust-Gedenktag wieder im Rathaus der Stadt durch eine
Veranstaltung des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen begangen
werden konnte. Er schloss sein Grußwort so: Die Stadt Kaltenkirchen ist
nicht nur Mitglied des Trägervereins, sondern stellt sich verantwortungsvoll
der Geschichte. Dafür steht auch diese Veranstaltung hier im Ratssaal der
Stadt. – In Verneigung vor den Opfern der Shoah, in Respekt vor der Trauer
der heute noch lebenden Angehörigen und im Verantwortungsbewusstsein für das
… gesellschaftliche Miteinander aller künftigen Generationen in der Welt
wünsche ich der Veranstaltung einen guten Verlauf.“
Philipp Wentrup, Schüler des Gymnasiums Kaltenkirchen, gab mit seinem Cello
den angemessenen musikalischen Rahmen der Veranstaltung. Seine
Musikdarbietungen erhielten starken Beifall. Wir erfuhren, dass er das
Violoncellospielen zu seinem Lebensberuf machen will.
Im Mittelpunkt des Abends stand der
Vortrag von Dr. h. c. Gerhard Hoch
der versuchte, sich aus heutiger Sicht dem Geschehen vor mehr als 65 Jahren
zu nähern. Wer könnte das besser als Gerhard Hoch, Jahrgang ´23, der als
junger Mensch in die Zeit der Weimarer Republik hineingeboren wurde und am
eigenen Leibe erfahren hat, welche zerstörerische Kraft der Antisemitismus
entfaltet und welche Verführung die nationale Anmaßung eines Großdeutschen
Reiches fast alle erfasst hatte. Und schon in der Schule, in der Kirche und
im gesamten öffentlichen Leben hatte die perfide Ausgrenzung der jüdischen
Mitbürger ihren Anfang genommen, eine Ausgrenzung, die später zur
systematischen Ausrottungspolitik geführt hat.
Dr. Hoch fragte, woher die SS-Männer, die vielen Täter und Helfer gekommen
waren. Waren die allesamt kriminell veranlagte Sadisten gewesen? fragte er.
Nein, `ganz normale Männer`, aufgewachsen und sozialisiert in „unseren
Dörfern und Städten“, sagte Hoch. Er wehrte sich dagegen, immer nur von den
„Nazis“ als den Tätern zu sprechen. Die vielen Helfer aus dem
„antisemitistischen Bodensatz“ der von Deutschland unterworfenen Völker, die
deutsche Wehrmacht, der deutsche Beamtenapparat, die Eisenbahner und
Transporteure, die Behördenvertreter und Kirchenleute, alle, die das
gigantische Unternehmen der systematischen Judenvernichtung erst möglich
machten, waren das alles Nazis? fragte Gerhard Hoch. Die Wurzel des Übels
sei der Antisemitismus gewesen, den nicht Hitler und seine
Partei erfunden haben, sondern den sie vorgefunden hätten in der
Gesellschaft der Weimarer Republik, in bürgerlichen Parteien, in vielen
Gruppierungen, Verbänden und Vereinen.
Dr. Hoch stellte also fest, dass die Täter zumeist aus der normalen
Gesellschaft stammten und er fragte weiter, was diese dann zu Tätern hat
werden lassen. Er lieferte den Versuch einer Erklärung: „In der bewaffneten
Kohorte geht der zivile Rückhalt rasch zu Bruch – zu
beobachten auch heute in bestimmten Eliteeinheiten, der Marsch in die
Rücksichtslosigkeit wurde fast unausweichlich…“ „… die
Exekutoren, die vielen Führer von Einsatzgruppen und –kommandos wussten sich
im Einvernehmen mit Führer und Volk.“
Zum Schluss zitierte Hoch den israelischen Schriftsteller Avraham Burg, der
die Toten sprechen lässt: „Wir sind nur noch ein Haufen Asche. Haltet Euch
nicht zu lange bei uns auf. Nehmt uns aber auf in Euer Gedächtnis …. Tut
heute denen, die leben, nur leben wollen, das an, was man uns versagt hat.“
Es kann an dieser Stelle nicht im Einzelnen auf die Fülle der sehr
persönlich gefärbten, interessanten und informativen Ausführungen Hochs
eingegangen werden. Zuhörer, insbesondere Lehrer, fragten spontan danach, ob
sie den Text der Rede in schriftlicher Form bekommen und im Unterricht
verwenden dürften.
Dr. Gerhard Hoch übergab dem Cellisten Philipp Wentrup und der Schülerin
Sarah Stroese, die das Hinweisplakat der Veranstaltung gestaltet hatte, als
Dank je eine persönlich signierte Ausgabe seines neuesten Buches.
17.01.2010
Tag der Befreiung von Auschwitz - Mittwoch, 27.Januar 2010 um 19.00 Uhr im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen:
Vortrag von Dr. h.c. Gerhard Hoch:
Wie nah ist uns Auschwitz? - Versuch einer Annäherung.
Am Mittwoch, d. 27.01.10 referiert Dr. h.c. Gerhard Hoch aus Anlass des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz (27.01.1945) zum Thema "Wie nah ist uns Auschwitz - Versuch einer Annäherung". Dr. Gerhard Hoch ist der bekannte Autor verschiedener Bücher, die die nationalsozialistische Vergangenheit unserer Region zum Thema haben.
Sein neuestes Buch "Ernst Szymanowski-Biberstein - Die Spuren eines Kaltenkirchener Pastors" ist, von der ev. luth. Kirche gefördert, Ende Oktober 2009 im Wachholtz Verlag erschienen.
Altbischof Karl Ludwig Kohlwage, Lübeck, wird ein Grußwort sprechen. Uta Körby, die Vorsitzende des Trägervereins, wird den Abend moderieren. Der Vortrag mit anschließender Diskussion findet öffentlich statt und ist kostenlos.
13.01.2010
Die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch, an der B4 zwischen Bilsen und Lentföhrden gelegen, ist dank unseres Mitarbeiters, Thomas Saretzki, auch jetzt trotz Kälte und Schnee täglich -außer sonntags- von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.
Das Dokumentenhaus ist geheizt und lädt bei angenehmer Raumtemperatur Besucher zum Stöbern und Informieren ein. Schon allein wegen der empfindlichen Ausstellungstafeln muss der Ausstellungsraum trocken und warm sein. Der Rundweg im Außengelände kann auf eigene Gefahr von Besuchern benutzt werden. Der Mitarbeiter hat ihn soweit geräumt, dass er, ohne nasse Füße zu bekommen, begangen werden kann. Die an ihm aufgestellten Infotafeln informieren sehr eindringlich, aber knapp mit Text und Bild über bekannte Einzelschicksale des ehemaligen Lagers. Gerade jetzt im Winter lohnt sich der Besuch, um anschaulich zu erfahren, welchen schlimmen Bedingungen die KZ-Häftlinge im Winter 44/45 ausgesetzt waren.
12.01.2010
Unseren Jahresrundbrief finden Sie hier.
09.11.2009
Der
Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen möchte in einer öffentlichen
Veranstaltung die in diesem Jahr durch großzügige Spenden ermöglichten
Verbesserungen an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch der Öffentlichkeit
vorstellen.
Mit der Präsentation der Wegerneuerung/Außenanlage möchte er zugleich allen Spendern und Förderern seinen Dank aussprechen. Ohne deren Hilfe hätten die Verbesserungen nicht so zügig verwirklicht werden können.
Eingeladen sind nicht nur die Sponsoren, die Förderer, die Helfer vor Ort und die beteiligte Firma, sondern auch kommunale Vertreter und Vertreter von Einrichtungen und Organisationen, die dem Trägerverein freundschaftlich verbunden sind.
Insbesondere sind die Vertreter der regionalen Presse eingeladen. Bietet die Veranstaltung für die Presse doch die Gelegenheit, die KZ-Gedenkstätte in ihrer jetzigen Form, Ausstattung und Leistung zu dokumentieren. Natürlich sind ebenfalls alle interessierten Bürger willkommen.
Das obige Foto den neu gestalteten Rundweg im Gelände der Gedenkstätte. Er stellt eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem früheren Waldpfad dar. Der Rundweg ist für die Besucher auch außerhalb der Öffnungszeiten immer zugänglich. In seinem Verlauf sind an geeigneter Stelle Schilder aufgestellt worden, die in knapper Form über Personen des ehemaligen Lagers und über die Verhältnisse dort informieren. Diese Schilder sind in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein von Studenten der Uni Kiel gestaltet worden.
Den unten genannten Spendern und Förderern für die "Wegerneuerung/Außenanlage" gilt neben den vielen, die hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden können, unser besonderer Dank: -Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten Kiel
Der oben genannte Pressetermin (Präsentation) findet statt:
Freitag, d. 27. November 2009 um 14.00 Uhr
an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch a.d. B4
Der Trägerverein hofft, viele Pressevertreter begrüßen zu können!!
01.11.2009
Aus Anlass der Erinnerung an die Reichspogromnacht, die am 9. Nov. 1938 die später nachfolgende systematische Judenvernichtung ankündigte, zeigt der Trägerverein einen Tag vor dem Gedenktag, am
Sonntag, den 8. November 2009
um 14.00 Uhr
in der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch an der B4,
den 2003 gedrehten Dokumentarfilm "Die Rollbahn". Der Film dokumentiert die Begebenheiten von den ersten Recherchen über das KZ-Außenlager Walldorf bei Frankfurt a.M. bis zum Besuch von 18 Überlebenden des Lagers am 15. Okt. 2000. Dabei wird die Geschichte des KZ-Außenlagers Walldorf aufgerollt, in dem 1944 1700 ungarische Jüdinnen unter unmenschlichen Bedingungen eine betonierte Rollbahn am Frankfurter Flughafen ausbauen mussten. Wie auf dem Kaltenkirchener Militärflugplatz 1944/45 kam auch hier das erste düsenbetriebene Jagdflugzeug, die ME 262, zur Erprobung und zum Einsatz. Damit ist der Bezug zum KZ-Außenlager Kaltenkirchen evident. Der Trägerverein hofft auf viele Besucher. Der Eintritt ist frei.
10.10.2009
Am 9. Okt. 2009 besuchte Bernd Henschen aus Heide als 3500.ster Besucher dieses Jahres die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch. Er erhielt deshalb als Geschenk das 2008 erschienene Buch "Der lange Winter in Springhirsch -Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen" von Jürgen Gill. Bernd Henschen war durch das weithin sichtbare Hinweisschild an der Bundesstraße 4 auf die Gedenkstätte aufmerksam geworden und hatte seine Fahrt unterbrochen. Auf ähnlich ungeplante Weise fanden viele Verkehrsteilnehmer schon vor ihm den Weg zur Gedenkstätte. Sie sind erstaunt, welche Fülle an Informationen und welche interessanten Eindrücke, die nachdenklich machen, sie hier vorfinden. So jedenfalls äußerte sich auch Bernd Henschen, der erfreut das kleine Geschenk entgegennahm.
Im vorigen Jahr hatten genau 3218 Menschen die Gedenkstätte besucht. Deshalb hatten die Verantwortlichen für dieses Jahr mindestens 3500 Besucher erwartet. Dass schon jetzt diese Zahl erreicht worden ist, zeigt, dass die Arbeit auf der Gedenkstätte auf dem richtigen Weg ist. Die Gedenkstätte als Lernort und als Ort des Gedenkens, der Begegnung und der Würdigung der Opfer auszubauen, hat offensichtlich großen Zuspruch erfahren.
Unser Mitarbeiter, Thomas Saretzki, ist unter der Woche, auch an Samstagen, zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr anwesend und führt sachkundig die Besucher. Nach Anmeldung führen Vorstandsmitglieder auch größere Gruppen.
Besucher finden die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen an der Bundesstraße 4 zwischen Bilsen und Lentföhrden. Wie gesagt, das Hinweisschild an der Straße ist kaum zu übersehen.
10.05.2009
Am 10. Mai 2009 fand die Jahreshauptversammlung des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen im schönen Versammlungsraum der Gedenkstätte in Springhirsch statt. Uta Körby, die Vorsitzende, gab einen umfassenden Jahresbericht ab. Sie konnte auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück schauen. Die Gedenkstätte in Springhirsch hatte sich auch im vergangenen Jahr weiter entwickelt. Das Verhältnis zum Grundeigentümer, der Flughafengesellschaft Hamburg (FHG), ruht durch einen Gestattungsvertrag auf sicheren Füßen. Im Zuge einer guten Zusammenarbeit mit der VHS-Südholstein konnten mehrere Mitarbeiter (Ein-Euro-Job)an der Gedenkstätte für deren Pflege und Erhalt sorgen. Von denen stellte sich Herr Thomas Saretzki seit Juni 2008 als derart engagiert und geeignet heraus, dass für ihn inzwischen eine Festanstellung erfolgt ist. Ein Segen für die Einrichtung, die seitdem täglich für Besucher geöffnet sein kann! Auch die Zusammenarbeit mit der Uni Kiel, getragen von Prof. Dr. K.H. Pohl und gefördert von Dr. Detlef Garbe(Gedenkstätte Neuengamme), bewirkte inzwischen eine enorme Aufwertung und Verbesserung der Ausstellung und der pädagogischen Arbeit an der Gedenkstätte. Wir berichteten! In das Jahr 2008 fiel außerdem die Veröffentlichung einer Überarbeitung eine Werkes von Gerhard Hoch: "Hauptort der Verbannung", die unter dem neuen Titel "Der lange Winter in Springhirsch - Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen" im Wachholz-Verlag erschienen ist. Jürgen Gill, der Autor, stellte das Buch in Anschluss an die Versammlung den Mitgliedern vor.
Anerkennende Grußworte sprach die Landrätin des Kreises Segeberg, Jutta Hartwieg. Auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen, Eberhard Bohn, fand lobende Worte für die geleistete Arbeit des gesamten Vorstandes.
Schließlich musste der Vorstand nach der Satzung im Zweijahresrhythmus komplett neu gewählt werden. Zwei verdiente Beisitzer stellten sich aus privaten und beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl, Inga-Martina Toft und Manfred Freund. Dafür kamen Jan Drümmer und Ulrich Siefert als neue Beisitzer in den Vorstand. Die anderen bisherigen Mitglieder wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Das Foto zeigt alle Vorstandsmitglieder.

Von links nach rechts: Dr. Gerhard Hoch (Ehrenvorsitzender), Uwe Czerwonka (Beisitzer), Ingrid Schulz-Pankratz (Schriftführerin), Jürgen Gill (Stellvertretender Vorsitzender), Uta Körby (Vorsitzende), Jürgen Fock (Beisitzer), Karl Stanek (Beisitzer), Ulrich Siefert (Beisitzer, neu im Vorstand), Piet Verschragen (Kassenwart), Jan Drümmer (Beisitzer, neu im Vorstand) und Jörn Wommelsdorf (Webmaster)
Uta Körby zeigte sich am Ende hocherfreut über den gelungenen Verlauf der Jahreshauptversammlung und deren Ergebnisse. Sie dankte allen Vorstandsmitgliedern für die geleistete Arbeit und drückte ihre Freude auf die zukünftige Zusammenarbeit im neuen Vorstand aus.
10.05.2009
Auf
der Mitgliederversammlung des Trägervereins am 10.05.2009 hat der Kassenwart,
Piet Verschagen, den Mitgliedern in einer launigen Darstellung das Projekt "Ham´se
mal ´ne Mark" vorgestellt. Es geht darum, alte D-Mark-Bestände einzusammeln und
wenn genügend zusammengekommen ist, die Summe zur Bundesbank-Filiale zu bringen
und gegen Euro einzutauschen, sozusagen eine Spende an den Trägerverein "durch
die Hintertür". Bis zum Ende des Jahres werden an der Gedenkstätte D-Mark in
Münzen oder Scheinen entgegengenommen. Uta Körby, die erste Vorsitzende des
Trägervereins, schon vorab informiert, konnte prompt eine nicht unerhebliche
D-Mark-Summe in den Hut des Kassenwartes werfen.
Weitere Details entnehmen Sie bitte dem Flugblatt.
09.05.2009
Das Historische Seminar unter Leitung von Prof. Dr. K. H. Pohl führte am symbolträchtigen Tag, dem 8. Mai 2009, in der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch einem Kreis aus Schülern/innen, Lehrern und einer interessierten Öffentlichkeit vor, was Studenten/innen während zweier Semestern erarbeitet haben. In enger Zusammenarbeit mit dem Trägerverein hatten die Studenten Vorschläge zur Erweiterung der Ausstellung entwickelt und vieles davon schon an der Gedenkstätte verwirklicht. Viele der beteiligten Studenten/innen waren so sehr vom Thema gepackt worden, dass sie über das Normalmaß hinaus weiter gearbeitet haben. Der Versammlungsraum der KZ-Gedenkstätte in Kaltenkirchen konnte kaum die vielen Interessierten fassen, denn fast 90 überwiegend junge Leute drängelten sich im Raum. Was ihnen geboten wurde, fand ihre allgemeine Zustimmung.
Vier Sprecher dreier Arbeitsgruppen stellten die Ergebnisse dar:
Der Sprecher der Gruppe Außengestaltung, Markus Kretschmer, führte zunächst die Teilnehmer durch das Außengelände der Gedenkstätte und erläuterte die dort an geeigneter Stelle aufgestellten Infoschilder. Insgesamt waren von der Gruppe 7 Schilder entworfen worden, inhaltlich knapp, dennoch informativ, immer eine Personendarstellung im Zentrum, die an fünf Standorten am Rundweg nun ihren Platz fanden. Die Schilder konnten pünktlich zum 8. Mai 2009 im Gelände aufgestellt werden. Sie führen zukünftig Besucher, die sich ohne Führung auf den Rundweg begeben, in wesentliche Geschehnisse des damaligen Lagers ein.
Der Sprecher der Gruppe „Medien“, Matthias Kriest, erläuterte anschließend die Bedienung eines „Medienterminals“ im Versammlungsraum für Besucher. Dieser ist jeweils in ein visuelles und in ein akustisches Gebiet unterteilt. Dem visuellen Teil liegt der hervorragend gestaltete Film „Vergessene Lager“ von Kellinghusener Realschülern unter der Leitung von Walther Vietzen zugrunde. Besucher können nun aus diesem Film einzelne Sequenzen von 2-5 Minuten Länge je nach Wunsch aufrufen und sich vorführen. Die Inhaltsübersicht ist deutlich und bedienungsleicht.
Solveig Grebe, Sprecherin des akustischen Teils des Medienterminals, stellte ihre drei fiktiven Tagesabläufe des ehemaligen Außenlagers vor. Sie hatte aus der Sicht des ehemaligen Lagerleiters, Otto Freier, aus der Sicht eines Häftlings Dr. Henri Stroweis und aus der Sicht des Lagerältesten Johannes Wehres Tagesabläufe dargestellt, freilich fiktiv, um den Lageralltag im KZ plastisch vor Augen zu führen. Dabei hat sie historisch belegte Informationen über die jeweilige Person eingearbeitet. Es ist der Autorin in der Tat gelungen, sehr nah und trotzdem distanziert auch Zwischentöne jenseits der Opfer-Täter Kontrastierung zum Klingen zu bringen. Ein Wagnis, das besonders junge Zuhörer überzeugte. Die von einem kompetenten Sprecher gesprochenen Texte können jeweils in gewünschten Sequenzen von Besuchern aufgerufen und angehört werden.
Die Vorsitzende des Trägervereins Uta Körby zeigte sich am Schluss hocherfreut über den sehr guten Besuch der Veranstaltung und dankte den engagierten Studenten für ihre so wertvollen Beiträge. „Schon jetzt hat die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch mit diesen Beiträgen eine enorme Verbesserung der Darstellung ihrer Inhalte und damit eine Aufwertung ihrer Arbeit erfahren. Und ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit mit den Studenten und Studentinnen des Historischen Seminars der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel“.
Auch Prof. Dr. K. H. Pohl bedankte sich bei seinen Studenten für deren geleistete Arbeit.
Übrigens: Unter den interessierten Zuhörern sah man u. a. auch den Leiter der Gedenkstätte Neuengamme, Dr. Detlev Garbe, der selber Fotos schoss und sich Notizen machte. Auch er war von den Leistungen der Studenten/innen sehr angetan.20.04.2009
Der Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen veranstaltet einen
Workshop mit Studierenden des Hauptseminars „Didaktik der Geschichte“ der
Christian-Albrechts-Universität Kiel unter Leitung von Prof. Pohl. In zwei
Semestern haben sich die Studenten und Studentinnen mit der Geschichte des
Lagers auseinandergesetzt und zu verschiedenen Bereichen Vorschläge zu einer
Erweiterung unserer Ausstellung erarbeitet. Insbesondere geht es darum, mit
neuen medialen Formen den heutigen Anforderungen der Museumspädagogik zu
entsprechen
Diese Arbeitsergebnisse sollen am symbolträchtigen Datum, dem 8. Mai, einem ausgewählten Teilnehmerkreis von Lehrern und Schülern vorgestellt werden.
Es geht dabei um die Außengestaltung des Geländes (Schilder), den
interaktiven Umgang mit dem Medium Film, fiktive Tagesabläufe als Methode der
Annäherung und um die Problematik der Nachkriegsgeschichte an Hand ausgewählter
Kurzbiographien.
Details entnehmen Sie bitte der Einladung.
24.03.2009
Martin Bergau las aus seinem Buch "Todesmarsch zur Bernsteinküste - Das Massaker an Juden im ostpreußischen Palmnicken im Januar 1945". Martin Bergau hat selbst als 16-Jähriger die Geschehnisse in Palmnicken miterlebt. Stefan Sünwoldt, Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen, hatte den Kontakt zwischen dem Trägerverein und dem Autor vermittelt. Denn die Mutter des Bürgermeisters hatte als 8-jähriges Kind damals in Ostpreußen das grausige Verbrechen an den über dreitausend jüdischen Frauen beobachten müssen.
Martin Bergau (80) erzählte sehr authentisch aus seinen Erinnerungen, las Passagen aus seinem Buch und trug zum Beleg der damaligen Ereignisse Zeugenaussagen vor. Was war am 27. Januar in Palmnicken geschehen? Mehr als dreitausend jüdische Frauen befanden sich auf einem der vielen Todesmärsche, die die SS vor der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durchführte. Wer nicht mehr mitlaufen konnte, wurde erschossen. Furchtbare Tragödien spielten sich in Palmnicken ab, als Tausende jüdischer Frauen schließlich in die eiskalte Ostsee getrieben wurden. Es überlebte nur eine zufällige Handvoll.
Martin Bergau hält es für einen Skandal, dass die Vertriebenenverbände nach dem Kriege immer allein die Verbrechen der Roten Armee angeprangert haben, und dabei aus den Augen verloren, wer überhaupt als eigentlicher Verursacher für das ganze Elend der Vertreibung verantwortlich zu machen ist. Zudem, fast zeitgleich mit der Vertreibung der ostpreußischen Bevölkerung funktionierte auch in Ostpreußen immer noch die Vernichtungsmaschinerie des Naziregimes. Letzteres geriet den Vertriebenenverbänden völlig aus dem Blickfeld. Daran mochten sie sich nicht erinnern. Martin Bergau ist es schließlich zu verdanken, dass an die in Ostpreußen ermordeten jüdischen Frauen, die so lange vergessen worden waren, erinnert und ihrer gedacht wird.
Der Vertreter der Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg, Stephan Weckwerth und der Bürgermeister Stefan Sünwoldt sprachen bewegende Grußworte zu der Veranstaltung im Ratsaal. Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, moderierte die Lesung in gewohnt souveräner Weise.
18.03.2009
Wir laden ein zur Lesung mit Martin Bergau am 22. März um 16.00 Uhr im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen: "Todesmarsch zur Bernsteinküste - Das Massaker an Juden von 1945 im ostpreußischen Palmnicken"
Weitere Hinweise entnehmen Sie bitte dem Plakat.
28.01.2009
Das Vernichtungslager von Auschwitz wurde am 27.01.45 von der Roten Armee befreit. Alljährlich finden deshalb um diese Zeit an vielen Orten Veranstaltungen des Gedenkens statt.
Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen hatte die
Öffentlichkeit schon zwei Tage vorher am 25.01. zu einer Vortragsveranstaltung
in den Ratsaal der Stadt Kaltenkirchen eingeladen. Etwa 60 Personen waren der
Einladung gefolgt. Vortragender war Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl, Professor der
Geschichte und ihrer Didaktik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Das
brisante Thema seines Referats: „Die Universität Kiel und der
Nationalsozialismus – Überlegungen zur Vergangenheitsbewältigung in
Schleswig-Holstein“.
Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, begrüßte die Anwesenden und führte durch die Veranstaltung. Zunächst sprach der Bürgermeister Stefan Sünwoldt als Hausherr ein ausführliches Grußwort, in dem er u. a. auf die Bedeutung des Gedenktages am 27. Januar einging. Zudem wies er auf die Arbeit der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen hin, lobte die dort ehrenamtlich Tätigen und sicherte ihnen die volle Unterstützung der Stadt Kaltenkirchen zu.
Dann richtete das Vorstandmitglied der jüdischen Gemeinde Bad Segeberg, Stephan Aaron Weckwerth, seinen Dank an den Veranstalter. Er freue sich hierher eingeladen worden zu sein und ein Grußwort sprechen zu dürfen. Er sprach ausdrücklich im Namen der gesamten jüdischen Gemeinde Bad Segeberg, deren Mitglieder, wie Stephan Weckwerth betonte, zu 25% aus Kaltenkirchen kämen. Zwar sei ja erst der 27. Januar der eigentliche Gedenktag, nicht schon der 25. Januar, aber so habe er hier in Kaltenkirchen teilnehmen können. Er betonte am Schluss seines Grußwortes ausdrücklich, dass sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Bad Segeberg wohl und sicher fühlten.
Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl sprach zu Beginn seines
Referats die hervorragend funktionierende Zusammenarbeit heute zwischen der Uni
Kiel und dem Trägerverein KZ-Gedenkstätte an, die seit einem Jahr existiere.
Studenten seines historischen Seminars würden in diesem und im nächsten Semester
weiterhin in engem Kontakt zum Trägerverein zu beiderseitigem Nutzen aktiv sein.
Der Vortrag von Prof. Pohl kann hier nur ganz kurz in seinen wichtigsten Gedanken zusammengefasst werden. Zunächst stellte er fest, dass Schleswig-Holstein schon vor 1933 ein braunes Musterland gewesen war, in dem der Nationalsozialismus auf einen äußerst fruchtbaren Boden gefallen war. Eine große Mehrheit der Bevölkerung sehnte ihn herbei, versprach sich ihr Heil von ihm und wusste ganz genau, worauf sie sich einließ. So auch die Mehrheit der geistigen Elite des Landes. Hochschullehrer aus allen Disziplinen, Lehrer, Mediziner, Juristen, Historiker oder auch Theologen sahen im Nationalsozialismus ihren Antisemitismus befriedigt und erhofften sich von undemokratischen Verhältnissen persönliche Erfolge und Vorteile. Aus der Uni Kiel entfernte man „rassefremde Elemente“, verjagte ein Viertel aller Dozenten, betrieb die nazifizierende Erziehung der Jugend gründlich, verbrannte Bücher und vertrieb die wenigen Hochschullehrer aus ihren Ämtern, die die Demokratie verteidigten.
Nach dem Zusammenbruch konnte ein demokratischer Neuanfang mit anderen und neuen Kräften überhaupt nicht stattfinden. Eifrig war man bemüht, sich gegenseitig Persilscheine auszustellen. Ein flotter Handel mit Leumundscheinen begann und in kurzer Zeit hatten es die Seilschaften ehemaliger Nationalsozialisten geschafft, wieder in ihre Ämter und Funktionen zurückzukehren. Der alte Geist herrschte zwar nicht offiziell mehr, aber war überall spürbar. Sichtbar wurde das in vielen Entscheidungen. Kaum ein Täter war wirklich zur Verantwortung gezogen worden. Auf der Täterseite wurden großzügig Witwen- und Kriegsrenten gezahlt, während auf der Opferseite Betroffene entweder nie oder ganz spät (zu spät) entschädigt wurden. In wichtigen Positionen musste man 1950 in Ministerien und an der Hochschule in Schleswig-Holstein solche Personen mit der Lupe suchen, die keine NS-Vergangenheit hatten. Überall im Lande schien es Konsens zu sein, „endlich einen Schlussstrich zu ziehen“. 1954 konnte ein Mann, ein Mediziner, Leiter einer Kinderklinik sein, dessen Gutachten während der Nazizeit für viele behinderte Kinder das Aus bedeutete.
Prof. Dr. Pohl stellte in seinem Referat fest, dass sich erst in den neunziger Jahren ein Wandel in Richtung auf eine gründliche Aufarbeitung der Geschichte vollzog. Und erst in den letzten zehn Jahren habe sich Entscheidendes getan. Z. B. werde dieser Wandels im Umgang mit der eigenen Vergangenheit in den Ringvorlesungen sichtbar, die die Geschichte der Universitäten im „Dritten Reich“ zum Thema haben. Und nun stellte der Referent einige Fragen an die Zuhörer, die zum Nachdenken anregten:
Mit diesen Fragen ging es in die anschließende lebhafte Diskussion.
Uta Körby schloss die Veranstaltung und wies die zahlreichen Zuhörer darauf hin, dass der Trägerverein derzeit im Rahmen des Projektes: „Tägliche Öffnung der Gedenkstätte 2009“ um Spenden wirbt. Die Arbeit der Gedenkstätte in Richtung auf Aufklärung, Mahnung und Erinnerung kann nur gelingen, wenn sie in der Region wahrgenommen wird. Dazu ist die tägliche Öffnung der Gedenkstätte eine Voraussetzung. Dies können allein ehrenamtlich Tätige nicht bewältigen. Deshalb will der Trägerverein als Arbeitgeber in einem zunächst zeitlich begrenzten Projekt eine geeignete Person einstellen.
In
den letzten Jahren haben sich die registrierten Besucherzahlen an der
KZ-Gedenkstätte stetig erhöht. Im Jahr 2007 wurden knapp über 3.000 Besucher
gezählt, im vergangenen Jahr genau 3.218. Thomas Saretzki, der seit dem 1. Juli
2008 seinen Dienst an der Gedenkstätte tat und, wenn alles gut geht, dies
während des ganzen Jahres 2009 fortsetzen wird, peilt für das laufende Jahr
mindestens eine Zahl von 3.500 Besuchern an. Dass dies erreicht werden kann,
dafür stehen die Zeichen gut.
