Jahreshauptversammlung am 8. Mai 2010, 16.00 Uhr

29.04.2010

Am Sonnabend, dem 8. Mai um 16.00 Uhr auf der Gedenkstätte in Springhirsch an der B4, findet die Jahreshauptversammlung des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen statt. Altbischof Karl Ludwig Kohlwage, Lübeck, wird ein Grußwort sprechen. Die Vorsitzende, Uta Körby, wird einen Bericht über das Vereinsgeschehen 2009 abgeben.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung, um 17.00 Uhr wird Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, einen Vortrag über die Zeit des Kriegsendes halten:
"Häftlinge fortschaffen - Spuren verwischen - Werte sichern: Die Auflösung des Neuengammer Lagersystems bei Kriegsende"
Zu diesem interessanten Vortrag sind nicht nur die Mitglieder, sondern auch Gäste herzlich willkommen.

 

 

Veranstaltung am Tag der Befreiung von Auschwitz (Bericht)

28.01.2010

„Wie nah ist uns Auschwitz? – Versuch einer Annäherung“ so war der bemerkenswerte Vortrag überschrieben, den Dr. h. c. Gerhard Hoch am 27.01.10 im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen gehalten hat. Trotz Schnee- und Verkehrschaos an diesem Abend waren viele Besucher gekommen, unter ihnen viele junge Leute (Schüler). Der neben dem Bürgermeister Sünwoldt ebenfalls ein Grußwort hat sprechen wollen, Altbischof Karl Ludwig Kohlwage aus Lübeck, hatte absagen müssen, weil Schnee und Eis ihn am Kommen hinderten. Die Vorsitzende des Trägervereins verlas sein angekündigtes Grußwort.  

Als Hausherr freute sich Bürgermeister Stefan Sünwold, dass auch in diesem Jahr der Holocaust-Gedenktag wieder im Rathaus der Stadt durch eine Veranstaltung des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen begangen werden konnte. Er schloss sein Grußwort so: Die Stadt Kaltenkirchen ist nicht nur Mitglied des Trägervereins, sondern stellt sich verantwortungsvoll der Geschichte. Dafür steht auch diese Veranstaltung hier im Ratssaal der Stadt. – In Verneigung vor den Opfern der Shoah, in Respekt vor der Trauer der heute noch lebenden Angehörigen und im Verantwortungsbewusstsein für das … gesellschaftliche Miteinander aller künftigen Generationen in der Welt wünsche ich der Veranstaltung einen guten Verlauf.“  

Philipp Wentrup, Schüler des Gymnasiums Kaltenkirchen, gab mit seinem Cello den angemessenen musikalischen Rahmen der Veranstaltung. Seine Musikdarbietungen erhielten starken Beifall. Wir erfuhren, dass er das Violoncellospielen  zu seinem Lebensberuf machen will.  

Im Mittelpunkt des Abends stand der

Vortrag von Dr. h. c. Gerhard Hoch

der versuchte, sich aus heutiger Sicht dem Geschehen vor mehr als 65 Jahren zu nähern. Wer könnte das besser als Gerhard Hoch, Jahrgang ´23, der als junger Mensch in die Zeit der Weimarer Republik hineingeboren wurde und am eigenen Leibe erfahren hat, welche zerstörerische  Kraft der Antisemitismus entfaltet und welche Verführung die nationale Anmaßung eines Großdeutschen Reiches fast alle erfasst hatte. Und schon in der Schule, in der Kirche und im gesamten öffentlichen Leben hatte die perfide Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger ihren Anfang genommen, eine Ausgrenzung, die später zur systematischen Ausrottungspolitik geführt hat.  

Dr. Hoch fragte, woher die SS-Männer, die vielen Täter und Helfer gekommen waren. Waren die allesamt kriminell veranlagte Sadisten gewesen? fragte er.  Nein, `ganz normale Männer`, aufgewachsen und sozialisiert in „unseren Dörfern und Städten“, sagte Hoch. Er wehrte sich dagegen, immer nur von den „Nazis“ als den Tätern zu sprechen. Die vielen Helfer aus dem „antisemitistischen Bodensatz“ der von Deutschland unterworfenen Völker, die deutsche Wehrmacht, der deutsche Beamtenapparat, die Eisenbahner und Transporteure, die Behördenvertreter und Kirchenleute, alle, die das gigantische Unternehmen der systematischen Judenvernichtung erst möglich machten, waren das alles Nazis? fragte Gerhard Hoch. Die Wurzel des Übels sei  der Antisemitismus gewesen, den nicht Hitler und seine Partei erfunden haben, sondern den sie vorgefunden hätten in der Gesellschaft der Weimarer Republik, in bürgerlichen Parteien, in vielen Gruppierungen, Verbänden und Vereinen.  

Dr. Hoch stellte also fest, dass die Täter zumeist aus der normalen Gesellschaft stammten und er fragte weiter, was diese dann zu Tätern hat werden lassen. Er lieferte den Versuch einer Erklärung: „In der bewaffneten Kohorte geht der zivile Rückhalt rasch zu Bruch – zu beobachten auch heute in bestimmten Eliteeinheiten, der Marsch in die Rücksichtslosigkeit wurde fast unausweichlich…“ „… die Exekutoren, die vielen Führer von Einsatzgruppen und –kommandos wussten sich im Einvernehmen mit Führer und Volk.“  

Zum Schluss zitierte Hoch den israelischen Schriftsteller Avraham Burg, der die Toten sprechen lässt: „Wir sind nur noch ein Haufen Asche. Haltet Euch nicht zu lange bei uns auf. Nehmt uns aber auf in Euer Gedächtnis …. Tut heute denen, die leben, nur leben wollen, das an, was man uns versagt hat.“  

Es kann an dieser Stelle nicht im Einzelnen auf die Fülle der sehr persönlich gefärbten, interessanten und informativen Ausführungen Hochs eingegangen werden. Zuhörer, insbesondere Lehrer, fragten spontan danach, ob sie den Text der Rede in schriftlicher Form bekommen und im Unterricht verwenden dürften.  

Dr. Gerhard Hoch übergab dem Cellisten Philipp Wentrup und der Schülerin Sarah Stroese, die das Hinweisplakat der Veranstaltung gestaltet hatte, als Dank je eine persönlich signierte Ausgabe seines neuesten Buches.

 

 

 

 

Veranstaltung am 27. Januar (Ankündigung)

17.01.2010

Tag der Befreiung von Auschwitz - Mittwoch, 27.Januar 2010 um 19.00 Uhr im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen:

Vortrag von Dr. h.c. Gerhard Hoch:

Wie nah ist uns Auschwitz? - Versuch einer Annäherung.

Am Mittwoch, d. 27.01.10 referiert Dr. h.c. Gerhard Hoch aus Anlass des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz (27.01.1945) zum Thema "Wie nah ist uns Auschwitz - Versuch einer Annäherung". Dr. Gerhard Hoch ist der bekannte Autor verschiedener Bücher, die die nationalsozialistische Vergangenheit unserer Region zum Thema haben.

Sein neuestes Buch "Ernst Szymanowski-Biberstein - Die Spuren eines Kaltenkirchener Pastors" ist, von der ev. luth. Kirche gefördert, Ende Oktober 2009 im Wachholtz Verlag erschienen. 

Altbischof Karl Ludwig Kohlwage, Lübeck, wird ein Grußwort sprechen. Uta Körby, die Vorsitzende des Trägervereins, wird den Abend moderieren.  Der Vortrag mit anschließender Diskussion findet öffentlich statt und ist kostenlos.

 

 

 

 

Gedenkstätte auch im Winter täglich geöffnet!

13.01.2010

Die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch, an der B4 zwischen Bilsen und Lentföhrden gelegen, ist dank unseres Mitarbeiters, Thomas Saretzki, auch jetzt trotz Kälte und Schnee täglich -außer sonntags- von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet.

Das Dokumentenhaus ist geheizt und lädt bei angenehmer Raumtemperatur Besucher zum Stöbern und Informieren ein. Schon allein wegen der empfindlichen Ausstellungstafeln muss der Ausstellungsraum trocken und warm sein. Der Rundweg im Außengelände kann auf eigene Gefahr von Besuchern benutzt werden. Der Mitarbeiter hat ihn soweit geräumt, dass er, ohne nasse Füße zu bekommen, begangen werden kann. Die an ihm aufgestellten Infotafeln informieren sehr eindringlich, aber knapp mit Text und Bild über bekannte Einzelschicksale des ehemaligen Lagers. Gerade jetzt im Winter lohnt sich der Besuch, um anschaulich zu erfahren, welchen schlimmen Bedingungen die KZ-Häftlinge im Winter 44/45 ausgesetzt waren.    

 

 

 

 

Jahresrundbrief

12.01.2010

Unseren Jahresrundbrief finden Sie hier.

 

 

 

 

Pressetermin am 27.11.2009: Dank an Sponsoren!

09.11.2009

Neuer RundwegDer Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen möchte in einer öffentlichen Veranstaltung die in diesem Jahr durch großzügige Spenden ermöglichten Verbesserungen an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch der Öffentlichkeit vorstellen.

Mit der Präsentation der Wegerneuerung/Außenanlage  möchte er zugleich allen Spendern und Förderern seinen Dank aussprechen. Ohne deren Hilfe hätten die Verbesserungen nicht so zügig verwirklicht werden können.

Eingeladen sind nicht nur die Sponsoren, die Förderer, die Helfer vor Ort und die beteiligte Firma, sondern auch kommunale Vertreter und Vertreter von Einrichtungen und Organisationen, die dem Trägerverein freundschaftlich verbunden sind. 

Insbesondere sind die Vertreter der regionalen Presse eingeladen. Bietet die Veranstaltung für die Presse doch die Gelegenheit, die KZ-Gedenkstätte in ihrer jetzigen Form, Ausstattung und Leistung zu dokumentieren. Natürlich sind ebenfalls alle interessierten Bürger willkommen. 

Das obige Foto den neu gestalteten Rundweg im Gelände der Gedenkstätte. Er stellt eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem früheren Waldpfad dar. Der Rundweg ist für die Besucher auch außerhalb der Öffnungszeiten immer zugänglich. In seinem Verlauf sind an geeigneter Stelle Schilder aufgestellt worden, die in knapper Form über Personen des ehemaligen Lagers und über die Verhältnisse dort informieren. Diese Schilder sind in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein von Studenten der Uni Kiel gestaltet worden.

Den unten genannten Spendern und Förderern für die "Wegerneuerung/Außenanlage" gilt neben den vielen, die hier nicht im Einzelnen aufgeführt werden können, unser besonderer Dank: -Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten Kiel

Der oben genannte Pressetermin (Präsentation) findet statt:

Freitag, d. 27. November 2009 um 14.00 Uhr
an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch a.d. B4

Der Trägerverein hofft, viele Pressevertreter begrüßen zu können!!

 

 

 

 

Filmvorführung an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch am 08.11.09 

01.11.2009

Aus Anlass der Erinnerung an die Reichspogromnacht, die am 9. Nov. 1938 die später nachfolgende systematische Judenvernichtung ankündigte, zeigt der Trägerverein einen Tag vor dem Gedenktag, am

Sonntag, den 8. November 2009
um 14.00 Uhr
in der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch an der B4,

den 2003 gedrehten Dokumentarfilm "Die Rollbahn". Der Film dokumentiert die Begebenheiten von den ersten Recherchen über das KZ-Außenlager Walldorf bei Frankfurt a.M. bis zum Besuch von 18 Überlebenden des Lagers am 15. Okt. 2000. Dabei wird die Geschichte des KZ-Außenlagers Walldorf aufgerollt, in dem 1944 1700 ungarische Jüdinnen unter unmenschlichen Bedingungen eine betonierte Rollbahn am Frankfurter Flughafen ausbauen mussten. Wie auf dem Kaltenkirchener Militärflugplatz 1944/45 kam auch hier das erste düsenbetriebene Jagdflugzeug, die ME 262, zur Erprobung und zum Einsatz. Damit ist der Bezug zum KZ-Außenlager Kaltenkirchen evident. Der Trägerverein hofft auf viele Besucher. Der Eintritt ist frei.  

 

 

 

 

Schon jetzt 3500 Besucher der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

10.10.2009

Am 9. Okt. 2009 besuchte Bernd Henschen aus Heide als 3500.ster Besucher dieses Jahres die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch. Er erhielt deshalb als Geschenk das 2008 erschienene Buch "Der lange Winter in Springhirsch -Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen" von Jürgen Gill. Bernd Henschen war durch das weithin sichtbare Hinweisschild an der Bundesstraße 4 auf die Gedenkstätte aufmerksam geworden und hatte seine Fahrt unterbrochen. Auf ähnlich ungeplante Weise fanden viele Verkehrsteilnehmer schon vor ihm den Weg zur Gedenkstätte. Sie sind erstaunt, welche Fülle an Informationen und welche interessanten Eindrücke, die nachdenklich machen, sie hier vorfinden. So jedenfalls äußerte sich auch Bernd Henschen, der erfreut das kleine Geschenk entgegennahm.

Im vorigen Jahr hatten genau 3218 Menschen die Gedenkstätte besucht. Deshalb hatten die Verantwortlichen für dieses Jahr mindestens 3500 Besucher erwartet. Dass schon jetzt diese Zahl erreicht worden ist, zeigt, dass die Arbeit auf der Gedenkstätte auf dem richtigen Weg ist. Die Gedenkstätte als Lernort und als Ort des Gedenkens, der Begegnung und der Würdigung der Opfer auszubauen, hat offensichtlich großen Zuspruch erfahren.