05.11.2008
Der
Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch bietet Besuchern am
Nachmittag des Volkstrauertages (Sonntag, 16. November) wie in den Vorjahren
eine Gedenkwanderung von Springhirsch nach Moorkaten an. Ausgangspunkt ist die
KZ-Gedenkstätte in Springhirsch, wo sich die Teilnehmer um 14.00 Uhr treffen.
Hier schon sollen die bekannten Namen der im Kaltenkirchener Lager Verstorbenen
verlesen werden. Danach geht die Wanderung (ca. 50 min.) auf einem von der
Bundeswehr genehmigten und vorgezeichneten Weg durch das waldreiche Gebiet des
Truppenübungsplatzes zur Gräberstätte Moorkaten. Auf dem Weg wird die ehemalige
Start- und Landebahn überquert, an der die KZ-Häftlinge 1944/45 unter
unmenschlichen Bedingungen gearbeitet haben. Auf modernen Luftaufnahmen zeichnet
sich noch heute die 1949 gesprengte Landebahn in der Vegetation ab.
Die genaue Lage der einzelnen Gräber der Toten des KZ-Außenlagers wird an der
Gräberstätte Moorkaten den Teilnehmern kurz erläutert. Hier soll mit dem
Abstellen von Windlichtern der vielen Opfer des KZ-Außenlagers und des
„Sterbelagers“ sowjetischer Kriegsgefangenen gedacht werden.
Danach
geht es 300 m weiter hinüber zur Hinrichtungsstätte Fred Göttner, der an dieser
Stelle 1941 von einem Erschießungskommando der Wehrmacht hingerichtet wurde. Dr.
Gerhard Hoch wird hier die näheren Umstände dieser Geschichte darstellen.
Auf dem Rückweg dürfte wie in den Vorjahren Gelegenheit zu interessanten
Gesprächen mit Vorstandsmitgliedern sein, um einzelne Sachverhalte zu vertiefen.
Ungefähr gegen 17.00 Uhr wird voraussichtlich die Gedenkwanderung zu ihrem
Ausgangspunkt in Springhirsch zurückgekehrt sein.
Wir laden alle Bürger sehr herzlich zu dieser Gedenk- und Geschichtswanderung
durch die herbstliche Wald- und Heidelandschaft westlich von Kaltenkirchen ein.
29.10.2008
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und an den Folgetagen stürmten im
ganzen Deutschen Reich angeblich in einer spontanen Aktion meist junge Männer
mit Brecheisen und Äxten Geschäfte, Praxen und Wohnungen von Juden, drangen in
jüdische Einrichtungen wie Friedhöfe und Synagogen ein, zerschlugen wie in einem
sich gegenseitig ansteckenden Zerstörungsrausch alle Gegenstände, deren sie
habhaft werden konnten, zerschlugen Schaufensterscheiben, warfen
Geschäftsauslagen auf die Straße, hievten sperrige Gegenstände, z.B. Klaviere
oder Schränke, mit Gejohle durch Fenster und zündeten jüdische Einrichtungen,
besonders Synagogen an. Die Polizei schritt gegen die Zerstörer nicht ein und
hatte offenbar die Anweisung, lediglich Plünderungen zu verhindern, obwohl auch
diese vorkamen. Die Feuerwehren löschten die angelegten Brände nicht, sondern
sorgten nur dafür, dass das Feuer der brennenden Synagogen nicht auf
Nachbargebäude übergriff. Jüdische Mitbürger wurden geschlagen, manchmal
erschlagen, gedemütigt und besonders jüngere Männer, etwa 30 000 im Reich in
„Schutzhaft“ genommen, d. h. in die KZs Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen
verschleppt. Der Gipfel des Zynismus: Der Staat stellte den jüdischen Mitbürgern
die zerstörten Werte auch noch in Rechnung. Der Unrechtsstaat hatte seine
hässliche Fratze gezeigt. Jüdische Mitbürger waren aller ihrer Rechte und jeden
Schutzes beraubt. Die meisten deutschen Nachbarn hatten tatenlos zugesehen und
einige, die man kannte, hatten sogar mitgemacht. Juden mussten von nun an das
Schlimmste befürchten. Heute wissen wir, was folgte, die systematische
Vernichtung von 6 Millionen europäischen Juden.
Tag der offenen Tür am 9.11.2008:
Vor genau 70 Jahren geschah dies überall in Deutschland. Der Trägerverein will
am Sonntag, den 9.11.2008, an der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in
Springhirsch mit einem „Tag der Offenen Tür“ an das vergangene Unrecht
erinnern. Denn die Kenntnis der Vergangenheit ist eine der besten
Voraussetzungen für eine gelingende Zukunft. Vorstandsmitglieder des
Trägervereins werden am 9. November von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr je nach
Wunsch von Besuchern Fragen beantworten, Führungen im Gedenkstättengelände
anbieten und den Film „Vergessene Lager“ um 11.00 Uhr, 13.00 Uhr und 15.00
Uhr zeigen. Der Trägerverein freut sich auf viele Besucher, auf intensive
Gespräche und darauf, dass das umfangreiche Informationsangebot der Ausstellung,
der Aufsätze und der Bücher wahrgenommen und genutzt wird.
13.10.2008
Am letzten Oktobersonntag, d. 26.Okt.2008, geht in diesem Sommerhalbjahr die
Sonn- und Feiertagsöffnung des Ausstellungsraumes der KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen zu Ende. Erst Sonntag, d. 5. April 2009, beginnt sie wieder.
Die Besucherstatistik 2008 wird die des vergangenen Jahres, so zeichnet sich
jetzt schon ab, übertreffen. Damit setzt sich der stetige Anstieg der
Besucherzahlen der letzten Jahre kontinuierlich fort. Dieser Erfolg wurde u.a.
auch dadurch erreicht, dass die Gedenkstätte fast das ganze Jahr über auch an
Werktagen geöffnet sein konnte. In guter Zusammenarbeit mit der
VHS-Kaltenkirchen hatten wir zuverlässiges Aufsichtspersonal zur Verfügung.
Ab sofort verbessert sich sogar noch die Situation. Im Zuge eines Projektes der
VHS-Südholstein für junge Menschen konnte eine zweite Person als Aufsicht
gewonnen werden. Das ermöglicht nunmehr, die Samstage in die Öffnungszeiten -
auch während des Winterhalbjahres - einzubeziehen. Somit gelten ab sofort
folgende Öffnungszeiten für das Ausstellungshaus:
Montag bis Samstag von 10.00 bis 16.00 Uhr!
Selbstverständlich bleibt wie bisher außerhalb dieser Zeiten das Gelände der
Gedenkstätte für Besucher zugänglich.
Besucher treffen während der Öffnungszeiten auf ein vielfältiges
Informationsangebot: Aufsätze, Infotafeln und Bücher! Die kompetente Aufsicht
steht für Fragen zur Verfügung und zeigt auf Wunsch einen Videofilm! Der
Eintritt in das geheizte Ausstellungshaus ist frei!
09.09.2008
Am Freitag, den 19.09.2009 um 15.00 Uhr im Versammlungsraum der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch, findet eine Pressekonferenz statt, zu der der Trägerverein Sie herzlich einlädt.
Anlass ist die Vorstellung des Buches von Jürgen Gill
mit dem
Titel "Der lange Winter in Springhirsch - Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen".
Es handelt sich um eine neue Bearbeitung des Stoffes, für den Dr. Gerhard Hoch
vor mehr als dreißig Jahren schon gründlich recherchiert und die Ergebnisse in
seinem Buch: "Hauptort der Verbannung. Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen"
veröffentlicht hatte. Die Neubearbeitung war jetzt notwendig geworden, weil
inzwischen viele neue Erkenntnisse und weitere Dokumente hinzugekommen sind,
sich eine lebendige Gedenkstätte am authentischen Ort entwickelt hat, sich eine aufgeschlossenere Wahrnehmung der Thematik in der Öffentlichkeit eingestellt hat
und nicht zuletzt, weil das Buch von Dr. Gerhard Hoch seit langem vergriffen
ist.
Zudem möchte der Trägerverein anschließend die Presse auf die Zusammenarbeit mit
Studenten der Uni Kiel hinweisen, die inzwischen Vorschläge für eine erweiterte
Präsentation der Ausstellung u.a. mit modernen Medien vorgelegt haben. Ein
Arbeitskreis des Trägervereins wird sich anschließend am selben Nachmittag mit
diesen Vorschlägen weiter beschäftigen.
Bitte beachten Sie die
ergänzenden Texte, die Sie im Vorwege schon über das neue
Buch informieren wollen, das in diesen Tagen im Wachholtz-Verlage erscheint. Ein
Vertreter des Wachholtz-Verlages aus Neumünster hat seine Teilnahme an der
Pressekonferenz in Springhirsch zugesagt.
Nachtrag vom 11.09.2008
Zudem möchte ich darauf aufmerksam machen, dass der Trägerverein durch die
großzügige "Projektförderung" der "Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische
Gedenkstätten" in der Lage war, dem Verlag die Abnahme einer bestimmten Anzahl
von Exemplaren und die Finanzierung dieses Kontingents zu garantieren. Dadurch
konnte der Endpreis im Buchhandel auf 9,90 € festgelegt und damit unter die
Grenze von € 10 gedrückt werden. Das ermöglicht eine weite Verbreitung des
Buches, das nunmehr für Auszubildende, Studenten und Schüler erschwinglich ist.
Wir danken der Bürgerstiftung sehr herzlich für diese Unterstützung.
Jürgen Gill, Pressesprecher des Trägervereins
23.04.2008
Der Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. organisierte im Auftrag des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg auch in diesem Jahr das Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Die Hamburger Bürgerschaft hatte 2000 beschlossen, ein Besuchsprogramm einzurichten und zu finanzieren. In der Begründung hieß es: „dass den Millionen Menschen, die während des zweiten Weltkrieges in Deutschland (…) Zwangsarbeit haben leisten müssen, schweres Unrecht zugefügt worden ist.“ Allein in Hamburg waren schätzungsweise 500 000 ZwangsarbeiterInnen eingesetzt.
Der erste Kontakt in die Ukraine war von Frau Hertz-Eichenrode vom Freundeskreis genau vor einem Jahr eingefädelt worden.

Nun fand am 22.04.08 der Besuch zweier ehemaliger Zwangsarbeiterinnen aus der
Ukraine, Iosifowna Tkatschenko und Galina Ananjewna Wolkowa,
Sewastopol (Krim), in Kaltenkirchen statt, weil diese beiden Personen fast
ein Jahr lang, vom Sommer 1944 bis zum Tag der Befreiung im Mai 1945 in einem
Zwangsarbeiterinnen-Lager in Moorkaten untergebracht und zuerst an der Start-
und Landebahn des Militärflugplatzes gearbeitet und dann Dienst in der
Versorgungsküche und in der Wäscherei für deutsche Offiziere getan haben.
Trotz kurzer Suche in Moorkaten konnten die beiden den genauen Ort, wo ihr
Barackenlager gewesen war, nicht mehr wieder finden. In Bezug auf die Start- und
Landebahn, ihrer anfänglichen Arbeitsstätte, meinten sie etwa 2 bis drei
Kilometer bis dorthin zu Fuß gelaufen zu sein. Das spricht dafür, dass ihr
Lagerkomplex südlich der Betonstraße gelegen haben muss.
Dr. Gerhard Hoch zeigte ihnen einen Plan, auf dem viele Baracken dargestellt
waren. Sie bestätigten sofort lebhaft die Zeichnung und dass in den anderen
Baracken ZwangsarbeiterInnen aus Frankreich, Italien, Polen und anderen Ländern
untergebracht gewesen seien.
Zuvor waren die beiden Frauen, die von Hamburger StudentenInnen und von zwei
sprachkundigen Frauen, Tatjana Wagner und Lena Lange, begleitet worden waren,
zum Empfang im Kaltenkirchener Rathaus, wo sie der stellvertretende
Bürgermeister, Karl-Heinz Richter, begrüßte und mit einem kleinen Imbiss
bewirtete. Schon hier begann eine lebhafte Aussprache, deren interessante
Ergebnisse hier nur kurz zusammengefasst werden können:
a.
Das Wort „russische Schweine“ konnten beide sehr klar auf Deutsch
aussprechen und erzählten, dass sie 1944 hübsche junge Mädchen gewesen waren.
Das zunächst freundliche Gesicht eines Deutschen verfinsterte sich allerdings
sofort, wenn sie von jemandem angesprochen in ihrer Muttersprache antworteten.
b.
Sie haben sich hier in Deutschland damals nicht als gleichwertige Menschen
geachtet gefühlt. Von den Engländern Anfang Mai befreit und zurückgekehrt nach
Hause, traf sie erneut Misstrauen und Verachtung und waren behördlichen
Schikanen ausgesetzt.
c.
Umso glücklicher genössen sie es jetzt, hier in Deutschland, das sie zum ersten
Mal seit 1945 beträten, als Menschen geachtet, anerkannt und wahrgenommen zu
werden. Sie wünschten beide, jünger zu sein und solche Zuwendung in ihrem Leben
schon früher erfahren zu haben. Aber sie seien jetzt so sehr dankbar dafür,
diese Anerkennung zu erfahren.
d.
Bei der Betrachtung eines mitgebrachten alten Fotos, das 1945 aufgenommen eine
Gruppe junger Mädchen und Männer zeigt, alle nach Deutschland zur Arbeit
verschleppte junge ZwangsarbeiterInnen aus der Ukraine, stellte sich heraus,
dass der selbst noch Jahrzehnte nach dem Krieg in Kaltenkirchen tätige Fotograf
Hewicker der Urheber dieses Fotos ist, bezeugt durch einen entsprechenden Stempel
auf der Rückseite.

In der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, zunächst im Außengelände und dann im neuen
großen Versammlungsraum, äußerten sich beide Damen aus der Ukraine auch zu den
KZ-Häftlingen im Außenkommando, die sie oft gesehen, deren furchtbaren Zustand
sie beobachtet haben. Aber zu denen Kontakt aufzunehmen sei für sie verboten
gewesen. Nur durch Zurufe haben sie dort auch Landsleute erkannt, wenn diese
antworteten. Eine der beiden arbeitete in der Küche. Kartoffelschalen und andere
Küchenabfälle konnten manchmal den hungernden Häftlingen zugesteckt werden. Mit
Hilfe des einen oder anderen Wachsoldaten – von den anderen vielen, die sich als
Schinder hervortaten und vor denen man sich in Acht nehmen musste, wollten die
beiden nicht sprechen – konnte ein Versteck (Müllplatz) vereinbart werden, wo
sie Kartoffelschalen, Brotreste usw. für die Häftlinge ablegten.
Auf die Frage, wann, wo und unter welchen Umständen sie nach Deutschland
verschleppt worden waren, erzählten beide übereinstimmend, dass sie im Mai 1944
kurz vor der Zurückeroberung durch die Rote Armee in der Umgebung von Sewastopol
zusammengetrieben, auf ein Schiff verladen und nach Hamburg gebracht worden
seien. Von hier seien sie etwa nach drei Monaten in das Barackenlager in
Moorkaten gebracht worden, weil sie beim Ausbau eines Flugplatzes gebraucht
wurden.
Beide Frauen drückten ihre unendliche Freude und Dankbarkeit darüber aus, nach
mehr als sechzig Jahren nach Deutschland eingeladen und hier so herzlich
empfangen worden zu sein, ein Glück, das unbeschreiblich sei. Hätte es doch nur
solche normalen Zustände gegeben, als sie noch jung waren!
22.04.2008

Beate Niemann, Jahrgang 1942, las in der KZ-Gedenkstätte aus ihrem Buch: „Mein
guter Vater – Mein Leben mit seiner Vergangenheit – Eine Täter-Biographie“.
Erstaunlich und erfreulich: Viele interessierte Zuhörer (33 Personen) fanden den
Weg nach Springhirsch und lauschten gespannt und erschüttert, was Frau Niemann
in mehr als acht Jahren schwieriger Recherche über ihren anfangs verehrten Vater
herausgefunden hat. Dabei waren nicht nur die Ergebnisse ihrer Spurensuche
interessant, sondern auch die Widerstände von Behörden, von staatlichen Stellen
und Personen sprachen Bände und belegten, wie wirksam und das öffentliche Klima
bestimmend die Seilschaften der Täter noch Jahrzehnte lang nach dem Kriege
waren. Sie hatte herausgefunden, dass ihr Vater, Bruno Sattler, neben anderen
Vergehen gegen die Menschlichkeit auch als Gestapochef in Belgrad 1942/43 über
8500 Menschenleben (überwiegend Frauen und Kinder) zu verantworten hat, die er
in Gaswagen hat töten lassen.
Frau Niemann: „Nach den Jahrzehnten des Verschweigens und der Lügen wollte ich
die Wahrheit wissen und die Lügen für mich und meine Familie nicht mehr
zulassen. Ich bin in den letzten Jahren oft an die Grenzen dessen, was ich
glaubte ertragen zu können, gekommen. Ich habe Überlebende der Mordaktionen
meines Vaters getroffen. Sie waren mir dankbar, dass ich als Tochter kam, die
Geschichte meines Vaters zu erfahren. Das machte und macht mir Mut, den Weg in
die Öffentlichkeit zu gehen.“ Das Ergebnis ihrer Spurensuche: „Mein
„unschuldiger“ Vater war Massenmörder im Dienst seiner Weltanschauung.“
Dr. Gerhard Hoch, einer der Zuhörer, dankte Frau Niemann für ihren Mut und ihre
Entschlossenheit, solche Last zu tragen im Dienste der Menschlichkeit und der
Aussöhnung mit den Opfern und ihren Nachkommen. Solche Katharsis sei die
Voraussetzung für Gesundung menschlicher Beziehungen. Verdrängung, Verleugnung
und Beschönigung mögen die Krankheit vorübergehend unter dem Deckel halten,
irgendwann bricht sie sich Bahn. Frau Niemann bestätigte das. Sie zitierte ihren
Sohn: „Ich bin dir so dankbar, dass du diese Aufklärungsarbeit auf dich genommen
hast, sonst müsste ich das tun.“
Frau Niemann erzählte, dass sie Kraft und Ermutigung, Motivation und
Bestätigung, die sie nun ja nicht mehr von ihren Eltern, mit denen sie gebrochen
hat, erfahren könne, nunmehr aber bekäme durch die dankbare Zustimmung und
Anerkennung von Familienangehörigen der Opfer ihres Vaters, zu denen sie
freundschaftlichen Kontakt hat. Sie werde getragen von der Dankbarkeit, von der
Freundschaft und Liebe derjenigen, denen sie durch ihre ehrliche Arbeit jene
Realität, Identität und Menschenwürde zurückgab, die ihnen damals von den Tätern
genommen worden waren. Ihre Familie beschränke sich nicht auf den engen Kreis
der Verwandten, sondern ihre Familie, die sie trage, habe sich erweitert auf den
großen Kreis aller Menschen in der ganzen Welt, für die Menschlichkeit ein
schützenswertes Gut ist
Dr. Gerhard Hoch erinnerte sich, wie er in seiner Heimat als „Nestbeschmutzer“
angefeindet wurde, weil er den Schleier des Vergessens weggezogen habe. Man
fürchtete von dieser Seite um das Ansehen Kaltenkirchens, dem er Schaden zufüge.
Aber das Gegenteil trat ein. Heute hat Kaltenkirchen Freunde in Frankreich,
Polen, den Niederlanden, der Ukraine und anderswo, weil hier mutig
Aufklärungsarbeit geleistet wurde. Wahre Freundschaft gedeihe nur auf dem Boden
der Wirklichkeit.
Wir sind der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiel sehr dankbar, die uns die Begegnung
mit Frau Beate Niemann, jener ungewöhnlichen Frau, organisatorisch und
finanziell möglich gemacht hat. Einen Tag nach ihrem Besuch in der Gedenkstätte
hatte Frau Niemann die Gelegenheit, zwei Unterrichtsstunden mit Schülern (10.
Klasse und Geschichtsneigungskurs) der Realschule Marschweg in Kaltenkirchen zu
verbringen. Diese Arbeit mit Schülern sei ihr sehr wichtig, weil Spuren jener
Verdrängung und Verfälschung der Geschichte in Deutschland bis heute auf die
junge Generation schleichend und unbewusst einwirke. Noch heute werde die
andauernde Geschichtsfälschung in der Sprache sichtbar. Ein Beispiel:
„Machtergreifung 1933“, es war eben keine Machtergreifung, sondern die
bürgerliche und wirtschaftliche Elite in Deutschland hat den braunen Horden die
staatlichen Schalthebel überlassen, weil sie sich Vorteile davon versprach. Oder
wenn von den „Naziverbrechern“ gesprochen werde, sei das eine unzulässige
Abwälzung der Verantwortung auf ein Abstraktum, hinter dem sich nach dem Krieg
die allermeisten bequem versteckt haben. Wir kennen hier in Kaltenkirchen ein
Beispiel: „Kriegsgräberstätte Moorkaten“ hieß es Jahrzehnte lang, dabei lagen
hier Zivilisten und Kriegsgefangene verscharrt, die ermordet worden waren oder
deren Tod man absichtsvoll herbeigeführt hatte. Man könne die Reihe
verschleiernder Sprachbeispiele beliebig fortsetzen.
Zum Schluss sei noch einmal Frau Niemann zitiert: „…Freunde, Verwandte, wollen
mich trösten: Ich sei ja nicht schuld an den Verbrechen, die er (der Vater)
begangen hat. Auf diesen Gedanken aber bin ich nie gekommen. Natürlich bin ich
nicht schuldig – aber ich hätte mich schuldig gemacht, wenn ich geschwiegen
hätte …“
(Beate Niemann: Mein guter Vater, 2. Aufl., Potsdam 2006, S.187).
19.04.2008
im Folgenden möchten wir Sie auf Veranstaltungen, Aktionen und Ereignisse
hinweisen, die in den nächsten Wochen in der KZ-Gedenkstätte geplant und zu
denen Fotoreporter und Berichterstatter herzlich eingeladen sind:
a) Am Sonnabend, den 19.04.08, den ganzen Tag: Arbeit der Schüler-,
Eltern- und Lehrergruppe an der Gedenkstätte, die das Vorstandsmitglied und der
Realschullehrer Jürgen Fock initiiert hat. Es geht um Pflege- Ausbau- und
Verschönerungsarbeiten an der Gedenkstätte. Die freiwillige Helfergruppe der
Realschule am Marschweg in Kaltenkirchen war letztes Jahr ins Leben gerufen
worden, sie hatte schon 2007 erfolgreich gearbeitet und tritt in diesem Jahr
erneut zum "Frühjahrsputz" an.
b) Am Sonntag, den 20.04.08 um 16.00 Uhr, liest, referiert und diskutiert
Frau Beate Niemann, Jahrgang 1942, zum Thema: "Mein guter Vater - Kinder,
Kriegskinder, Täterkinder - die Nachkriegszeit in Deutschland im Spiegel der
Familiengeschichten" (Wir kündigten das schon ausführlicher an) Im
Versammlungsraum der Gedenkstätte!
c) Dienstag, den 22.04.08 etwa ab 13.30 Uhr: voraussichtlich - noch nicht
ganz sicher- Kaffee und Kuchen im Versammlungshaus der Gedenkstätte für zwei
oder drei ehemalige Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine, die damals in Moorkaten
gewesen sind. Gespräch und Fragen, z.B.: Wo waren Sie untergebracht? Wo befand
sich genau die Unterkunftsbaracke für Zwangsarbeiterinnen? Erinnern Sie sich an
Leidensgenossinnen aus anderen Nationen? Woran erinnern Sie sich noch? usw.
d) Donnerstag, den 24.04.08 ab 14.30 Uhr: Beginn der Zusammenarbeit des
Trägervereins mit dem Historischen Seminar der Christian-Albrecht-Universität zu
Kiel! Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl kommt mit ca. 15 Studenten/innen. Im
Versammlungshaus der Gedenkstätte geht es zunächst darum, sich kennen zu lernen
und zu verabreden, wie das verabredete Projekt einer "modifizierten Ausstellung"
angegangen werden kann.
c) Sonntag, 04.05.08, 11.00 Uhr: Jahreshauptversammlung des Trägervereins
auf der Gedenkstätte in Springhirsch an der B4.
11.04.2008
Am Sonntag, 20. April 2008 um 16.00 Uhr in der Gedenkstätte in Springhirsch,
wird Frau Beate Niemann zu dem Thema: Mein guter Vater - Kinder, Kriegskinder,
Täterkinder- die Nachkriegszeit in Deutschland im Spiegel der
Familiengeschichten referieren und mit den Teilnehmern diskutieren.
Beate Niemann, Jahrgang 1942, gehört zu der Generation, deren viele Fragen an
die Vergangenheit der Eltern unbeantwortet blieben, weil die Eltern schwiegen
und mit ihrem Schweigen zunehmend einen fast unerträglichen Druck aufbauten, der
1968 endlich das Ventil in Form eines irrationalen Studenten-Aufstandes platzen
ließ. Viele Kinder der Kriegszeit mussten ohne Väter oder mit Stiefvätern in
einer für sie unerklärlich bedrückenden, oft lieblosen und als steril oder als
verlogen empfundenen Atmosphäre aufwachsen. Frau Niemann ist 1942 als Tochter
des Berliner Kriminalpolizisten und späteren Gestapo-Chefs von Belgrad, Bruno
Sattler, geboren. Sie hat sich später auf die Spurensuche nach dem Leben ihres
Vaters begeben, den sie anfangs, als sie nichts Näheres wusste, sehr verehrt und
dessen Nachkriegsschicksal in der DDR sie beklagt hatte. Aber während ihrer
Spurensuche musste sie dramatische Erkenntnisse gewinnen, die sie zunächst
erschütterten. Die sichere Gewissheit, dass ihr geliebter und verehrter Vater
ein Mörder, ein furchtbarer Täter während der Nazizeit gewesen war, musste sie
verarbeiten und lernen, als schmerzhafte Realität anzuerkennen. Ihre Einsichten
hat sie in dem Buch: "Mein guter Vater - Mein Leben mit seiner Vergangenheit.
Eine Täterbiographie" veröffentlicht.
Wir sind sehr gespannt auf ein Thema, das in Deutschland sehr viele Familien
betrifft. Die selbst verschuldete Tragödie, die ungeheure Katastrophe der
deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, wirkt bis heute in vielen Familien
fort und ist vermutlich eine der Ursachen für viele Erkrankungen und Störungen.
Welche Schäden richten Schweigen, Verdrängen und Schönfärberei an? Sind nicht
Aufklärung und vielleicht sogar schonungsloser Umgang mit der Realität
notwendig, damit Heilung, Liebe und Vertrauen in den Familien vorkommen und
wachsen können?
Wir laden alle Interessierten ein, mit der Referentin über diese und ähnliche
Fragen in der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen an der B4 in Springhirsch zu
diskutieren.
31.01.2008
Am
27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, fand im
Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen eine Gedenkveranstaltung statt. Auf Einladung
des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen e.V. hielt Prof. Dr. Uwe
Danker einen bemerkenswerten Vortrag über das Thema „Aus der NS-Geschichte
lernen?“ Er setzte sich darin mit dem Spannungsfeld der Geschichtsvermittlung
zwischen Erwartungen und Leistungen auseinander.
Prof. Dr. Uwe Danker ist Direktor am Institut für Zeit- und Regionalgeschichte
Schleswig, sowie am Institut für Geschichte und Didaktik der Universität
Flensburg. Seinen Vortrag verfolgten über 60 Zuhörer mit großem Interesse. Unter
ihnen sah man den Bürgermeister Hans-Jürgen Küttbach aus Bad Bramstedt, den
Bürgervorsteher Ulrich Siefert aus Kaltenkirchen, den Ehrenvorsitzenden des
Trägervereins Dr. Gerhard Hoch. Die Barmstedter Initiative „Stolpersteine“ und
die Gruppe „Himmelmoor“ aus Quickborn waren mit vielen Teilnehmern vertreten.
Besonders viele Pädagogen, Lehrer und Schulleiter, waren gekommen, um den ihnen
bekannten Didaktiker zu hören.
In Vertretung des Kaltenkirchener Bürgermeisters Stefan Sünwoldt, der wegen
einer Erkrankung kurzfristig absagen musste, sprach sein Stellvertreter
Karl-Heinz Richter das Grußwort der Stadt. Die Vorsitzende des Trägervereins,
Uta Körby, begrüßte als Moderatorin die Zuhörer, freute sich über die große Zahl
der Anwesenden und stellte den Referenten vor. Sie erwähnte, dass Prof. Dr. Uwe
Danker als früherer Vorsitzender der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische
Gedenkstätten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung derjenigen Gedenkstätten
im Lande genommen hatte, die speziell an NS-Geschichte und NS-Verbrechen
erinnern wollen.
Manch einem Zuhörer dürfte während des Vortrages erneut bewusst geworden sein,
dass die Vermittlung der NS-Geschichte in Schule, Fernsehen und Gedenkstätten,
so gut gemeint und intensiv sie derzeit auch betrieben wird, keine Garantie
dafür bietet, ihr gewünschtes Ziel zu erreichen, das Ziel nämlich, dass
nachfolgende Generationen aus der NS-Geschichte lernen und somit eine
Wiederholung des Unfassbaren unmöglich wird. Lehrer, Fernsehmacher und
Gedenkstättenbetreiber stießen, so führte Prof. Danker aus, auf Grenzen, die
ihnen bewusst sein sollten, um sich Enttäuschungen zu ersparen. Diese Grenzen zu
kennen, solle aber nicht entmutigen. Denn es lohne sich immer, über gute und
neue Wege der Vermittlung von NS- Geschichte nachzudenken.
Zu den Möglichkeiten der Schule führte der Referent aus: Das Wissen über
die NS-Geschichte mache nicht notwendigerweise immun gegen neonazistischer
Verführung, wie Prof. Danker an Beispielen belegte. Und andererseits hindere
geschichtliche Unkenntnis Menschen nicht daran, engagiert gegen Unrecht und
Unmenschlichkeit zu protestieren, wenn sie irgendwo auftreten. Also Wissen um
die NS-Geschichte biete keine Garantie für menschliches Handeln. Die Versuche,
bei Schülern emotionale Betroffenheit und menschliches Handeln auszulösen,
stießen oft an gesellschaftliche und soziale Grenzen. Was nicht heißen solle,
die Bemühungen darum aufzugeben.
Gedenkstätten hätten den Vorteil, an authentischen Orten den Schülern
vielfältige und emotional wirkende Anstöße geben zu können. Aber die eigentliche
Aufarbeitung und das vertiefende Nachdenken begännen erst nach dem Besuch.