Unser Mitarbeiter, Thomas Saretzki, ist unter der Woche, auch an Samstagen, zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr anwesend und führt sachkundig die Besucher. Nach Anmeldung führen Vorstandsmitglieder auch größere Gruppen.

Besucher finden die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen an der Bundesstraße 4 zwischen Bilsen und Lentföhrden. Wie gesagt, das Hinweisschild an der Straße ist kaum zu übersehen.

 

 

 

 

Jahreshauptversammlung 2009

10.05.2009

Am 10. Mai 2009 fand die Jahreshauptversammlung des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen im schönen Versammlungsraum der Gedenkstätte in Springhirsch statt. Uta Körby, die Vorsitzende, gab einen umfassenden Jahresbericht ab. Sie konnte auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück schauen. Die Gedenkstätte in Springhirsch hatte sich auch im vergangenen Jahr weiter entwickelt. Das Verhältnis zum Grundeigentümer, der Flughafengesellschaft Hamburg (FHG), ruht durch einen Gestattungsvertrag auf sicheren Füßen. Im Zuge einer guten Zusammenarbeit mit der VHS-Südholstein konnten mehrere Mitarbeiter (Ein-Euro-Job)an der Gedenkstätte für deren Pflege und Erhalt sorgen. Von denen stellte sich Herr Thomas Saretzki seit Juni 2008 als derart engagiert und geeignet heraus, dass für ihn inzwischen eine Festanstellung erfolgt ist. Ein Segen für die Einrichtung, die seitdem täglich für Besucher geöffnet sein kann! Auch die Zusammenarbeit mit der Uni Kiel, getragen von Prof. Dr. K.H. Pohl und gefördert von Dr. Detlef Garbe(Gedenkstätte Neuengamme), bewirkte inzwischen eine enorme Aufwertung und Verbesserung der Ausstellung und der pädagogischen Arbeit an der Gedenkstätte. Wir berichteten! In das Jahr 2008 fiel außerdem die Veröffentlichung einer Überarbeitung eine Werkes von Gerhard Hoch: "Hauptort der Verbannung", die unter dem neuen Titel "Der lange Winter in Springhirsch - Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen" im Wachholz-Verlag erschienen ist. Jürgen Gill, der Autor, stellte das Buch in Anschluss an die Versammlung den Mitgliedern vor.

Anerkennende Grußworte sprach die Landrätin des Kreises Segeberg, Jutta Hartwieg. Auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen, Eberhard Bohn, fand lobende Worte für die geleistete Arbeit des gesamten Vorstandes.

Schließlich musste der Vorstand nach der Satzung im Zweijahresrhythmus komplett neu gewählt werden. Zwei verdiente Beisitzer stellten sich aus privaten und beruflichen Gründen nicht mehr zur Wahl, Inga-Martina Toft und Manfred Freund. Dafür kamen Jan Drümmer und Ulrich Siefert als neue Beisitzer in den Vorstand. Die anderen bisherigen Mitglieder wurden einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Das Foto zeigt alle Vorstandsmitglieder.

Von links nach rechts: Dr. Gerhard Hoch  (Ehrenvorsitzender), Uwe Czerwonka (Beisitzer), Ingrid Schulz-Pankratz (Schriftführerin), Jürgen Gill (Stellvertretender Vorsitzender), Uta Körby (Vorsitzende), Jürgen Fock (Beisitzer), Karl Stanek (Beisitzer), Ulrich Siefert (Beisitzer, neu im Vorstand), Piet Verschragen (Kassenwart), Jan Drümmer (Beisitzer, neu im Vorstand) und Jörn Wommelsdorf (Webmaster)

Von links nach rechts: Dr. Gerhard Hoch  (Ehrenvorsitzender), Uwe Czerwonka (Beisitzer), Ingrid Schulz-Pankratz (Schriftführerin), Jürgen Gill (Stellvertretender Vorsitzender), Uta Körby (Vorsitzende), Jürgen Fock (Beisitzer), Karl Stanek (Beisitzer), Ulrich Siefert (Beisitzer, neu im Vorstand), Piet Verschragen (Kassenwart), Jan Drümmer (Beisitzer, neu im Vorstand) und Jörn Wommelsdorf (Webmaster)

Uta Körby zeigte sich am Ende hocherfreut über den gelungenen Verlauf der Jahreshauptversammlung und deren Ergebnisse. Sie dankte allen Vorstandsmitgliedern für die geleistete Arbeit  und drückte ihre Freude auf die zukünftige Zusammenarbeit im neuen Vorstand aus.

 

 

 

 

"Ham´se mal ´ne Mark"

10.05.2009

Uta Körby konnte eine nicht unerhebliche D-Mark-Summe in den Hut des Kassenwartes werfen.Auf der Mitgliederversammlung des Trägervereins am 10.05.2009 hat der Kassenwart, Piet Verschagen, den Mitgliedern in einer launigen Darstellung das Projekt "Ham´se mal ´ne Mark" vorgestellt. Es geht darum, alte D-Mark-Bestände einzusammeln und wenn genügend zusammengekommen ist, die Summe zur Bundesbank-Filiale zu bringen und gegen Euro einzutauschen, sozusagen eine Spende an den Trägerverein "durch die Hintertür". Bis zum Ende des Jahres werden an der Gedenkstätte D-Mark in Münzen oder Scheinen entgegengenommen. Uta Körby, die erste Vorsitzende des Trägervereins, schon vorab informiert, konnte prompt eine nicht unerhebliche D-Mark-Summe in den Hut des Kassenwartes werfen.

Weitere Details entnehmen Sie bitte dem Flugblatt.

 

 

 

 

Workshop am 8.Mai (Bericht)

09.05.2009

Das Historische Seminar unter Leitung von Prof. Dr. K. H. Pohl führte am symbolträchtigen Tag, dem 8. Mai 2009, in der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch einem Kreis aus Schülern/innen, Lehrern und einer interessierten Öffentlichkeit vor,  was Studenten/innen während  zweier  Semestern erarbeitet haben. In enger Zusammenarbeit mit dem Trägerverein hatten die Studenten Vorschläge zur Erweiterung der Ausstellung entwickelt und vieles davon schon an der Gedenkstätte verwirklicht. Viele der beteiligten Studenten/innen waren so sehr vom Thema gepackt worden, dass sie über das Normalmaß hinaus weiter gearbeitet haben. Der Versammlungsraum der KZ-Gedenkstätte in Kaltenkirchen konnte kaum die vielen Interessierten fassen, denn fast 90 überwiegend junge Leute drängelten sich im Raum. Was ihnen geboten wurde, fand ihre allgemeine Zustimmung.

Vier Sprecher dreier Arbeitsgruppen stellten die Ergebnisse dar:

Der Sprecher der Gruppe Außengestaltung, Markus Kretschmer, führte zunächst die Teilnehmer durch das Außengelände der Gedenkstätte und erläuterte die dort an geeigneter Stelle aufgestellten Infoschilder. Insgesamt waren von der Gruppe 7 Schilder entworfen worden, inhaltlich knapp, dennoch informativ, immer eine Personendarstellung im Zentrum, die an fünf Standorten am Rundweg nun ihren Platz fanden. Die Schilder konnten pünktlich zum 8. Mai 2009 im Gelände aufgestellt werden. Sie führen zukünftig Besucher, die sich ohne Führung auf den Rundweg begeben, in wesentliche Geschehnisse des damaligen Lagers ein.

Der Sprecher der Gruppe „Medien“, Matthias Kriest, erläuterte anschließend die Bedienung eines „Medienterminals“ im Versammlungsraum für Besucher. Dieser ist jeweils in ein visuelles und in ein akustisches Gebiet unterteilt. Dem visuellen Teil liegt der hervorragend gestaltete Film „Vergessene Lager“ von Kellinghusener Realschülern unter der Leitung von Walther Vietzen zugrunde. Besucher können nun aus diesem Film einzelne Sequenzen von 2-5 Minuten Länge je nach Wunsch aufrufen und sich vorführen. Die Inhaltsübersicht ist deutlich und bedienungsleicht. 

Solveig Grebe, Sprecherin des akustischen Teils des Medienterminals, stellte ihre drei fiktiven Tagesabläufe des ehemaligen Außenlagers vor. Sie hatte aus der Sicht des ehemaligen Lagerleiters, Otto Freier,  aus der Sicht eines Häftlings Dr. Henri Stroweis und aus der Sicht des Lagerältesten Johannes Wehres Tagesabläufe dargestellt, freilich fiktiv, um den Lageralltag im KZ plastisch vor Augen zu führen. Dabei hat sie historisch belegte Informationen über die jeweilige Person eingearbeitet. Es ist der Autorin in der Tat gelungen, sehr nah und trotzdem distanziert auch Zwischentöne jenseits der Opfer-Täter Kontrastierung zum Klingen zu bringen. Ein Wagnis, das besonders junge Zuhörer überzeugte. Die von einem kompetenten Sprecher gesprochenen Texte können jeweils in gewünschten Sequenzen von Besuchern aufgerufen und angehört werden.

 Das Arbeitsergebnis der dritten Gruppe stellte deren Sprecherin Melanie Ralf vor. Es handelt sich um Informationsfahnen zum Thema: „Erinnerungskultur nach 1945“, die bisher nur als gedruckte Texte vorliegen. Von der ursprünglichen Idee, die Texte möglichst Platz sparend auf rolloartigen Textilbahnen zu präsentieren, wurde aus raumtechnischen Gründen Abstand genommen. Es gilt, Alternativen zu finden. Die Texte beschäftigen sich mit den Themen „Die bundesdeutsche Gesellschaft nach 1945 – Vom Verdrängen zum Gedenken“, „Täter und Opfer in der Nachkriegsgesellschaft – Eine Veränderung ihrer Perspektiven“ und zusätzliche Darstellungen bezogen auf Hertha Petersen und Gerhard Hoch. Letzterer hatte ja bei der Aufarbeitung der Vergangenheit besondere Schwierigkeiten und Widerstände zu überwinden.

Die Vorsitzende des Trägervereins Uta Körby zeigte sich am Schluss hocherfreut über den sehr guten Besuch der Veranstaltung und dankte den engagierten Studenten für ihre so wertvollen Beiträge. „Schon jetzt hat die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch mit diesen Beiträgen eine enorme Verbesserung der Darstellung ihrer Inhalte und damit eine Aufwertung ihrer Arbeit erfahren. Und ich freue mich auf eine weitere Zusammenarbeit mit den Studenten und Studentinnen des Historischen Seminars der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel“.

Auch Prof. Dr. K. H. Pohl bedankte sich bei seinen Studenten für deren geleistete Arbeit.

Übrigens: Unter den interessierten Zuhörern sah man u. a. auch den Leiter der Gedenkstätte Neuengamme, Dr. Detlev Garbe, der selber Fotos schoss und sich Notizen machte. Auch er war von den Leistungen der Studenten/innen sehr angetan. 

 

 

 

 

Workshop am 8. Mai 2009 (Ankündigung)

20.04.2009

Der Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen veranstaltet einen Workshop mit Studierenden des Hauptseminars „Didaktik der Geschichte“  der Christian-Albrechts-Universität Kiel unter Leitung von Prof. Pohl. In zwei Semestern haben sich die Studenten und Studentinnen mit der Geschichte des Lagers auseinandergesetzt und zu verschiedenen Bereichen Vorschläge zu einer Erweiterung unserer Ausstellung erarbeitet. Insbesondere geht es darum, mit neuen medialen Formen den heutigen Anforderungen der Museumspädagogik zu entsprechen.

Diese Arbeitsergebnisse sollen am symbolträchtigen Datum, dem 8. Mai, einem ausgewählten Teilnehmerkreis von Lehrern und Schülern vorgestellt werden.

Es geht dabei um die Außengestaltung des Geländes (Schilder), den interaktiven Umgang mit dem Medium Film, fiktive Tagesabläufe als Methode der Annäherung und um die Problematik der Nachkriegsgeschichte an Hand ausgewählter Kurzbiographien.

Details entnehmen Sie bitte der Einladung.

 

 

 

 

Lesung im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen

24.03.2009

Martin Bergau las aus seinem Buch "Todesmarsch zur Bernsteinküste - Das Massaker an Juden im ostpreußischen Palmnicken im Januar 1945". Martin Bergau hat selbst als 16-Jähriger die Geschehnisse in Palmnicken miterlebt. Stefan Sünwoldt, Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen, hatte den Kontakt zwischen dem Trägerverein und dem Autor vermittelt. Denn die Mutter des Bürgermeisters hatte als 8-jähriges Kind damals in Ostpreußen das grausige Verbrechen an den über dreitausend jüdischen Frauen beobachten müssen.

Martin Bergau (80) erzählte sehr authentisch aus seinen Erinnerungen, las Passagen aus seinem Buch und trug zum Beleg der damaligen Ereignisse Zeugenaussagen vor. Was war am 27. Januar in Palmnicken geschehen? Mehr als dreitausend jüdische Frauen befanden sich auf einem der vielen Todesmärsche, die die SS vor der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durchführte. Wer nicht mehr mitlaufen konnte, wurde erschossen. Furchtbare Tragödien spielten sich in Palmnicken ab, als Tausende jüdischer Frauen schließlich in die eiskalte Ostsee getrieben wurden. Es überlebte nur eine zufällige Handvoll.  