Das Fernsehen stieße an Grenzen, die in seiner Quotenhörigkeit begründet
lägen, wie jüngste Beispiele zeigten. Sehr gutes und reichhaltiges
Quellenmaterial, historisch korrekt aufbereitet, würde in einer gefälligen Form
dargeboten, die es dem Zuschauer erlaube, selbst die schrecklichsten Szenen der
NS-Geschichte auf dem Sofa zu genießen. Das sei sehr bedenklich. Trotzdem käme
dem Fernsehen, das ein riesiges Publikum erreichen könne, auch in der
Vermittlung von NS-Geschichte eine wichtige Funktion zu. Diese Aufgabe müsse
jedoch verantwortungsvoller als bisher wahrgenommen werden.
Die anschließende lebhafte Diskussion bewies, dass Prof. Dr. Uwe Danker mit
seinem Vortrag den Nerv seiner Zuhörer getroffen hatte.
15.01.2008
Hier finden Sie den Jahresrückblick unserer Vorsitzenden, Frau Uta Körby:
Druckversion (PDF)
15.01.2008
Dem Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee am 27.01.45 werden
bundesweit viele Veranstaltungen gewidmet, so auch in Kaltenkirchen. Am So., d.
27.Januar 2008, um 16.00 Uhr im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen referiert der
Historiker für Zeit- und Regionalgeschichte, Prof. Dr. Uwe Danker, zum Thema:
"Aus der Geschichte lernen? NS-Geschichtsvermittlung zwischen Erwartungen und
Leistungen"
Prof. Dr. Uwe Danker ist Direktor am Institut für Zeit- und Regionalgeschichte
Schleswig, sowie am Institut für Geschichte und ihre Didaktik der Universität
Flensburg. Über seine Lehrtätigkeit an den Hochschulen hinaus hat er
entscheidenden Einfluss auf die inhaltliche und didaktische Ausrichtung der
Arbeit von Gedenkstätten in Schleswig-Holstein, deren "Professionalität" er
vehement fordert. Unter anderem auch als "Lernorte" der NS-Geschichte, die in
der Lage sind, alle modernen Möglichkeiten der medialen Kommunikation zu nutzen,
die wissenschaftlich begleitet werden und die landesweit untereinander vernetzt
sind, möchte er die Gedenkstätten in Schleswig-Holstein, die an die NS-Zeit
erinnern, ausgebaut wissen, NS-Geschichtsvermittlung am authentischen Ort, die
die Jugend motiviert. Sein interessanter Vortrag dürften nicht nur Leute vom
Fach und Kommunalpolitiker, sondern auch eine breite Öffentlichkeit
interessieren.
Im Bewusstsein ihrer Verantwortung dafür, dass jährlich wiederkehrend an die
Befreiung von Auschwitz erinnert wird, so wie es deutschlandweit viele Kommunen
tun, hat die Stadt Kaltenkirchen dem Veranstalter, dem Trägerverein
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, ihren Ratssaal im Rathaus für diesen Vortrag mit
anschließender Diskussion zur Verfügung gestellt. Um seine Verbundenheit mit dem
Anliegen zu unterstreichen, wird der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen,
Stefan Sünwoldt, ein Grußwort sprechen.
Die Vorsitzende des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen moderiert die
Veranstaltung, zu der alle Bürger herzlich eingeladen sind. Der Eintritt ist
frei.
14.12.2007
Im
Rahmen ihrer Weihnachtsfeier ehrten die Vorstandsmitglieder des Trägervereins
Roland Horstmann für seine Arbeit als Ein-Euro-Kraft an der KZ-Gedenkstätte in
Springhirsch. Seit Anfang Juni ist Herr Horstmann die gute Seele draußen in
Springhirsch. Von 9.00 bis 15.00 Uhr unter der Woche und manchmal auch
freiwillig darüber hinaus übt er eine wertvolle Hausmeistertätigkeit aus. Er ist
der Mann für alle handwerklichen Fälle, für die Pflege und Wartung der Anlage,
für landschaftsgestaltende Arbeiten, für die Betreuung der Besucher und für
Bürotätigkeiten, wie Ordnen von Akten, Arbeiten am Computer und Gestalten der
Ausstellungen, ein wahrhaft vielseitiger Mann. Inzwischen hat er seinen
Halbjahresvertrag bis März 2008 verlängern können.
Aus Dankbarkeit und Anerkennung für seine zuverlässige und qualifizierte Arbeit
hat der Trägerverein ihm ein wertvolles Präsent überreicht, das ihn sichtlich
erfreute. Der Vorstand sprach sein Bedauern darüber aus, dass Roland Horstmann
im März 2008 die Gedenkstätte verlassen wird, weil eine nochmalige Verlängerung
des Vertrages leider nicht möglich ist. Einen ähnlich zuverlässigen, fähigen und
umsichtigen Mitarbeiter werden wir wohl nicht mehr finden.
Jürgen Fock überreichte Herrn Horstmann (siehe Foto) das ansehnliche Geschenk
und drückte seinen herzlichen Dank im Nahmen des Vorstandes aus. Jürgen Fock als
Verantwortlicher für das technische Funktionieren der Gedenkstätte und Jürgen
Gill als Verantwortlicher für den täglichen Betrieb und Ablauf hielten engen
Kontakt zu Herrn Horstmann, so dass dieser sich in seiner Arbeit stets anerkannt
und beachtet fühlte. Noch nie zeigte sich die Gedenkstätte in einem derart
gepflegten Zustand. Besucher aus dem Inn- und Ausland anerkannten die dahinter
stehende liebevolle Bemühung.
20.11.2007
Der Gottesdienst am Volkstrauertag 2007 in der Michaeliskirche zu Kaltenkirchen
wurde diesmal auch mit der Beteiligung von Laien gestaltet. Somit erhielt neben
Frau Renate Amthor, die sich besonders für die guten Beziehungen zur polnischen
Patenstadt Kalis Pomorski eingesetzt hat, auch die Vorsitzende des
Trägervereins, Frau Uta Körby, die Gelegenheit, in der Kirche an die KZ-Opfer im
Außenkommando Kaltenkirchen zu erinnern. Im Dialog mit den Pastoren erinnerte
man sich an die Verbrechen der Vergangenheit und wies auf gegenwärtiges Unrecht
hin. Pastorin Martina Dittkrist erwähnte den früheren Pastor der Kaltenkirchener
Gemeinde, Ernst Szymanowski, der als Kaltenkirchener Pastor schon aktives
Mitglied der NSDAP gewesen war und später als führender SS-Mann in der Ukraine
zum Massenmörder wurde. Sie sagte in diesem Zusammenhang: "Auch als evangelische
Kirchengemeinde in Kaltenkirchen sind wir erst langsam dabei, uns unserer
eigenen historischen Mitverantwortung zu stellen..." Diese Worte der jungen
Pastorin lassen hoffen. Es geht dabei nicht nur um die Aufklärung der
kirchlichen Verstrickungen im NS-Unrechtsstaat, sondern auch darum, die
Versäumnisse der Kirche in der Nachkriegszeit gründlich zu erforschen und sich
dazu zu bekennen, dass gerade hiesige kirchliche Kreise beim allgemeinen
Verdrängen und Vergessen eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Ein erster
Schritt wurde getan.
Am Nachmittag hatte der Trägerverein zur Gedenkwanderung auf den Spuren des
ehemaligen Beerdigungskommandos zur "Gräberstätte für Kriegsgefangene und
KZ-Opfer" eingeladen. 21 Teilnehmer wanderten von der KZ-Gedenkstätte in
Springhirsch über das Gelände des Truppenübungsplatzes der Bundeswehr nach
Moorkaten. An der Gräberstätte stellten sie Windlichter zum Gedenken an die
Toten ab. Unzählige sowjetische Kriegsgefangene und knapp 200 KZ-Häftlinge des
KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Jürgen Gill
erinnerte daran, dass der französische KZ-Häftling Richard Tackx, der damals das
Beerdigungskommando anführen musste, vielen seiner Kameraden Erkennungszeichen
mit ins Grab legte, so dass 1951 im Zuge einer sorgfältigen Exhumierungsaktion
unter Beteiligung von Richard Tackx 68 Tote identifiziert werden konnten.
Danach begaben sich die Teilnehmer hinüber zur Hinrichtungsstätte Fred Göttner.
Dort hatte genau vor einem Jahr der Trägerverein ein Kreuz zur Erinnerung an den
22-jährigen Sanitätsunteroffizier Fred Göttner errichtet. Dr. Gerhard Hoch
erläuterte den Anwesenden die damaligen Ereignisse: "Eine unbedachte Tat wurde
ihm zum Verhängnis. Nach einem Luftangriff auf Rostock soll er aus den Trümmern
eine Schreibmaschine an sich genommen haben. Zu seiner Bereicherung wohl kaum,
eher wohl in der Annahme, sie wäre in dem Schutt ohnehin verloren gewesen.
Irgendjemand hatte es beobachtet...und zeigte ihn bei seinen Vorgesetzten an.
Menschlichkeit stand nicht hoch im Kurs damals....Ein erbarmungsloser
Mechanismus nahm seinen Lauf....Das Kriegsgericht des Luftgaues XXI in Hamburg
verurteilte den jungen Unteroffizier paragraphentreu zum Tod....Mit Schaudern
bangten nun die in Moorkaten stationierten Sanitätssoldaten und sahen der
Zusammenstellung des Erschießungskommandos entgegen... Es traf 12
Unteroffiziere....Im Archiv der Kirchengemeinde liest man: `...am 8.9.1942 hier
beerdigt Uffz. (San.) der LW Fred Göttner laut Kriegsgerichtsurteil erschossen`.
Der ...Pfarrer (Thies) war so feinfühlig, den Eltern mitzuteilen, ihr Sohn sei
bei einem Luftangriff auf Rostock schwer verwundet worden und dann `gottergeben
gestorben`..." Nach diesen Worten von Dr. Gerhard Hoch standen die Teilnehmer
noch lange still, bevor sie zur Gedenkstätte zurückwanderten.
08.11.2007
Am
18. November 2007, dem Volkstrauersonntag, um 14.30 Uhr wird - wie in den
Vorjahren - eine Gedenkwanderung zur Gräberstätte Moorkaten stattfinden. Der
Trägerverein KZ-Gedenkstätte lädt dazu herzlich alle Bürger ein. Die
Gedenkwanderung soll an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch, Ortsteil von Nützen
an der B4, um 14.30 Uhr beginnen. Ab 14.00 Uhr stehen Vorstandsmitglieder zur
Begrüßung der Teilnehmer an der Gedenkstätte zur Verfügung. Während der halben
Stunde bis zum Wanderungsbeginn ist Gelegenheit, sich im Gedenkstättengelände
und im neuen Ausstellungshaus umzusehen und zu informieren.
Die Wanderung wird auf einer festgelegten Route quer durch das
Truppenübungsgelände der Bundeswehr verlaufen. Der Standortälteste hat
freundlicherweise sein Einverständnis erklärt und auf einer Karte die Route
vorgezeichnet. An der "Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer" in
Moorkaten sollen Windlichter als Zeichen des Gedenkens und der Würdigung der
Opfer abgestellt werden.
Anschließend soll es weitergehen hinüber zur etwa 300 m entfernten
Hinrichtungsstätte "Fred Göttner". Dort hatte der Trägerverein genau vor einem
Jahr ein Kreuz aufgerichtet, das an die Hinrichtung 1941 von Helmut Alfred
Göttner, ein damals 22-jähriger Sanitätsunteroffizier, erinnert. Göttner war an
dieser Stelle nach dem Todesurteil eines militärischen Kriegsgerichtes
erschossen worden, wegen "Plünderei", wie es hieß. Am Kreuz werden Blumen
abgelegt. Dr. Gerhard Hoch wird kurz die tragische Geschichte des jungen
Soldaten erläutern.
Neben dieser eigenen Veranstaltung am Volkstrauertag beteiligt sich der
Trägerverein zuvor auch an dem Gedenkgottesdienst der ev. luth. Kirchengemeinde
in der Michaeliskirche Kaltenkirchen um 11.00 Uhr. Die Vorsitzende des
Trägervereins Uta Körby wird im Rahmen des Gedenkgottesdienstes die Gelegenheit
haben, in einer Gedenkrede an die Opfer des Nationalsozialismus in der hiesigen
Region zu erinnern. Wir danken in diesem Zusammenhang sehr herzlich der Pastorin
Dittkrist und dem Pastor Goetz-Schuirmann für die immer besser werdende
Zusammenarbeit zwischen der Kaltenkirchener Kirchengemeinde und dem
Trägerverein.
15.10.2007
Roger
Rémond verstarb Anfang Oktober 2007 in seinem Heimatdorf im französischen Jura.
Wir trauern um einen Mann, der seit langem mit dem Trägerverein und vorher schon
mit Dr. Gerhard Hoch in enger Beziehung gewesen war.
Roger Rémond war als sehr junger Mann im Juli 1944 zusammen mit sechs weiteren
jungen Burschen aus seinem Juradorf als Geiselhäftling nach Deutschland
verschleppt, in das KZ Neuengamme eingeliefert und schließlich auf dem
Kaltenkirchener Militärflugplatz zur Arbeit gezwungen worden. Hier schufteten
sich KZ-Häftlinge des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen vom Herbst 1944 bis April
1945 zu Tode -unter der menschenverachtenden Einstellung: "Vernichtung durch
Arbeit". Besonders der Januar 1945 forderte wegen der herrschenden strengen
Winterkälte viele Opfer. Davon erzählte Roger Rémond sehr oft.
Roger Rémond gehörte zu den 576 Häftlingen, die am 16.04.45 nach Wöbbelin
(Mecklenburg) evakuiert wurden. Das furchtbare Sammellager Wöbbelin überlebte er
nur äußerst knapp und sehr krank. Nach seiner Befreiung im Mai 1945 benötigte er
sieben bis acht Jahre, um sich von den Strapazen der KZ-Bedingungen und den
erlittenen Schädigungen an seiner Gesundheit zu erholen.
Mehrmals besuchte er später Kaltenkirchen. Zuletzt kam er im Mai 2005 zusammen
mit der "Amicale Internationale de Neuengamme", die in zweijährigem Rhythmus
Neuengamme und Kaltenkirchen aufzusuchen pflegte. Im Mai 2007 vermissten wir ihn
unter der französischen Besuchergruppe. Es hieß, Roger Rémond sei schwer
erkrankt. Wir machten uns Sorgen.
Wir erinnern uns besonders an folgende Worte, die er immer wieder sprach
-zuletzt auch 2005 vor den Gedenksteinen in Springhirsch: "Warum habe ich
überlebt und keiner meiner sechs Kameraden aus meinem Dorf? Ich musste die
Nachricht vom Tod der Söhne den Eltern überbringen, das war hart."
Roger Remond verstarb Anfang Oktober 2007 mit 83 Jahren im Kreise seiner
Familie. Der Trägerverein hat im Vorraum des neuen Hauses auf einer Tafel in
kurzer Form seine Lebensgeschichte in Bildern und Texten dargestellt. Wir
trauern um einen Mann, dem wir über viele Jahre herzlich verbunden gewesen
waren.
01.10.2007
Im Vorraum des neuen Hauses der Gedenkstätte wurde eine Pinnwand aufgestellt,
die hereinkommenden Besuchern sofort ins Auge fällt. Dort hat der Trägerverein
ein aktuelles Forum eingerichtet, wo Besucher die Gelegenheit haben, ihre
Meinung zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Problemen darzustellen.
Angeregt werden Besucher dort durch verschiedene Materialien, wie
Zeitungsberichten, Schlagzeilen, Karikaturen, Fotos und Kurztexten, die der
Trägerverein "ZUR DISKUSSION" stellt. Es handelt sich dabei ausnahmslos um
Themen, die gegenwärtige Gefährdungen für Grund- und Menschenrechte aufzeigen
und zu denen der Trägerverein wegen seiner Kenntnis vergangener Gefährdungen
seine Besorgnis zum Ausdruck bringt. Hierzu öffnet sich ein Platz für Besucher,
der die Überschrift hat: "IHRE MEINUNG IST GEFRAGT"
Zur Zeit hat der Trägerverein das Thema "Aushöhlung der Grundrechte -
Extremszenarien verunsichern die Bevölkerung - wozu dient solche Panikmache?"
zur Diskussion gestellt. In der Geschichte des 20-sten Jahrhundert gibt es viele
Beispiele dafür, wie durch Schüren von Ängsten Politik gemacht wurde, um
anschließend Grund- und Menschenrechte Schritt für Schritt auszuhebeln.
Der Trägerverein fühlt sich also nicht nur dazu berufen, zu erinnern, zu mahnen
und zu gedenken, sondern nimmt auch den Auftrag sehr ernst, gegenwärtige
Gefahrenpotentiale auszumachen und anzusprechen. Denn niemals darf sich
wiederholen, was an Katastrophen in der deutschen Geschichte losgetreten wurde.
Unter der Woche ist die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch an der B4 südlich von
Lentföhrden zwischen 9.00 Uhr und 15.00 Uhr geöffnet, auch an Sonn- und
Feiertagen von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr.
24.08.2007
Während eines Gespräches mit dem Vorstand des Trägervereins (Uta Körby und
Jürgen Gill), um das Bürgermeister Stefan Sünwoldt kurzfristig gebeten hatte,
drückte der Bürgermeister sein Bedauern über sein eigenes Vorgehen in der
öffentlichen Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses aus. Es sei ein Fehler
gewesen, von einem "gelungenen" Versuch des Stadtvertreters Eberhard Bohn
gesprochen zu haben, den Trägerverein für eigene Zwecke zu instrumentalisieren.
Dabei habe er nicht bedacht, dass der Trägerverein ohnehin den Erhalt des
Bahnhofsgebäudes aus eigenen Stücken anzumahnen im Begriffe war. Dafür
entschuldige er sich. Dass aber Herr Bohn versucht habe, den Verein für seine
Zwecke einzuspannen, das stehe für ihn nach wie vor außer Zweifel.
Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen wiederholt in diesem Zusammenhang
seine schon an anderer Stelle abgegebene Erklärung: Bei unserem Engagement für
den Erhalt des alten Bahnhofsgebäudes haben wir uns allein von eigenen
Überlegungen und Erkenntnissen leiten und von niemandem dazu antreiben lassen.
09.08.2007
Der Brief der Vorsitzenden, Frau Körby, welcher unter Beteiligung des
Ehrenvorsitzenden Dr. Gerhard Hoch an die Stadtvertreter in Kaltenkirchen
geschickt wurde, in dem sich für den Erhalt des alten Bahnhofsgebäudes
ausgesprochen wurde, hat in Kaltenkirchen einigen Wirbel verursacht und die
Gerüchteküche kochen lassen. Auch weil aus Gesprächen mit einigen
Stadtvertretern deutlich wurde, dass in Kaltenkirchen über die eigentliche
historische Bedeutung des Kaltenkirchener Bahnhofs ziemliche Unklarheit
herrscht, möchte der Trägerverein mit dieser Pressemeldung aufklärend wirken.
Der AKN-Bahnhof Kaltenkirchen hat im August 1944 die erste Ankunft von 500
KZ-Häftlingen aus dem KZ-Neuengamme gesehen. Die Häftlinge sollten den
Grundstock der Insassen des rasch eingerichteten Außenlagers an der Reichsstraße
4 (heute B4) in Springhirsch bilden. Angefordert worden waren sie von der
Luftwaffe, damit sie als Arbeitssklaven für die Erweiterung des
Militärflugplatzes Kaltenkirchen eingesetzt werden. Die Ankunft dieses ersten
Häftlingstransports wurde von der Bevölkerung wahrgenommen. Damals jugendliche
Mädchen haben das beobachtet und Jahrzehnte später Dr. Gerhard Hoch davon
berichtet.
Von überlebenden Häftlingen wie z.B. dem Pole S. Jaskiewisz wissen wir einiges
über den ersten Transport nach Kaltenkirchen. Die Güterwaggons, rundum
geschlossen und mit einem Dach versehen, wurden mit KZ-Häftlingen überfüllt. Die
Zugangstüren waren fest verriegelt und die schmalen Luftklappen unterhalb des
Daches verschlossen. Die Versorgung mit Frischluft geschah also nur durch Ritzen
zwischen Bretterwänden. Die Überfüllung war derart, dass es keine Gelegenheit
gab sich zu setzen oder gar zu liegen.
Zwei volle Tage verbrachten die Häftlinge so eingesperrt in den Waggons. Denn
der Zug stand oft irgendwo stundenlang herum oder rangierte. Völlig unversorgt,
ohne Wasser und Nahrung, herrschten bald entsetzliche Zustände in den Waggons.
S. Jaskiewisz: "Scheiße und Pisse ohne Kübel, einfach auf den Boden." Nach zwei
Tagen schmerzhaftem Stehen ohne Wasser, ohne Nahrung, im Gestank - das überlebte
mancher nicht. Durch die Ritzen zwischen den Brettern sahen die Häftlinge
endlich den Bahnhof Kaltenkirchen. Nach dem Öffnen der Tore bot sich ein
entsetzlicher Anblick. Benommene Häftlinge sprangen heraus und wurden von
Wachsoldaten zurückgejagt. Sie sollten die anderen, die liegen geblieben waren,
aus den Waggons holen. Gellende Befehle, Geschrei und Hundegebell begleiteten
die grauenhafte Szene auf dem Kaltenkirchener Bahnhof. Leichen wurden zunächst
neben die Geleise gelegt. Beim Abmarsch nach Springhirsch wurden sie
mitgenommen. Häftlinge trugen sie.
Bei den KZ-Häftlingen handelte es sich überwiegend um junge Männer aus
europäischen Ländern, viele Franzosen, Russen, Polen und andere, oft
Geiselhäftlinge aus den von den Deutschen besetzten Gebieten. Jüdische
KZ-Häftlinge gab es unter ihnen nicht.
Ob der Kaltenkirchener Bahnhof während der Existenz des Außenlagers in
Springhirsch, in dem Hunderte zu Tode kamen, weitere Häftlingstransporte hat
ankommen sehen, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich. Sicher jedoch ist, dass
von ihm 576 Häftlinge im Zuge der Evakuierung des Lagers am 16. April verladen
und Abtransport wurden, Ziel: Sammellager Wöbbelin in Mecklenburg. Ein äußerst
interessantes Dokument, das uns die Gedenkstätte Neuengamme freundlicherweise
zur Verfügung gestellt hat, belegt den Vorgang des Abtransportes der
KZ-Häftlinge vom Kaltenkirchener Bahnhof in eindrucksvoller Weise. Es ist im
Anhang zu finden.
Das ist die Bedeutung des Bahnhofsgebäudes, nicht mehr und nicht weniger: Es hat
jene Verbrechen an der Menschlichkeit, die hier in unserer Region begangen
worden sind, aus nächster Nähe gesehen und erlebt. Andere Gebäude in
Kaltenkirchen, die Zeugen sein könnten, gibt es nicht mehr. Mit dieser Erklärung
wollen wir daran erinnern, dass auch Gebäude, Wege oder andere tote Gegenstände
Zeugnis ablegen können von vergangenen Ereignissen, zumindest den Menschen durch
ihren Anblick helfen können, sich zu erinnern. Denn Erinnern ist notwendig, wenn
die Zukunft gelingen soll.
Das ist das Anliegen des Trägervereins. Damit wollen wir überhaupt nicht in
laufende Planungen eingreifen oder uns gar vor die Karren irgendwelcher
Interessen spannen lassen, sondern lediglich die Verantwortlichen zur
Nachdenklichkeit anregen und zur Beachtung einladen. Lösungen in unserem hier
vorgetragenen Sinne sind viele denkbar!
Wir laden Interessierte recht herzlich zu einer Führung an die KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen in Springhirsch ein. Melden unter 04191/723428.
Sonst ist an Werktagen von 9.00 bis 15.00 Uhr die Gedenkstätte für Besucher
geöffnet, auch sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr.
28.06.2007
Im Katalog der Ausstellung der KZ-Gedenkstätte auf der Tafel Nr.7 und im Buch
von Dr. Gerhard Hoch: "Zwölf wiedergefundene Jahre, Kaltenkirchen unter dem
Hakenkreuz" ist das Foto des italienischen Militärinternierten Umberto Piantoni
veröffentlicht, der am 9.03.1944 in einem Lager für italienische
Militärinternierte in Heidkaten verstorben ist.
Im September 1943 schloss Italien, das an der Seite Deutschlands gekämpft hatte,
eine Waffenstillstandsvertrag mit den Alliierten. Daraufhin wurde von deutscher
Seite angeordnet: "Soldaten, die keinerlei Hilfe für uns leisten wollen, werden
entwaffnet und gelten als Militärinternierte." So entstanden Lager für
italienische Militärinternierte, in denen die Zustände nicht viel besser waren
als in anderen Arbeitslagern. In dem Lager in Heidkaten verstarben 37
italienische Internierte in der Zeit vom November 1943 bis zum Mai 1944, unter
ihnen Umberto Piantoni (siehe Gerhard Hoch: Zwölf wiedergefundene Jahre,...
S.287ff).
Nun hat eine befreundete Historikerin ohne Wissen von Gerhard Hoch den Text des
Buches ins Internet gestellt. Diesen entdeckte jüngst der Sohn, Giorgio Piantoni,
und nahm sofort Kontakt zu Dr. Gerhard Hoch auf: "Das war eine echt schöne
Überraschung, -wissen Sie, ich habe nämlich nie meinen Vater kennen gelernt."
Dr. Gerhard Hoch verabredete sich mit Giorgio Piantoni und dieser kam nach
Kaltenkirchen, besuchte die Gräberstätte in Moorkaten, suchte in Heidkaten nach
Spuren und lernte auch die KZ-Gedenkstätte kennen. Sein Vater war eine Zeit lang
auf dem allgemeinen Friedhof in Kaltenkirchen bestattet gewesen, ehe der
Leichnam 1955 auf den Hauptfriedhof in Hamburg-Öjendorf umgebettet wurde.
Nun schickte Giorgio Piantoni die Zeitung "Corriere dell´Umbria" vom 11. Juni
07, die auf einer ganzen Seite (Seite 17) einen ausführlichen Bericht mit Fotos
aus Hamburg-Öjendorf und von Umberto Piantoni brachte. Ausführlich wird dort auf
das Lager Heidkaten eingegangen und Darstellungen in Hochs Buch: "Zwölf
wiedergefundene Jahre, ..." zitiert, das in Teilen ins Italienische übersetzt
werden soll. Weitere Recherchen sollen folgen.
Umberto Piantoni war zwar kein Häftling des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen,
aber eben doch in einem jener in der Nähe befindlichen Lager gewesen. Gerhard
Hoch: "Am Fall Piantoni zeigt sich, wie manche Familie auch nach vielen
Jahrzehnten den Verlust Angehöriger schmerzhaft empfindet und den Spuren der
Verstorbenen nachzugehen versucht." Der Trägerverein leistet hier gern seine
Unterstützung. Das hier genannte Buch von Dr. Gerhard Hoch ist neu gedruckt
worden und kann im Buchhandel und in der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in
Springhirsch erworben werden.
Wer Näheres erfahren möchte, kann heute noch bis 18.00 Uhr oder morgen mit Dr.
Gerhard Hoch Kontakt aufnehmen. Pressevertretern zeigt er auch gerne die
genannte Ausgabe der italienische Zeitung aus Umbrien.
11.06.2007
Ab sofort kann die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch auch unter der Woche ihr
Ausstellungshaus für Besucher öffnen. Zwei Arbeits- und Aufsichtskräfte hängen
das Schild "geöffnet" deutlich sichtbar an der B4 auf. Täglich von 9.00 Uhr bis
15.00 Uhr können sich Besucher der Gedenkstätte nicht nur im Gelände, sondern
auch im Ausstellungshaus aufhalten und informieren. Nur am Sonnabend bleibt das
neue Haus geschlossen. Aber nach wie vor ist zu jeder Zeit das Gelände der
Gedenkstätte zugänglich. Ein Infoblatt kann einem Kasten entnommen werden, das
den Besucher über das Gelände begleitet. Es erklärt die einzelnen Stationen.
Selbstverständlich halten wir auch weiterhin an Sonn- und Feiertagen von 11.00
Uhr bis 17.00 Uhr das neue Haus geöffnet. Eine gut informierte Aufsicht steht
dann den Besuchern für Fragen und Auskünfte zur Verfügung.
Eine von dem Realschullehrer und Vorstandsmitglied Jürgen Fock ins Leben
gerufene Arbeitsgruppe aus Schülern, Eltern und Lehrern hat Anfang Mai die
Gedenkstätte auf Vordermann gebracht. Jetzt präsentiert sich die Anlage in einem
sehr gepflegten Zustand. Der Fußgängerzugang an der Rampe wurde neu gestaltet,
die Rundgangswege frei geharkt und die Flächen zwischen den Bäumen gemäht. Die
beiden von der VHS-Kaltenkirchen vermittelten Arbeitskräfte bemühen sich zurzeit
erfolgreich, den guten Zustand zu erhalten und weiter zu verbessern.
Das neue Versammlungs- und Ausstellungshaus ist so gut wie fertig. Was jetzt
noch geschehen muss, ist die Gestaltung der Außenanlage um das neue Gebäude
herum. Das geschieht in diesen Tagen.
Erfreulich ist auch die hohe Besucherzahl in letzter Zeit. Viele Schulklassen
nutzten schon das neue Haus und auch ausländische Besucher, besonders Angehörige
von ehemaligen französischen KZ-Häftlingen, haben schon das neue Gebäude
bestaunt. So war Colette Rey, Tochter von Richard Tackx, mit ihrem Mann hier
gewesen. Und auch Bernadette Celos, Tochter des in Kaltenkirchen 1945
verstorbenen KZ-Häftlings Henri Canard, hat kürzlich mit einer französischen
Besuchergruppe die Gedenkstätte besucht. Gerade sie drückte ihre Anerkennung
gegenüber Vertretern des Vorstandes aus, weil hier das neue Haus und der
gepflegte Zustand der Gedenkstätte das enorme Engagement der ehrenamtlich
Tätigen so eindruckvoll dokumentiere. Ihre Dankbarkeit über diese würdevolle
Erinnerung an ihren Vater war groß.
Interessant war die Diskussion mit den Franzosen über das deutsche Wort
"mahnen", für das es im Französischen kein Wort mit der entsprechenden Bedeutung
gibt. Hier muss seine besondere Qualität in mehreren Sätzen beschrieben werden.
08.05.2007
Auf seiner Jahreshauptversammlung, die schon im neuen großen Versammlungsraum
der KZ-Gedenkstätte stattfinden konnte, wählte der Trägerverein KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen in Springhirsch e.V. turnusmäßig seinen neuen Vorstand. Er ist im
Wesentlichen derjenige geblieben, der bisher in den letzten beiden Jahren so
erfolgreich gearbeitet hat. Er wurde ergänzt durch drei neue Gesichter. Die
Ergänzung war zum einen notwendig, weil der bisherige Schatzmeister, Reinhold
Krause, auf tragische Weise plötzlich verstorben war und zum anderen, weil
Jürgen Wiese aus privaten Gründen als Beisitzer nicht mehr zur Verfügung stand.