Martin Bergau hält es für einen Skandal, dass die Vertriebenenverbände nach dem Kriege immer allein die Verbrechen der Roten Armee angeprangert haben, und dabei aus den Augen verloren, wer überhaupt als eigentlicher Verursacher für das ganze Elend der Vertreibung verantwortlich zu machen ist. Zudem, fast zeitgleich mit der Vertreibung der ostpreußischen Bevölkerung funktionierte auch in Ostpreußen immer noch die Vernichtungsmaschinerie des Naziregimes. Letzteres geriet den Vertriebenenverbänden völlig aus dem Blickfeld. Daran mochten sie sich nicht erinnern. Martin Bergau ist es schließlich zu verdanken, dass an die in Ostpreußen ermordeten jüdischen Frauen, die so lange vergessen worden waren, erinnert und ihrer gedacht wird.

Der Vertreter der Jüdischen Gemeinde Bad Segeberg, Stephan Weckwerth und der Bürgermeister Stefan Sünwoldt sprachen bewegende Grußworte zu der Veranstaltung im Ratsaal. Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, moderierte die Lesung in gewohnt souveräner Weise.

 

 

 

 

Lesung am 22.03.2009

18.03.2009

Wir laden ein zur Lesung mit Martin Bergau am 22. März um 16.00 Uhr im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen: "Todesmarsch zur Bernsteinküste - Das Massaker an Juden von 1945 im ostpreußischen Palmnicken"

Weitere Hinweise entnehmen Sie bitte dem Plakat.

 

 

 

 

Veranstaltung zum Tag der Befreiung von Auschwitz am 27.01.1945

28.01.2009

Das Vernichtungslager von Auschwitz wurde am 27.01.45 von der Roten Armee befreit. Alljährlich finden deshalb um diese Zeit an vielen Orten Veranstaltungen des Gedenkens statt.

Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen hatte die Öffentlichkeit schon zwei Tage vorher am 25.01. zu einer Vortragsveranstaltung in den Ratsaal der Stadt Kaltenkirchen eingeladen. Etwa 60 Personen waren der Einladung gefolgt. Vortragender war Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl, Professor der Geschichte und ihrer Didaktik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Das brisante Thema seines Referats: „Die Universität Kiel und der Nationalsozialismus – Überlegungen zur Vergangenheitsbewältigung in Schleswig-Holstein“. 

Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, begrüßte die Anwesenden und führte durch die Veranstaltung. Zunächst sprach der Bürgermeister Stefan Sünwoldt als Hausherr ein ausführliches  Grußwort, in dem er u. a. auf die Bedeutung des Gedenktages am 27. Januar einging. Zudem wies er auf die Arbeit der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen hin, lobte die dort ehrenamtlich Tätigen und sicherte ihnen die volle Unterstützung der Stadt Kaltenkirchen zu.

Dann richtete das Vorstandmitglied der jüdischen Gemeinde Bad Segeberg, Stephan Aaron Weckwerth, seinen Dank an den Veranstalter. Er freue sich hierher eingeladen worden zu sein und ein Grußwort sprechen zu dürfen. Er sprach ausdrücklich im Namen der gesamten jüdischen Gemeinde Bad Segeberg, deren Mitglieder, wie Stephan Weckwerth betonte, zu  25% aus Kaltenkirchen kämen. Zwar sei ja erst der 27. Januar der eigentliche Gedenktag, nicht schon der 25. Januar, aber so habe er hier in Kaltenkirchen teilnehmen können. Er betonte am Schluss seines Grußwortes ausdrücklich, dass sich die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Bad Segeberg wohl und sicher fühlten.

Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl sprach zu Beginn seines Referats die hervorragend funktionierende Zusammenarbeit heute zwischen der Uni Kiel und dem Trägerverein KZ-Gedenkstätte an, die seit einem Jahr existiere. Studenten seines historischen Seminars würden in diesem und im nächsten Semester weiterhin in engem Kontakt zum Trägerverein zu beiderseitigem Nutzen aktiv sein. 

Der Vortrag von Prof. Pohl kann hier nur ganz kurz in seinen wichtigsten Gedanken zusammengefasst werden. Zunächst stellte er  fest, dass Schleswig-Holstein schon vor 1933 ein braunes Musterland gewesen war, in dem der Nationalsozialismus auf einen äußerst fruchtbaren Boden gefallen war. Eine große Mehrheit der Bevölkerung sehnte ihn herbei, versprach sich ihr Heil von ihm und wusste ganz genau, worauf sie sich einließ. So auch die Mehrheit der geistigen Elite des Landes. Hochschullehrer aus allen Disziplinen, Lehrer, Mediziner, Juristen, Historiker oder auch Theologen sahen im Nationalsozialismus ihren Antisemitismus befriedigt und erhofften sich von undemokratischen Verhältnissen persönliche Erfolge und Vorteile. Aus der Uni Kiel entfernte man „rassefremde Elemente“, verjagte ein Viertel  aller Dozenten, betrieb die nazifizierende Erziehung der Jugend gründlich, verbrannte Bücher und vertrieb die wenigen Hochschullehrer aus ihren Ämtern, die die Demokratie verteidigten.

Nach dem Zusammenbruch konnte ein demokratischer Neuanfang mit anderen und neuen Kräften überhaupt nicht stattfinden. Eifrig war man bemüht, sich gegenseitig Persilscheine auszustellen. Ein flotter Handel mit Leumundscheinen begann und in kurzer Zeit hatten es die Seilschaften ehemaliger Nationalsozialisten geschafft, wieder in ihre Ämter und Funktionen zurückzukehren. Der alte Geist herrschte zwar nicht offiziell mehr, aber war überall spürbar. Sichtbar wurde das in vielen Entscheidungen. Kaum ein Täter war wirklich zur Verantwortung gezogen worden. Auf der Täterseite wurden großzügig Witwen- und Kriegsrenten gezahlt, während auf der Opferseite Betroffene entweder nie oder ganz spät (zu spät) entschädigt wurden. In wichtigen Positionen musste man 1950 in Ministerien und an der Hochschule in Schleswig-Holstein solche Personen mit der Lupe suchen, die keine NS-Vergangenheit hatten.  Überall im Lande schien es Konsens zu sein, „endlich einen Schlussstrich zu ziehen“. 1954 konnte ein Mann, ein Mediziner, Leiter einer Kinderklinik sein, dessen Gutachten während der Nazizeit für viele behinderte Kinder das Aus bedeutete.

Prof. Dr. Pohl stellte in seinem Referat fest, dass sich erst in den neunziger Jahren ein Wandel in Richtung auf eine gründliche  Aufarbeitung der Geschichte vollzog. Und erst in den letzten zehn Jahren habe sich Entscheidendes getan. Z. B. werde dieser Wandels im Umgang mit der eigenen Vergangenheit in den Ringvorlesungen sichtbar, die die Geschichte der Universitäten im „Dritten Reich“  zum Thema haben. Und nun stellte der Referent einige Fragen an die Zuhörer, die zum Nachdenken anregten:

  1. Es gab in Schleswig-Holstein nach dem Krieg keinen Bruch. Entnazifizierung und Aufarbeitung der eigenen Verstrickungen haben hier nicht stattgefunden. Trotzdem gelingt heute die Demokratie. Wie war das möglich?
  2. Ein Elitenaustausch hat in SH nie stattgefunden. Er hätte auch einen zu hohen ökonomischen Preis bedeutet. Reichen stabile Verhältnisse und Sachverstand mit der Zeit aus, um Demokratie gelingen zu lassen?
  3. Auffällig ist, dass nach dem Verfall der DDR, also nach 1990,  die Forderung nach Reinigung und Aufarbeitung der Geschichte allgemein salonfähig wurde. Nach dem Ende der DDR kannte man  keine Gnade mit ehemaligen Stasileuten. Reinigung war die Devise. Kann es sein, dass dieser Gedanke, dass man für einen Neuanfang die Aufarbeitung der Vergangenheit brauche, erst durch den Umgang mit der DDR-Geschichte  zum Allgemeingut geworden ist?

Mit diesen Fragen ging es in die anschließende lebhafte Diskussion.

Uta Körby schloss die Veranstaltung und wies die zahlreichen Zuhörer darauf hin, dass der Trägerverein derzeit im Rahmen des Projektes: „Tägliche Öffnung der Gedenkstätte 2009“ um Spenden wirbt. Die Arbeit der Gedenkstätte in Richtung auf Aufklärung, Mahnung und Erinnerung  kann nur gelingen, wenn sie in der Region wahrgenommen wird. Dazu ist die tägliche Öffnung der Gedenkstätte eine Voraussetzung. Dies können allein ehrenamtlich Tätige nicht bewältigen. Deshalb will der Trägerverein als Arbeitgeber in einem zunächst zeitlich begrenzten Projekt eine geeignete Person einstellen.    

 

 

 

 

Vortrag von Prof. Dr. Pohl im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen - Anlass "Tag der Befreiung von Auschwitz"

12.01.2009

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager in Auschwitz von der Roten Armee befreit. Dies zum Anlass nehmend referiert am Sonntag, d. 25. Januar 2009 um 16.00 Uhr im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl zum Thema: Die Universität Kiel und der Nationalsozialismus - Überlegungen zur Vergangenheitsbewältigung in Schleswig-Holstein.

Prof. Dr. Pohl lehrt Geschichte und ihre Didaktik an der Christian-Albrechts-Universität, Kiel, und ist Direktor am Institut für Zeit- und Regionalgeschichte, Schleswig. Zu den Verstrickungen der Uni Kiel in den Nationalsozialismus während der zwölf Jahre von 1933 - 1945 gibt es sicherlich interessante Details zu berichten. Dass heute darüber offen gesprochen werden kann, ist noch nicht sehr lange selbstverständlich. Was sich daraus ergibt hinsichtlich eines sinnvollen und erfolgreichen Umgangs mit der nationalsozialistischen Vergangenheit dürfte gerade für Lehrer, Erzieher und Politiker von großem Interesse sein. 

Der Vortrag mit anschließender Diskussion wird von Frau Uta Körby, Vorsitzende des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, moderiert. Das Grußwort wird der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen, Stefan Sünwoldt, sozusagen als Hausherr des Veranstaltungsortes
sprechen. Alle Bürger sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen, die selbstverständlich eintrittsfrei ist.

Plakat zur Veranstaltung

 

 

 

 

3.218 Besucher im Jahr 2008

09.01.2009
Das Foto zeigt links den "guten Geist" des Hauses, Thomas Saretzki, der von der Vorsitzenden Uta Körby und von Jürgen Gill (in der Mitte des Bildes) am Jahresende für seine Arbeit eine kleine Anerkennung erhält. (Rechts im Vordergrund Rayk Adam, ebenfalls ein ausgezeichneter zeitweiliger Mitarbeiter)  In den letzten Jahren haben sich die registrierten Besucherzahlen an der KZ-Gedenkstätte stetig erhöht. Im Jahr 2007 wurden knapp über 3.000 Besucher gezählt, im vergangenen Jahr genau 3.218. Thomas Saretzki, der seit dem 1. Juli 2008 seinen Dienst an der Gedenkstätte tat und, wenn alles gut geht, dies während des ganzen Jahres 2009 fortsetzen wird, peilt für das laufende Jahr mindestens eine Zahl von 3.500 Besuchern an. Dass dies erreicht werden kann, dafür stehen die Zeichen gut. 

Selbst jetzt im Januar bei hochwinterlichem Wetter kommen Besucher an die Gedenkstätte. Denn jeden Tag von Montag bis Sonnabend ist auch im Winter die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch an der B 4 geöffnet. Täglich zwischen 10.00 Uhr und 16.00 Uhr steht Herr Thomas Saretzki den Besuchern zur Verfügung. Er beantwortet gerne Fragen, verkauft Bücher, erläutert die Ausstellung im Ausstellungshaus und führt auf Wunsch die Besucher durch das Gedenkstättengelände. 

Im Ausstellungshaus empfängt den Besucher trotz des düsteren Ausstellungsthemas eine angenehme Atmosphäre. Wenn die tiefstehende Wintersonne hell durch die breite Fensterfront hereinscheint und die neu installierte Heizungsanlage den Raum wärmt, dann lassen sich Besucher gerne Zeit, das vielfältige Infoangebot zu nutzen.

Das Foto zeigt links den "guten Geist" des Hauses, Thomas Saretzki, der von der Vorsitzenden Uta Körby und von Jürgen Gill (in der Mitte des Bildes) am Jahresende für seine Arbeit eine kleine Anerkennung erhält. (Rechts im Vordergrund Rayk Adam, ebenfalls ein ausgezeichneter zeitweiliger Mitarbeiter) 

 

 

 

 

Gedenkwanderung am Volkstrauertag, 16.11.2008

05.11.2008

Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch bietet Besuchern am Nachmittag des Volkstrauertages (Sonntag, 16. November) wie in den Vorjahren eine Gedenkwanderung von Springhirsch nach Moorkaten an. Ausgangspunkt ist die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch, wo sich die Teilnehmer um 14.00 Uhr treffen. Hier schon sollen die bekannten Namen der im Kaltenkirchener Lager Verstorbenen verlesen werden. Danach geht die Wanderung (ca. 50 min.) auf einem von der Bundeswehr genehmigten und vorgezeichneten Weg durch das waldreiche Gebiet des Truppenübungsplatzes zur Gräberstätte Moorkaten. Auf dem Weg wird die ehemalige Start- und Landebahn überquert, an der die KZ-Häftlinge 1944/45 unter unmenschlichen Bedingungen gearbeitet haben. Auf modernen Luftaufnahmen zeichnet sich noch heute die 1949 gesprengte Landebahn in der Vegetation ab.

Die genaue Lage der einzelnen Gräber der Toten des KZ-Außenlagers wird an der Gräberstätte Moorkaten den Teilnehmern kurz erläutert. Hier soll mit dem Abstellen von Windlichtern der vielen Opfer des KZ-Außenlagers und des „Sterbelagers“ sowjetischer Kriegsgefangenen gedacht werden.

Danach geht es 300 m weiter hinüber zur Hinrichtungsstätte Fred Göttner, der an dieser Stelle 1941 von einem Erschießungskommando der Wehrmacht hingerichtet wurde. Dr. Gerhard Hoch wird hier die näheren Umstände dieser Geschichte darstellen.

Auf dem Rückweg dürfte wie in den Vorjahren Gelegenheit zu interessanten Gesprächen mit Vorstandsmitgliedern sein, um einzelne Sachverhalte zu vertiefen. Ungefähr gegen 17.00 Uhr wird voraussichtlich die Gedenkwanderung zu ihrem Ausgangspunkt in Springhirsch zurückgekehrt sein.

Wir laden alle Bürger sehr herzlich zu dieser Gedenk- und Geschichtswanderung durch die herbstliche Wald- und Heidelandschaft westlich von Kaltenkirchen ein.
 

 

 

 

Tag der Offenen Tür der Gedenkstätte am 9.11.2008

29.10.2008

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 und an den Folgetagen stürmten im ganzen Deutschen Reich angeblich in einer spontanen Aktion meist junge Männer mit Brecheisen und Äxten Geschäfte, Praxen und Wohnungen von Juden, drangen in jüdische Einrichtungen wie Friedhöfe und Synagogen ein, zerschlugen wie in einem sich gegenseitig ansteckenden Zerstörungsrausch alle Gegenstände, deren sie habhaft werden konnten, zerschlugen Schaufensterscheiben, warfen Geschäftsauslagen auf die Straße, hievten sperrige Gegenstände, z.B. Klaviere oder Schränke, mit Gejohle durch Fenster und zündeten jüdische Einrichtungen, besonders Synagogen an. Die Polizei schritt gegen die Zerstörer nicht ein und hatte offenbar die Anweisung, lediglich Plünderungen zu verhindern, obwohl auch diese vorkamen. Die Feuerwehren löschten die angelegten Brände nicht, sondern sorgten nur dafür, dass das Feuer der brennenden Synagogen nicht auf Nachbargebäude übergriff. Jüdische Mitbürger wurden geschlagen, manchmal erschlagen, gedemütigt und besonders jüngere Männer, etwa 30 000 im Reich in „Schutzhaft“ genommen, d. h. in die KZs Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Der Gipfel des Zynismus: Der Staat stellte den jüdischen Mitbürgern die zerstörten Werte auch noch in Rechnung. Der Unrechtsstaat hatte seine hässliche Fratze gezeigt. Jüdische Mitbürger waren aller ihrer Rechte und jeden Schutzes beraubt. Die meisten deutschen Nachbarn hatten tatenlos zugesehen und einige, die man kannte, hatten sogar mitgemacht. Juden mussten von nun an das Schlimmste befürchten. Heute wissen wir, was folgte, die systematische Vernichtung von 6 Millionen europäischen Juden.
 

Tag der offenen Tür am 9.11.2008:
Vor genau 70 Jahren geschah dies überall in Deutschland. Der Trägerverein will am Sonntag, den 9.11.2008, an der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch mit einem „Tag der Offenen Tür“ an das vergangene Unrecht erinnern. Denn die Kenntnis der Vergangenheit ist eine der besten Voraussetzungen für eine gelingende Zukunft. Vorstandsmitglieder des Trägervereins werden am 9. November von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr je nach Wunsch von Besuchern Fragen beantworten, Führungen im Gedenkstättengelände anbieten und den Film „Vergessene Lager“ um 11.00 Uhr, 13.00 Uhr und 15.00 Uhr zeigen. Der Trägerverein freut sich auf viele Besucher, auf intensive Gespräche und darauf, dass das umfangreiche Informationsangebot der Ausstellung, der Aufsätze und der Bücher wahrgenommen und genutzt wird.
 

 

 

 

Neue Öffnungszeiten der Gedenkstätte

13.10.2008

Am letzten Oktobersonntag, d. 26.Okt.2008, geht in diesem Sommerhalbjahr die Sonn- und Feiertagsöffnung des Ausstellungsraumes der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen zu Ende. Erst Sonntag, d. 5. April 2009, beginnt sie wieder.

Die Besucherstatistik 2008 wird die des vergangenen Jahres, so zeichnet sich jetzt schon ab, übertreffen. Damit setzt sich der stetige Anstieg der Besucherzahlen der letzten Jahre kontinuierlich fort. Dieser Erfolg wurde u.a. auch dadurch erreicht, dass die Gedenkstätte fast das ganze Jahr über auch an Werktagen geöffnet sein konnte. In guter Zusammenarbeit mit der VHS-Kaltenkirchen hatten wir zuverlässiges Aufsichtspersonal zur Verfügung.

Ab sofort verbessert sich sogar noch die Situation. Im Zuge eines Projektes der VHS-Südholstein für junge Menschen konnte eine zweite Person als Aufsicht gewonnen werden. Das ermöglicht nunmehr, die Samstage in die Öffnungszeiten - auch während des Winterhalbjahres - einzubeziehen. Somit gelten ab sofort folgende Öffnungszeiten für das Ausstellungshaus:

Montag bis Samstag von 10.00 bis 16.00 Uhr!

Selbstverständlich bleibt wie bisher außerhalb dieser Zeiten das Gelände der Gedenkstätte für Besucher zugänglich.

Besucher treffen während der Öffnungszeiten auf ein vielfältiges Informationsangebot: Aufsätze, Infotafeln und Bücher! Die kompetente Aufsicht steht für Fragen zur Verfügung und zeigt auf Wunsch einen Videofilm! Der Eintritt in das geheizte Ausstellungshaus ist frei!
 

 

 

 

Buchvorstellung am 19. September

09.09.2008

Am Freitag, den 19.09.2009 um 15.00 Uhr im Versammlungsraum der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch, findet eine Pressekonferenz statt, zu der der Trägerverein Sie herzlich einlädt.

Anlass ist die Vorstellung des Buches von Jürgen Gill
mit dem Titel "Der lange Winter in Springhirsch - Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen".

Es handelt sich um eine neue Bearbeitung des Stoffes, für den Dr. Gerhard Hoch vor mehr als dreißig Jahren schon gründlich recherchiert und die Ergebnisse in seinem Buch: "Hauptort der Verbannung. Das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen" veröffentlicht hatte. Die Neubearbeitung war jetzt notwendig geworden, weil inzwischen viele neue Erkenntnisse und weitere Dokumente hinzugekommen sind, sich eine lebendige Gedenkstätte am authentischen Ort entwickelt hat, sich eine aufgeschlossenere Wahrnehmung der Thematik in der Öffentlichkeit eingestellt hat und nicht zuletzt, weil das Buch von Dr. Gerhard Hoch seit langem vergriffen ist.

Zudem möchte der Trägerverein anschließend die Presse auf die Zusammenarbeit mit Studenten der Uni Kiel hinweisen, die inzwischen Vorschläge für eine erweiterte Präsentation der Ausstellung u.a. mit modernen Medien vorgelegt haben. Ein Arbeitskreis des Trägervereins wird sich anschließend am selben Nachmittag mit diesen Vorschlägen weiter beschäftigen.

Bitte beachten Sie die ergänzenden Texte, die Sie im Vorwege schon über das neue Buch informieren wollen, das in diesen Tagen im Wachholtz-Verlage erscheint. Ein Vertreter des Wachholtz-Verlages aus Neumünster hat seine Teilnahme an der Pressekonferenz in Springhirsch zugesagt.
 

Nachtrag vom 11.09.2008

Zudem möchte ich darauf aufmerksam machen, dass der Trägerverein durch die großzügige "Projektförderung" der "Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten" in der Lage war, dem Verlag die Abnahme einer bestimmten Anzahl von Exemplaren und die Finanzierung dieses Kontingents zu garantieren. Dadurch konnte der Endpreis im Buchhandel auf 9,90 € festgelegt und damit unter die Grenze von € 10 gedrückt werden. Das ermöglicht eine weite Verbreitung des Buches, das nunmehr für Auszubildende, Studenten und Schüler erschwinglich ist. Wir danken der Bürgerstiftung sehr herzlich für diese Unterstützung.

Jürgen Gill, Pressesprecher des Trägervereins
 

 

 

 

Zwei Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine zu Besuch in Kaltenkirchen

23.04.2008

Der Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. organisierte im Auftrag des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg auch in diesem Jahr das Besuchsprogramm für ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Die Hamburger Bürgerschaft hatte 2000 beschlossen, ein Besuchsprogramm einzurichten und zu finanzieren. In der Begründung hieß es: „dass den Millionen Menschen, die während des zweiten Weltkrieges in Deutschland (…) Zwangsarbeit haben leisten müssen, schweres Unrecht zugefügt worden ist.“ Allein in Hamburg waren schätzungsweise 500 000 ZwangsarbeiterInnen eingesetzt.

Der erste Kontakt in die Ukraine war von Frau Hertz-Eichenrode vom Freundeskreis genau vor einem Jahr eingefädelt worden.

 Ehemalige Zwangsarbeiterinnen, Iosifowna Tkatschenko und Galina Ananjewna Wolkowa, aus der Ukraine zu Besuch. Sie werden begrüßt von Uta Körby und Jürgen Gill, Trägerverein der KZ-Gedenktstätte Kaltenkirchen.

Nun fand am 22.04.08 der Besuch zweier ehemaliger Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine, Iosifowna Tkatschenko und Galina Ananjewna Wolkowa, Sewastopol (Krim), in Kaltenkirchen statt, weil diese beiden Personen fast ein Jahr lang, vom Sommer 1944 bis zum Tag der Befreiung im Mai 1945 in einem Zwangsarbeiterinnen-Lager in Moorkaten untergebracht und zuerst an der Start- und Landebahn des Militärflugplatzes gearbeitet und dann Dienst in der Versorgungsküche und in der Wäscherei für deutsche Offiziere getan haben.
Trotz kurzer Suche in Moorkaten konnten die beiden den genauen Ort, wo ihr Barackenlager gewesen war, nicht mehr wieder finden. In Bezug auf die Start- und Landebahn, ihrer anfänglichen Arbeitsstätte, meinten sie etwa 2 bis drei Kilometer bis dorthin zu Fuß gelaufen zu sein. Das spricht dafür, dass ihr Lagerkomplex südlich der Betonstraße gelegen haben muss.
Dr. Gerhard Hoch zeigte ihnen einen Plan, auf dem viele Baracken dargestellt waren. Sie bestätigten sofort lebhaft die Zeichnung und dass in den anderen Baracken ZwangsarbeiterInnen aus Frankreich, Italien, Polen und anderen Ländern untergebracht gewesen seien.

Zuvor waren die beiden Frauen, die von Hamburger StudentenInnen und von zwei sprachkundigen Frauen, Tatjana Wagner und Lena Lange, begleitet worden waren, zum Empfang im Kaltenkirchener Rathaus, wo sie der stellvertretende Bürgermeister, Karl-Heinz Richter, begrüßte und mit einem kleinen Imbiss bewirtete. Schon hier begann eine lebhafte Aussprache, deren interessante Ergebnisse hier nur kurz zusammengefasst werden können:


a.
Das Wort „russische Schweine“ konnten beide sehr klar auf Deutsch aussprechen und erzählten, dass sie 1944 hübsche junge Mädchen gewesen waren. Das zunächst freundliche Gesicht eines Deutschen verfinsterte sich allerdings sofort, wenn sie von jemandem angesprochen in ihrer Muttersprache antworteten.


b.
Sie haben sich hier in Deutschland damals nicht als gleichwertige Menschen geachtet gefühlt. Von den Engländern Anfang Mai befreit und zurückgekehrt nach Hause, traf sie erneut Misstrauen und Verachtung und waren behördlichen Schikanen ausgesetzt.


c.
Umso glücklicher genössen sie es jetzt, hier in Deutschland, das sie zum ersten Mal seit 1945 beträten, als Menschen geachtet, anerkannt und wahrgenommen zu werden. Sie wünschten beide, jünger zu sein und solche Zuwendung in ihrem Leben schon früher erfahren zu haben. Aber sie seien jetzt so sehr dankbar dafür, diese Anerkennung zu erfahren.


d.
Bei der Betrachtung eines mitgebrachten alten Fotos, das 1945 aufgenommen eine Gruppe junger Mädchen und Männer zeigt, alle nach Deutschland zur Arbeit verschleppte junge ZwangsarbeiterInnen aus der Ukraine, stellte sich heraus, dass der selbst noch Jahrzehnte nach dem Krieg in Kaltenkirchen tätige Fotograf Hewicker der Urheber dieses Fotos ist, bezeugt durch einen entsprechenden Stempel auf der Rückseite.


Ukrainische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter kurz nach ihrer Befreiung 1945. Das Fotos wurde bei dem Kaltenkirchener Fotografen Hewicker aufgenommen.