Einstimmig bestätigt wurden die Vorsitzende Uta Körby, der stellvertretende
Vorsitzende Jürgen Gill, die Schriftführerin Ingrid Schulz-Pankratz, der seit
Anfang des Jahres kommissarisch tätige Schatzmeister Piet Verschragen, die
Beisitzer Jürgen Fock, Inga-Martina Toft und Uwe Cerwonka. Neu in den Vorstand
als Beisitzer wurden Karl Stanek und Manfred Freund aufgenommen. Auch sie
erhielten ein einstimmiges Votum. Der Webmaster und Betreuer der Homepage, Jörn
Wommelsdorff, besitzt weiterhin das Vertrauen der Mitglieder. Mit Genugtuung und
Freude wurde festgestellt, dass der Ehrenvorsitzende Dr. Gerhard Hoch, ohne den
es die Gedenkstätte nicht gäbe, dem Trägerverein auch zukünftig wie bisher mit
Rat und Tat zur Verfügung steht.
Wie schon berichtet ist es dem alten Vorstand in den beiden abgelaufenen
Amtsjahren gelungen, die KZ-Gedenkstätte stetig weiter zu entwickeln und
auszubauen. Die Krönung dafür stellt nun das neue ansehnliche Containergebäude
als Versammlung- Schulungs- und Ausstellungshaus dar. Hiermit ist der äußere
Rahmen für eine wesentliche Verbesserung der Gedenkstättenarbeit geschaffen
worden. Nun kommt es darauf an, diese Möglichkeiten durch eine stärkere
Anbindung an die Schulen der Region zu nutzen. Es haben zwar bisher schon trotz
enger Umstände Schulklassen den ganzen Unterrichtsvormittag am authentischen Ort
verbracht, aber die Kontakte zu einigen Schulen in der Region drohten
einzuschlafen. Deshalb suchte der Trägerverein immer wieder von Zeit zu Zeit den
Kontakt zu erneuern. Diese Anstrengungen sollen jetzt intensiviert werden. Die
Bürgermeister der umliegenden Städte sind an ihre Zusagen zu erinnern,
Schulklassen auf Anfrage eine Busfahrt zur Gedenkstätte zu ermöglichen. Mehr
Schulleiter, nicht nur die wenigen, die es bisher schon in vorbildlicher Weise
getan haben, sollten ihre Kollegien auf diese hervorragende Möglichkeit
hinweisen, Schülern am authentischen Ort eine lebendige, intensive und
eindrückliche Begegnung mit der Vergangenheit ihrer Region bieten zu können.
Ansätze, die es gegeben hat, müssen erweitert werden. Zum Beispiel haben drei
Schulen im letzten und in diesem Jahr ihre Geschichtsfachkonferenzen an der
Gedenkstätte durchgeführt. Das sollten sich viele andere Schulen zum Beispiel
nehmen. Es stellte sich nämlich heraus, dass unter den teilnehmenden
Geschichtslehrern einige die Gedenkstätte noch nie von innen gesehen haben und
dankbar waren, sie auf diese Weise kennen zu lernen. Lehrerkonferenzen,
Fachkonferenzen und Tagungen könnten jetzt, da ein ansehnlicher Raum zur
Verfügung steht, hier stattfinden. Der Trägerverein bietet dann eine Führung an,
so dass alle Teilnehmer über die Bedeutung der Erinnerungsstätte eingehend
informiert und möglicherweise auch motiviert sind, mit ihren Schulklassen (von
der neunten Klasse aufwärts) hierher zu kommen.
Hier noch einmal der neue Vorstand:
Ehrenvorsitzender: Dr. Gerhard Hoch, Alveslohe
Vorsitzende: Uta Körby, Lutzhorn wiedergewählt
Stellvertretender Vorsitzender: Jürgen Gill, Kaltenkirchen wiedergewählt
Schriftführerin: Ingrid Schulz-Pankratz, Kaltenkirchen wiedergewählt
Schatzmeister: Piet Verschragen, Kaltenkirchen neu
Beisitzer: Uwe Czerwonka, Bordesholm wiedergewählt
Beisitzer: Jürgen Fock, Oersdorf wiedergewählt
Beisitzer: Manfred Freund, Kaltenkirchen neu
Beisitzer: Karl Stanek, Kaltenkirchen neu
Beisitzerin: Inga-Martina Toft, Kaltenkirchen wiedergewählt
Webmaster: Jörn Wommelsdorff, Hamburg bestätigt.
04.05.2007
Der Container der Fa. ConRo, Hamburg, besteht aus fünf Elementen, die am 22.01.
dieses Jahres geliefert und auf unserem Gelände montiert worden sind. Es handelt
sich um einen gebrauchen Container, für den der Trägerverein ca. 20 000 €
bezahlt hat. Den Teppichboden hat ConRo gestiftet. Seitdem hat der Trägerverein
weitgehend in Eigenleistung die Ausbau- und Renovierungsarbeiten unter der
Leitung von Jürgen Fock durchgeführt, an denen sich Vorstandsmitglieder,
Mitglieder des Trägervereins und Freunde beteiligt haben.
Strom- und Wasseranschluss sind hergestellt!
Der Container wurde außen und innen neu gestrichen!
Die Fenstergitter wurden erneuert
Die Gasversorgung für die Gasöfen durch Verlegung eines Gastanks in die Erde
sichergestellt!
Den Innenausbau besorgt: Isolierung und Vertäfelung, Verlegung des
Teppichbodens, Malerarbeiten, Installationen usw.
Zu den Kosten, die schon angefallen und bezahlt sind:
Elektroarbeiten Fa. Schoen: 1 918 Euro
Gastank: 962 Euro
Innenisolierung und Verkleidung, Materialkosten: ca. 1 400 Euro
Farbe: ca. 500 Euro
Brunnen: 240 Euro
Material für das Dach: 1 338 Euro
Zu den Kosten, die demnächst auf uns zukommen:
Dach: 3 200 Euro
Außenanlage: Platten und Kies: 2 000 Euro, Gitter und Montage: 1 300 Euro
Alarmanlage: 1 200 Euro
Kläranlage gesamt: 1 500 Euro
Sonstiges, Bauantrag usw.: 1 200 Euro
Veranschlagte Gesamtkosten 2006 + 2007 ca. 38 000 Euro!
Ausgegeben wurden bis jetzt schon 26 200 Euro!
Die Kassenlage ist so, dass die veranschlagten Gesamtkosten bis Ende 2007
aufgebracht werden können. Das haben wir den Spendern, den Zuschüssen, den
Mitgliedsbeiträgen und den enormen Eigenleistungen zu verdanken. Das Projekt:
„Schaffung eines Versammlungs- Schulungs- und Ausstellungsraumes“ der
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen steht vor seiner glücklichen Vollendung. Wir
danken allen, die durch ihre Arbeit und durch ihre finanzielle Unterstützung
dabei geholfen haben.
23.04.2007
Zum So., d. 6. Mai 2007, um 11.00 Uhr lädt der Trägerverein KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen zu einer Pressekonferenz nach
Springhirsch, Ortsteil Nützen an der B4, ein.
Der neue Container als Versammlungs--, Schulungs-- und Ausstellungsraum soll der
Öffentlichkeit vorgestellt und eingeweiht werden. Außerdem soll den Sponsoren
gedankt werden, ohne deren finanzielle Unterstützung das große Projekt nicht
hätte verwirklicht werden können. Dazu wird eine Sponsorenwand enthüllt, die die
Namen der Großspender aufführt.
Hier seien schon einige der Großspender genannt:
a. Bürgerstiftung schleswig-holsteinische Gedenkstätten (Kiel)
b. Stiftung der Sparkasse Südholstein (Pinneberg)
c. Stadt Quickborn
d. Stadt Kaltenkirchen
c. Stadt Bad Bramstedt
d. Flughafen Hamburg GmbH
e. Rotary Bad Bramstedt
f. Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur
Der zu einem günstigen Preis erworbene gebrauchte Container,
bestehend aus fünf Elementen, wurde unter der Regie von Jürgen Fock in
Eigenleistung hergerichtet und innen ausgebaut. Bitte überzeugen Sie sich
selbst!
Im Anhang finden Sie zwei Fotos. Das eine zeigt den Container vorher, das andere
nachher. Zudem finden Sie eine Skizze, die die Lage der Gedenkstätte an der B4
zeigt.
18.04.2007
Im Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen sahen Besucher ein Foto von
Dr. Gerhard Hoch und Günter Oettinger, das anlässlich der Verleihung des
Bürgerpreises in Dezember 2006 in Berlin entstanden war. Nachdem erste Meldungen
über Oettingers Trauerrede für Hans Filbinger erschienen waren, haben wir
spontan und erschrocken das Foto entfernt. Dass es sich dort nicht mehr
befindet, hat Dr. Gerhard Hoch dem Ministerpräsidenten Oettinger in einem Brief
mitgeteilt.
Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg ist ein viel beschäftigter
Mann. Er spielt auf vielen Hochzeiten, ist ein fleißiger Pragmatiker und bemüht
sich nach allen Seiten. Im Dezember 2006 ehrte er Dr. Gerhard Hoch als
„unermüdlichen Streiter für die Aufdeckung der Verbrechen des NS-Systems.“ Im
April 2007 sagte er auf der Trauerfeier für seinen verstorbenen Vorgänger
Filbinger: „…Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Er war ein Gegner des
NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig
entziehen wie Millionen andere…“ Wir staunen ob solcher Flexibilität. Hans
Filbinger konnte sich tatsächlich wie Millionen andere nicht der „Faszination“,
dem „Charme“ und der „Verführung“ des NS-Regimes entziehen. Erst war er
SA-Mitglied und gehörte seit 1937 der NSDAP an. Als der Krieg in seinen letzten
Zügen lag, beteiligte er sich als Marinerichter an Todesurteilen gegen junge
Fahnenflüchtige. Ohne solche Mitwirkung von Millionen z. T. begeisterten
Mitläufern und Mittätern wäre das NS-Regime nicht zu jener Höchstform an
Unmenschlichkeit aufgelaufen. Gerade die Verführbarkeit von „normalen“, „netten“
und „ordentlichen“ Menschen innerhalb des verbrecherischen Systems ist das
Erschreckende. Darüber müssten junge Leute aufgeklärt werden. Mit einem
Eingestehen seiner Schuld und der Scham, als Richter die grundlegende Forderung
nach der Würde des Menschen außer Acht gelassen zu haben, hätte Hans Filbinger
einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung späterer Generationen leisten können.
Aber er leugnete und rechtfertigte sich sogar mit dem schrecklichen Satz: „Was
damals recht war, kann heute nicht unrecht sein.“
Günter Oettinger bediente seine konservativen CDU-Freunde im Südwesten der
Republik und merkte nicht einmal, dass er damit sich selber in die Reihe der
Leugner, Verharmloser und Verdränger stellte. Ihm fehlte das Gespür dafür, auf
welch gefährlichem Pfad er sich bewegte. Nach dem für ihn überraschenden
Aufschrei in der Republik ruderte er erst erschrocken in alle Richtungen
(Schlagzeile der FR vom 16.April), um sich dann nach einem Machtwort von Frau
Merkel von sich selbst zu distanzieren.
Es ist eine gefährliche Lesart zu behaupten, Filbinger und Millionen andere
seien innerlich Gegner des NS-Regimes gewesen und hätten sich nur äußerlich
nicht entziehen können. Diese Art der Geschichtsfälschung ist ja nun hinlänglich
von der Forschung als solche erkannt worden. Dass nun Oettingers Versuch so
kläglich gescheitert ist, stimmt froh. Zwar wurden die konservativen Verdränger
und Schönfärber zurückgepfiffen. Aber der Vorgang zeigt doch, dass sie immer
noch da sind. Wachsamkeit ist geboten.
29.01.2007
Der 27. Januar wird seit einigen Jahren als nationaler Holocaustgedenktag in
Deutschland begangen. Viele Parlamente, so auch der Deutsche Bundestag am
29.01.07, gedenken in Veranstaltungen der Deportation und Vernichtung der Juden
und der Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Anlass ist der
Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27.01.45. Auch Kaltenkirchen, und das
zum ersten Mal an hervorragender Stelle, nämlich im Ratssaal des Rathauses,
gedachte in einer gut besuchten Veranstaltung der Opfer nicht nur der in
Auschwitz, sondern auch der unzähligen Opfer vieler Außenlager, Arbeitslager,
Zwangsarbeiterlager usw., die Deutschland damals flächendeckend überzogen, so
auch der im Kaltenkirchener Außenlager gequälten und zu Tode gebrachten
KZ-Häftlinge.
Prof.
Dr. Matthias Pfüller von der Hochschule Mittweida, Leiter des Projektes
„Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern“, war vom Trägerverein
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen eingeladen worden, über die „Bedeutung kleiner
Gedenkstätten als Lernort“ zu referieren. Trotz des schwierigen Themas waren 42
Zuhörer gekommen, was zeigt, dass das Erinnern an vergangenes Unrecht als eine
für die Gestaltung der Zukunft sehr wichtige Aufgabe von immer mehr Menschen
wahrgenommen wird.

Uta Körby, Vorsitzende des Trägervereins, begrüßte die Gäste, darunter den
Kreispräsidenten des Kreises Pinneberg Tiemann, den Bürgermeister der Stadt
Kaltenkirchen Stefan Sünwoldt und den Kaltenkirchener Bürgervorsteher Ulrich
Siefert. Sie wies darauf hin, dass der nationale Holocaustgedenktag inzwischen
zu einer kommunalen und öffentlichen Angelegenheit geworden ist, weshalb der
Ratssaal im Rathaus der geeignete Ort für eine solche Veranstaltung ist. Das
Argument, zuweilen noch zu hören, der privatrechtliche Trägerverein sei wie
irgendein anderer Kultur- oder gar Sportvereine anzusehen, denen das Rathaus für
Veranstaltungen nicht zur Verfügung stehen dürfe, sei damit nun schnell
widerlegt. Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte erfülle eine wichtige im
öffentlichen Interesse stehende Aufgabe. Das unterstrich auch Dr. Gerhard Hoch,
indem er auf ein jüngst von ihm gehörtes Zitat „Man konnte doch nichts wissen“
hinwies. Er zeigte auf, wie man in Kaltenkirchen doch wissen konnte, denn 550
KZ-Häftlinge waren im August 1944 am Kaltenkirchener Bahnhof angekommen, Tote
wurden auf dem Bahnsteig abgelegt und dann zog sich ein kilometerlanger Zug von
Elendsgestalten in der typisch blau-grau gestreiften Häftlingskleidung vom
Marschweg, über den Krausen Baum hinaus bis zur Betonstraße, vielhundertfaches
Klappern der Holzschuhe, begleitet vom Gebrüll der Wachsoldaten, ein Vorgang,
der über zwei Stunden gedauert haben musste, und der sich in den folgenden
Monaten öfters wiederholte, weil Nachschub aus Neuengamme immer wieder die
verstorbenen oder arbeitsunfähig geschundenen Häftlinge ersetzte. Dr. Hoch
stellte die Frage, warum man nach dem Krieg nichts mehr davon wissen und nicht
mehr daran erinnert werden wollte. Die Grundmuster des mehr oder weniger
bewussten Prozesses der Verdrängung nach dem Kriege zu erforschen, sei eine
lohnende Aufgabe.
Bürgermeister Stefan Sünwoldt sprach ein beeindruckendes Grußwort. Er erinnerte
sich an einen Vorfall in Magdeburg, als seine Frau, die aus Afghanistan stammt,
von rechten Stiefelträgern angemacht und angerempelt worden war. Er betonte, wie
wichtig heute die Erinnerungsarbeit überall in Deutschland sei, um
rechtsradikalen Gesinnungsgenossen das Wasser abzugraben. Der Kampf gegen
Fremdenhass und das Einstehen für ein menschliches Miteinander müsse jederzeit
Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte sein. Auch Kreispräsident Tiemann
unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung der Gedenkstättenarbeit für mehr
Toleranz und Mitmenschlichkeit in der Gesellschaft. Er kam von einer
vormittäglichen Veranstaltung im Pinneberger Kreistag, die er initiiert und zu
der er auch Dr. Gerhard Hoch eingeladen hatte.
Der Vortrag von Prof. Dr. Matthias Pfüller über die Bedeutung kleiner
Gedenkstätten war geeignet, den ehrenamtlichen Kräften des Trägervereins
Kaltenkirchen Mut zu machen und ihnen Anregungen zu geben für die weitere
pädagogisch aufklärende Arbeit an der Gedenkstätte. Besonders seine Betonung der
Tatsache, dass kleine Gedenkstätten am Ort des ehemaligen Geschehens wirksamere
Arbeit leisten könnten als die wenigen großen, fernen Gedenkstätten, war von den
Vorstandsmitgliedern mit Genugtuung gehört worden.
Prof. Pfüller war zuvor von Jürgen Gill über die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
in Springhirsch geführt worden, und stand noch unter dem Eindruck der dort
gesehenen bescheidenen, aber sehr eindringlichen Erinnerungsstücke und
Dokumente. Die Nähe, die Überschaubarkeit, die Dichte der Eindrücke seien in den
großen Gedenkstätten wie Neuengamme, Buchenwald oder Dachau usw. wegen deren
erschlagenden Informationsfülle nicht erreichbar. Natürlich haben die großen
Gedenkstätten ihre wichtige Aufgabe zu erfüllen, die wollte Prof. Pfüller nicht
klein reden. Aber gerade die kleineren Gedenkeinrichtungen, wären sie doch nur
zahlreicher, an den Orten des Geschehens in unmittelbarer Nachbarschaft
leisteten eine nicht zu unterschätzende Eindringlichkeit der Begegnung mit der
Vergangenheit vor der eigenen Haustür. Im Deutschen Reich gab es flächendeckend
KZ-Außenkommandos, Arbeitslager, Zwangsarbeiterunterkünfte,
Kriegsgefangenenlager, Verladebahnhöfe für KZ-Häftlinge und zu deportierende
Juden, Erziehungslager, Hinrichtungsstellen usw., so dass es in Deutschland kaum
eine Stelle gab, besonders an wichtigen Verkehrswegen, wo keine
menschenverachtenden Vorgänge abgelaufen sind und wo es keine Einrichtungen
dafür gegeben hat. Viel zu wenige Gedenksteine, Hinweistafeln oder kleine
Gedenkorte gäbe es in Deutschland, so Pfüller, die an die Opfer erinnerten und
die den Überlebenden und deren Angehörigen den Ort ihres Leidens zeigten. Dass
sich nun der Bahnchef Herr Mehdorn weigerte, in diesem Jahr Gedenktafeln mit
Bildern, Dokumenten und Fotos an Bahnhöfen aufzustellen, die an die mit
Güterwagen der Reichsbahn in die Vernichtungslager transportierten 3 Millionen
Juden, Männer, Frauen und Kinder, erinnern und mahnen sollten, sei ein Skandal.
Das hätte schon viel früher geschehen sollen. Was es heute an
Gedenkeinrichtungen gäbe, spiegelte in keiner Weise die flächendeckende Dichte
der damaligen Orte des Verbrechens wider. Umso wertvoller und
unterstützenswerter seien die kleinen Gedenkstätten, die an den Orten des
Geschehens tatsächlich den Schülern und Jugendlichen, aber nicht nur denen, als
Lernort zur Verfügung stehen. Direkt, konkret erfahrbar und vielleicht sogar zu
eigener Recherche und Forschung anregend, seien diese kleinen Gedenkstätten viel
besser geeignet als die großen.
Prof. Pfüller formulierte zehn Punkte, die kleine Gedenkstätten als wichtige
Lernorte zukunftsfähig und unverzichtbar machen. Im Einzelnen kann aus
Platzgründen nicht auf alle Punkte eingegangen werden. Genannt seien hier der
Punkt, der die professionelle Gestaltung von Ausstellungswänden fordert, der
Punkt, der die Verknüpfung der Gedenkstätten im Lande untereinander, also eine
Form der Vernetzung empfiehlt und der Punkt, der die pädagogische Öffnung
vorschlägt, also Jugendliche nicht mit zuviel fertigem Wissen zustopft, sondern
ihnen Raum offen lässt für eigenes Untersuchen und Forschen und der ihr
Interesse weckt. Prof. Pfüllers Vorschläge wurden von den anwesenden
Vorstandsmitgliedern sehr aufmerksam gehört. Sie werden im bestehenden
Arbeitskreis des Trägervereins demnächst diskutiert und gewürdigt.
In der anschließenden Aussprache meldete sich ein Zuhörer zu Wort, der beklagte,
dass der Trägerverein zu sehr sich auf Vergangenes konzentriere und die
Gegenwart außer Acht ließe und dass er zu sehr den Kontakt zu allen politischen
Kräften suche, auch zur CDU, was der Besuch des Ministerpräsident Harri
Carstensen an der Gedenkstätte und die die Auszeichnung von Gerhard Hoch in
Berlin durch Ministerpräsident Oettinger zeige. Uta Körby betonte, dass der
Kontakt des Trägervereins zu allen demokratischen Kräften und Parteien eine
unverzichtbare Voraussetzung einer erfolgreichen Arbeit sei und dazu gehöre
seine sichere und gedeihliche Verankerung in der Region. Was den Gegenwartsbezug
der Arbeit anginge, verlöre man den nie aus den Augen, ja es sei ein Hauptziel
der Arbeit, dass sich Gewalt und Unrecht nicht wieder ausbreiten könnten. Die
Menschenrechtsverletzungen in Guantanamo seien natürlich ein wichtiges Thema
auch im Trägerverein, was, das gestand sie zu, wegen des Vergangenheitsbezuges
seiner Hauptarbeit öffentlich wohl nicht so auffiele.
21.01.2007
Die von Uta Körby verfasste Rückschau auf das Jahr 2006 kann kann hier (Microsoft Word) oder hier (PDF) aufgerufen werden. Darin werden die Schwerpunkte unserer Gedenkstättenarbeit im vergangen Jahr sowie ein Ausblick auf das Jahr 2007 dargestellt.
16.01.2007
Am Samstag, 27. Januar 2007 um 16.00 Uhr im Rathaus der Stadt Kaltenkirchen –
Ratssaal – referiert Prof. Dr. Matthias Pfüller zu dem Thema: “Bedeutung kleiner
Gedenkstätten als Lernort.“ Vor 62 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das
Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Die kleinen und die
großen Gedenkstätten in Deutschland nehmen dieses Ereignis zum Anlass, in
öffentlichen Veranstaltungen daran zu gedenken und gleichzeitig aktuelle Fragen
der Erinnerungskultur zu diskutieren. Dem schließt sich auch die KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen an.
Der Trägerverein freut sich, Prof. Dr. Matthias Pfüller als Referenten für die
Gedenkveranstaltung gewonnen und den Ratssaal des Kaltenkirchener Rathauses als
Veranstaltungsort bekommen zu haben.
Der Vortrag von Prof. Pfüller beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen der
pädagogischen Bedeutung und Arbeit von Gedenkstätten. Da die KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen nach der Errichtung eines zweiten Containers und mit dem Aufbau
einer neuen Ausstellung in eine neue Phase eintritt, stehen Anregungen für
Orientierung, Zielsetzung und Schwerpunktbildung der zukünftigen Arbeit in
Kaltenkirchen auf der Tagesordnung. Prof. Pfüller von der Hochschule Mittweida
ist Leiter eines Projektes „Politische Memoriale - Gedenkstättenarbeit in
Mecklenburg-Vorpommern“ und kann über die heutige Erinnerungskultur in dem neuen
Bundesland berichten, das zwar nach über vierzigjähriger DDR-Erfahrung über
andere Vorbedingungen verfügt, uns aber interessante Aspekte bieten kann.
Welche Chancen haben regionale Gedenkstätten, Jugendlichen, Schülern und Bürgern
die Auseinandersetzung mit der NS-Herrschaft zu ermöglichen? Was können kleine
Gedenkstätten an Bildungsarbeit als Lernort der Geschichte leisten? Was können
sie gegen eine Ausbreitung von rechtsradikalem Gedankengut unter Jugendlichen
tun? Wie wichtig sind sie auch in Zukunft noch als Erinnerungs-, Gedenk- und
Begegnungsorte?
Der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen Stefan Sünwoldt als Hausherr des
Ratssaales und der Kreispräsident Tiemann des Kreises Pinneberg werden Grußworte
sprechen.
Im Anschluss an den Vortrag erhoffen wir uns eine lebhafte Diskussion über die
Zukunft und Chancen von Gedenkstätten. Alle interessierten Bürger sind herzlich
eingeladen. Wir hoffen, dass viele Bürger kommen werden und die Gelegenheit von
Kontakten und Gesprächen nutzen. Der Eintritt ist frei!
05.01.07
Am
11. Dezember wurde Gerhard Hoch mit dem
Bürgerpreis 2006 ausgezeichnet. Er wurde
damit für sein Lebenswerk geehrt. Er hatte diesen Preis bereits im November auf
Landesebene in Kiel erhalten, jetzt erfolgte die Auszeichnung auf Bundesebene.
Die Preisverleihung fand im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin statt. Moderator der
Veranstaltung war Thomas Roth, Leiter des Hauptstadtstudios. Die Laudatio auf
Gerhard Hoch hielt Herr Oettinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er
würdigte darin Gerhard Hochs Lebensleistung, die beispielhaft sei für die
glaubwürdige Wandlung von einem überzeugten Anhänger des Nationalsozialismus –
als junger Mensch - hin zu einem unermüdlichen Streiter für die Aufdeckung der
Verbrechen des NS-Systems.
Der Bürgerpreis wird seit einigen Jahren verliehen, um das ehrenamtliche
Engagement von Menschen in unserer Gesellschaft hervorzuheben. In diesem Jahr
ging es um den Bereich ‚Kultur verbindet’. Das allgemeine Motto lautet: für
mich, für uns, für alle. Der Preis wurde vom Deutschen Städtetag, vom Deutschen
Städte- und Gemeindebund, dem Deutschen Landkreistag sowie von engagierten
Bundestagsabgeordneten ins Leben gerufen. Die Preisgelder werden von der
Stiftung der Sparkassen zur Verfügung gestellt. Die Auszeichnungen erfolgen in
den Kategorien Junioren, Alltagshelden, Arbeit & Engagement sowie Lebenswerk.
Zunächst werden die Preise auf Landesebene vergeben,
dann
wird aus den Gewinnern der nationale Preisträger ermittelt. Für die Kategorie
Lebenswerk kann man sich nicht selber bewerben, sondern muss dafür vorgeschlagen
werden.
Um so größer war die Freude, dass die Jury dem Vorschlag von Uta Körby gefolgt
ist, Gerhard Hoch für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement für die
Erforschung des NS-Geschichte und die Arbeit auf der von ihm begründeten
KZ-Gedenkstätte zu ehren. Einige Vorstandsmitglieder begleiteten Gerhard Hoch
bei der Preisverleihung und erlebten einen eindrucksvollen Festakt. Das
ansehnliche Preisgeld von 5.000 EURO hat Gerhard Hoch bereits dem Trägerverein
für die Gestaltung einer neuen Ausstellung gestiftet. Wir gratulieren ihm zu den
Auszeichnungen und danken ihm für die großzügige Spende!
19.11.06
Am
Volkstrauertag hatte der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen wie jedes
Jahr zu einer Gedenkwanderung von der Gedenkstätte in Springhirsch zur
Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer in Moorkaten aufgerufen. 14
Personen waren an dem regenreichen Tag gekommen, unter ihnen der Bürgermeister
der Stadt Kaltenkirchen Stefan Sünwoldt und der Kaltenkirchener Pastor Martin
Goetz-Schuirmann. Zum Gedenken an die vielen anonymen Toten, zum einen an die
sowjetische Kriegsgefangenen und zum anderen an die KZ-Opfer des Außenkommandos
Kaltenkirchen, stellten die Teilnehmer Windlichter auf die Gräber in Moorkaten.
Auf dem fast drei Kilometer weiten Weg durch das Übungsgelände der Bundeswehr
wurde diesmal ein Holzkreuz getragen, das an der Hinrichtungsstätte Fred
Göttner, ca. 300 m östlich der Gräberstätte, eingegraben werden sollte.
Die
Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer in Moorkaten zeigte sich wegen des
windstillen Dauerregens und der herbstlichen Laubfärbung diesmal in einer
merkwürdig zwielichtigen Stimmung von Trauer und Hoffnung, wozu die angezündeten
Windlichter das Ihrige beitrugen.
Anschließend
bewegten sich die Teilnehmer hinüber zur Hinrichtungsstätte Fred Göttner. In
einer Kiesgrube am Rande des Moorkatener Waldes nördlich der Betonstraße, wo
einst das Wasserwerk stand, wurde der 22-jährige Sanitätsunteroffizier Helmut
Alfred Göttner wegen "Plünderei" nach einem Todesurteil des Kriegsgerichtes des
Luftgaues XI hingerichtet. Er wurde an einen Pfahl gefesselt, ihm wurden die
Augen verbunden und 12 Kameraden hatten den Auftrag, das Urteil zu vollstrecken.
Das geschah am 5. September 1941.
Dr. Gerhard Hoch schilderte den Vorgang und die Zusammenhänge, von denen er
durch Zeugenaussagen erfahren hatte. Aus nichtigem Anlass, wegen einer
Schreibmaschine, die er nach einer Bombennacht an sich genommen hatte, und weil
die Wehrmacht ein abschreckendes Zeichen setzen wollte, wurde Fred Göttner
erschossen und ein junges Leben ausgelöscht.
Dr. Hoch fragte die Teilnehmer: "Wissen Sie, warum man den Todeskandidaten die
Augen verband? Nicht, weil man dem, der erschossen werden sollte, ein wenig von
der Angst nehmen wollte, nein, sondern weil man den Schützen ersparen wollte,
ihrem zu erschießenden Kameraden in die Augen zu schauen."
Der
Bürgermeister Stefan Sünwoldt und der Pastor Martin Goetz-Schuirmann ließen es
sich nicht nehmen, das Holzkreuz und die erläuternde Tafel eigenhändig
einzugraben. Sie setzten damit ein Zeichen. Unmenschliche Gesinnung,
unmenschliche Strenge, Hass und Krieg dürfen nirgendwo auf der Welt gedeihen.