In der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, zunächst im Außengelände und dann im neuen großen Versammlungsraum, äußerten sich beide Damen aus der Ukraine auch zu den KZ-Häftlingen im Außenkommando, die sie oft gesehen, deren furchtbaren Zustand sie beobachtet haben. Aber zu denen Kontakt aufzunehmen sei für sie verboten gewesen. Nur durch Zurufe haben sie dort auch Landsleute erkannt, wenn diese antworteten. Eine der beiden arbeitete in der Küche. Kartoffelschalen und andere Küchenabfälle konnten manchmal den hungernden Häftlingen zugesteckt werden. Mit Hilfe des einen oder anderen Wachsoldaten – von den anderen vielen, die sich als Schinder hervortaten und vor denen man sich in Acht nehmen musste, wollten die beiden nicht sprechen – konnte ein Versteck (Müllplatz) vereinbart werden, wo sie Kartoffelschalen, Brotreste usw. für die Häftlinge ablegten.

Auf die Frage, wann, wo und unter welchen Umständen sie nach Deutschland verschleppt worden waren, erzählten beide übereinstimmend, dass sie im Mai 1944 kurz vor der Zurückeroberung durch die Rote Armee in der Umgebung von Sewastopol zusammengetrieben, auf ein Schiff verladen und nach Hamburg gebracht worden seien. Von hier seien sie etwa nach drei Monaten in das Barackenlager in Moorkaten gebracht worden, weil sie beim Ausbau eines Flugplatzes gebraucht wurden.

Beide Frauen drückten ihre unendliche Freude und Dankbarkeit darüber aus, nach mehr als sechzig Jahren nach Deutschland eingeladen und hier so herzlich empfangen worden zu sein, ein Glück, das unbeschreiblich sei. Hätte es doch nur solche normalen Zustände gegeben, als sie noch jung waren!
 

 

 

 

Frau Beate Niemann las aus ihrem Buch

22.04.2008

Die Autorin Beate Niemann (rechts) und Uta Körby, Vorsitzende des Trägervereins

Beate Niemann, Jahrgang 1942, las in der KZ-Gedenkstätte aus ihrem Buch: „Mein guter Vater – Mein Leben mit seiner Vergangenheit – Eine Täter-Biographie“. Erstaunlich und erfreulich: Viele interessierte Zuhörer (33 Personen) fanden den Weg nach Springhirsch und lauschten gespannt und erschüttert, was Frau Niemann in mehr als acht Jahren schwieriger Recherche über ihren anfangs verehrten Vater herausgefunden hat. Dabei waren nicht nur die Ergebnisse ihrer Spurensuche interessant, sondern auch die Widerstände von Behörden, von staatlichen Stellen und Personen sprachen Bände und belegten, wie wirksam und das öffentliche Klima bestimmend die Seilschaften der Täter noch Jahrzehnte lang nach dem Kriege waren. Sie hatte herausgefunden, dass ihr Vater, Bruno Sattler, neben anderen Vergehen gegen die Menschlichkeit auch als Gestapochef in Belgrad 1942/43 über 8500 Menschenleben (überwiegend Frauen und Kinder) zu verantworten hat, die er in Gaswagen hat töten lassen.

Frau Niemann: „Nach den Jahrzehnten des Verschweigens und der Lügen wollte ich die Wahrheit wissen und die Lügen für mich und meine Familie nicht mehr zulassen. Ich bin in den letzten Jahren oft an die Grenzen dessen, was ich glaubte ertragen zu können, gekommen. Ich habe Überlebende der Mordaktionen meines Vaters getroffen. Sie waren mir dankbar, dass ich als Tochter kam, die Geschichte meines Vaters zu erfahren. Das machte und macht mir Mut, den Weg in die Öffentlichkeit zu gehen.“ Das Ergebnis ihrer Spurensuche: „Mein „unschuldiger“ Vater war Massenmörder im Dienst seiner Weltanschauung.“

Dr. Gerhard Hoch, einer der Zuhörer, dankte Frau Niemann für ihren Mut und ihre Entschlossenheit, solche Last zu tragen im Dienste der Menschlichkeit und der Aussöhnung mit den Opfern und ihren Nachkommen. Solche Katharsis sei die Voraussetzung für Gesundung menschlicher Beziehungen. Verdrängung, Verleugnung und Beschönigung mögen die Krankheit vorübergehend unter dem Deckel halten, irgendwann bricht sie sich Bahn. Frau Niemann bestätigte das. Sie zitierte ihren Sohn: „Ich bin dir so dankbar, dass du diese Aufklärungsarbeit auf dich genommen hast, sonst müsste ich das tun.“

Frau Niemann erzählte, dass sie Kraft und Ermutigung, Motivation und Bestätigung, die sie nun ja nicht mehr von ihren Eltern, mit denen sie gebrochen hat, erfahren könne, nunmehr aber bekäme durch die dankbare Zustimmung und Anerkennung von Familienangehörigen der Opfer ihres Vaters, zu denen sie freundschaftlichen Kontakt hat. Sie werde getragen von der Dankbarkeit, von der Freundschaft und Liebe derjenigen, denen sie durch ihre ehrliche Arbeit jene Realität, Identität und Menschenwürde zurückgab, die ihnen damals von den Tätern genommen worden waren. Ihre Familie beschränke sich nicht auf den engen Kreis der Verwandten, sondern ihre Familie, die sie trage, habe sich erweitert auf den großen Kreis aller Menschen in der ganzen Welt, für die Menschlichkeit ein schützenswertes Gut ist

Dr. Gerhard Hoch erinnerte sich, wie er in seiner Heimat als „Nestbeschmutzer“ angefeindet wurde, weil er den Schleier des Vergessens weggezogen habe. Man fürchtete von dieser Seite um das Ansehen Kaltenkirchens, dem er Schaden zufüge. Aber das Gegenteil trat ein. Heute hat Kaltenkirchen Freunde in Frankreich, Polen, den Niederlanden, der Ukraine und anderswo, weil hier mutig Aufklärungsarbeit geleistet wurde. Wahre Freundschaft gedeihe nur auf dem Boden der Wirklichkeit.

Wir sind der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiel sehr dankbar, die uns die Begegnung mit Frau Beate Niemann, jener ungewöhnlichen Frau, organisatorisch und finanziell möglich gemacht hat. Einen Tag nach ihrem Besuch in der Gedenkstätte hatte Frau Niemann die Gelegenheit, zwei Unterrichtsstunden mit Schülern (10. Klasse und Geschichtsneigungskurs) der Realschule Marschweg in Kaltenkirchen zu verbringen. Diese Arbeit mit Schülern sei ihr sehr wichtig, weil Spuren jener Verdrängung und Verfälschung der Geschichte in Deutschland bis heute auf die junge Generation schleichend und unbewusst einwirke. Noch heute werde die andauernde Geschichtsfälschung in der Sprache sichtbar. Ein Beispiel: „Machtergreifung 1933“, es war eben keine Machtergreifung, sondern die bürgerliche und wirtschaftliche Elite in Deutschland hat den braunen Horden die staatlichen Schalthebel überlassen, weil sie sich Vorteile davon versprach. Oder wenn von den „Naziverbrechern“ gesprochen werde, sei das eine unzulässige Abwälzung der Verantwortung auf ein Abstraktum, hinter dem sich nach dem Krieg die allermeisten bequem versteckt haben. Wir kennen hier in Kaltenkirchen ein Beispiel: „Kriegsgräberstätte Moorkaten“ hieß es Jahrzehnte lang, dabei lagen hier Zivilisten und Kriegsgefangene verscharrt, die ermordet worden waren oder deren Tod man absichtsvoll herbeigeführt hatte. Man könne die Reihe verschleiernder Sprachbeispiele beliebig fortsetzen.

Zum Schluss sei noch einmal Frau Niemann zitiert: „…Freunde, Verwandte, wollen mich trösten: Ich sei ja nicht schuld an den Verbrechen, die er (der Vater) begangen hat. Auf diesen Gedanken aber bin ich nie gekommen. Natürlich bin ich nicht schuldig – aber ich hätte mich schuldig gemacht, wenn ich geschwiegen hätte …“
(Beate Niemann: Mein guter Vater, 2. Aufl., Potsdam 2006, S.187).
 

 

 

 

Anstehende Termine im April und Mai 2008

19.04.2008

im Folgenden möchten wir Sie auf Veranstaltungen, Aktionen und Ereignisse hinweisen, die in den nächsten Wochen in der KZ-Gedenkstätte geplant und zu denen Fotoreporter und Berichterstatter herzlich eingeladen sind:

a) Am Sonnabend, den 19.04.08, den ganzen Tag: Arbeit der Schüler-, Eltern- und Lehrergruppe an der Gedenkstätte, die das Vorstandsmitglied und der Realschullehrer Jürgen Fock initiiert hat. Es geht um Pflege- Ausbau- und Verschönerungsarbeiten an der Gedenkstätte. Die freiwillige Helfergruppe der Realschule am Marschweg in Kaltenkirchen war letztes Jahr ins Leben gerufen worden, sie hatte schon 2007 erfolgreich gearbeitet und tritt in diesem Jahr erneut zum "Frühjahrsputz" an.

b) Am Sonntag, den 20.04.08 um 16.00 Uhr, liest, referiert und diskutiert Frau Beate Niemann, Jahrgang 1942, zum Thema: "Mein guter Vater - Kinder, Kriegskinder, Täterkinder - die Nachkriegszeit in Deutschland im Spiegel der Familiengeschichten" (Wir kündigten das schon ausführlicher an) Im Versammlungsraum der Gedenkstätte!

c) Dienstag, den 22.04.08 etwa ab 13.30 Uhr: voraussichtlich - noch nicht ganz sicher- Kaffee und Kuchen im Versammlungshaus der Gedenkstätte für zwei oder drei ehemalige Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine, die damals in Moorkaten gewesen sind. Gespräch und Fragen, z.B.: Wo waren Sie untergebracht? Wo befand sich genau die Unterkunftsbaracke für Zwangsarbeiterinnen? Erinnern Sie sich an Leidensgenossinnen aus anderen Nationen? Woran erinnern Sie sich noch? usw.

d) Donnerstag, den 24.04.08 ab 14.30 Uhr: Beginn der Zusammenarbeit des Trägervereins mit dem Historischen Seminar der Christian-Albrecht-Universität zu Kiel! Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl kommt mit ca. 15 Studenten/innen. Im Versammlungshaus der Gedenkstätte geht es zunächst darum, sich kennen zu lernen und zu verabreden, wie das verabredete Projekt einer "modifizierten Ausstellung" angegangen werden kann.

c) Sonntag, 04.05.08, 11.00 Uhr: Jahreshauptversammlung des Trägervereins auf der Gedenkstätte in Springhirsch an der B4.
 

 

 

 

Vortrag und Gespräch mit Beate Niemann am 20.04.2008, 16.00 Uhr

11.04.2008

Am Sonntag, 20. April 2008 um 16.00 Uhr in der Gedenkstätte in Springhirsch, wird Frau Beate Niemann zu dem Thema: Mein guter Vater - Kinder, Kriegskinder, Täterkinder- die Nachkriegszeit in Deutschland im Spiegel der Familiengeschichten referieren und mit den Teilnehmern diskutieren.

Beate Niemann, Jahrgang 1942, gehört zu der Generation, deren viele Fragen an die Vergangenheit der Eltern unbeantwortet blieben, weil die Eltern schwiegen und mit ihrem Schweigen zunehmend einen fast unerträglichen Druck aufbauten, der 1968 endlich das Ventil in Form eines irrationalen Studenten-Aufstandes platzen ließ. Viele Kinder der Kriegszeit mussten ohne Väter oder mit Stiefvätern in einer für sie unerklärlich bedrückenden, oft lieblosen und als steril oder als verlogen empfundenen Atmosphäre aufwachsen. Frau Niemann ist 1942 als Tochter des Berliner Kriminalpolizisten und späteren Gestapo-Chefs von Belgrad, Bruno Sattler, geboren. Sie hat sich später auf die Spurensuche nach dem Leben ihres Vaters begeben, den sie anfangs, als sie nichts Näheres wusste, sehr verehrt und dessen Nachkriegsschicksal in der DDR sie beklagt hatte. Aber während ihrer Spurensuche musste sie dramatische Erkenntnisse gewinnen, die sie zunächst erschütterten. Die sichere Gewissheit, dass ihr geliebter und verehrter Vater ein Mörder, ein furchtbarer Täter während der Nazizeit gewesen war, musste sie verarbeiten und lernen, als schmerzhafte Realität anzuerkennen. Ihre Einsichten hat sie in dem Buch: "Mein guter Vater - Mein Leben mit seiner Vergangenheit. Eine Täterbiographie" veröffentlicht.

Wir sind sehr gespannt auf ein Thema, das in Deutschland sehr viele Familien betrifft. Die selbst verschuldete Tragödie, die ungeheure Katastrophe der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, wirkt bis heute in vielen Familien fort und ist vermutlich eine der Ursachen für viele Erkrankungen und Störungen. Welche Schäden richten Schweigen, Verdrängen und Schönfärberei an? Sind nicht Aufklärung und vielleicht sogar schonungsloser Umgang mit der Realität notwendig, damit Heilung, Liebe und Vertrauen in den Familien vorkommen und wachsen können?

Wir laden alle Interessierten ein, mit der Referentin über diese und ähnliche Fragen in der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen an der B4 in Springhirsch zu diskutieren.
 

 

 

 

Prof. Dr. Uwe Danker:
„Aus der NS-Geschichte lernen?“

31.01.2008

Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, leitet die anschließende Diskussion mit Prof. DankerAm 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee, fand im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen eine Gedenkveranstaltung statt. Auf Einladung des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen e.V. hielt Prof. Dr. Uwe Danker einen bemerkenswerten Vortrag über das Thema „Aus der NS-Geschichte lernen?“ Er setzte sich darin mit dem Spannungsfeld der Geschichtsvermittlung zwischen Erwartungen und Leistungen auseinander.

Prof. Dr. Uwe Danker ist Direktor am Institut für Zeit- und Regionalgeschichte Schleswig, sowie am Institut für Geschichte und Didaktik der Universität Flensburg. Seinen Vortrag verfolgten über 60 Zuhörer mit großem Interesse. Unter ihnen sah man den Bürgermeister Hans-Jürgen Küttbach aus Bad Bramstedt, den Bürgervorsteher Ulrich Siefert aus Kaltenkirchen, den Ehrenvorsitzenden des Trägervereins Dr. Gerhard Hoch. Die Barmstedter Initiative „Stolpersteine“ und die Gruppe „Himmelmoor“ aus Quickborn waren mit vielen Teilnehmern vertreten. Besonders viele Pädagogen, Lehrer und Schulleiter, waren gekommen, um den ihnen bekannten Didaktiker zu hören.

In Vertretung des Kaltenkirchener Bürgermeisters Stefan Sünwoldt, der wegen einer Erkrankung kurzfristig absagen musste, sprach sein Stellvertreter Karl-Heinz Richter das Grußwort der Stadt. Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, begrüßte als Moderatorin die Zuhörer, freute sich über die große Zahl der Anwesenden und stellte den Referenten vor. Sie erwähnte, dass Prof. Dr. Uwe Danker als früherer Vorsitzender der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung derjenigen Gedenkstätten im Lande genommen hatte, die speziell an NS-Geschichte und NS-Verbrechen erinnern wollen.

Manch einem Zuhörer dürfte während des Vortrages erneut bewusst geworden sein, dass die Vermittlung der NS-Geschichte in Schule, Fernsehen und Gedenkstätten, so gut gemeint und intensiv sie derzeit auch betrieben wird, keine Garantie dafür bietet, ihr gewünschtes Ziel zu erreichen, das Ziel nämlich, dass nachfolgende Generationen aus der NS-Geschichte lernen und somit eine Wiederholung des Unfassbaren unmöglich wird. Lehrer, Fernsehmacher und Gedenkstättenbetreiber stießen, so führte Prof. Danker aus, auf Grenzen, die ihnen bewusst sein sollten, um sich Enttäuschungen zu ersparen. Diese Grenzen zu kennen, solle aber nicht entmutigen. Denn es lohne sich immer, über gute und neue Wege der Vermittlung von NS- Geschichte nachzudenken.

Zu den Möglichkeiten der Schule führte der Referent aus: Das Wissen über die NS-Geschichte mache nicht notwendigerweise immun gegen neonazistischer Verführung, wie Prof. Danker an Beispielen belegte. Und andererseits hindere geschichtliche Unkenntnis Menschen nicht daran, engagiert gegen Unrecht und Unmenschlichkeit zu protestieren, wenn sie irgendwo auftreten. Also Wissen um die NS-Geschichte biete keine Garantie für menschliches Handeln. Die Versuche, bei Schülern emotionale Betroffenheit und menschliches Handeln auszulösen, stießen oft an gesellschaftliche und soziale Grenzen. Was nicht heißen solle, die Bemühungen darum aufzugeben.

Gedenkstätten hätten den Vorteil, an authentischen Orten den Schülern vielfältige und emotional wirkende Anstöße geben zu können. Aber die eigentliche Aufarbeitung und das vertiefende Nachdenken begännen erst nach dem Besuch.

Das Fernsehen stieße an Grenzen, die in seiner Quotenhörigkeit begründet lägen, wie jüngste Beispiele zeigten. Sehr gutes und reichhaltiges Quellenmaterial, historisch korrekt aufbereitet, würde in einer gefälligen Form dargeboten, die es dem Zuschauer erlaube, selbst die schrecklichsten Szenen der NS-Geschichte auf dem Sofa zu genießen. Das sei sehr bedenklich. Trotzdem käme dem Fernsehen, das ein riesiges Publikum erreichen könne, auch in der Vermittlung von NS-Geschichte eine wichtige Funktion zu. Diese Aufgabe müsse jedoch verantwortungsvoller als bisher wahrgenommen werden.

Die anschließende lebhafte Diskussion bewies, dass Prof. Dr. Uwe Danker mit seinem Vortrag den Nerv seiner Zuhörer getroffen hatte.
 

 

 

 

Jahresrückblick

15.01.2008

Hier finden Sie den Jahresrückblick unserer Vorsitzenden, Frau Uta Körby:

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Prof. Dr. Uwe Danker: "Aus der Geschichte lernen?" (Ankündigung)

15.01.2008

Dem Tag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee am 27.01.45 werden bundesweit viele Veranstaltungen gewidmet, so auch in Kaltenkirchen. Am So., d. 27.Januar 2008, um 16.00 Uhr im Ratssaal der Stadt Kaltenkirchen referiert der Historiker für Zeit- und Regionalgeschichte, Prof. Dr. Uwe Danker, zum Thema: "Aus der Geschichte lernen? NS-Geschichtsvermittlung zwischen Erwartungen und Leistungen"

Prof. Dr. Uwe Danker ist Direktor am Institut für Zeit- und Regionalgeschichte Schleswig, sowie am Institut für Geschichte und ihre Didaktik der Universität Flensburg. Über seine Lehrtätigkeit an den Hochschulen hinaus hat er entscheidenden Einfluss auf die inhaltliche und didaktische Ausrichtung der Arbeit von Gedenkstätten in Schleswig-Holstein, deren "Professionalität" er vehement fordert. Unter anderem auch als "Lernorte" der NS-Geschichte, die in der Lage sind, alle modernen Möglichkeiten der medialen Kommunikation zu nutzen, die wissenschaftlich begleitet werden und die landesweit untereinander vernetzt sind, möchte er die Gedenkstätten in Schleswig-Holstein, die an die NS-Zeit erinnern, ausgebaut wissen, NS-Geschichtsvermittlung am authentischen Ort, die die Jugend motiviert. Sein interessanter Vortrag dürften nicht nur Leute vom Fach und Kommunalpolitiker, sondern auch eine breite Öffentlichkeit interessieren.

Im Bewusstsein ihrer Verantwortung dafür, dass jährlich wiederkehrend an die Befreiung von Auschwitz erinnert wird, so wie es deutschlandweit viele Kommunen tun, hat die Stadt Kaltenkirchen dem Veranstalter, dem Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, ihren Ratssaal im Rathaus für diesen Vortrag mit anschließender Diskussion zur Verfügung gestellt. Um seine Verbundenheit mit dem Anliegen zu unterstreichen, wird der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen, Stefan Sünwoldt, ein Grußwort sprechen.

Die Vorsitzende des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen moderiert die Veranstaltung, zu der alle Bürger herzlich eingeladen sind. Der Eintritt ist frei.
 

 

 

 

Trägerverein ehrt Roland Horstmann

14.12.2007

Herr HorstmannIm Rahmen ihrer Weihnachtsfeier ehrten die Vorstandsmitglieder des Trägervereins Roland Horstmann für seine Arbeit als Ein-Euro-Kraft an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch. Seit Anfang Juni ist Herr Horstmann die gute Seele draußen in Springhirsch. Von 9.00 bis 15.00 Uhr unter der Woche und manchmal auch freiwillig darüber hinaus übt er eine wertvolle Hausmeistertätigkeit aus. Er ist der Mann für alle handwerklichen Fälle, für die Pflege und Wartung der Anlage, für landschaftsgestaltende Arbeiten, für die Betreuung der Besucher und für Bürotätigkeiten, wie Ordnen von Akten, Arbeiten am Computer und Gestalten der Ausstellungen, ein wahrhaft vielseitiger Mann. Inzwischen hat er seinen Halbjahresvertrag bis März 2008 verlängern können.

Aus Dankbarkeit und Anerkennung für seine zuverlässige und qualifizierte Arbeit hat der Trägerverein ihm ein wertvolles Präsent überreicht, das ihn sichtlich erfreute. Der Vorstand sprach sein Bedauern darüber aus, dass Roland Horstmann im März 2008 die Gedenkstätte verlassen wird, weil eine nochmalige Verlängerung des Vertrages leider nicht möglich ist. Einen ähnlich zuverlässigen, fähigen und umsichtigen Mitarbeiter werden wir wohl nicht mehr finden.

Jürgen Fock überreichte Herrn Horstmann (siehe Foto) das ansehnliche Geschenk und drückte seinen herzlichen Dank im Nahmen des Vorstandes aus. Jürgen Fock als Verantwortlicher für das technische Funktionieren der Gedenkstätte und Jürgen Gill als Verantwortlicher für den täglichen Betrieb und Ablauf hielten engen Kontakt zu Herrn Horstmann, so dass dieser sich in seiner Arbeit stets anerkannt und beachtet fühlte. Noch nie zeigte sich die Gedenkstätte in einem derart gepflegten Zustand. Besucher aus dem Inn- und Ausland anerkannten die dahinter stehende liebevolle Bemühung.

 

 

 

Gottesdienst am Volkstrauertag 2007

20.11.2007

Der Gottesdienst am Volkstrauertag 2007 in der Michaeliskirche zu Kaltenkirchen wurde diesmal auch mit der Beteiligung von Laien gestaltet. Somit erhielt neben Frau Renate Amthor, die sich besonders für die guten Beziehungen zur polnischen Patenstadt Kalis Pomorski eingesetzt hat, auch die Vorsitzende des Trägervereins, Frau Uta Körby, die Gelegenheit, in der Kirche an die KZ-Opfer im Außenkommando Kaltenkirchen zu erinnern. Im Dialog mit den Pastoren erinnerte man sich an die Verbrechen der Vergangenheit und wies auf gegenwärtiges Unrecht hin. Pastorin Martina Dittkrist erwähnte den früheren Pastor der Kaltenkirchener Gemeinde, Ernst Szymanowski, der als Kaltenkirchener Pastor schon aktives Mitglied der NSDAP gewesen war und später als führender SS-Mann in der Ukraine zum Massenmörder wurde. Sie sagte in diesem Zusammenhang: "Auch als evangelische Kirchengemeinde in Kaltenkirchen sind wir erst langsam dabei, uns unserer eigenen historischen Mitverantwortung zu stellen..." Diese Worte der jungen Pastorin lassen hoffen. Es geht dabei nicht nur um die Aufklärung der kirchlichen Verstrickungen im NS-Unrechtsstaat, sondern auch darum, die Versäumnisse der Kirche in der Nachkriegszeit gründlich zu erforschen und sich dazu zu bekennen, dass gerade hiesige kirchliche Kreise beim allgemeinen Verdrängen und Vergessen eine maßgebliche Rolle gespielt haben. Ein erster Schritt wurde getan.

Am Nachmittag hatte der Trägerverein zur Gedenkwanderung auf den Spuren des ehemaligen Beerdigungskommandos zur "Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer" eingeladen. 21 Teilnehmer wanderten von der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch über das Gelände des Truppenübungsplatzes der Bundeswehr nach Moorkaten. An der Gräberstätte stellten sie Windlichter zum Gedenken an die Toten ab. Unzählige sowjetische Kriegsgefangene und knapp 200 KZ-Häftlinge des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Jürgen Gill erinnerte daran, dass der französische KZ-Häftling Richard Tackx, der damals das Beerdigungskommando anführen musste, vielen seiner Kameraden Erkennungszeichen mit ins Grab legte, so dass 1951 im Zuge einer sorgfältigen Exhumierungsaktion unter Beteiligung von Richard Tackx 68 Tote identifiziert werden konnten.

Danach begaben sich die Teilnehmer hinüber zur Hinrichtungsstätte Fred Göttner. Dort hatte genau vor einem Jahr der Trägerverein ein Kreuz zur Erinnerung an den 22-jährigen Sanitätsunteroffizier Fred Göttner errichtet. Dr. Gerhard Hoch erläuterte den Anwesenden die damaligen Ereignisse: "Eine unbedachte Tat wurde ihm zum Verhängnis. Nach einem Luftangriff auf Rostock soll er aus den Trümmern eine Schreibmaschine an sich genommen haben. Zu seiner Bereicherung wohl kaum, eher wohl in der Annahme, sie wäre in dem Schutt ohnehin verloren gewesen. Irgendjemand hatte es beobachtet...und zeigte ihn bei seinen Vorgesetzten an. Menschlichkeit stand nicht hoch im Kurs damals....Ein erbarmungsloser Mechanismus nahm seinen Lauf....Das Kriegsgericht des Luftgaues XXI in Hamburg verurteilte den jungen Unteroffizier paragraphentreu zum Tod....Mit Schaudern bangten nun die in Moorkaten stationierten Sanitätssoldaten und sahen der Zusammenstellung des Erschießungskommandos entgegen... Es traf 12 Unteroffiziere....Im Archiv der Kirchengemeinde liest man: `...am 8.9.1942 hier beerdigt Uffz. (San.) der LW Fred Göttner laut Kriegsgerichtsurteil erschossen`. Der ...Pfarrer (Thies) war so feinfühlig, den Eltern mitzuteilen, ihr Sohn sei bei einem Luftangriff auf Rostock schwer verwundet worden und dann `gottergeben gestorben`..." Nach diesen Worten von Dr. Gerhard Hoch standen die Teilnehmer noch lange still, bevor sie zur Gedenkstätte zurückwanderten.