Und wo es Anzeichen solcher Inhumanität gibt, müssen wir ihnen entschieden
entgegentreten. Dr. Hoch: "Die Schützen damals gehorchten. Wer sich weigerte
oder drückte, riskierte allenfalls Ansehensverlust, riskierte, zukünftig als
"Weichei" zu gelten. Mehr nicht!"
Auch heute gilt es, wachsam zu sein. Unser eigentlich gesundes Streben nach
Anerkennung, nach Beachtung und Wertschätzung darf uns nicht blind machen für
inhumane, für menschenverachtende Hintergründe, denen anzupassen wir uns hüten
sollten.
Pressemittelung vom 07.11.2006
Am
Sonntag, den 19. November gedenkt der Trägerverein KZ-Gedenkstätte der Toten
und der Ermordeten, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ums
Leben gekommen sind. Die Bürger sind eingeladen, sich am Nachmittag um 14.00 Uhr
an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch zu treffen. Gemeinsam soll quer über das
heutige Bundeswehrgelände zur Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer in
Moorkaten gewandert werden. Dabei wird ein Holzkreuz getragen. An der
Gräberstätte werden Windlichter abgestellt.(Bitte mitbringen!) Danach geht es
zur in der Nähe befindlichen Hinrichtungsstätte "Fred Göttner", wo das
mitgetragene Holzkreuz aufgestellt wird.
Dr. Gerhard Hoch, Frau Uta Körby und weitere Vorstandsmitglieder werden die
Teilnehmer begrüßen und sachkundig führen. An der Hinrichtungsstätte wird Dr.
Hoch die besondere Bedeutung des historischen Ortes näher erläutern.
Die knapp drei Kilometer weite Wegstrecke von Springhirsch nach Moorkaten
beansprucht etwa 40 Minuten Weges zu Fuß. Auf Wunsch werden Teilnehmer
anschließend mit dem Auto zur KZ-Gedenkstätte in Springhirsch zurückgefahren.
Die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch finden die Besucher an der B4 ca. 3km
südlich von Lentföhrden.
07.11.2006
Dr.
Gerhard Hoch hat den Bürgerpreis 2006 in der Kategorie "Lebenswerk" für seine
Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein erhalten. Die Urkunde
des Bürgerpreises, der mit einem namhaften Geldbetrag verbunden ist, wurde Dr.
Hoch Anfang November in festlichem Rahmen in Kiel überreicht. Damit wurde das
Lebenswerk eines Mannes ausgezeichnet, der schon ab 1975 gegen große Widerstände
die Geschichte des Nationalsozialismus im südlichen Schleswig-Holstein erforscht
und dem Vergessen entrissen hat.
Zum
dritten Mal wurde im Zusammenwirken des Sozialausschusses des
Schleswig-Holsteinischen Landtages mit dem Sparkassen- und Giroverband
Schleswig-Holstein ein Bürgerpreis für ehrenamtliches Engagement verliehen.
Hintergrund ist die bundesweite Initiative für Bürger-Engagement "für mich, für
uns, für alle", die von Bundestagsabgeordneten mit den Städten, Gemeinden,
Landkreisen Deutschlands und den Sparkassen gegründet wurde. Diesmal stand der
Bürgerpreis unter der Thematik "Kultur verbindet". In der Urkunde heißt es u.a.:
"Im Jahr 2006 standen Menschen und Projekte im Mittelpunkt, die im Bereich
Kultur einen wichtigen Beitrag zum Zusammenleben in unserem Land leisten."
Es wurden in diesem Jahr Initiativen, Projekte und Einzelpersonen ausgezeichnet,
die mittels Kunst, Musik, Theater oder Literatur erreichten, dass Menschen
zueinander fanden, dass Gemeinsamkeiten geschaffen und Grenzen zu anderen
Kulturen und Ländern überwunden wurden. Es teilten sich diesmal fünf
Preisträger, zugeordnet in verschiedenen Kategorien, den Preis von insgesamt 10
000 Euro, der von den Sparkassen zur Verfügung gestellt worden war. Das waren
Theater- und Musikgruppen und Bürgerinitiativen, die mit Behinderten, mit
Benachteiligten und mit Menschen teilweise länderübergreifend arbeiteten.
Darunter eben auch Dr. Gerhard Hoch als Einzelperson, der mit seinen zahlreichen
Veröffentlichungen einen großen Beitrag für das Miteinander in unserem Lande und
für die Völkerverständigung europaweit geleistet hat.
Schirmherr des Bürgerpreises ist der Landtagspräsident Martin Kayenburg.
Jörg-Dietrich Kamischke, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes
Schleswig-Holstein und Siegrid Tenor-Alschausky, Vorsitzende des
Sozialausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtages, würdigten die
Preisträger und überreichten die Urkunden.
21.09.2006
Jüngst besuchte eine Gruppe polnischer Austauschschüler die KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen in Springhirsch und legte 18 mit Namen von verstorbenen
KZ-Häftlingen beschriftete Feldsteine nieder.

Die polnische Schule XLI Liceum Ogolnoksztalcace aus Lodz ist Partnerschule der
IGS Thesdorf und schickte für eine Woche 13 Schülerinnen und Schüler nach
Pinneberg. Die polnische Schülergruppe hatte zusammen mit deutschen Schülern der
IGS ein interessantes Programm zu bewältigen, das sie u.a. auch nach
Springhirsch führte. Denn diesmal stand die Arbeit an dem Projekt "Steine"
während der Austauschwoche im Mittelpunkt. Die polnischen Schülerinnen und
Schüler beschrifteten 18 Feldsteine mit den Namen von im Kaltenkirchener
KZ-Außenlager verstorbenen KZ-Häftlingen. Damit wurde die Sammlung der 214
Steinen komplettiert, die den in Kaltenkirchen verstorbenen KZ-Häftlingen die
Würde und Achtung wiedergeben, die ihnen damals genommen worden waren. Die
Steingruppe liegt am Rundweg im Gedenkstättengelände und bildet für Besucher
einen eindrucksvollen Ort der Trauer und der Besinnung.
Die 30-köpfige Besuchergruppe aus Polen und der IGS Thesdorf ließ sich über drei
Stunden lang von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Trägervereins Jürgen
Gill über das KZ-Außenlager Kaltenkirchen und über das Schicksal der
KZ-Häftlinge unterrichten. Die polnische Gruppe wurde von den beiden polnischen
Deutschlehrerinnen Teresa Szulc und Kasia Orcyk geleitet, die während der
Führung die Übersetzungsarbeit leisteten. Auf deutscher Seite betreuten Petra
Grove und Uwe Amthor die Gruppe.

Als die polnischen Schülerinnen und Schüler ihre 18 beschrifteten Steine an der
dafür vorgesehenen Stelle zu den anderen Steinen legten, entdeckte eine der
polnischen Lehrerinnen den Namen ihrer Familie, ein Name, der in Polen sehr
selten ist. Ihr Großvater dieses Namens war von den Deutschen verschleppt worden
und seitdem verschollen. Der Vorname allerdings fehlte auf dem Stein, weil er
unbekannt ist, so dass eine eindeutige Identifizierung nicht mögliche war. Es
entstand aber ein Augenblick intensiver Trauer, der nicht nur die Betroffene
erfasste.
03.09.2006
Am zweiten Septembersonntag findet auch in diesem Jahr wieder der "Tag des offenen Denkmals" statt. Die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch bietet deshalb am Sonntag, d. 10.09.06, ab 14.00 Uhr den Besuchern eine besondere Führung auf dem Gelände der Gedenkstätte an und zeigt im Dokumentenhaus den Film "Vergessene Lager". Dr. Gerhard Hoch, Ehrenvorsitzender, Uta Körby, Vorsitzende, und Jürgen Gill, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins freuen sich, ab 14.00 Uhr zahlreiche Besucher willkommen heißen zu dürfen. Wer schon früher kommen möchte, findet die Gedenkstätte ab 11.00 Uhr wie jeden Sonntag geöffnet vor.
11.06.2006
Prof.
Dr. Uwe Danker stellte jüngst in Kaltenkirchen vor fachkundigem Publikum seine
„Thesen zur Gedenkstättenarbeit in Schleswig-Holstein“ vor. Er war von der
Vorsitzenden des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, Uta Körby,
eingeladen worden. Prof. Danker ist u. a. Vorsitzender der Bürgerstiftung
Schleswig-Holsteinische Gedenkstätte. Damit sitzt er an der entscheidenden
Stelle der Vergabe von Mitteln für die Gedenkstättenarbeit im Lande. Die
Förderrichtlinien der Bürgerstiftung stellen Anforderungen an die bestehenden
Gedenkeinrichtungen, die er maßgeblich beeinflusst. Er formulierte in
Kaltenkirchen seine Vorstellungen darüber, welchen Ziele und welche Aufgaben die
Gedenkstättenarbeit in der Zukunft sinnvoll und förderwürdig machen. Es sei
jetzt an der Zeit, die unbequeme Sinnfrage zustellen.
Prof. Danker untersuchte in seiner Darstellung die Zukunftsfähigkeit von sechs
Zielsetzungen der Gedenkstättenarbeit:
1. Die Gedenkstätte als Ort des Gedenkens an die Opfer, deren Würde wieder
hergestellt werden muss, und zwar genau an dem Platz, wo sie ihnen genommen
wurde. Hierbei handele es sich um eine zeitlose Aufgabe, d. h. die
Gedenkstättenarbeit wird dies auch zukünftig leisten müssen.
2. Die Gedenkstätte als Ort der Erinnerung und der Trauer für die Opfer und ihre
Nachkommen. Um ihre Identität wieder zu gewinnen und für ihre eigene
Glaubwürdigkeit, brauchen die überlebenden Opfer den sichtbaren Beweis für das
ihnen damals zugefügte Leiden. Wer vergeblich nach dem realen Ort seines Leidens
suchen muss, dem nimmt man auch heute noch seine Identität und Würde. Und genau
dieses z. B. wird bis heute den Opfern des Arbeits- und Erziehungslagers
Nordmark in Kiel zugefügt, weil an dieser Stelle in Kiel eine detaillierte
Information über die damalige Leiden fehlt. Die überlebenden Opfer beginnen an
sich selbst und an ihrer Erinnerung zu zweifeln, eine Ursache möglicher
psychischer Erkrankungen. Aber diese Aufgabe der Gedenkstätten wird sich mit dem
Wegsterben der Opfer in absehbarer Zukunft erledigen.
3. Die Gedenkstätte als Ort der Begegnung von Opfern und deren Nachkommen mit
den Mitgliedern der ehemaligen Tätergesellschaft. Damit leistet sie
überregionale Friedensarbeit und ein interkulturelles Zusammenrücken. Aber
dieser Täter-Opfer-Ausgleich ist ebenfalls wie bei Punkt 2 biologisch begrenzt
und wird zukünftig in seiner Wichtigkeit abnehmen. Der Ausgleich zwischen
Täterenkeln und Täteropfern ist eine fragliche Angelegenheit.
4. Die Gedenkstätte als außerschulischer Lernort zur Vermittlung affektiver
Erfahrung von NS-Gewalt. Sie löst Betroffenheit aus. Die Spuren im regionalen
Umfeld, also in geografischer Nähe, können Emotionen erzeugen. Hierbei handelt
es sich allerdings um ein sehr schwieriges Terrain, das viel pädagogisches
Fingerspitzengefühl verlangt. Dies wird auch noch in Zukunft geleistet werden
können.
5. Die Gedenkstätte als Ort kognitiver Wissensaneignung. Was hat sich damals
zugetragen, warum hat es sich zugetragen? Fragen nach der Herrschaftsstruktur
des nationalsozialistischen Staates, nach Verfolgung, Mitläufertum, Widerstand
usw., geschichtliches Wissen also! Dabei kann die Gedenkstätte Anstöße und
Anregungen geben für ein weiteres Lernen außerhalb. Das eigentlich vertiefende
Lernen fängt demnach erst außerhalb der Gedenkstätte an.
6. Die Gedenkstätte als Ort des Mahnens: „Nie wieder!“ Die gegenwärtigen
Gefahren durch den Rechtsextremismus lösen in der Öffentlichkeit, bei Politikern
und in den Medien oft den Reflex aus, rechtsextreme Jungendliche zu einer
Gedenkstätte zu schicken in der Hoffnung, sie dort durch Betroffenheit und
Wissensaneignung von ihrem gefährlichen Weg abbringen zu können. Das
funktioniert aber nicht. Bei denen, die durch irgendwelche Gründe zum
Rechtsextremismus neigen, bewirkt der Besuch einer Gedenkstätte in der Regel
nichts. Das Wissen und die Aufklärung über die geschichtlichen Ereignisse
schützen vor Gewalt überhaupt nicht. Die Defizite jugendlicher Gewalttäter der
rechten Szene haben ganz andere Ursachen und lassen sich nicht durch
Geschichtswissen beseitigen.
Nur drei Punkte, so führte Prof. Danker zusammenfassend aus, hätten noch
zukünftig Bedeutung: Erstens die Wiederherstellung der Würde der Opfer, zweitens
die –allerdings durchaus problematische- Vermittlung affektiver Erfahrung und
drittens die kognitive Wissensvermittlung. Er stellte der KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen ein sehr gutes Zeugnis aus, indem er hier alle heute relevanten
Kriterien in besonderem Maße erfüllt sieht. Das hielt ihn aber nicht davon ab,
für ganz Schleswig-Holstein kritisch festzuhalten, dass ein Missverhältnis
bestünde zwischen ehrenamtlicher und hauptamtlicher Arbeit im
Gedenkstättenbereich. In Schleswig-Holstein gäbe es nur eine hauptamtlich in
einer Gedenkstätte beschäftigte Person, so in Ladelund. Sonst würde die Arbeit
allein von ehrenamtlichen Kräften getragen. Das Verhältnis müsse sich in Zukunft
zugunsten der hauptamtlichen Tätigkeit ändern, forderte Prof. Danker, der sich
der damit verbundenen Kosten bewusst war.
In Zukunft werde sich die Modernisierung der Gedenkstättenarbeit in Richtung
Professionalisierung und Musealisierung entwickeln müssen. Professionelle
Museumsmacher, die sich auf die Bedürfnisse der Besucher nach Information und
Unterhaltung einstellen, werden die Arbeit machen. Gegenwärtig sei die
Musealisierung der Gedenkstättenarbeit noch nicht auf der Höhe der Zeit. Hier
herrsche Revisionsbedarf.
In der anschließenden Diskussion gingen die Zuhörer besonders auf den Begriff
„Musealisierung“ ein. Sie taten sich schwer damit. Prof. Danker entgegnete, dass
die Gedenkstätten zukünftig an den modernen Methoden der Museen nicht vorbei
kämen, nämlich sich auf die verschiedenen Erwartungen von Museumskonsumenten
nach Lernen und Unterhaltung einzustellen. Das Holocaustdenkmal in Berlin führte
er als gelungenes Beispiel an.
Altbischof
Karl-Ludwig Kohlwage, der unter den Zuhörern weilte, setzte sich mit der
pessimistischen Einschätzung des Professors auseinander, dass rechtsradikale
Jugendliche durch die Gedenkstättenarbeit kaum zu erreichen seien. Hier
antwortete Prof. Danker, dass der öffentliche Reflex von Politikern und Medien,
sich bei rechtsradikalen Ereignissen Heilung durch Gedenkstätten zu erhoffen,
naiv sei. Aber die Vermittlung des „Nie wieder“ sei gegenüber normalen
Jugendlichen durchaus angebracht. Diese zu stärken, damit sie sich besser von
den Gewaltbereiten abgrenzen könnten, sei eine sinnvolle Aufgabe.
26.05.2006
Prof. Dr. Uwe Danker kommt am Donnerstag, den 8. Juni 2006, ins Bürgerhaus nach
Kaltenkirchen. Im Kaminzimmer um 19.00 Uhr beginnt sein Vortrag zum Thema:
"Thesen zur Gedenkstättenarbeit in Schleswig-Holstein". Veranstalter ist der
Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V.
Vor welchem Wandel stehen die KZ-Gedenkstätten 60 Jahre nach dem Kriegsende?
Was bedeutet der Verlust von Zeitzeugen für die pädagogische Arbeit?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich zurzeit auch ein Arbeitskreis des
Trägervereins, der sich durch die Ausführungen von Prof. Danker wertvolle
Anregungen für die eigene Gedenkstättenarbeit erhofft. Natürlich ist die
Öffentlichkeit zu dem Vortrag, an dessen Ende eine lebhafte Diskussion erwartet
wird, herzlich eingeladen.
Prof. Dr. Uwe Danker ist Direktor des Instituts für Zeit- und Regionalgeschichte
sowie des Instituts für Geschichte und ihre Didaktik der Universität Flensburg.
Er ist Vorsitzender der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten.
Zu dem Vortrag im Kaminzimmer des Kaltenkirchener Bürgerhauses am Do. 8. Juni
2006 um 19.00 Uhr lädt der Trägerverein alle Bürger herzlich ein. Der Eintritt
ist frei!
09.05.2006

Die Jahreshauptversammlung des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen fand
diesmal besondere Aufmerksamkeit bei den Mitgliedern und Gästen, denn die
Gedenkstätte konnte auf zehn Jahre Bestehen und Entwicklung zurückblicken. Wegen
des schönen Wetters und der Enge des Dokumentenhauses fand sie im Freien statt.
Die Vorsitzende des Trägervereins Uta Körby zog eine positive Bilanz der
Entwicklung des letzten Jahres, seitdem der neue Vorstand im Amt ist. Dr.
Gerhard Hoch, der die Gedenkstätte maßgeblich vorangetrieben hatte, von Anfang
an Vorsitzender des Trägervereins gewesen und vor einem Jahr aus Altersgründen
zurückgetreten war, bestätigte während seines anschließenden Rückblickes den
Erfolg des Überganges in jüngere Hände. Uta Körby zeigte sich in ihrem
Jahresbericht erfreut über die Entwicklung der Besucherzahlen. Sie hob besonders
hervor, dass Schulklassen aller Schularten und aus vielen Gemeinden der Umgebung
die Gelegenheit wahrgenommen haben, Geschichtsunterricht am authentischen Ort zu
erleben. Wegen der Weiterentwicklung der Gedenkstätte und aus schulinternen
Gründen hätten sich allerdings die pflegerischen Helferdienste durch Schüler,
wie sie früher angedacht gewesen waren, als nicht praktikabel erwiesen. Die
großen Ferien oder schulische Belange standen oft dann entgegen, wenn
Pflegearbeiten am nötigsten gewesen wären. Aber die Nutzung der Gedenkstätte
durch Schulklassen als Lernort der Geschichte besonders im Herbst, Winter und im
zeitigen Frühjahr habe sich erfreulich intensiviert.
Mit ihren Hinweisen auf mehrere öffentliche Veranstaltungen des letzten Jahres
und auf laufende und bevorstehende Vorhaben und Projekte unterstrich sie die
erfolgreiche Arbeit des Vorstandes seit der Übernahme der Geschäfte vor einem
Jahr. Dafür dankte sie den einzelnen Mitgliedern des Vorstandes unter starkem
Applaus der Zuhörer. „Die gute Zusammenarbeit und das reibungslose Miteinander
aller Vorstandsmitglieder und ihr ehrenamtliches Engagement je nach Zeit und
Kraft schafften es, dass der pädagogische Auftrag der Gedenkstätte so
erfolgreich erfüllt werden konnte“, schloss die Vorsitzende.
Anschließend referierte der Ehrenvorsitzende Dr. Gerhard Hoch, der seine
Rückschau unter das Thema stellte: „Die Wahrnehmung des ehemaligen
KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen“. Er wies die Zuhörer auf den Aufsatz von Jürgen
Gill hin: „Die Geschichte der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen“, der im
Dokumentenhaus aus Anlass des Jubiläums in ansprechender Form für die Besucher
ausliege. Damit begründete er den interessanten Schwerpunkt seiner Ausführungen
darauf, wie die Menschen nach dem Kriege mit der Geschichte ihrer eigenen
Umgebung umgegangen sind. Die äußerst interessanten Ausführungen Dr. Hochs
können an dieser Stelle nicht im Einzelnen näher dargestellt werden. Sie zeigen
und belegen, wie hier in der Region Jahrzehnte lang das Konzentrationslager in
Springhirsch an der R4, heute B4, verharmlost, verdrängt und schließlich
vergessen worden ist. Dr. Hoch nannte ein Beispiel aus dem Jahr 1961: „An der
Gräberstätte in Moorkaten fand damals ein Feldgottesdienst für eine
Bundeswehreinheit statt. Die Segeberger Zeitung zitierte aus der Predigt des
Geistlichen: „Wir stehen hier an den Gräbern unserer ehemaligen Gegner ohne Hass
und Rachegedanken.“ Die dort verscharrten, zu Tode gequälten, verhungerten und
geschundenen KZ-Häftlinge mochten sich über soviel Edelmut im Grabe umgedreht
haben. Jahrzehntelang bis in die neunziger Jahre firmierte das Massengrab in
Moorkaten unter der Bezeichnung „Kriegsgräberstätte“, was sie nie war. Denn hier
lagen und liegen zu Tode geschundene KZ-Opfer und verhungerte sowjetische
Kriegsgefangene, keine im Kampf `gefallenen` Soldaten, wie 45 Jahre lang mit der
falschen Bezeichnung suggeriert wurde.“ Soweit Dr. Hoch.
Ich, der ich über die Mitgliederversammlung berichte, füge hinzu –zugegeben
überspitzt formuliert: Die Bezeichnung „Kriegsgräberstätte“ erweckte doch den
Eindruck und die Vorstellung, als seien die KZ-Opfer als unvermeidliche Folge
kriegerischer Auseinandersetzungen anzusehen, sozusagen „Kollateralschäden“
kriegerischer Handlungen. Subtiler und raffinierter konnte man im Nachhinein die
Vernichtungsmaschinerie der KZs nicht rechtfertigen.
Dr. Hoch erzählte weiter, wie er 1975 auf das KZ-Außenkommando in Springhirsch
aufmerksam gemacht wurde, wie er danach unter erheblichen Schwierigkeiten und
Widerständen recherchiert habe. Aber er fügte am Schluss auch hinzu, dass sich
in den letzten zehn Jahren die Haltung der Menschen zur nationalsozialistischen
Vergangenheit der eigenen Region gründlich ins Positive gewandelt habe.
Aus dem Zuhörerkreis meldete sich am Ende des Referates von Dr. Hoch Peter
Gudelius aus Quickborn und drückte sein Erstaunen darüber aus, dass die
Nordbaracke des damaligen KZ-Lagers bis 1973 noch an der B4 gestanden habe. Hier
sei die Kneipe „Astra Klause“ untergebracht gewesen. Den rastenden Fernfahrern
wäre vielleicht übel geworden, wenn sie gewusst hätten, an welchem Ort sie ihr
Bier tranken. Dr. Hoch bedauerte, dass er mit seiner Recherche zwei Jahre zu
spät gekommen war. Die intakte Baracke hätte sich zur Einrichtung einer
Gedenkstätte angeboten. In Quickborn, so ergänzte Peter Gudelius weiter, stünde
bis heute ein gut erhaltener Rotsteinbau, in dem bis zum Mai 1945
51 jüdische Kriegsgefangene untergebracht waren. Als Quickborner Lehrer
dort mit ihren Klassen anschaulichen Geschichtsunterricht durchführen wollten,
gerieten sie derart unter Druck, dass sie sich zurückzogen und darauf
verzichteten, das Gebäude mit ihren Schülern betreten zu wollen.

Zum Schluss kamen die beiden ehemaligen Studenten, Maren Grimm und Oliver
Gemballa, zu Wort. Beide hatten vor mehr als zehn Jahren einfach eigenmächtig
Grabungen entlang der B4 vorgenommen, als die zuständigen Behörden die
Einrichtung einer Gedenkstätte mit dem Hinweis noch ablehnten, die Gräberstätte
in Moorkaten genüge. Sie hatten das Buch von Gerhard Hoch „Zwölf wiedergefundene
Jahre“ gelesen. Mit ihrem Engagement nach dem Motto `einfach handeln und nicht
lange reden´ begann die Entwicklung der Gedenkstätte. Denn es trat der günstige
Umstand auf, dass der Grund und Boden, auf dem das KZ-Lager gestanden hatte,
inzwischen der Flughafengesellschaft Hamburg gehörte, die von nun an großzügig
bis heute jede Aktivität zur Entwicklung der Gedenkstätte unterstützte. Beide,
Maren Grimm und Oliver Gemballa, wurden vom Vorstand eingeladen, in einer
gesonderten öffentlichen Veranstaltung im Sept. 2006 über ihre Erfahrungen näher
zu berichten und ihr umfangreiches Foto- und Filmmaterial vorzuführen.
Aus der Versammlung meldete sich auch der Bürgermeister von Bad Bramstedt,
Hans-Jürgen Kütbach, zu Wort, der Mitglied im Trägerverein ist, und sprach dem
Vorstand seinen ausdrücklichen Dank für die so engagiert geleistete Arbeit aus.
Er streifte in seinen Ausführungen das Schicksal des Juden Oskar Alexanders, dem
Gründer der Rheumaklinik in Bad Bramstedt, der in einem KZ sein Leben ließ und
dessen Lebensgeschichte Dr. Gerhard Hoch in einem Buch dargestellt hatte. Zum
Schluss sagte Kütbach in Anspielung auf das jüngste Vorhaben des Trägervereins,
nämlich einen zweiten Container zur Schaffung eines Schulungs- und
Versammlungsraums aufzustellen: „Wenn ich den Vorstand des Trägervereins sehe,
wie er in diesem Jahr erfolgreich gearbeitet hat, dann bin ich sicher, es wird
ihm auch die Finanzierung des zweiten Containers in absehbarer Zeit gelingen“.
Zuvor hatte sich auch der Kaltenkirchener Bürgervorsteher Ulrich Siefert
anerkennend geäußert. Er hatte die Kasse des Vereins geprüft und die
vorbildliche Arbeit des Kassierers Reinhold Krause und die der anderen
Vorstandsmitglieder ausdrücklich gelobt.
Jürgen Gill
27.04.2006
Der Trägerverein hat seine Mitglieder (Freunde, Gäste und Besucher sind
willkommen) zur Jahreshauptversammlung 2006 eingeladen. Sie findet statt am
Sonntag, den 7. Mai 2006, um 11.00 Uhr auf der Gedenkstätte in Springhirsch an
der B4.
Diesmal steht die Jahreshauptversammlung unter einem besonderen Stern. Denn
genau vor zehn Jahren begann an dieser Stelle die KZ-Gedenkstätte zu wachsen.
Man kann also auf ein zehnjähriges Bestehen zurück schauen und ein Jubiläum
feiern. Deshalb wird der Ehrenvorsitzende Dr. Gerhard Hoch einen Rückblick auf
diese zehn Jahre geben. Zudem sind Oliver Gemballa und Maren Grimm zu der
Versammlung eingeladen worden, die beide damals als Studenten beim Start der
Gedenkstätte einen maßgeblichen Anteil hatten.
Jürgen Gill
26.04.2006
In
der jüngsten Sitzung des zuständigen Ausschusses der Stadt Quickborn wurde
beschlossen, dem Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch
einen Zuschuss von 1 000 Euro zu gewähren. Die Gedenkstätte hatte einen
Zuschussantrag für die Anschaffung eines zweiten Containers gestellt. Der zweite
Container sei notwendig zur Einrichtung eines Schulungsraumes, den der
Trägerverein für seine Aufklärungs- und Informationsarbeit mit Schulklassen
dringend benötige, so hatte die Vorsitzende des Trägervereines, Uta Körby, dem
Ausschuss erläutert. Denn das vorhandene Dokumentenhaus sei zu eng und für die
Aufnahme einer Schulklasse völlig ungeeignet.
Alle drei im Ausschuss vertretene Fraktionen, der von dem SPD-Vertreter Olaf
Nuckel geleitet wird, erkannten die Bildungsarbeit des Trägervereins als wichtig
und wertvoll an. Auch Schüler aus Quickborner Schulen besuchten häufig die
Gedenkstätte, um sich am Ort des Geschehens und außerhalb der Schulmauern
intensiv mit der jüngsten Vergangenheit zu beschäftigen, hieß es. Der dringend
benötigte Schulungsraum sei deshalb auch im Interesse Quickborns, das betonten
die Vertreter der CDU, der SPD und der Grünen im Ausschuss. Deshalb beschlossen
sie nach eingehender Diskussion über die Höhe des Zuschusses einstimmig, dem
Trägerverein 1 000 Euro für die Anschaffung des Containers zu bewilligen. Das
ist ein wertvoller Teilbetrag für die Gesamtkosten von ca. 32 000 Euro, die
benötigt werden.
Da der Verein von der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten
jährlich bezuschusst wird, der Spendeneingang durch Besucher im Dokumentenhaus
nicht unerheblich und ein Sponsorenaufruf an namhafte Betriebe und Einrichtungen
in der Region ergangen ist, stellt dieser Zuschuss von 1 000 Euro ein nicht
unbedeutender Stein im Mosaik des Gesamtbildes dar, zumal er durchaus auch eine
Signalwirkung auf andere Kommunen in den Kreisen Pinneberg und Bad Segeberg hat.
Uta Körby, die Vorsitzende, und Jürgen Gill, ihr Stellvertreter, dankten dem
Kulturausschuss der Stadt Quickborn für das freundliche Entgegenkommen. "Mit dem
Zuschuss der Stadt Quickborn im Rücken werden wir es leichter haben, weitere
Unterstützer für das Projekt zu bekommen," betonte Jürgen Gill.
Jürgen Gill
26.04.2006
Am
südwestlichen Stadtrand von Kaltenkirchen im Neubaugebiet zwischen Waldweg und
Im Brook liegt die Richard-Tackx-Straße. Richard Tackx, 1944/45 KZ-Häftling in
Kaltenkirchen, ragt aus der großen Zahl der Häftlinge heraus, weil durch seinen
Einsatz, der ihm das Leben hätte kosten können, 68 verstorbene französische
Kameraden 1951 exhumiert und identifiziert werden konnten. Damit riss er sie aus
der Anonymität, die damals von den Machthabern gewollt war. Statt einfach so zu
verschwinden wie so viele andere polnische oder russische Leidensgenossen,
konnten sie in der Heimaterde begraben und von ihren Angehörigen betrauert
werden.