 

 

 

Gedenkwanderung am Volkstrauertag

08.11.2007

Kreuz am Hinrichtungsplatz Fred GöttnerAm 18. November 2007, dem Volkstrauersonntag, um 14.30 Uhr wird - wie in den Vorjahren - eine Gedenkwanderung zur Gräberstätte Moorkaten stattfinden. Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte lädt dazu herzlich alle Bürger ein. Die Gedenkwanderung soll an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch, Ortsteil von Nützen an der B4, um 14.30 Uhr beginnen. Ab 14.00 Uhr stehen Vorstandsmitglieder zur Begrüßung der Teilnehmer an der Gedenkstätte zur Verfügung. Während der halben Stunde bis zum Wanderungsbeginn ist Gelegenheit, sich im Gedenkstättengelände und im neuen Ausstellungshaus umzusehen und zu informieren.

Die Wanderung wird auf einer festgelegten Route quer durch das Truppenübungsgelände der Bundeswehr verlaufen. Der Standortälteste hat freundlicherweise sein Einverständnis erklärt und auf einer Karte die Route vorgezeichnet. An der "Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer" in Moorkaten sollen Windlichter als Zeichen des Gedenkens und der Würdigung der Opfer abgestellt werden.

Anschließend soll es weitergehen hinüber zur etwa 300 m entfernten Hinrichtungsstätte "Fred Göttner". Dort hatte der Trägerverein genau vor einem Jahr ein Kreuz aufgerichtet, das an die Hinrichtung 1941 von Helmut Alfred Göttner, ein damals 22-jähriger Sanitätsunteroffizier, erinnert. Göttner war an dieser Stelle nach dem Todesurteil eines militärischen Kriegsgerichtes erschossen worden, wegen "Plünderei", wie es hieß. Am Kreuz werden Blumen abgelegt. Dr. Gerhard Hoch wird kurz die tragische Geschichte des jungen Soldaten erläutern.

Neben dieser eigenen Veranstaltung am Volkstrauertag beteiligt sich der Trägerverein zuvor auch an dem Gedenkgottesdienst der ev. luth. Kirchengemeinde in der Michaeliskirche Kaltenkirchen um 11.00 Uhr. Die Vorsitzende des Trägervereins Uta Körby wird im Rahmen des Gedenkgottesdienstes die Gelegenheit haben, in einer Gedenkrede an die Opfer des Nationalsozialismus in der hiesigen Region zu erinnern. Wir danken in diesem Zusammenhang sehr herzlich der Pastorin Dittkrist und dem Pastor Goetz-Schuirmann für die immer besser werdende Zusammenarbeit zwischen der Kaltenkirchener Kirchengemeinde und dem Trägerverein.

 

 

 

Zum Tod von Roger Rémond (1924 - 2007)

15.10.2007

Roger Rémond 2005 in der Mitte zwischen zwei ehemaligen KZ-Häftlingen - zusammen mit Dr. Gerhard Hoch (ganz links)Roger Rémond verstarb Anfang Oktober 2007 in seinem Heimatdorf im französischen Jura. Wir trauern um einen Mann, der seit langem mit dem Trägerverein und vorher schon mit Dr. Gerhard Hoch in enger Beziehung gewesen war.

Roger Rémond war als sehr junger Mann im Juli 1944 zusammen mit sechs weiteren jungen Burschen aus seinem Juradorf als Geiselhäftling nach Deutschland verschleppt, in das KZ Neuengamme eingeliefert und schließlich auf dem Kaltenkirchener Militärflugplatz zur Arbeit gezwungen worden. Hier schufteten sich KZ-Häftlinge des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen vom Herbst 1944 bis April 1945 zu Tode -unter der menschenverachtenden Einstellung: "Vernichtung durch Arbeit". Besonders der Januar 1945 forderte wegen der herrschenden strengen Winterkälte viele Opfer. Davon erzählte Roger Rémond sehr oft.

Roger Rémond gehörte zu den 576 Häftlingen, die am 16.04.45 nach Wöbbelin (Mecklenburg) evakuiert wurden. Das furchtbare Sammellager Wöbbelin überlebte er nur äußerst knapp und sehr krank. Nach seiner Befreiung im Mai 1945 benötigte er sieben bis acht Jahre, um sich von den Strapazen der KZ-Bedingungen und den erlittenen Schädigungen an seiner Gesundheit zu erholen.

Mehrmals besuchte er später Kaltenkirchen. Zuletzt kam er im Mai 2005 zusammen mit der "Amicale Internationale de Neuengamme", die in zweijährigem Rhythmus Neuengamme und Kaltenkirchen aufzusuchen pflegte. Im Mai 2007 vermissten wir ihn unter der französischen Besuchergruppe. Es hieß, Roger Rémond sei schwer erkrankt. Wir machten uns Sorgen.

Wir erinnern uns besonders an folgende Worte, die er immer wieder sprach -zuletzt auch 2005 vor den Gedenksteinen in Springhirsch: "Warum habe ich überlebt und keiner meiner sechs Kameraden aus meinem Dorf? Ich musste die Nachricht vom Tod der Söhne den Eltern überbringen, das war hart."

Roger Remond verstarb Anfang Oktober 2007 mit 83 Jahren im Kreise seiner Familie. Der Trägerverein hat im Vorraum des neuen Hauses auf einer Tafel in kurzer Form seine Lebensgeschichte in Bildern und Texten dargestellt. Wir trauern um einen Mann, dem wir über viele Jahre herzlich verbunden gewesen waren.

 

 

 

Einrichtung einer Pinnwand für aktuelle Fragen

01.10.2007

Im Vorraum des neuen Hauses der Gedenkstätte wurde eine Pinnwand aufgestellt, die hereinkommenden Besuchern sofort ins Auge fällt. Dort hat der Trägerverein ein aktuelles Forum eingerichtet, wo Besucher die Gelegenheit haben, ihre Meinung zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Problemen darzustellen. Angeregt werden Besucher dort durch verschiedene Materialien, wie Zeitungsberichten, Schlagzeilen, Karikaturen, Fotos und Kurztexten, die der Trägerverein "ZUR DISKUSSION" stellt. Es handelt sich dabei ausnahmslos um Themen, die gegenwärtige Gefährdungen für Grund- und Menschenrechte aufzeigen und zu denen der Trägerverein wegen seiner Kenntnis vergangener Gefährdungen seine Besorgnis zum Ausdruck bringt. Hierzu öffnet sich ein Platz für Besucher, der die Überschrift hat: "IHRE MEINUNG IST GEFRAGT"

Zur Zeit hat der Trägerverein das Thema "Aushöhlung der Grundrechte - Extremszenarien verunsichern die Bevölkerung - wozu dient solche Panikmache?" zur Diskussion gestellt. In der Geschichte des 20-sten Jahrhundert gibt es viele Beispiele dafür, wie durch Schüren von Ängsten Politik gemacht wurde, um anschließend Grund- und Menschenrechte Schritt für Schritt auszuhebeln.

Der Trägerverein fühlt sich also nicht nur dazu berufen, zu erinnern, zu mahnen und zu gedenken, sondern nimmt auch den Auftrag sehr ernst, gegenwärtige Gefahrenpotentiale auszumachen und anzusprechen. Denn niemals darf sich wiederholen, was an Katastrophen in der deutschen Geschichte losgetreten wurde.

Unter der Woche ist die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch an der B4 südlich von Lentföhrden zwischen 9.00 Uhr und 15.00 Uhr geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr.

 

 

 

Diskussion um das Bahnhofsgebäude in Kaltenkirchen (II)

24.08.2007

Während eines Gespräches mit dem Vorstand des Trägervereins (Uta Körby und Jürgen Gill), um das Bürgermeister Stefan Sünwoldt kurzfristig gebeten hatte, drückte der Bürgermeister sein Bedauern über sein eigenes Vorgehen in der öffentlichen Sitzung des Umwelt- und Bauausschusses aus. Es sei ein Fehler gewesen, von einem "gelungenen" Versuch des Stadtvertreters Eberhard Bohn gesprochen zu haben, den Trägerverein für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Dabei habe er nicht bedacht, dass der Trägerverein ohnehin den Erhalt des Bahnhofsgebäudes aus eigenen Stücken anzumahnen im Begriffe war. Dafür entschuldige er sich. Dass aber Herr Bohn versucht habe, den Verein für seine Zwecke einzuspannen, das stehe für ihn nach wie vor außer Zweifel.

Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen wiederholt in diesem Zusammenhang seine schon an anderer Stelle abgegebene Erklärung: Bei unserem Engagement für den Erhalt des alten Bahnhofsgebäudes haben wir uns allein von eigenen Überlegungen und Erkenntnissen leiten und von niemandem dazu antreiben lassen.
 

 

 

 

Diskussion um das Bahnhofsgebäude in Kaltenkirchen (I)

09.08.2007

Der Brief der Vorsitzenden, Frau Körby, welcher unter Beteiligung des Ehrenvorsitzenden Dr. Gerhard Hoch an die Stadtvertreter in Kaltenkirchen geschickt wurde, in dem sich für den Erhalt des alten Bahnhofsgebäudes ausgesprochen wurde, hat in Kaltenkirchen einigen Wirbel verursacht und die Gerüchteküche kochen lassen. Auch weil aus Gesprächen mit einigen Stadtvertretern deutlich wurde, dass in Kaltenkirchen über die eigentliche historische Bedeutung des Kaltenkirchener Bahnhofs ziemliche Unklarheit herrscht, möchte der Trägerverein mit dieser Pressemeldung aufklärend wirken.

Der AKN-Bahnhof Kaltenkirchen hat im August 1944 die erste Ankunft von 500 KZ-Häftlingen aus dem KZ-Neuengamme gesehen. Die Häftlinge sollten den Grundstock der Insassen des rasch eingerichteten Außenlagers an der Reichsstraße 4 (heute B4) in Springhirsch bilden. Angefordert worden waren sie von der Luftwaffe, damit sie als Arbeitssklaven für die Erweiterung des Militärflugplatzes Kaltenkirchen eingesetzt werden. Die Ankunft dieses ersten Häftlingstransports wurde von der Bevölkerung wahrgenommen. Damals jugendliche Mädchen haben das beobachtet und Jahrzehnte später Dr. Gerhard Hoch davon berichtet.

Von überlebenden Häftlingen wie z.B. dem Pole S. Jaskiewisz wissen wir einiges über den ersten Transport nach Kaltenkirchen. Die Güterwaggons, rundum geschlossen und mit einem Dach versehen, wurden mit KZ-Häftlingen überfüllt. Die Zugangstüren waren fest verriegelt und die schmalen Luftklappen unterhalb des Daches verschlossen. Die Versorgung mit Frischluft geschah also nur durch Ritzen zwischen Bretterwänden. Die Überfüllung war derart, dass es keine Gelegenheit gab sich zu setzen oder gar zu liegen.
Zwei volle Tage verbrachten die Häftlinge so eingesperrt in den Waggons. Denn der Zug stand oft irgendwo stundenlang herum oder rangierte. Völlig unversorgt, ohne Wasser und Nahrung, herrschten bald entsetzliche Zustände in den Waggons. S. Jaskiewisz: "Scheiße und Pisse ohne Kübel, einfach auf den Boden." Nach zwei Tagen schmerzhaftem Stehen ohne Wasser, ohne Nahrung, im Gestank - das überlebte mancher nicht. Durch die Ritzen zwischen den Brettern sahen die Häftlinge endlich den Bahnhof Kaltenkirchen. Nach dem Öffnen der Tore bot sich ein entsetzlicher Anblick. Benommene Häftlinge sprangen heraus und wurden von Wachsoldaten zurückgejagt. Sie sollten die anderen, die liegen geblieben waren, aus den Waggons holen. Gellende Befehle, Geschrei und Hundegebell begleiteten die grauenhafte Szene auf dem Kaltenkirchener Bahnhof. Leichen wurden zunächst neben die Geleise gelegt. Beim Abmarsch nach Springhirsch wurden sie mitgenommen. Häftlinge trugen sie.

Bei den KZ-Häftlingen handelte es sich überwiegend um junge Männer aus europäischen Ländern, viele Franzosen, Russen, Polen und andere, oft Geiselhäftlinge aus den von den Deutschen besetzten Gebieten. Jüdische KZ-Häftlinge gab es unter ihnen nicht.

Ob der Kaltenkirchener Bahnhof während der Existenz des Außenlagers in Springhirsch, in dem Hunderte zu Tode kamen, weitere Häftlingstransporte hat ankommen sehen, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich. Sicher jedoch ist, dass von ihm 576 Häftlinge im Zuge der Evakuierung des Lagers am 16. April verladen und Abtransport wurden, Ziel: Sammellager Wöbbelin in Mecklenburg. Ein äußerst interessantes Dokument, das uns die Gedenkstätte Neuengamme freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, belegt den Vorgang des Abtransportes der KZ-Häftlinge vom Kaltenkirchener Bahnhof in eindrucksvoller Weise. Es ist im Anhang zu finden.

Das ist die Bedeutung des Bahnhofsgebäudes, nicht mehr und nicht weniger: Es hat jene Verbrechen an der Menschlichkeit, die hier in unserer Region begangen worden sind, aus nächster Nähe gesehen und erlebt. Andere Gebäude in Kaltenkirchen, die Zeugen sein könnten, gibt es nicht mehr. Mit dieser Erklärung wollen wir daran erinnern, dass auch Gebäude, Wege oder andere tote Gegenstände Zeugnis ablegen können von vergangenen Ereignissen, zumindest den Menschen durch ihren Anblick helfen können, sich zu erinnern. Denn Erinnern ist notwendig, wenn die Zukunft gelingen soll.