Ende
April besuchte die Tochter von Richard Tackx, der in den achtziger Jahren
verstorben ist, Kaltenkirchen. Dr. Gerhard Hoch und Jürgen Gill begrüßten sie,
ihren Mann und ein befreundetes französisches Ehepaar an der KZ-Gedenkstätte in
Kaltenkirchen. Wie zu erwarten war, wandelte die Tochter Colette Rey
wissbegierig und mit höchster Aufmerksamkeit auf den Spuren ihres Vaters. Die
Vertreter des Trägervereins hatten es organisieren können, dass man von der
Gedenkstätte in Springhirsch auf dem gleichen Weg zur Gräberstätte in Moorkaten
wanderte, den damals der Funktionshäftling und Anführer des
Beerdigungskommandos, Richard Tackx, vom Lager zum Massengrab nehmen musste. Das
Wetter spielte an diesem herrlichen Frühlingstag mit. So konnte ihr Dr. Hoch
unterwegs erzählen, wie ihr Vater den Verstorbenen heimlich
Erkennungsmarkierungen mit ins Massengrab gegeben hatte. Denn Richard Tackx
wusste, dass der Krieg für Deutschland bald verloren sein würde und er, wenn er
überlebte, dafür sorgen könnte, die Verstorbenen ihren Familien zu übergeben.
Richard Tackx überlebte den fürchterlichen KZ-Aufenthalt, weil er und zwei
Kameraden im April 1945 während einer Bombennacht aus dem Lager geflohen und von
einer Anwohnerin, Herta Petersen, in ihrem Hause versteckt und bis zum
Eintreffen der Engländer versorgt worden war. Danach noch im Mai 1945 gelang es
ihm mit aus der Umgebung von Alveslohe zusammengetrommelten französischen
Zwangsarbeitern und überlebenden Häftlingen über 100 Holzkreuze an der Stätte
der Massengräber aufzustellen. Damit war die Stelle in Moorkaten gekennzeichnet
und konnte 1951 wieder gefunden werden. Heute befindet sich dort die von der
Stadt Kaltenkirchen gepflegte Gräberstätte, die es ohne Richard Tackx nicht
gäbe. Denn nach dem Kriege pflegten sehr schnell Zeugnisse der unseligen
Vergangenheit in Vergessenheit zu geraten. Die über 100 Kreuze waren nicht zu
übersehen, wenn auch Jahrzehnte lang durch die irreführende Bezeichnung
"Kriegsgräberstätte" die eigentlich dort Begrabenen aus dem Blickfeld
verschwinden sollten.
Zuletzt führten Dr. Gerhard Hoch, Uta Körby, die später zur Gruppe gestoßen war,
und Jürgen Gill die französischen Gäste hinüber zum Haus von Frau Gimpel, die
damals dem KZ-Außenlager Kaltenkirchen gegenüber wohnte, die Häftlinge täglich
sah und die den Häftling Richard Tackx kennen lernte, weil er als Tischler aus
dem Lager abgeordnet gewesen war, die Zimmerdecken ihres Hauses zu täfeln.
Danach gehörte auch sie zu dem sehr kleinen Kreis dem Lager gegenüber wohnenden
Frauen, die den Häftlingen durch Lebensmitteln halfen. Colette Rey freute sich
außerordentlich, Frau Gimpel zu treffen und kennen zu lernen, die noch heute
eine lebhafte Erinnerung an Richard Tackx, Colette´s Vater, hat. Frau Gimpel:
"Sie sehen Ihrem Vater verblüffend ähnlich, wie aus dem Gesicht geschnitten."
Jürgen Gill
02.04.2006
An einem verregneten Sonntag
Anfang April 2006 besuchten 25 französische Schülerinnen und Schüler die
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch.
Begrüßt
wurden sie vom Ehrenvorsitzenden des Trägervereins Dr. Gerhard Hoch, von der
Vorsitzenden Uta Körby und von dem stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Gill.
Sie wurden begleitet von Robert Pincon (84), einem ehemaligen KZ-Häftling in
Neuengamme. Außerdem empfing sie eine kleine Schülergruppe aus Bad Bramstedt.
Dr. Hoch erzählte ihnen im
Dokumentenhaus die Geschichte des KZ-Außenkommandos
Kaltenkirchen und seine eigene Geschichte als NS-geprägter Hitlerjunge, junger
Mann und Soldat, dem erst nach dem Krieg die Augen über seine unselige Prägung
geöffnet worden waren. Anschließend begaben sich alle auf einen Rundgang über
das Gedenkstättengelände, legten Blumen am ehemaligen Appellplatz ab und
gedachten der vielen Opfer des Lagers.
Die
Schülerinnen und Schüler aus Frankreich gehörten zu einer Schülergruppe, die
schon an den Tagen zuvor Gedenkeinrichtungen in Neuengamme und in Hamburg
besucht hatte. Die in der Mehrzahl 15-jährigen Jugendlichen kamen aus Chambly,
einem Ort unweit nördlich von Paris. Ihre Schule, genannt nach einem in ihrer
Heimat bekannten Autor, Jacques Prevert, hatte sie ausgewählt, Einrichtungen des
Gedenkens nationalsozialistischer Gewalt in Norddeutschland zu besuchen.
Um die Möglichkeit der Begegnung zwischen französischen und deutschen Jugendlichen zu nutzen, organisierte der Trägerverein eine solche Begegnung an der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen. Drei Schülerinnen und ein Schüler des Jürgen-Fuhlendorf-Gymnasiums in Bad Bramstedt, alle des Französischen mächtig, standen während des Besuches den französischen Gäste für Fragen und Gespräche zur Verfügung.
Besonders der Teil des Vortrages von Dr. Hoch, der die eigene Biografie betraf, interessierte die Gäste aus Frankreich besonders. 1933, als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, war Gerhard Hoch 10 Jahre alt. Wie alle Jungen seines Jahrganges gehörte er zur Hitlerjugend. Wer damals etwas auf sich hielt und Erfolg und Anerkennung anstrebte, schwamm mit auf der Welle der nationalen Begeisterung. Die Erweiterung Deutschlands auf Kosten der osteuropäischen Völker, die als Menschen geringeren Wertes eingestuft wurden, setzte die Bereitschaft der jungen Leute zu Kampf und Krieg voraus. So konnte es auch Gerhard Hoch kaum erwarten, als Soldat in den Krieg zu ziehen und für Deutschlands Größe zu kämpfen. In dem kleinen Dorf Alveslohe dachten alle so. Niemand wollte zurückstehen oder gar als Querulant angesehen werden. Erst in der englischen und amerikanischen Gefangenschaft nach dem Zusammenbruch gingen Gerhard Hoch die Augen auf über das Ausmaß der Verführung, die seine Generation erfahren hatte. Beispiele praktischer Demokratie in England haben ihm einen Prozess des Umdenkens ermöglicht. Nach seiner Rückkehr 1948 in sein Heimatdorf Alveslohe erlebte er entsetzt, dass seine Altersgenossen noch immer dem alten Denken verhaftet waren. Verlorene Generation! Dr. Gerhard Hoch hatte sich als einer der Wenigen daraus befreit.
Anschließend führte die
Vorsitzende des Trägervereins, Uta
Körby, die französischen Schülerinnen und
Schüler über das Gelände der Gedenkstätte und erläuterte die Lage und die
entsetzlichen Einzelheiten des ehemaligen Lagers. Am Drehstein, der den Ort des
Appellplatzes markiert, legten die französischen Gäste Blumen nieder und
gedachten der zahlreichen Opfer während der kurzen Zeit des KZ-Außenkommandos
Kaltenkirchen. Robert
Pincon, der 84-jährige ehemalige KZ-Häftling und fast Altersgenosse von Gerhard
Hoch, sprach das Schlusswort: „In KZ-Neuengamme kamen Häftlinge aus vielen
europäischen Ländern zusammen. Damals begann Europa. Europa muss
zusammenwachsen. Denkt daran!“
Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzender des Trägervereins)
29.01.2006
Die
KZ-Gedenkstätte in Springhirsch lud aus Anlass des 27. Januar, dem Tag der
Befreiung von Auschwitz, die Öffentlichkeit zu einer Gedenkveranstaltung ins
Dokumentenhaus. Auf Notsitzen rückten die 34 Besuchern im Dokumentenhaus eng
zusammen. Frau Uta Körby, die Vorsitzende des Trägervereins, begrüßte die Gäste,
erläuterte den Ablauf und machte angesichts der Enge im Raum darauf aufmerksam,
wie sehr ein Versammlungs- und Schulungsraum benötigt würde. Der Bürgermeister
der Stadt Kaltenkirchen, Stefan Sünwoldt, und der Kreispräsident des Kreises
Segeberg, Winfried Zylka, sprachen mehr als nur ein Grußwort. Jeder der beiden
drückte auf eigene Weise seine Betroffenheit über die ungeheuren und
unvorstellbaren Verbrechen der Deutschen während des Zweiten Weltkrieges aus.
Sie formulierten übereinstimmend, dass die Erinnerung an diese Schuld der
Deutschen nie verblassen kann und dass sich an diese Rückbesinnung die Hoffnung
knüpfe: Es darf sich hier und in der Welt Vergleichbares nie wiederholen.
Das
Hauptreferat hielt Dr. h. c. Gerhard Hoch zu dem Thema: "Wie konnten aus ganz
normalen Menschen `Täter` werden?" Dr. Hoch gelang es auf eine ungeheuer
authentische Weise die Wurzeln von Auschwitz auch hier in der Region, auch hier
bei unseren Vorfahren und sogar hier bei uns selber aufzudecken. "Auschwitz ist
also gar nicht so weit weg." Der Weg in die Vernichtung der Juden in Auschwitz
wurde auch hier bereitet. Von den Kanzeln der Kirchen herab, von den
Lehrerpulten her, von den Rednertribünen herunter war der Hass und die
Verachtung gegenüber denen gepredigt worden, deren spätere physische Vernichtung
auf diese Weise vorbereitet wurde. Und dann haben die vielen mitgeholfen und
waren beteiligt, all jene, die das Heer der Helfer und Mitwirkenden bildeten in
den kommunalen Verwaltungen, wenn die Listen der jüdischen Mitbürger
zusammengestellt wurden, die Eisenbahner, wenn die Waggons zusammengestellt
wurden, die deutsche Wehrmacht, wenn in den besetzten Gebieten
Säuberungsaktionen stattfanden, Polizei-Bataillone auch aus unserer Heimat, wenn
Frauen, Kinder und Männer zusammengetrieben und erschossen wurden, die
Industrie, das Handwerk, die Arbeiter, die Beamte und Akademiker, alle halfen
mit, die Vernichtungsmaschinerie in Gang zu halten. Für die Täter, ganz
"normale" Deutsche, unsere Vorfahren, Väter, Großväter, Urgroßväter, war das
Quälen und Töten von Menschen zur Arbeit geworden, die gut organisiert und gut
ausgeführt werden wollte.
Dr. Hoch formulierte: "Meine Generation wurde eingeübt zu Tätern. Und nur ein
gnädiges Schicksal bewahrte die meisten, auch mich, vor dem finalen Tun." Dem
Kaltenkirchener Pastor von 1926 bis 1933, Ernst Szymanowski, war so gesehen das
Schicksal nicht gnädig, er qualifizierte sich zu einem Führer eines
Einsatzkommandos der SS in Russland und ließ Tausende jüdischer Frauen, Kinder
und Männer töten. Doch der Fingerzeig auf ihn wie auf die anderen Massenmörder
entschuldet nicht die Millionen Deutschen, die die Täter getragen haben. Dr.
Hoch erinnerte sich an seine Jugend in Alveslohe und hat noch heute die Melodie
im Ohr, gesungen von Bauern und ihm vertrauten Dorfgenossen: "Wenn das Judenblut
vom Messer spritzt ..."
Doch es gab auch Beispiele von Menschlichkeit, auf die Dr. Hoch gerne
zurückblickte, von Menschlichkeit auch in unserer Nachbarschaft, leider nur sehr
wenige angesichts der vielen, die den Wahn getragen haben. So erwähnte er Frau
Herta Petersen, die geflohene KZ-Häftlinge in ihrem Haus versteckte und ihnen so
das Leben rettete. Er wies auf einen unbekannten Wachsoldaten hin, der einem
Häftling zur Flucht verhalf. Er nannte Else Stapel, die zusammen mit Frau
Petersen Häftlingen Essbares zuschob und, nachdem die drei französischen
Häftlinge nach dem Eintreffen der Engländer gerettet waren, einem von ihnen ihr
Auto lieh, damit er in die Heimat nach Frankreich zurückfahren konnte.
Die beeindruckten Gäste spazierten anschließend hinüber zur ehemaligen Wald- und
Gartenstadt Springhirsch, wo Frau Petersen und Frau Stapel einst gewohnt haben.
Aber ihre Wochenendhäuser stehen nicht mehr. Auch die Stelle, wo sie gestanden
haben, kennt man heute nicht mehr.
Unter den vielen Gästen der Veranstaltung entwickelten sich während des
Spazierganges manche Gespräche und Verabredungen. Die neue Kaltenkirchener
Pastorin, Frau Dittkrist, versprach eine enge Zusammenarbeit mit dem
Trägerverein und verabredete eine Führung über die Gedenkstätte.
Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzender des Trägervereins)
17.01.2006
Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Aus diesem
Anlass lädt der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen die Bürger zu einer
Gedenkveranstaltung am Sonntag, den 29.01.06 um 11.00 Uhr in die KZ-Gedenkstätte
Springhirsch ein. Die Gedenkstätte liegt an der B4 etwa 3 km südlich von
Lentföhrden. (Siehe Skizze im Anhang)
Dr. h.c. Gerhard Hoch referiert im Dokumentenhaus über das Thema: "Wie konnten
ganz normale Menschen zu Tätern werden?" Im Interesse der Gestaltung einer
zukünftigen humanen Gesellschaft ist es wichtig, dass sich die jetzigen
Generationen mit dieser Frage beschäftigen. Der interessante Vortrag sollte zu
einer lebhaften Diskussion herausfordern.
Für die Gedenkveranstaltung haben der Kaltenkirchener Bürgermeister Stefan
Sünwoldt und der Segeberger Kreispräsident Winfried Zylka ihre Teilnahme
zugesagt. Sie werden Grußworte sprechen.
Danach wird den Besuchern eine kurze Führung über das Gedenkstättengelände
angeboten, bevor es hinüber geht in das Gelände der ehemaligen Wald- und
Gartenstadt Springhirsch. Direkt gegenüber auf der westlichen Seite der
damaligen Reichsstraße 4 lebten während der Existenz des KZ-Außenkommandos
Kaltenkirchen zahlreiche Menschen, meistens Frauen mit ihren Kindern, die die
Vorgänge im KZ-Lager nebenan täglich beobachten konnten. Reste der Wald- und
Gartenstadt Springhirsch stehen heute noch. Ein Spaziergang dort kann heute eine
ziemlich genaue Vorstellung davon vermitteln, wie die Menschen damals in
unmittelbarer Nachbarschaft zu dem KZ-Lager gelebt haben.
Der Trägerverein hofft auf eine gute Beteiligung an dieser interessanten
Gedenkveranstaltung.
Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzende des Trägervereins)
03.12.2005
Diszipliniert,
in voller Montur und in Reih- und Glied waren sie angetreten, die über 120
Soldaten der 7. Inspektion der Marineunteroffizierschule in Plön. Zwei und
eineinhalb Tage hatten sie zuvor auf dem Übungsplatz der Bundeswehr in der
Kaltenkirchener Heide bei Nässe und Kälte geübt und in Zelten übernachtet. Die
Gesichter geschwärzt, in tarnfarbenen Anzügen und mit dem Gewehr auf dem Rücken
standen die Soldaten, unter ihnen auch einige Soldatinnen, neben dem
Dokumentenhaus und warteten auf die drei Vorstandsmitglieder des Trägervereins,
die sie über die Gedenkstätte führen sollten. Der stellvertretende Vorsitzende
Jürgen Gill begrüßte die versammelten Soldaten und Soldatinnen und drückte seine
Freude über deren Interesse aus, das sie mit ihrem Besuch bekundeten.

In drei Gruppen ließen sich anschließend die Wehrpflichtigen mit ihren Anführern
über das Gelände der Gedenkstätte führen. Sie hörten sehr interessiert zu und
stellten wissbegierig Fragen nach dem KZ-Außenlager, das vom Sommer 1944 bis zum
Frühjahr 1945 an dieser Stelle bestanden hatte.
Zwei Fragen interessierten besonders:
1. Die Frage nach der Haltung der Menschen damals, die in der Umgebung des
Lagers gelebt und die Qualen der geschundenen KZ-Häftlinge beobachtet hatten.
2. Die Frage nach der Haltung der damaligen Wachsoldaten, die die Häftlinge zu
bewachen hatten.
Die aufgeschlossenen Soldatinnen und Soldaten erfuhren, dass die Bevölkerung in
der Umgebung, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mit der Einrichtung des KZ und
den Zuständen dort völlig einverstanden war und die unmenschliche Behandlung der
Häftlinge für notwendig hielt. Die im KZ Eingesperrten und Weggeschlossenen
seien Gegner und Feinde Deutschlands gewesen, alles "Volksschädlinge",
"Abschaum" der Menschheit und Verbrecher, um die es nicht schade sei.
Die Wachsoldaten im KZ-Außenkommando Kaltenkirchen, so erfuhren die Besucher
weiter, erfüllten damals mit gutem Gewissen und in gehorsamer Pflichterfüllung
ihren Dienst. Wer Härte gegenüber den Häftlingen walten ließen, galt als guter
Soldaten. Wer Mitleid mit den geschundenen Häftlingen zeigte, galt als
"Weich-Ei". Wer wollte schon bei seinen Vorgesetzten oder bei seinen Kameraden
als "Weich-Ei" angesehen werden?
Mit solchen Einstellungen und Haltungen der Bevölkerung und der Wachsoldaten
konnte es mitten in Deutschland, so auch hier bei uns, ungehindert geschehen,
dass Menschen zu Tode geschunden wurden. So gab es allein hier während der
kurzen Zeitdauer der Existenz des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen vermutlich
über 500 tote Häftlinge.
Solche und ähnliche Fragen, nämlich wie das Unrecht hier in unserer
unmittelbaren Nachbarschaft reibungslos hatte geschehen können, stellten die
jungen Soldatinnen und Soldaten auch nach der Führung, als sie in kleineren
Gruppen das Dokumentenhaus besuchten, die Ausstellung dort studierten und
Infomaterial durchstöberten.
Mit dem Kapitänleutnant und Inspektionschef Holger Kempter, der für den Besuch
verantwortlich war und die Marine-Rekruten hergeführt hatte, wurde verabredet,
dass zukünftig der Kontakt zwischen der 7.Inspektion der
Marineunteroffiziersschule und dem Trägerverein weiter bestehen und noch
ausgebaut werden soll. Man war sich einig, dass die Erinnerung an das Vergangene
die Voraussetzung ist für eine demokratische und menschenwürdige Zukunft.
Zum Schluss sei hier der Kabarettist Dieter Hildebrand zitiert: "Vergesslichkeit
ist fahrlässiger Umgang mit der Zukunft".
Fotos und Text von Jürgen Gill
16.11.2005
Etwa dreißig Bürger trafen sich am Volkstrauertag zum frühen
Nachmittag an der KZ-Gedenkstätte Springhirsch, um quer durch das Gelände des
Truppenübungsplatzes der Bundeswehr zur Gräberstätte Moorkaten zu wandern. Die
Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, begrüßte die Teilnehmer, stellte ihnen
kurz die KZ-Gedenkstätte vor und lud sie ein, nach Rückkehr von der Wanderung
das Dokumentenhaus zu besuchen und sich die darin befindliche Ausstellung
anzusehen. Dr. Gerhard Hoch und weitere Mitglieder des Vorstandes führten die
Teilnehmer durch die herbstliche Landschaft.
Der Trägerverein hatte vom Standortältesten der Bundeswehr in Boostedt eine
Route durch das Truppenübungsgelände vorgeschlagen bekommen. Ein knappe Stunde
lang führte der Weg durch den herbstlichen Kiefern-, Eichen-, und Birkenwald mit
dem lebendigen Unterholz und dann schließlich am Waldrand entlang, der einen
Blick auf ein riesiges, flaches und offenes Gelände zuließ, dessen Ausmaß die
Teilnehmer in Erstaunen versetzte. Am Südrande dieses weiten Geländes befand
sich damals die Start- und Landebahn des Kaltenkirchener Militärflugplatzes, den
die KZ-Häftlinge des Außenlagers in Springhirsch während der Schlussphase des
Zweiten Weltkrieges ausbauen mussten. Von der ehemaligen Start- und Landebahn
ist nunmehr nichts mehr zu sehen. Allenfalls zeichnet sie sich heute durch den
Zuschnitt der von Wäldern eingefassten großen offenen Fläche ab. Die Bundeswehr
trägt sich mit dem Gedanken, bis zum Jahre 2009 den Truppenübungsplatz
aufzugeben, dessen nördlicher Teil Gemeindegebiet von Nützen und dessen größter
südliche Teil zum Gebiet von Kaltenkirchen gehört. Die wandernden Teilnehmer
waren sich darin einig, dass sich hier einmal ein wertvolles Naherholungsgebiet
entwickeln könnte.
An der Gräberstätte Moorkaten, die von der Stadt Kaltenkirchen gepflegt wird,
zündeten die Teilnehmer Windlichter an und stellten sie an den Grabstellen ab.
Dr. Hoch berichtete über die hier bestatteten Toten. Ab 1941 wurde an dieser
Stelle ein Massengrab für die unzähligen verstorbenen sowjetischen
Kriegsgefangenen angelegt. Die Kriegsgefangenen waren im Krankenrevier des
Moorkatener "Russenlagers" gestorben, das bis gegen Ende 1943 im Moorkaten
existierte, ehe es nach Gudendorf (Dithmarschen) verlegt wurde. Und hierher
brachte vom Sommer 1944 bis zum Frühjahr 1945 das Beerdigungskommando des
KZ-Außenlagers Kaltenkirchen die verstorbenen KZ-Häftlinge. Das
Beerdigungskommando wurde angeführt vom französischen KZ-Häftling Richard Tackx,
der seinen verstorbenen französischen Kameraden illegalerweise Erkennungsmarken
mit ins Grab legte. Er überlebte und sorgte 1951 dafür, dass sehr viele Toten
bei der Exhumierung, die weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt stattfand,
identifiziert und in die Heimat übergeführt werden konten. Erst 1976 erhielt die
Gräberstätte ihre heutige würdige Gestalt und war noch bis in die achtziger
Jahre verschleiernd "Kriegsgräberstätte" genannt worden. Heute steht auf dem
Hinweisschild richtigerweise "Gräberstätte für sowjetische Kriegsgefangene und
KZ-Opfer", obwohl am Eingang der Zuwegung zur Gräberstätte noch eine alte
Marmortafel die verschleiernde Bezeichnung führt.
Anschließend bewegten sich die Teilnehmer durch den Wald zur nahegelegenen
Hinrichtungsstätte Fred Göttner. Neben der alten Wasserpumpstation, die das
damalige gesamte Militätgelände mit Wasser versorgte, wurde am 5. Sept. 1941 der
22-jährige Unteroffizier Fred Göttner hingerichtet. Er hatte in den Trümmern
eines zerbombten Hauses eine intakte Schreibmaschine gefunden und an sich
genommen. Dr. Gerhard Hoch berichtete den Teilnehmern von dieser
unverhältnismäßig strengen Bestrafung des jungen Mannes, der hier neben dem
Pumpenhaus, von dem noch Reste zu sehen sind, erschossen worden war. Den Eltern
in Südwestdeutschland hatte man mitgeteilt, dass ihr Sohn bei einem
Bombenangriff der Alliierten um Leben gekommen sei. Zunächst war Fred Göttner
auf dem Kaltenkirchener Friedhof beigesetzt worden. Nach dem Krieg wurden seine
Überreste in die Heimatgemeinde übergeführt, wo sich sein Grab heute ohne
jeglichen Hinweis auf die wahre Todesursache befindet.
Danach wanderten die Teilnehmer zur Gedenkstätte zurück. Sie berichteten
einstimmig, einen sehr intensiven und denkwürdigen Nachmittag erlebt zu haben.
Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzender des Trägervereins)
01.11.2005
Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte in Springhirsch lädt zu einer
Gedenkwanderung nach Moorkaten ein. Am Volkstrauertag, den 13. Nov. 2005,
treffen sich die Teilnehmer um 14.00 Uhr an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch
(an der B4 zwischen Bilsen und Lentföhrden). Alle Bürger sind herzlich
eingeladen. Die Wanderung führt durch das Übungsgelände der Bundeswehr zunächst
zur Gräberstätte Moorkaten und danach zur nahegelegenen Hinrichtungsstätte Fred
Göttner. An der Gräberstätte werden Windlichter angezündet und an der
Hinrichtungsstätte Blumen niedergelegt.
Die Gedenkwanderung über das Bundeswehrgelände ist angemeldet. Der
Standortälteste der Bundeswehr hat seine freundliche Zustimmung erteilt.
In der Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer befinden sich einmal die
Massengräber von unzähligen sowjetischen Kriegsgefangenen und zum andern die
Gräber von zahlreichen KZ-Häftlingen des Neuengammer Außenkommandos
Kaltenkirchen. Zunächst waren ab 1941 an dieser Stelle sowjetische
Kriegsgefangene verscharrt worden, die im Krankenrevier des Stalag X Schleswig,
Zweiglager Heidkaten (von 1941 - 1943), gestorben waren. Dann vom Sommer 1944
bis Frühjahr 1945 wurden hier vom Beerdigungskommando des KZ-Außenlagers
Kaltenkirchen Hunderte KZ-Häftlinge begraben, die den unmenschlichen Zuständen
im KZ-Lager zum Opfer gefallen waren. Dr. Gerhard Hoch, der die Geschichte der
beiden Lager recherchiert hat, wird die Teilnehmer, wenn sie es wünschen, näher
informieren. Es werden Windlichter des Gedenkens und der Trauer angezündet und
in der Gräberstätte abgestellt.
Danach setzt sich der Pilgerzug zur Hinrichtungsstätte Fred Göttner in Bewegung,
die in unmittelbarer Nähe liegt. Vor dem Wasserpumpwerk Moorkaten befindet sich
eine Waldlichtung, die vor 64 Jahren, am 5. Sept. 1941, zum Hinrichtungsplatz
für Fred Göttner wurde. Der damals 22 Jahre alte Luftwaffen-Unteroffizier Fred
Göttner war vom Kriegsgericht des Luftgaus XI Hamburg zum Tode verurteilt
worden, weil er nach einem Bombenangriff in Rostock in den Trümmern eines Hauses
eine Schreibmaschine gefunden und mitgenommen hatte. Fred Göttner wurde in der
Waldlichtung an einen Pfahl gefesselt, ihm die Augen verbunden und von zwölf
Soldaten der Sanitätsausbildungsabteilung der Luftwaffe XI
Kaltenkirchen-Moorkaten, erschossen. Hier werden Blumen niedergelegt und des
jungen Mannes gedacht, der das Opfer einer grausamen und menschenverachtenden
Disziplinvorstellung in Wehrmacht und Militärjustiz geworden war. Auch hier ist
Dr. Gerhard Hoch gerne bereit, auf Wunsch der Teilnehmer näher zu informieren.
Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, wird einige Worte des Gedenkens
sprechen.
Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzeder und Sprecher des Trägervereins)
24.08.2005
Am 5. September 1941 wurde der 22-jährige Sanitätsunteroffizier
Fred Göttner in Kaltenkirchen-Moorkaten erschossen. Damit wurde ein Todesurteil
des Kriegsgerichtes Luftgau XI Hamburg wegen Unterschlagung einer
Schreibmaschine vollstreckt.
Fred
Göttner, geb. am 30.11.1919 in Albersweiler bei Annweiler, hatte, bevor der
Krieg entfesselt wurde, Medizin studiert. Wie alle jungen Männer seines
Jahrganges wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Er diente als
Sanitäts-Unteroffizier bei der Luftwaffe. Was nun im Jahre 1941 geschah,
dokumentierte, mit welcher Hysterie und Strenge Kriegsgerichte gegen eigene
Soldaten vorgingen. Man glaubte, nur durch unerbittliche Strenge könne für die
Kampfmoral der Truppe gesorgt werden.
Was war Fred Göttner vorgeworfen worden? Während eines Bombenangriffs in Rostock
hatte der Sanitätsunteroffizier Göttner in den Trümmern eines zerbombten Hauses
eine intakte Schreibmaschine gefunden und an sich genommen. Offenbar war er
dabei beobachtet und denunziert worden. Das Kriegsgericht Luftgau XI Hamburg
verurteilte ihn daraufhin zum Tode. 12 Kameraden der Unteroffiziers-Lehrkompanie
der Sanitätsausbildungsabteilung der Luftwaffe XI Kaltenkirchen - Moorkaten
vollstreckten das Urteil am 5. September 1941 auf der Waldlichtung vor dem
Wasserpumpwerk in Moorkaten. Fred Göttner wurde am 8. Sept. 1941 auf dem
Kaltenkirchener Friedhof beerdigt und nach dem Krieg, am 14. Jan. 1950 nach
Albersweiler, seinem Heimatort, überführt.
Heute können wir die Hinrichtungsstätte nördlich der Betonstraße etwa gegenüber
der Geflügelfarm im Wald entdecken. Hier findet man noch Betonreste und den
überdeckten Brunnenschacht des alten Pumpwerkes mitten im überwucherten Gelände
(Siehe Foto). Die Waldlichtung, wo das Erschießungskommando seine Arbeit
verrichtete, ist noch erkennbar.
Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen will mit einigen
Vorstandsmitgliedern am 5. September die recht unzugängliche Stelle aufsuchen
und durch Niederlegen von Blumen an Fred Göttner erinnern, der als junger Mann
einer unmenschlichen Vorstellung von Disziplin und Gehorsam in der deutschen
Armee geopfert worden war.
Jürgen Gill
22.08.2005
Am kommenden Sonntag, dem 28. August, zeigt der Trägerverein im
Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte interessierten Besuchern den von Schüler
gedrehten Film "Vergessene Lager". Jeweils um 11.00 Uhr, um 13.00 Uhr und um
15.00 Uhr soll eine Vorführung des 40 Minuten langen Streifens stattfinden.
Anlass ist der 1. September 1939, als Nazideutschland mit dem Überfall auf Polen
den Zweiten Weltkrieg entfesselte. Der Videofilm informiert über das
KZ-Außenkommando Kaltenkirchen, zeigt den Lageralltag und enthält ein Interview
mit dem Überlebenden des Lagers, dem Franzosen Roger Remond. Der Trägerverein
wünscht sich eine hohe Besucherzahl. Besucher finden außerdem im Dokumentenhaus
umfangreiches Infomaterial und eine Ausstellung, die über die Vorgeschichte,
über das Lager selber und über seine Nachkriegsgeschichte anschaulich in Bildern
und Grafiken informiert. Der Katalog der Ausstellung kann erworben werden.
Jürgen Gill
(Pressesprecher und stellvertr. Vorsitzeder)
04.07.2005
Der Bürgermeister von Kaltenkirchen, Stefan Sünwoldt, besuchte
mit zwei Abteilungsleiterinnen der Stadtverwaltung die KZ-Gedenkstätte in
Springhirsch, um sich ein Bild von der Anlage, dem historischen Hintergrund des
ehemaligen KZ-Außenkommandos und der Intention der Gedenkstätte zu machen. Dr.
Gerhard Hoch, Ehrenvorsitzender des Trägervereins, Jürgen Gill,
stellvertretender Vorsitzende und Jürgen Fock, zuständig für die Instandhaltung
der Außenanlage, führten den Bürgermeister über die Gedenkstätte. Der zeigte
sich beeindruckt von der Anstrengung des Trägervereins, die Erinnerung an das
vergangene Unrecht wach zu halten und betroffen von den Zuständen im
Kaltenkirchener KZ-Lager zwischen Sommer ´44 und Frühjahr ´45.
Im anschließenden Gespräch im Dokumentenhaus stellte Stefan Sünwoldt Fragen, u.a.
nach der Akzeptanz der Gedenkstätte bei der Bevölkerung im hiesigen Raum. Er
zeigte sich besonders erfreut darüber, dass 21 Schulen in der Region als
Patenschulen regelmäßig Schulklassen ab der neunten Klasse zur Gedenkstätte
schicken, um hier einen zeitgeschichtlichen Unterricht am Ort der vergangenen
Ereignisse zu erleben. Oft besuchen anschließend einzelne Schüler mit ihren
Eltern die Gedenkstätte. Die Frage nach der Akzeptanz hatte er gestellt, weil er
von einem älteren Mitbürger in Kaltenkirchen vor der Gedenkstätte und ihrer
pädagogischen Arbeit gewarnt worden war. Dr. G. Hoch und Jürgen Gill erläuterten
ihm, dass solche Stimmen durchaus vereinzelt immer noch auftauchten, die
KZ-Gedenkstätte aber im Allgemeinen sehr positiv in der Region angenommen werde.
Man nannte Beispiele: Die VHS-Südholstein kommt zuweilen mit ihren Lerngruppen,
um sich führen zu lassen, sie stellt ABM-Kräfte zur Verfügung, Kirchengemeinden
schicken Konfirmandengruppen, Schulen schicken Schulklassen, Bundeswehrschule
Appen schickt auszubildenden Soldaten, Vereine kommen als Radlergruppen usw.
Zum Schluss bedankte sich der Bürgermeister für die Führung und für die
vielfältigen Informationen, "die erst einmal sacken" müssten. Man verabredete,
sich regelmäßig ein- oder zweimal im Jahr im Rathaus zu einem Gespräch über
aktuelle Probleme zu treffen.
Jürgen Gill
(Stellvertretender Vorsitzende und Pressesprecher des Trägervereins)
24.06.2005
Die Stiftung der Kreissparkasse im Kreis Segeberg stiftete dem
Trägerverein aus Stiftungsmitteln 1.500 Euro für die Anschaffung eines Notebooks
und eines Farblaserdruckers. Der Trägerverein lädt anlässlich der Einweihung der
Geräte zu einem Pressetermin am Di., den 28.06.05, um 16.00 Uhr ins
Dokumentenhaus in Springhirsch ein. Der Trägerverein freut sich über diese
großzügige Spende, weil nunmehr das Dokumentenhaus für seine pädagogische
Erinnerungsarbeit komplett ausgerüstet ist. Er dankt der Stiftung für ihre
Unterstützung seiner Arbeit sehr herzlich.
Nicht zum ersten Mal ist damit dem Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
von der Kreissparkasse Südholstein geholfen worden. Ein Böschungsmäher für die
schwierig zu pflegende Außenanlage, eine Videoanlage zur Visualisierung der
Informationen im Dokumentenhaus, der Transport und die Aufstellung des
Containers, der jetzt als Dokumentenhaus genutzt wird, sind von der Stiftung der
Kreisparkasse schon früher gesponsert worden. Computer und Drucker stellen
nunmehr eine wichtige Komplettierung der Inneneinrichtung des Dokumentenhauses
dar. Sie werden zur Herstellung des vielfältigen Infomaterials benötigt und
dienen der Büroarbeit im Dokumentenhaus, das seit einem Jahr von ABM-Kräften
besetzt ist, die dort Aufsicht führen, Büroarbeit leisten und zur Pflege der
Gedenkeinrichtungen eingesetzt sind.
Zu dem Pressetermin am 28.06.05 um 16.00 Uhr laden wir Sie herzlich ein und
würden uns freuen, wenn Sie kommen könnten.
Jürgen Gill
(Stellvertretender Vorsitzende und Pressesprecher des Trägervereins)
21.06.2005
Die Mitglieder des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen
haben einen neuen Vorstand gewählt. Dr. Gerhard Hoch hat seinen Vorsitz
abgegeben. Er will sich jetzt voll auf seine historische Forschungsarbeit
konzentrieren. Er wird aber als Ehrenvorsitzender dem Trägerverein, den es ohne
ihn nicht gäbe, als Berater und Ideengeber verbunden bleiben. Uta Körby,
Sonderschullehrerin in Barmstedt, die von der ersten Stunde an im Trägerverein,
zunächst als Schriftführerin und zuletzt als stellvertretende Vorsitzende,
mitgearbeitet hatte, wurde einstimmig zur ersten Vorsitzenden gewählt. Bis auf
einen Neuen haben alle Neugewählten schon im alten Vorstand Ämter innegehabt, so
dass ein bruchloser Übergang und die Weiterarbeit im Sinne des ausgeschiedenen
Vorsitzenden Dr. Hoch gewährleistet ist.
Zahlreich waren die Mitglieder des Trägervereins zu ihrer Jahreshauptversammlung
erschienen. Es war vor dem Dokumentenhaus in Springhirsch ein Zelt aufgebaut
worden, um für die Mitglieder und Gäste einen würdigen Rahmen zu schaffen. Das
Dokumentenhaus hätte die vielen Personen nicht aufnehmen können, ein Umstand,
der umso deutlicher werden ließ, wie notwendig ein zweiter Container zur
Schaffung eines Schulungs- und Versammlungsraumes wäre. Es hatten sich viele
Gäste an der Versammlung beteiligt, weil auch sie den scheidenden Vorsitzenden
Dr. Gerhard Hoch ehren wollten. Dr. Hoch begrüßte die Mitglieder und die Gäste,
unter denen sich der Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär
Franz Thönnes, der Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach aus Bad Bramstedt, der
Altbürgermeister Ingo Zobel aus Kaltenkirchen, der Bürgermeister Klaus Brakel
aus Nützen und der Historiker Dr. Reimer Möller von der Gedenkstätte Neuengamme
befanden. Dr. Hoch begründete seinen Rücktritt mit seinem Alter und dem Wunsch
frei zu sein für seine historische Forschungsarbeit, er bedankte sich bei den
Vorstandsmitgliedern, die ihm zuvor die Arbeit und jetzt den Rücktritt leicht
gemacht hätten, weil er sicher sein könne, dass die Gedenkstättenarbeit in gutem
Sinne fortgeführt werde. Wie später einer der Gäste anmerkte, war es dem
scheidenden Vorsitzenden gelungen, Nachfolger zu finden und einzuarbeiten, eine
nicht selbstverständliche Vollendung seiner Lebensleistung, nämlich
sicherzustellen, dass die von ihm geschaffene Gedenkstätte auch ohne ihn ihre
Aufgaben erfüllen kann.
Danach wählte die Mitgliederversammlung folgende Personen alle einstimmig in den
Vorstand:
1. Uta Körby als Erste Vorsitzende, bisher stellvertretende Vorsitzende
2. Jürgen Gill als Stellvertretenden Vorsitzenden, bisher Schriftführer
und Pressesprecher
3. Reinhold Krause als Kassenwart, bisher Kassenwart
4. Ingrid Schulz-Pankratz als Schriftführerin, bisher Beisitzerin
5. Jürgen Fock als Beisitzer, bisher Beisitzer
6. Inga-Martina Toft als Beisitzerin, bisher Beisitzer
7. Jürgen Wiese als Beisitzer, bisher Beisitzer
8. Uwe Czervonka als Beisitzer, neu im Vorstand

Der neue Vorstand in dieser Besetzung wird die Arbeit ohne Brüche fortsetzen
können, weil alle Vorstandsmitglieder bis auf einen schon in der bisherigen
Vorstandsarbeit mit ihren Schwerpunkten und Fähigkeiten eingesetzt und eingeübt
waren. Zu den Arbeitschwerpunkten und Stärken der einzelnen Vorstandsmitgliedern
ist folgendes zu sagen:
1. Die Erste Vorsitzende Uta Körby, Sonderschullehrerin in Barmstedt
hatte bisher schon die Vorstandssitzungen vorbereitet und geleitet, die
anstehenden Aufgaben koordiniert und ihren zeitlichen Rahmen abgesteckt,
Kontakte zu anderen Gedenkstätten und zu einschlägigen Persönlichkeiten
geknüpft, Veranstaltungen des Trägervereins initiiert und Schulklassen zur
Gedenkstätte geführt. Diese Schwerpunkte wird sie weiter verfolgen
2. Der Stellvertretende Vorsitzende Jürgen Gill, pensionierter Lehrer aus
Kaltenkirchen wird seine bisherigen Aufgaben fortsetzen, die darin bestanden,
den Vorsitzenden in seiner alltäglichen Gedenkstättenarbeit zu entlasten,
Pressearbeit zu leisten, den monatlichen Newsletter der Homepage zu verfassen,
Führungen in der Gedenkstätte zu übernehmen und die ABM-Kräfte zu betreuen.
3. Der Kassenwart Reinhold Krause, Firmenangestellter in Hamburg,
wohnhaft in Kaltenkirchen, wird die Kasse weiterhin so vorbildlich führen wie
bisher, ein Glücksfall für den Trägerverein.
4. Die Schriftführerin Ingrid Schulz-Pankratz, Realschullehrerin in
Kaltenkirchen wird weiterhin wie bisher eine wertvolle Mitarbeiterin sein, die
so oft bereit war, die Sonntagsaufsicht im Dokumentenhaus zu übernehmen
5. Der Beisitzer Jürgen Fock, Realschullehrer in Kaltenkirchen, wird der
Gedenkstätte weiterhin mit seinem handwerklichen Geschick zur Verfügung stehen,
die ABM-Kräfte betreuen und mit Arbeit versorgen. Ohne ihn hätte die Außenanlage
der Gedenkstätte nicht die ansehnliche Gestalt, die sie heute hat.
6. Die Beisitzerin Inga-Martina Toft, Fachbuchverkäuferin in
Kaltenkirchen, wird sich weiterhin für die Besetzung der Sonntagsaufsichten im
Dokumentenhaus verantwortlich fühlen.
7. Der Beisitzer Jürgen Wiese, pensionierter Schulleiter aus Bad
Bramstedt, wird die Beziehungen zu den Patenschulen intensivieren und weiterhin
Jürgen Fock bei Instandhaltungs- und Aufbauarbeiten im Gedenkstättengelände
behilflich sein.
8. Der Beisitzer Uwe Czervonka, Schulleiter aus Bad Bramstedt, wird die
Kontakte zu den Schulen der Region verbessern und die Geschichtslehrer
motivieren, mit ihren Klassen die Gedenkstätte zu besuchen.
Die
Zweite Hälfte der Jahreshauptversammlung galt der Verabschiedung und der
Ehrung des bisherigen Vorsitzenden Dr. Gerhard Hochs. Dazu ergriff der
Altbürgermeister Ingo Zobel das Wort und würdigte die Lebensleistung des
Ausgeschiedenen. Er sagte: "Wer nicht Anstoß erregt, der bewegt auch nichts."
Damit spielte er auf die Widerstände in den siebziger und Anfang der achtziger
Jahre an, die Dr. Hoch bei seinen Recherchen über die regionale
Nazivergangenheit erfahren hat. Er, Ingo Zobel, habe viel von Dr. Hoch gelernt,
dessen Beharrlichkeit und hartnäckige Aufklärungsarbeit ihm imponiert habe. Die
Bildungsarbeit des Trägervereins, den Dr. Hoch ins Leben gerufen habe, und bei
dessen Entstehung er als Bürgermeister habe Hilfestellung geben können, sei ein
Segen für die Region. Er sprach die schwierige Wirtschaftlage Ende der zwanziger
und Anfang der dreißiger Jahre an, die die Menschen veranlasst habe, Feindbilder
zu entwerfen, Schuldige zu brandmarken und Menschen auszugrenzen. Heute sei es
deshalb umso wichtiger, solchem Ungeist durch Bildung, Aufklärung und Erinnern
das Wasser abzugraben. Dies leiste der Trägerverein in hervorragender Weise.
Dafür dankte der ehemalige Bürgermeister aus Kaltenkirchen dem Trägerverein und
seinem Gründer ausdrücklich.
Der Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär Franz Thönnes
schloss sich in seiner Dankesrede seinem Vorredner an. Dr. Gerhard Hochs
Lebenswerk werde mit der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen als ein sichtbarer und
konkreter Ausdruck seiner Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit gekrönt. Mit Mut
und Beharrlichkeit habe er die "Geschichte von unten" angepackt und die
nationalsozialistische Geschichte in der eigenen Heimatregion erforscht. Heute
sei die Erinnerungskultur als nationale Aufgabe etabliert. Dazu habe auch Dr.
Gerhard Hoch seinen Beitrag geleistet. Er habe nicht nur zurück, sondern auch
nach vorne gesehen immer mit der Mahnung und dem pädagogischen Engagement, dass
in Zukunft nie wieder unmenschlicher Geist die Menschen erfasse könne. Dr. Hoch
sei mit seinem Einsatz für Frieden und Mitmenschlichkeit Vorbild für uns alle
und besonders für die jungen Menschen. Er überreichte dem ausgeschiedenen
Vorsitzenden ein Buch über den Deutschen Bundestag und dem Vorstand des
Trägervereins ein Laminiergerät.
Dr. Reimer Möller von der Gedenkstätte Neuengamme würdigte Dr. Gerhard
Hoch als einen seiner Lehrer, dessen Beispiel er gerne nachgeeifert habe. Damals
habe Dr. Hoch mit ihm zusammen zu den Gründungsmitgliedern des AKENS
(Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein)
gehört und sei seitdem sein Weggefährte. Dr. Hoch habe mit seiner Erforschung
der regionalen Zeitgeschichte und seinen allgemein verständlichen
Veröffentlichungen mehr Wirkung erzielt als die meisten Historiker, deren Werke
nur innerhalb der Hochschulen kursieren.
Die gewählte neue Vorsitzende Uta Körby überreichte Dr. Gerhard Hoch ein
persönliches Geschenk des neuen Vorstandes. Es handelt sich um die Einladung zu
einer gemeinsamen Landpartie mit ihm und seiner Frau zu einem Ort seiner Wahl in
Schleswig-Holstein. "Damit handelt der Vorstand nicht ganz uneigennützig, hat er
doch dann selber das Vergnügen, mit Dr. Hoch und seiner Frau
die kulinarischen und landschaftlichen Reize Schleswig-Holsteins zu genießen,"
betonte die neue Vorsitzende. Dies als Dank des Vorstandes an seinen
Ehrenvorsitzenden!
Jürgen Gill
(Stellvertretender Vorsitzende und Pressesprecher des Trägervereins)
07.06.05
Am Sonntag, den 19.06.05, um 11.00 Uhr findet an der
Gedenkstätte in Springhirsch die Jahreshauptversammlung des Trägervereins
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V. statt. Auf dieser
Mitgliederversammlung wird der erste Vorsitzende, Dr. Gerhard Hoch, sein Amt aus
Altersgründen niederlegen. Der gesamte Vorstand muss von den Mitgliedern neu
gewählt werden.
Zur Ehrung des zu verabschiedenden Vorsitzenden werden u.a. der ehemalige
Bürgermeister von Kaltenkirchen, Ingo Zobel, und der Bundestagsabgeordnete und
Parlamentarische Staatssekretär, Franz Thönnes, einige Worte auf der Versammlung
sprechen.
Dr. Gerhard Hoch übergibt an seine Nachfolger eine lebendige, im Bewusstsein der
Region fest verankerte und ihren Aufgaben gerecht werdende KZ-Gedenkstätte. Er
legt seine Funktionen in die Hände von Frauen und Männern, die er zuvor in
langer Zusammenarbeit darauf vorbereitet hat, so dass die zukünftige
Gedenkstättenarbeit in seinem Sinne gesichert ist. Unter seiner Regie war die
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch entstanden, ausgebaut und
gestaltet worden. Auf der Mitgliederversammlung am 19.06.05 soll er zum
Ehrenvorsitzenden des Trägervereins gewählt werden, was mit dem Wunsche
verbunden wird, dass er den Nachfolgern weiterhin mit Rat und Tat zur Seite
stehen und die zukünftige Entwicklung seines Werkes begleiten möge.
Dr. Gerhard Hoch, der scheidende Vorsitzende des Trägerverein, wird jedoch seine
historischen Forschungen fortsetzen, eine Arbeit, die vor zehn Jahren die Idee
der Einrichtung einer Gedenkstätte zur Folge hatte, einer Erinnerungsstätte an
das Neuengammer KZ-Außenlager Kaltenkirchen, auf das er im Zuge seiner
zeitgeschichtlichen Recherchen in der Region gestoßen war. Die Idee, hier vor
Ort für die junge Generation eine Informations- und Erinnerungsstätte zu
errichten mit dem Ziel, der vielen nationalsozialistischen Opfer zu gedenken und
ein Zeichen dafür zu setzen, dass zukünftig niemals wieder Menschen ausgegrenzt,
gedemütigt und zu Tode gebracht werden.
Dr. Hoch hatte seit 1975 zu den ersten zeitgeschichtlichen Forschern gehört, die
sich mit der nationalsozialistischen Geschichte der Heimatregion beschäftigt
haben. Er erbrachte damit eine Pionierleistung, die auch in anderen Regionen
viele Nachahmer gefunden hat. Der Begriff "Kaltenkirchensyndrom" machte damals
auf Grund einer ZDF-Sendung bis in die achtziger Jahre hinein seine Runden durch
die Bundesrepublik. Der Begriff meinte das Verdrängen, das Nichterinnern und die
Tabuisierung der nationalsozialistischen Vergangenheit vor der eigenen Haustür.
Denn das Ausklammern- und Nicht-Daran-Rühren-Wollen, wie es Dr. Hoch in
Kaltenkirchen -seine Arbeit behindernd- erlebte und was auch das ZDF hier
feststellte, war nicht nur in Kaltenkirchen, sondern bundesweit eine Erscheinung
gewesen. Was waren die Gründe dafür? Angst vor dem "Nestbeschmutzer", wie man
Dr. Hoch manchmal in seiner Heimat titulierte? Die Ursachenforscher stießen bald
auf den noch immer lebendigen Ungeist der Vergangenheit. Zum Glück ist das heute
anders. Und das ist nicht zuletzt auch das Verdienst von Dr. Gerhard Hoch. Die
nunmehr hier in unserer Region fest verankerte und akzeptierte Einrichtung der
KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen ist das sichtbare und konkrete Ergebnis dieser
seiner Arbeit. Heute hat der Name Kaltenkirchen in Deutschland, in Frankreich,
in den Niederlanden, in Polen und anderswo einen sehr guten Klang und den
verdankt die Stadt auch der unbeirrten und engagierten Arbeit von Dr. Gerhard
Hoch.
Der Trägerverein lädt die Vertreter der Presse recht herzlich zu der
Mitgliederversammlung am 19.06.05 ein.
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
08.05.05
In der Nacht vom 3. zum 4. Mai 1945 ermordete eine SS-Einheit in
Kampen ohne erkennbaren Anlass zehn serbische Zwangsarbeiter durch Schüsse in
Kopf und Hals.
Die etwa 16 Mann starke Gruppe der Serben lebte seit 1941 in einer Unterkunft in
Kampen und arbeitete auf Bauernhöfen in der Umgebung. Sie konnten sich frei
bewegen und kehrten jeden Abend nach der Arbeit in ihre Unterkunft zurück. Am
Abend des 3. Mai 1945 herrschte eine gespenstische Atmosphäre. Den ganzen Tag
über war auf den Straßen lebhafter Verkehr gewesen. Deutsche Soldaten auf dem
Rückzug, sich absetzende SS-Einheiten und fliehende Nazigrößen hatten die
Straßen belebt. Nun war Ruhe eingekehrt, eine ungewöhnliche Stille breitete sich
aus, als hielte jedermann den Atem an, so kurz vor dem Eintreffen der Engländer.
Eine aus Hamburg gekommene SS-Einheit hatte sich in der Nähe zur Übernachtung
niedergelassen. Gegen 22.00 Uhr betraten sie die Unterkunft der Serben und
griffen sich jeweils zwei von ihnen heraus, entfernten sich mit ihnen etwa 300
Meter und erschossen sie. Das ging so Zug um Zug, bis schließlich die noch
verbliebenen Serben zu fliehen versuchten. Zwei von ihnen wurden dabei
erschossen, vieren gelang die Flucht. Von einem ist überliefert, dass Bauer
Möller ihn auf dem Dachboden verstecken konnte. Ein anderer hatte an der
Mordstelle nur eine Fleischwunde erhalten und sich tot gestellt. Er überlebte
verletzt und war später ein wichtiger Zeuge der Mordtat.
Die Radlergruppe diskutierte vor Ort sehr kontrovers die Frage, ob die
Bevölkerung von Kampen und die örtlichen Kräfte, nämlich Polizei und in der Nähe
kampierende Soldaten nicht hätten eingreifen und die Morde verhindern können.
Was vorging, hatten alle mitbekommen. Die Einwohner verharrten offensichtlich
ängstlich hinter ihren Gardinen. Legen wir heutige Maßstäbe an, hätten sie
handeln müssen. Es gilt aber auch die Frage zu stellen: Was hätten wir in der
damaligen Situation getan? Ängste, Vorprägungen, Einstellungen gegenüber diesen
Serben, die ganze gespenstische Atmosphäre am Vorabend des Kriegsendes, alles
dies und manches mehr dürften eine Rolle gespielt haben.
Warum mordeten die SS-Leute? Waren sie von einem jungen deutschen Landarbeiter
(damals 16 Jahre alt) gegen die Serben aufgehetzt worden? War es ihr Frust über
den verlorenen Krieg? Es wird im Dunkeln bleiben. Schon in den ersten Monaten
nach der Kapitulation wurden in Kampen durch englische und jugoslawische
Offiziere Untersuchungen angestellt, die aber im Sande verliefen. Auch 1962
wurde ein Verfahren der Staatanwaltschaft in Kiel ergebnislos eingestellt,
freilich unter merkwürdigen Umständen, da das Ermittlungsmaterial der englischen
und jugoslawischen Untersuchungsbehörden überhaupt nicht einbezogen worden war.
Die Radtour endete auf dem Kaltenkirchener Friedhof, wo die zehn ermordeten
Serben ihre letzte Ruhestätte fanden. Dass sie dort ein ordentliches Begräbnis
erhielten und ihre Namen im Kirchenbuch verzeichnet wurden, hatte Bauer Möller
veranlasst und Pastor Thies in die Wege geleitet. Heute finden wir dort zwei
größere Gedenksteine vor, in die die Namen der Serben eingraviert sind. Wer die
ansehnliche Gräberstätte gestaltet hat und wie sie dorthin gekommen ist, weiß
heute niemand. Die überlebenden serbischen Kameraden und die Familien der Opfer?
Es gäbe in der Angelegenheit noch Einiges zu erforschen.
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
08.05.05
Seit Anfang Mai ist die Gedenkstätte Kaltenkirchen in
Springhirsch auch wochentags von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Ausgenommen
sind der Montag und der Freitag. An den Wochenenden können wir das
Dokumentenhaus für Besucher ebenfalls öffnen, und zwar an den Sonnabenden von
9.00 Uhr bis 17.00 Uhr und an den Sonn- und Feiertagen von 11.00 Uhr bis 17.00
Uhr. Auch außerhalb dieser Öffnungszeiten ist das Gelände der Gedenkstätte
jederzeit zugänglich. Ein Faltblatt, das den Rundgang erläutert, kann einem
Infokasten entnommen werden. Im Dokumentenhaus steht zu seinen Öffnungszeiten
eine Aufsicht zur Verfügung, die Fragen gerne beantwortet. Außerdem befindet
sich hier eine umfangreiche Ausstellung, die über die Vorgeschichte des
ehemaligen KZ-Lagers, über das das Lager selber, seinen Alltag und seine
Bedeutung, und über die Nachkriegsgeschichte des Lagers informiert. Man kann
Bücher, den Katalog der Ausstellung und vielfältige Schriften erwerben. Der
Trägerverein lädt herzlich zu einem Besuch der KZ-Gedenkstätte ein.
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
06.05.05
Zu unserem großen Bedauern teilt uns jetzt Prof. Dr. Werner
Angress mit, dass er erkrankt ist und am Donnerstag, den 12.5.05, nicht kommen
kann. Damit müssen wir die Veranstaltung im Kaminzimmer des Bürgerhauses
Kaltenkirchen, die um 19.00 Uhr stattfinden sollte, absagen.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Werner Angress (85) damals zu den
"Ritchie Boys" gehörte, junge deutsche Männer, oft Juden, die vor den Nazis aus
Deutschland geflohen und nach den USA ausgewandert waren, dort im Kamp Ritchie
als Soldaten ausgebildet und am Krieg gegen Deutschland teilgenommen hatten. Die
Ritchie Boys waren besonders motiviert gewesen, durch ihren
Kampf und ihre psychologische Kriegsführung Deutschland vom Faschismus zu
befreien. Darüber wurde jüngst ein Film gedreht, der jetzt in den Kinos ist und
auch im 1.Programm des Fernsehens am Mo, den 9.05.05, um 21.45 Uhr gezeigt wird.
Schade, wir hätten Prof. Werner Angress gerne in Kaltenkirchen erlebt.
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
05.05.05
Eine große Gruppe Franzosen, 48 Personen, besuchten Anfang Mai
die Gräberstätte Moorkaten und die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in
Springhirsch. Unter ihnen befanden sich drei ehemalige Häftlinge des
Kaltenkirchener KZ-Lagers, Paul Krattinger, Roger Remond und Piere Vigne. Auf
der Gedenkstätte, das einen Eindruck von der Beschaffenheit des ehemaligen
Lagers gibt, wurden sie von ihren Erinnerungen überwältigt. Sie erzählten von
ihren schrecklichen Erlebnissen. Vor den Gedenksteinen standen sie lange. Unter
den beschrifteten Steinen entdeckten sie Namen verstorbener Kameraden.
Für die drei Überlebenden war die Begegnung mit ihrer Vergangenheit ein
schmerzliches Erlebnis, man sah es ihnen an. Einer von ihnen, Piere Vigne,
rettete sich in den schwarzen Humor. Er sagte: "Ein schöner Ausflug war das
hierher gewesen, Unterkunft vom Feinsten, hervorragendes Essen und immer schönes
warmes Wetter." Paul Krattinger erzählte: "Wenn wir von der Arbeit zurückkamen,
war unsere dünne durchnässte Sträflingskleidung steif gefroren. So legten wir
uns abends auf die Pritsche. Morgens war die Kleidung immer noch gefroren."
Wenig später erzählte er von einem Häftlingstransport, den er miterlebt hatte.
In einem verschlossenen Güterwaggon mit Dach, dicht, dunkel und stinkend, sei er
mit vielen anderen Häftlingen eingepfercht gewesen. Der Zug habe fünf Tage auf
freier Strecke gehalten. Niemand hätte geöffnet, niemand habe ihnen Nahrung oder
Wasser gegeben. Am Ziel sei der Waggon geöffnet worden. Die meisten waren tot.
Er hat überlebt. Heute ist er 83 Jahre alt.
Roger Remond kam nie darüber hinweg, dass alle seine Kameraden aus seinem Dorf,
die mit ihm verschleppt worden waren, in Kaltenkirchen gestorben sind. "Warum
habe ich überlebt?" fragte er immer wieder, als er vor den Gedenksteinen stand
und die Namen seiner toten Kameraden entdeckte. Auf die Frage, ob die
Darstellung des Lagers, ob er die durch Lattenbegrenzungen dargestellten
ehemaligen Baracken wieder erkenne, also ob die Rekonstruktion durch die
Gedenkstätte so korrekt sei, antwortete er: "Ich war nach der Befreiung in einem
so schlechten Gesundheitszustand, dass mir das Gedächtnis darüber, wie es hier
einmal ausgesehen hat, völlig ausgelöscht wurde."
Zum Schluss konnten sie nicht aufhören, sich bei den Vertretern des
Trägervereins für die Erinnerungsarbeit, die mit der KZ-Gedenkstätte sichtbar
ist, zu bedanken. Lange standen die Franzosen in Gruppen beieinander und
sprachen lebhaft über die Ereignisse vor 60 Jahren. Es war ein aufregender,
nachdenklicher und informativer Vormittag. Die Begegnung der Franzosen mit den
Deutschen litt nur manchmal unter Sprachschwierigkeiten. Aber es herrschte eine
freundschaftliche Atmosphäre. Verständigung und Freundschaft können sich auch
ohne Sprache einstellen.
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
28.04.05
- Nachtrag vom 06.05.05: Die Veranstaltung musste krankheitsbedingt abgesagt werden -
Prof. Dr. Werner Angress aus Berlin besucht auf Einladung des
Trägervereins KZ-Gedenkstätte die Städte Kaltenkirchen und Barmstedt. Am 12. und
am 13. Mai spricht er als Zeitzeuge vormittags mit Schülern aus Kaltenkirchen
bzw. aus Barmstedt. Am Donnerstagabend, den 12.05.05, um 19.00 Uhr steht er den
Bürgern zu einem Kamingespräch im Kaminzimmer des Bürgerhauses Kaltenkirchen als
Zeitzeuge und Buchautor zur Verfügung.
Werner Agress wurde 1920 in Berlin geboren. Seine jüdische Familie emigrierte
1937 aus dem Nazideutschland nach Holland. Er wanderte als 19-Jähriger 1939 in
die USA aus und entkam so den Nazischergen. 1941 ging er zur amerikanischen
Armee und nahm als amerikanischer Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Als
Fallschirmspringer war er an der Invasion in Frankreich beteiligt und
marschierte mit der vorrückenden amerikanischen Armee nach Deutschland, seinem
früheren Heimatland. Er gehörte der amerikanischen Einheit an, die Anfang Mai
1945 das KZ-Auffang-
lager Wöbbelin bei Ludwigslust in Mecklenburg befreite. Hier begegnete er den
überlebenden KZ-Häftlingen und war erschüttert über deren Zustand. Er war
entsetzt zu sehen, welche Verbrechen an wehrlosen Menschen in Deutschland verübt
worden waren. Unter den elenden KZ-Häftlingen befanden sich auch einige von
denen, die am 16.4.45 aus Kaltenkirchen hierher gebracht worden waren.
Später machte Werner Agress in Amerika als Professor für Geschichte eine
Universitätskarriere und lebt heute wieder in seiner Geburtsstadt Berlin. Seine
Mutter und seine beiden Brüder hat er 1945 in Amsterdam lebend wiedergetroffen.
Aber sein Vater war von den Nazis in Auschwitz umgebracht worden.
Prof. Dr. Werner Angress kommt nach Kaltenkirchen und Barmstedt, weil er als
Zeuge einer unruhigen Zeit gerne mit jungen Leuten spricht. Die Geschichtslehrer
der beiden Realschulen in Kaltenkirchen werden mit Schülern der 10. Klassen am
12.05.05 vormittags in der Aula der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule Kaltenkirchen
mit ihm zusammen einen lebendigen Zeitzeugenunterricht gestalten. Einen Tag
später wird das Gleiche in der Förderschule Barmstedt geschehen.
Zeitgeschichtlicher Unterricht kann nicht lebendiger und autenthischer sein!
Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte lädt die Bürger am Do., d. 12.05.05, um 19.00
Uhr zu einem Kamingespräch mit Prof. Dr. Werner Angress ins Bürgerhaus
Kaltenkirchen ein und hofft auf eine rege Beteiligung.
>>> Informationen und Foto erhalten sie im Internet unter
www.ritchieboys.com/DE/boys_angress.html
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
27.04.05
Am Donnerstag, den 5. Mai 2005, besucht Roger Remond mit seiner
Familie Kaltenkirchen. Als KZ-Häftling im KZ-Außenlager Kaltenkirchen verbrachte
Roger Remond im Winter 44/45 schlimme Monate. Er überlebte. Sieben Kameraden aus
seinem Dorf in Frankreich überlebten die KZ-Haftbedingungen nicht.
Der
damals siebzehnjährige Roger Remond war mit sieben weiteren Kameraden aus seinem
Dorf im Südosten Frankreichs als Geiselhäftling nach Deutschland, und zwar ins
Konzentrationslager Neuengamme, verschleppt worden. Deutsche Soldaten hatten
alle Bewohner des Dorfes aus ihren Häusern geholt und die arbeitsfähigen jungen
Männer als Geiseln gefangen genommen, um Druck auf den französischen Widerstand
auszuüben. Roger und seine Kameraden kamen zum Arbeitseinsatz ins Außenkommando
Kaltenkirchen. Hier wurde die Start- und Landebahn des Militärflugplatzes
Kaltenkirchen verlängert.
Die sieben Kameraden aus dem Dorf überlebten die unmenschlichen Arbeits- und
Lagerbedingungen nicht. Roger kehrte 1945 in sein Dorf zurück und musste die
schlimme Nachricht vom Tod der Kameraden den betroffenen Familien überbringen.
Eine Familie verlor alle drei Söhne. Bis heute stellt sich der jetzt 78-Jährige
immer wieder die Frage: "Warum habe ich überlebt und sie nicht?"
Roger Remond besucht jetzt nicht das erste Mal Kaltenkirchen. 1978 und 1995
weilte er schon einmal hier und traf Dr. Gerhard Hoch, zu dem er bis heute
Kontakt hält. Aus Anlass der Eröffnung der erneuerten Gedenkstätte Neuengamme am
4. Mai unternehmen er und andere ehemalige französische KZ-Häftlinge mit ihren
Familienangehörigen eine Busreise nach Norddeutschland. Der Bus wird gegen 8.30
Uhr an der Gräberstätte Moorkaten erwartet. Anschließend gegen
9.00 Uhr wird die Reisegruppe die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch erreichen.
Presse und Besucher sind herzlich eingeladen, Roger Remond zu treffen und zu
befragen. Allerdings sind dafür Französischkenntnisse erforderlich. Eine
Dolmetscherin des Trägervereins wird behilflich sein.
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
26.04.05
In den Abendstunden des 3. Mai 1945 erschoss ohne den geringsten
Anlass eine SS-Einheit in Kampen/Nützen zehn serbische Zwangsarbeiter. Die
Serben waren Kriegsgefangene, die seit Jahren in Kampen bei Bauern gearbeitet
hatten. Da sie dabei immer fleißig und geschickt zu Werke gingen, erwarben sie
sich bei der einheimischen Bevölkerung einen guten Ruf. Die SS-Leute zogen nach
dem Verbrechen nach Norden weiter. Untersuchungen nach dem Krieg führten zu
keinem Ergebnis. Die Tat blieb ungesühnt.
Für
den Donnerstag, den 8. Mai um 11.00 Uhr lädt der Trägerverein KZ-Gedenkstätte
alle Bürger zu einer Fahrradtour zum Gedenken an die zehn ermordeten Serben ein.
Treffpunkt mit dem Rad ist um 11.00 Uhr der AKN-Bahnhof Nützen, wo zunächst Dr.
Gerhard Hoch in kurzer Form über die damaligen Ereignisse informieren wird. Dann
fährt die Gruppe durch Nützen nach Kampen zu dem Ort der Geschehnisse am Abend
des 3. Mai 1945. Hier erfahren die Teilnehmer weitere Einzelheiten über das
damalige bis heute ungesühnte Verbrechen. Anschließend geht die Radtour über den
Kamper Weg nach Kaltenkirchen. An der Gräberstätte des Kaltenkirchener
Friedhofs, wo die zehn Serben ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, endet die
Tour mit stillem Gedenken.
Der Trägerverein hat ein Faltblatt gestaltet, das über die damaligen Ereignisse
genauer informiert und den Teilnehmern mitgegeben wird. Über eine rege
Beteiligung freut sich der Veranstalter. An der Gedenkfahrt kann man auch mit
dem Auto teilnehmen, die Zielpunkte AKN-Bahnhof Nützen, Kampen und Friedhof sind
mit dem Auto erreichbar.
Das Foto zeigt etwa die heutige Stelle, wo vor genau sechzig Jahren das
Verbrechen an den Serben stattgefunden hat.
Jürgen Gill
Pressesprecher des Trägervereins
18.04.05
Die Nichte und der Neffe von Arie Roders besuchten mit ihren
Ehepartnern Kaltenkirchen. Am 2. Januar 1945 war ihr Onkel als KZ-Häftling im
Außenlager Kaltenkirchen in Springhirsch an den Entbehrungen und Qualen einer
fast zweijährigen Haftzeit gestorben. Bis vor einem Jahr besaß die Familie
keinerlei Informationen über das Schicksal ihres Familienangehörigen Arie
Roders. Sie wählten für ihren Aufenthalt in Kaltenkirchen den Zeitpunkt, an dem
das Gedenkkonzert in der Michaeliskirche Kaltenkirchen stattfand. Sie verbanden
mit ihrem Konzertbesuch ein sehr persönliches Anliegen.
Wie vor einiger Zeit berichtet, war Arie Roders im März 1943 morgens von der
Gestapo abgeholt worden und seitdem für seine Frau, seine Eltern und seinen
beiden Brüdern verschollen gewesen. Erst die Nichte und der Neffe entdeckten
nach fast sechzig Jahren bei ihrer Suche im Internet, dass ihr Onkel in
Kaltenkirchen verstorben ist und seine Ruhestätte hier irgendwo liegen muss.
Arie Roders war verhaftet worden, weil er als kleiner Beamter im Amsterdamer
Einwohnermeldeamt die Peronaldaten jüdischer Mitbürger zu vernichten suchte. Er
wollte damit die Deportation jüdischer Familien in die Vernichtungslager stören
und erschweren. In den Familien seiner beiden Brüder kursierten nach dem Kriege
und kursieren bis heute verschiedene Geschichten über den Vorgang, weil es
Dokumente darüber, wie es genau gewesen ist, nicht gibt. Die Gestapo pflegte
unerwünschte Personen ohne Gründe und schriftliche Urteile einfach so
verschwinden zu lassen. In der einen Familie wird erzählt, er habe an dem Brand,
den es im Einwohnermeldeamt tatsächlich gegeben hat, ursächlich mitgewirkt. In
der anderen Familie wird ergänzt, er habe selber jüdische Karteikarten zerrissen
und die Schnipsel aufgegessen. Wie auch immer, das steht fest, er wurde
verhaftet, weil er offensichtlich am Verschwinden und an der Vernichtung
jüdischer Meldepapiere beteiligt war und verraten wurde. Damit gehört er zu
denen, die durch menschliches Handeln Widerstand geleistet und ihr Leben
geopfert haben. Deshalb sollte sein Name nicht vergessen werden und mit höchster
Achtung immer wieder genannt werden.
Der Trägerverein hatte für Arie Roders im Dokumentenhaus eine kleine
Vitrinenausstellung eingerichtet. Diese entdeckten nun die Nichte und der Neffe,
als sie die KZ-Gedenkstätte besuchten. Mit Tränen in den Augen und Trauer im
Herzen, aber auch voller Stolz auf ihren Onkel standen sie nunmehr vor der
Vitrine, erzählten von den Geschichten, die sie von ihren Vätern, das waren die
Brüder, über Arie, ihrem Onkel, als Kinder gehört haben.
Am
Rundweg durch das Gedenkstättengelände liegen Feldsteine, die mit den Namen und
Todesdaten von in Kaltenkirchen verstorbenen KZ-Häftlingen beschriftet sind.
Unter ihnen findet man auch den Stein Arie Roders. Hier legten die Verwandten
Frühlingsblumen nieder und standen lange in stillem Gedenken. Am Vortage hatten
die Besucher aus den Niederlanden auf der Gräberstätte Moorkaten Windlichter
angezündet und an verschiedenen Stellen abgestellt. Vermutlich ruhen hier
irgendwo zusammen mit den vielen anderen Unbekannten die Gebeine von Arie
Roders, einfach anonym verscharrt, und nach dem Kriege hat sich niemand
gefunden, die Familie Roders, Frau, Eltern und Brüder, darüber in Kenntnis zu
setzen, dass Arie in Kaltenkirchen begraben liegt, obwohl der Name, Todesdatum
und Todesort auf einer Neuengammer Liste verzeichnet waren.
Rene´Roders, der Neffe, überreichte aus Dankbarkeit über die gedenkende Arbeit
des Trägervereins dem Vorsitzenden Dr. Gerhard Hoch ein sehr altes Dokument aus
den fünfziger Jahren über die Arbeit des Amsterdamer Einwohnermeldeamtes, in dem
Arie Roders an einer Stelle erwähnt wird.
Rene´Roders schrieb sich einige Namen von in Kaltenkirchen verstorbenen
niederländischen KZ-Häftlingen auf, die er auf den beschrifteten Steinen fand,
um in Holland nach deren Familien zu forschen.
Übrigens, in den beiden Familien, die der Nichte und die des Neffen, durften die
Kinder die deutsche Sprache nicht erlernen. Somit fanden die Gespräch in
Kaltenkirchen in englischer Sprache statt. Wenn aber der Kontakt so herzlich und
freundschaftlich verläuft wie jetzt während des Besuches in Kaltenkirchen, dann
ist das ein gutes Beispiel dafür, wie Versöhnung der beiden Völker doch
stattfinden kann.
Das Foto zeigt die Besucher aus Holland zusammen mit Dr. Gerhard Hoch und Jürgen
Fock vom Trägerverein vor den Gedenksteinen
Jürgen Gill
Pressesprecher des Trägervereins
18.04.05
Da waren sich alle Besucher einig: Das war ein großer
Konzertabend. In ihrer Geschichte dürften die Mauern der Michaeliskirche
Kaltenkirchen selten Töne solcher Qualität gehört haben. Der Wilsteraner
Ausnahme-Organist und Komponist
Hartwig
Barte-Hanssen hat mit seinem Ensemble in Kaltenkirchen ein Zeichen gesetzt,
das in der Geschichte der Kaltenkirchener Kirchengemeinde als ein herausragendes
Ereignis die Köpfe und Herzen verändernd weiter wirken wird.
Der
Konzertabend stand unter dem Motto: "Im Gedenken an die Opfer" und wollte an die
Leiden der KZ-Häftlinge des Außenlagers Kaltenkirchen und an die unselige
Geschichte des Kaltenkirchener Pastors und späteren SS-Mannes Ernst Szymanowski/Biberstein
erinnern, der zum Massenmörder geworden war. Der Abend sollte die Türen zu den
Herzen und Köpfen der Zuhörer öffnen, damit durch Trauer und Erinnern, durch
Tränen und Nachdenken alle Verhärtungen sich lösen können. Insbesondere sollte
für die Anliegen des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen die Tür zum
Kirchenvorstand Kaltenkirchen geöffnet werden. Der Alvesloher Pastor Martin
Götz-Schuirmann trat dabei während der Vorbereitungen und am Konzertabend als
Vermittler in hervorragender Weise hervor.
Gewaltig bis zur Unerträglichkeit wühlte das große Werk des international
bekannten und geschätzten Komponisten Hartwig Barte-Hanssen "Klage ´Mein Gott,
mein Gott, warum...?´", die Herzen der Zuhörer auf. Barte-Hanssen leitete das
Ensemble aus Sopran, Bariton, Orgel und Kammerorchester selbst. Viele in der gut
gefüllten Michaeliskirche waren sich später einig, ein bedeutendes und großes
Kunstwerk gehört zu haben, das sie sich wünschten, auf CD wiederzuhören.
Die
Sopranistin Angela Kentsch (Itzehoe) drückte hinterher im Gemeinderaum ihre
Auffassung dazu so aus: "In diesen Tagen werden so viele Gedenkreden gehalten,
gute und notwendige Ansprachen des Erinnerns und Gedenkens. Aber diese erreichen
nur die Köpfe. Mit der Musik und mit der Kunst jedoch erreichen wir die Herzen
der Menschen und nur hier kann Heilung erfolgen." Das Werk bewirkt beim Hörer
ein Aufruhr der Gefühle. Dem Komponisten ist es mit seiner schon `postmodern` zu
nennenden Komposition gelungen, die Zuhörer für einen Moment jene
Unerträglichkeit der seelischen und körperlichen Qualen der Opfer spüren zu
lassen, ein großes Kunstwerk!
Auch die zweite Aufführung, die Komposition für Streichorchester: Monumentum "Im
Gedenken an die Opfer" von Barte-Hanssen, in seiner Diktion ganz anders als die
erste, rührte die Zuhörer, hier mehr starke Gefühle der Trauer und des
Andenkens. Erstaunlich die Variabilität dieses Komponisten!
Die danach vorgetragenen vier Chorstücke von Johann Sebastian Bach, Conrad
Kocher, Randall Thompson und Peter C. Lutkin gaben einen Ausblick in eine
hellere Zukunft nach soviel Leid und Schuld der Vergangenheit. Auch musikalisch
waren somit die Worte des Historikers Dr. Gerhard Hoch an diesem Abend umgesetzt
worden: " Der schmerzhafte Weg an die Wurzeln, an die Quelle des Unheils, die
Begegnung mit den Opfern stärkt uns für die Aufgaben zum Heil und zu einer
hoffnungsvollen Zukunft." Hervorzuheben sei an dieser Stelle die selten gehörte
Reinheit, Klarheit und musikalische Qualität des Chors, ein erstaunliches
Ereignis in der Michaeliskirche Kaltenkirchen.
Pastor Götz-Schuirmann als Hausherr, Dr. Gerhard Hoch vom Trägerverein und
Propst Stefan Block sprachen begrüßende, einführende und geleitende Worte. Es
war ein großer Abend, an dem leider die anderen Kaltenkirchener Pastoren wegen
entgegenstehender Verpflichtungen sich entschuldigen ließen. Erfreulich, dass
der frühere, jetzt aber nicht mehr in Kaltenkirchen wirkende Pastor Both
anwesend war.
An der musikalischen Ausführung waren beteiligt:
Bach-Vokal-Enseble Wilster
Angela Kentsch (Itzhoe), Sopran
Kai Schnabel (Hamburg), Bariton
Streicherensemble Itzehoe (Konzertmeister: Ralf Kröger)
Hans Henning Möller (Glückstadt), Trompete
Tord Siemen (Wilster), Pauken
Gustav Hintz (Wilster), Fagott
Dr. Martin Hintz (Neumünster), Kontrabass
Jan Christoph Hadenfeldt (Kiel), Orgel
Die musikalische Leitung hatte Hartwig Barte-Hanssen
Der Komponist und die Solisten verzichteten wegen des Anliegens an diesem Abend
auf ein Honorar. Für die übrigen Kosten halfen dem Trägerverein die Stadt
Kaltenkirchen und die Raiffeisen Bank Kaltenkirchen durch eine großzügige
Spende. Der Trägerverein KT-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch dankte
später im Gemeinderaum den Musikern mit Blumen für den gelungenen Abend
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
11.04.05
Das Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in
Springhirsch muss im April an den Wochentagen geschlossen bleiben. Wir bemühen
uns in Zusammenarbeit mit der VHS-Kaltenkirchen um eine Werktagsöffnung ab Mai
2005. Doch an den Sonn- und Feiertagen können wir ab sofort von 11.00 Uhr bis
17.00 Uhr das Dokumentenhaus öffnen. Freiwillige Helfer stehen uns zur
Verfügung, die an den Sonntagen Aufsicht führen. Trotzdem können wir weitere
Helfer gut gebrauchen. Es handelt sich um eine sehr interessante Aufgabe,
Besuchern die Ausstellung, das Infomaterial und das Lagermodell zu erläutern.
Wer Interesse hat, kann zu uns über unsere Homepage "www.kz-kaltenkirchen.de"
Kontakt aufnehmen.
Sonst ist das Außengelände der Gedenkstätte zu jeder Zeit für Besucher
zugänglich. Aus einem Infokasten kann ein Faltblatt entnommen werden, das die
Besucher auf dem Rundweg begleitet und sie über die einzelnen Stationen
informiert.
Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)
01.04.05
Die Ev.Luth. Kirchengemeinde Kaltenkirchen und der Trägerverein KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen in Springhirsch e.V. laden die Bürger zu einem Kirchenkonzert
16.04.05 um 19.00 Uhr in der Michaeliskirche Kaltenkirchen ein. Zur Aufführung
kommen u.a. zwei Kompositionen des Komponisten
Hartwig Barte-Hanssen, "Monumentum"
und "Auschwitz-Klage". Der Komponist selber dirigiert sein Streichorchester.
Einführende Worte von Propst Stefan Block und Dr. Gerhard Hoch komplettieren das
gemeinsame Gedenkkonzert der Kirchengemeinde und des Trägervereins.
Das Konzert soll einen neuen Anstoß zur Geschichts- und Trauerarbeit in
Kaltenkirchen genau sechzig Jahre nach dem Kriegsende bewirken. Denn genau vor
sechzig Jahren, am 16. April 1945, durchschritten die bis dahin überlebenden
KZ-Häftlinge des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen zum letzten Mal das Lagertor.
Angetrieben von 84 Wachsoldaten der Luftwaffe und zwei SS-Männern marschierten
sie über den Marschweg zum Kaltenkirchener AKN-Bahnhof. Diesen
Evakuierungsmarsch konnten viele Kaltenkirchener beobachten. In Güterwagen der
AKN ging es anschließend zu einer letzten qualvollen Fahrt nach Wöbbelin in
Mecklenburg. Viele starben während des Transports und im noch furchtbareren
Sammellager Wöbelin.
Die Komposition " Monumentum" will an das KZ-Lager Kaltenkirchen erinnern. Ihr
liegt ein Gedicht von Jens Harder zugrunde, das den Titel " Der Wald des
Vergessens" trägt. Das Gedicht beklagt die Tatsache, dass das KZ-Außenkommando
Kaltenkirchen nach dem Kriege so lange vergessen war. Es hatte im Bereich des
Kirchspiels Kaltenkirchen gelegen, also im Zuständigkeitsbereich des damaligen
Pastor Thies. Auch er, und damit unterschied er sich nicht von den vielen,
wollte nach dem Kriege nicht an das Lager erinnert werden.
Die zweite Komposition "Auschwitz-Klage" will an den unseligen ehemaligen
Kaltenkirchener Pastor Ernst Szymanowski erinnern, der später im besetzten Osten
zum Massenmörder geworden war. Vom November 1927 bis zum November 1933 war der
Nationalsozialist (Pg. Nr. 40 718) Ernst Szymanowski Pastor in Kaltenkirchen
gewesen und hatte menschenverachtendes Gedankengut mit den Aufgaben seines Amtes
verquickt. Später kündigte er seine kirchlichen Ämter und wurde Sturmbannführer
der SS (Nr. 272 692). Vom Sept. 1942 bis Juni 1943 war er Führer des
SS-Einsatzkommandos 6 in der Ukraine. Nach eigenen Angaben vor dem
Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg leitete er die Vergasung und Erschießung
von 2000 bis 3000 jüdischen Menschen, meist Frauen, Kinder und Alte. In Nürnberg
zum Tode verurteilt, erwirkten kirchliche Kreise unter der Leitung von Propst
Richard Steffen 1951 zunächst eine Umwandlung der Strafe in lebenslängliche Haft
und dann 1958 seine endgültige Freilassung. In Neumünster lebte er noch lange
als ein unerkannter Täter mitten unter uns. Sein Name und sein unheilvolles
Wirken gerieten in Vergessenheit. Den nachwachsenden Generationen in
Kaltenkirchen wurde somit die Möglichkeit genommen, diesen schrecklichen
Abschnitt der Geschichte kennen zu lernen und zu verarbeiten. Erinnern, Gedenken
und Verarbeiten sollen im Blick auf eine demokratische und humane Zukunft
nunmehr verstärkt geschehen.
Das Gedenkkonzert in der Michaeliskirche am 16.04.05 will also an dunkle
Abschnitte unserer Geschichte hier vor Ort erinnern, der vielen zum größten Teil
namenlosen Opfer gedenken, ihnen die genommene Würde zurückgeben und sie
betrauern. " Der schmerzhafte Weg an die Wurzeln, an die Quelle des Unheils, die
Begegnung mit den Opfern stärkt uns für die Aufgaben zum Heil und zu einer
hoffnungsvollen Zukunft." (Dr. Gerhard Hoch)
Eine Stunde vor Konzertbeginn, also um 18.00 Uhr, findet auf dem Kaltenkirchener
Friedhof an den Opfergräbern eine Andacht für die NS-Opfer in Kaltenkirchen
statt. Die daran teilnehmen wollen, treffen sich auf dem Parkplatz des
Friedhofes "Heidland".
Wir laden alle Bürger recht herzlich zu dem Konzert in die Michaeliskirche ein
und freuen uns über einen zahlreichen Besuch.
Nachtrag:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich berichtete über das Kirchenkonzert am 16.04.05 um 19.00 Uhr in der
Michaeliskirche Kaltenkirchen. Der Komponist Hartwig Barte-Hanssen, der das
Konzert mit seinem Streichorchester leitet und eigene Kompositionen aufführt,
hat einen internationalen Ruf. Er selber wird für sein Konzert in Kaltenkirchen
kein Honorar verlangen. Er verzichtet darauf, um der Sache des Gedenkens und
Andenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zu dienen. Wir sind ihm zu
größtem Dank verpflichtet. Nur die Musiker seines Orchesters erhalten eine
Aufwandsentschädigung. Somit kann das Gedenkkonzert Eintritt frei gehalten
werden. Über eine Spende der Besucher würden sich natürlich die Veranstalter
freuen.
Für das Entgelt der Musiker haben wir von der Stadt Kaltenkirchen und von der
Raiffeisenbank in Kaltenkirchen eine großzügige Spende erhalten. Diese
Spendenbereitschaft hat der Kaltenkirchener Bürgermeister Ingo Zobel angeregt.
Auch die Ev. Luth. Kirchengemeinde Kaltenkirchen hat ihren finanziellen Beitrag
geleistet. Wir danken allen Spendern recht herzlich.
Jürgen Gill
Pressesprecher des Trägervereins
21.01.2005
25 Soldaten der Ersten Unteroffiziersschule der Luftwaffe Appen
besuchten jüngst die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch.
Hauptfeldwebel Mark Lohrer leitete die Gruppe. Dr. Gerhard Hoch führte die
Soldaten über das Außengelände, informierte sie eingehend über das ehemalige
Lager und diskutierte später mit ihnen im Dokumentenhaus u.a. über den damaligen
Lagerführer Otto Freyer. Die Soldaten zeigten sich besonders an der Frage des
Konfliktes zwischen soldatischem Gehorsam und dem persönlichen Gewissen sehr
interessiert.

Dr. Hoch stellte im Dokumentenhaus mit Hilfe eines Overheadprojektors den
Soldaten mehrere besonders interessante Dokumente, Quellentexte, Urkunden und
Fotos vor. Anhand eines Fotos, das den Lagerführer Otto Freyer in SS-Uniform
zeigte, entzündete sich die Diskussion. Denn Otto Freyer, eigentlich Hauptmann
der deutschen Wehrmacht, hatte sich dem Befehl seines Vorgesetzten gebeugt, als
der ihn an die SS abordnete. Dort sollte er, obwohl er gar nicht zur SS gehörte,
die SS-Uniform tragen, um den, wie es hieß, "sauberen Rock der Wehrmacht" nicht
zu beschmutzen.
Unwillig und innerlich ablehnend erfüllte Otto Freyer bis zum Januar 1945 seine
Aufgabe als Lagerführer des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen, bis endlich seinem
Gesuch auf Rückversetzung in seine alte Wehrmachtseinheit nachgegeben wurde.
Aber in der Zeit seiner Lagerführung sind Hunderte von KZ-Häftlinge durch
Hunger, Krankheit, Überforderung und Mord ums Leben gekommen. Zwar hat er sich
über die Zustände im Lager bei einigen Frauen in Springhirsch ausgeweint, sich
aber nicht getraut, gegenüber seinen menschenschindenden SS-Unterführern
durchzusetzen. Die drohten Meldung in Neuengamme zu machen.
Die Soldaten diskutierten nun die Frage, ob er nicht doch mehr für die
Menschlichkeit hätte riskieren sollen. Was wäre ihm passiert? Ansehensverlust!
Vorwurf der "Humanduselei"! Unehrenhafte Abschiebung zurück zur Wehrmacht!
Allenfalls drohte die Abkommandierung an die Front! Heute ist bekannt, dass
niemand zu Verbrechen gezwungen wurde. Man hatte vielfältige Nachteile zu
ertragen, ja. Aber den "Befehlsnotstand", auf den sich so viele Massenmörder
nach dem Kriege beriefen, gab es so nicht. Einige Soldaten sagten: "Otto Freyer
ist mitgeschwommen, er wollte nicht auffallen und hat damit vielleicht sogar
positiver gewirkt, als ein scharfer Hund an seiner Stelle angerichtet hätte.
Andere sagten, wenn es Befehle gibt, die eindeutig gegen Menschlichkeit und
geltendes internationales Recht verstoßen, dann darf der Befehl verweigert
werden. Bei den Menschenrechtsverletzung durch amerikanische und britische
Soldaten an irakischen Häftlingen hat es Soldaten gegeben, denen das Gewissen
schlug und die von ihrem Gewissen veranlasst wurden, die Folterungen publik zu
machen. Wie schwer es aber in manchen Augenblicken ist, sich gegen unmenschliche
Behandlung zu wehren, zeigten Beispiele der jüngsten Zeit in der Bundeswehr, als
Rekruten von ihren Ausbildern bei sog. Folterungsübungen gequält worden waren.
Nach mehr als zwei Stunden verließen nachdenkliche Soldaten die Gedenkstätte.
Jürgen Gill
Pressesprecher
19.01.2005
Der Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen bietet interessierten Bürgern eine fachkundige Führung über das Gelände der Gedenkstätte an. Anschließend werden im Dokumentenhaus Fragen beantwortet, Einzelheiten näher erläutert und der Videofilm über das ehemalige KZ-Außenkommando vorgeführt. Mit dieser Veranstaltung am
Sonnabend, 29. Jan. 2005, um 14 Uhr
an der Gedenkstätte in Springhirsch
haben die Besucher die seltene Gelegenheit, sich eingehend und umfassend über
die Geschehnisse vor sechzig Jahren hier in unserer Region zu informieren. Alle
Bürger, die erfahren wollen, wie es damals in unserer unmittelbaren
Nachbarschaft unter den Augen der Bevölkerung solch ein KZ-Lager hat geben
können, sind herzlich eingeladen. Der Videofilm, der im Dokumentenhaus
anschließend gezeigt wird, wurde von Schülern der Realschule Kellinghusen
gedreht und ist derselbe, der im Nov. letzten Jahres im Bürgerhaus Kaltenkirchen
unter Anteilnahme einer großen Zuschauermenge uraufgeführt wurde.
Anlass der Veranstaltung ist die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am
27. Jan. vor sechzig Jahren. Dazu wird es im Bundesgebiet an vielen Stellen
Gedenkveranstaltungen geben. Wir wollen mit unserer Gedenkstättenführung am 29.
Januar nicht noch eine weitere Auschwitzgedenkveranstaltung hinzufügen, sondern
mit unserer Informationsveranstaltung ergänzend darauf hinweisen, dass nicht nur
im fernen Auschwitz und in anderen Vernichtungslagern des Ostens
Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen stattgefunden haben, sondern überall
im damaligen Reich, auch hier in unsere Nachbarschaft. Ein dichtes Netz von
Konzentrationslagern und ihren Außenlagern überzog das Reichsgebiet. Hier wurden
unter den Augen der Bevölkerung Menschen gequält, ausgebeutet und deren Leben
vernichtet. Wir fragen deshalb, wie es möglich war, dass viele unserer
Großeltern und Urgroßeltern und so viele Ältere in unserem Bekanntenkreis
behaupten konnten, sie hätten von den Verbrechen der Nationalsozialisten und
ihrer Mitläufer nichts gewusst. Im KZ-Außenkommando Kaltenkirchen waren
KZ-Häftlinge aus Neuengamme untergebracht, die als billige und auszubeutende
Arbeitskräfte zum Bau am Militärflugplatz Kaltenkirchen an Kaltenkirchener Bau-
und Handwerksbetriebe ausgeliehen worden waren.
Der Trägerverein stellt sich auf eine große Besucherzahl ein und kann, wenn
nötig, in zwei Gruppen über das Gedenkstättengelände führen. Wir freuen uns auf
Ihren Besuch.
Jürgen Gill
Pressesprecher