Das ist das Anliegen des Trägervereins. Damit wollen wir überhaupt nicht in laufende Planungen eingreifen oder uns gar vor die Karren irgendwelcher Interessen spannen lassen, sondern lediglich die Verantwortlichen zur Nachdenklichkeit anregen und zur Beachtung einladen. Lösungen in unserem hier vorgetragenen Sinne sind viele denkbar!

Wir laden Interessierte recht herzlich zu einer Führung an die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch ein. Melden unter 04191/723428.
Sonst ist an Werktagen von 9.00 bis 15.00 Uhr die Gedenkstätte für Besucher geöffnet, auch sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr.
 

 

 

 

Der Sohn entdeckt Informationen über den Vater aus dem Internet

28.06.2007

Im Katalog der Ausstellung der KZ-Gedenkstätte auf der Tafel Nr.7 und im Buch von Dr. Gerhard Hoch: "Zwölf wiedergefundene Jahre, Kaltenkirchen unter dem Hakenkreuz" ist das Foto des italienischen Militärinternierten Umberto Piantoni veröffentlicht, der am 9.03.1944 in einem Lager für italienische Militärinternierte in Heidkaten verstorben ist.

Im September 1943 schloss Italien, das an der Seite Deutschlands gekämpft hatte, eine Waffenstillstandsvertrag mit den Alliierten. Daraufhin wurde von deutscher Seite angeordnet: "Soldaten, die keinerlei Hilfe für uns leisten wollen, werden entwaffnet und gelten als Militärinternierte." So entstanden Lager für italienische Militärinternierte, in denen die Zustände nicht viel besser waren als in anderen Arbeitslagern. In dem Lager in Heidkaten verstarben 37 italienische Internierte in der Zeit vom November 1943 bis zum Mai 1944, unter ihnen Umberto Piantoni (siehe Gerhard Hoch: Zwölf wiedergefundene Jahre,... S.287ff).

Nun hat eine befreundete Historikerin ohne Wissen von Gerhard Hoch den Text des Buches ins Internet gestellt. Diesen entdeckte jüngst der Sohn, Giorgio Piantoni, und nahm sofort Kontakt zu Dr. Gerhard Hoch auf: "Das war eine echt schöne Überraschung, -wissen Sie, ich habe nämlich nie meinen Vater kennen gelernt."

Dr. Gerhard Hoch verabredete sich mit Giorgio Piantoni und dieser kam nach Kaltenkirchen, besuchte die Gräberstätte in Moorkaten, suchte in Heidkaten nach Spuren und lernte auch die KZ-Gedenkstätte kennen. Sein Vater war eine Zeit lang auf dem allgemeinen Friedhof in Kaltenkirchen bestattet gewesen, ehe der Leichnam 1955 auf den Hauptfriedhof in Hamburg-Öjendorf umgebettet wurde.

Nun schickte Giorgio Piantoni die Zeitung "Corriere dell´Umbria" vom 11. Juni 07, die auf einer ganzen Seite (Seite 17) einen ausführlichen Bericht mit Fotos aus Hamburg-Öjendorf und von Umberto Piantoni brachte. Ausführlich wird dort auf das Lager Heidkaten eingegangen und Darstellungen in Hochs Buch: "Zwölf wiedergefundene Jahre, ..." zitiert, das in Teilen ins Italienische übersetzt werden soll. Weitere Recherchen sollen folgen.

Umberto Piantoni war zwar kein Häftling des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen, aber eben doch in einem jener in der Nähe befindlichen Lager gewesen. Gerhard Hoch: "Am Fall Piantoni zeigt sich, wie manche Familie auch nach vielen Jahrzehnten den Verlust Angehöriger schmerzhaft empfindet und den Spuren der Verstorbenen nachzugehen versucht." Der Trägerverein leistet hier gern seine Unterstützung. Das hier genannte Buch von Dr. Gerhard Hoch ist neu gedruckt worden und kann im Buchhandel und in der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch erworben werden.

Wer Näheres erfahren möchte, kann heute noch bis 18.00 Uhr oder morgen mit Dr. Gerhard Hoch Kontakt aufnehmen. Pressevertretern zeigt er auch gerne die genannte Ausgabe der italienische Zeitung aus Umbrien.
 

 

 

 

Viele Besucher im neuen Haus

11.06.2007

Ab sofort kann die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch auch unter der Woche ihr Ausstellungshaus für Besucher öffnen. Zwei Arbeits- und Aufsichtskräfte hängen das Schild "geöffnet" deutlich sichtbar an der B4 auf. Täglich von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr können sich Besucher der Gedenkstätte nicht nur im Gelände, sondern auch im Ausstellungshaus aufhalten und informieren. Nur am Sonnabend bleibt das neue Haus geschlossen. Aber nach wie vor ist zu jeder Zeit das Gelände der Gedenkstätte zugänglich. Ein Infoblatt kann einem Kasten entnommen werden, das den Besucher über das Gelände begleitet. Es erklärt die einzelnen Stationen.
Selbstverständlich halten wir auch weiterhin an Sonn- und Feiertagen von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr das neue Haus geöffnet. Eine gut informierte Aufsicht steht dann den Besuchern für Fragen und Auskünfte zur Verfügung.

Eine von dem Realschullehrer und Vorstandsmitglied Jürgen Fock ins Leben gerufene Arbeitsgruppe aus Schülern, Eltern und Lehrern hat Anfang Mai die Gedenkstätte auf Vordermann gebracht. Jetzt präsentiert sich die Anlage in einem sehr gepflegten Zustand. Der Fußgängerzugang an der Rampe wurde neu gestaltet, die Rundgangswege frei geharkt und die Flächen zwischen den Bäumen gemäht. Die beiden von der VHS-Kaltenkirchen vermittelten Arbeitskräfte bemühen sich zurzeit erfolgreich, den guten Zustand zu erhalten und weiter zu verbessern.

Das neue Versammlungs- und Ausstellungshaus ist so gut wie fertig. Was jetzt noch geschehen muss, ist die Gestaltung der Außenanlage um das neue Gebäude herum. Das geschieht in diesen Tagen.

Erfreulich ist auch die hohe Besucherzahl in letzter Zeit. Viele Schulklassen nutzten schon das neue Haus und auch ausländische Besucher, besonders Angehörige von ehemaligen französischen KZ-Häftlingen, haben schon das neue Gebäude bestaunt. So war Colette Rey, Tochter von Richard Tackx, mit ihrem Mann hier gewesen. Und auch Bernadette Celos, Tochter des in Kaltenkirchen 1945 verstorbenen KZ-Häftlings Henri Canard, hat kürzlich mit einer französischen Besuchergruppe die Gedenkstätte besucht. Gerade sie drückte ihre Anerkennung gegenüber Vertretern des Vorstandes aus, weil hier das neue Haus und der gepflegte Zustand der Gedenkstätte das enorme Engagement der ehrenamtlich Tätigen so eindruckvoll dokumentiere. Ihre Dankbarkeit über diese würdevolle Erinnerung an ihren Vater war groß.

Interessant war die Diskussion mit den Franzosen über das deutsche Wort "mahnen", für das es im Französischen kein Wort mit der entsprechenden Bedeutung gibt. Hier muss seine besondere Qualität in mehreren Sätzen beschrieben werden.
 

 

 

 

Neuer Vorstand des Trägervereins

08.05.2007

Auf seiner Jahreshauptversammlung, die schon im neuen großen Versammlungsraum der KZ-Gedenkstätte stattfinden konnte, wählte der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V. turnusmäßig seinen neuen Vorstand. Er ist im Wesentlichen derjenige geblieben, der bisher in den letzten beiden Jahren so erfolgreich gearbeitet hat. Er wurde ergänzt durch drei neue Gesichter. Die Ergänzung war zum einen notwendig, weil der bisherige Schatzmeister, Reinhold Krause, auf tragische Weise plötzlich verstorben war und zum anderen, weil Jürgen Wiese aus privaten Gründen als Beisitzer nicht mehr zur Verfügung stand.

Einstimmig bestätigt wurden die Vorsitzende Uta Körby, der stellvertretende Vorsitzende Jürgen Gill, die Schriftführerin Ingrid Schulz-Pankratz, der seit Anfang des Jahres kommissarisch tätige Schatzmeister Piet Verschragen, die Beisitzer Jürgen Fock, Inga-Martina Toft und Uwe Cerwonka. Neu in den Vorstand als Beisitzer wurden Karl Stanek und Manfred Freund aufgenommen. Auch sie erhielten ein einstimmiges Votum. Der Webmaster und Betreuer der Homepage, Jörn Wommelsdorff, besitzt weiterhin das Vertrauen der Mitglieder. Mit Genugtuung und Freude wurde festgestellt, dass der Ehrenvorsitzende Dr. Gerhard Hoch, ohne den es die Gedenkstätte nicht gäbe, dem Trägerverein auch zukünftig wie bisher mit Rat und Tat zur Verfügung steht.

Wie schon berichtet ist es dem alten Vorstand in den beiden abgelaufenen Amtsjahren gelungen, die KZ-Gedenkstätte stetig weiter zu entwickeln und auszubauen. Die Krönung dafür stellt nun das neue ansehnliche Containergebäude als Versammlung- Schulungs- und Ausstellungshaus dar. Hiermit ist der äußere Rahmen für eine wesentliche Verbesserung der Gedenkstättenarbeit geschaffen worden. Nun kommt es darauf an, diese Möglichkeiten durch eine stärkere Anbindung an die Schulen der Region zu nutzen. Es haben zwar bisher schon trotz enger Umstände Schulklassen den ganzen Unterrichtsvormittag am authentischen Ort verbracht, aber die Kontakte zu einigen Schulen in der Region drohten einzuschlafen. Deshalb suchte der Trägerverein immer wieder von Zeit zu Zeit den Kontakt zu erneuern. Diese Anstrengungen sollen jetzt intensiviert werden. Die Bürgermeister der umliegenden Städte sind an ihre Zusagen zu erinnern, Schulklassen auf Anfrage eine Busfahrt zur Gedenkstätte zu ermöglichen. Mehr Schulleiter, nicht nur die wenigen, die es bisher schon in vorbildlicher Weise getan haben, sollten ihre Kollegien auf diese hervorragende Möglichkeit hinweisen, Schülern am authentischen Ort eine lebendige, intensive und eindrückliche Begegnung mit der Vergangenheit ihrer Region bieten zu können.

Ansätze, die es gegeben hat, müssen erweitert werden. Zum Beispiel haben drei Schulen im letzten und in diesem Jahr ihre Geschichtsfachkonferenzen an der Gedenkstätte durchgeführt. Das sollten sich viele andere Schulen zum Beispiel nehmen. Es stellte sich nämlich heraus, dass unter den teilnehmenden Geschichtslehrern einige die Gedenkstätte noch nie von innen gesehen haben und dankbar waren, sie auf diese Weise kennen zu lernen. Lehrerkonferenzen, Fachkonferenzen und Tagungen könnten jetzt, da ein ansehnlicher Raum zur Verfügung steht, hier stattfinden. Der Trägerverein bietet dann eine Führung an, so dass alle Teilnehmer über die Bedeutung der Erinnerungsstätte eingehend informiert und möglicherweise auch motiviert sind, mit ihren Schulklassen (von der neunten Klasse aufwärts) hierher zu kommen.

Hier noch einmal der neue Vorstand:

Ehrenvorsitzender: Dr. Gerhard Hoch, Alveslohe
Vorsitzende: Uta Körby, Lutzhorn wiedergewählt
Stellvertretender Vorsitzender: Jürgen Gill, Kaltenkirchen wiedergewählt
Schriftführerin: Ingrid Schulz-Pankratz, Kaltenkirchen wiedergewählt
Schatzmeister: Piet Verschragen, Kaltenkirchen neu
Beisitzer: Uwe Czerwonka, Bordesholm wiedergewählt
Beisitzer: Jürgen Fock, Oersdorf wiedergewählt
Beisitzer: Manfred Freund, Kaltenkirchen neu
Beisitzer: Karl Stanek, Kaltenkirchen neu
Beisitzerin: Inga-Martina Toft, Kaltenkirchen wiedergewählt
Webmaster: Jörn Wommelsdorff, Hamburg bestätigt.

 

 


 

Vorabinformation zur Einweihung des neuen Containers

04.05.2007

Der Container der Fa. ConRo, Hamburg, besteht aus fünf Elementen, die am 22.01. dieses Jahres geliefert und auf unserem Gelände montiert worden sind. Es handelt sich um einen gebrauchen Container, für den der Trägerverein ca. 20 000 € bezahlt hat. Den Teppichboden hat ConRo gestiftet. Seitdem hat der Trägerverein weitgehend in Eigenleistung die Ausbau- und Renovierungsarbeiten unter der Leitung von Jürgen Fock durchgeführt, an denen sich Vorstandsmitglieder, Mitglieder des Trägervereins und Freunde beteiligt haben.

Strom- und Wasseranschluss sind hergestellt!
Der Container wurde außen und innen neu gestrichen!
Die Fenstergitter wurden erneuert
Die Gasversorgung für die Gasöfen durch Verlegung eines Gastanks in die Erde sichergestellt!
Den Innenausbau besorgt: Isolierung und Vertäfelung, Verlegung des Teppichbodens, Malerarbeiten, Installationen usw.

Zu den Kosten, die schon angefallen und bezahlt sind:
Elektroarbeiten Fa. Schoen: 1 918 Euro
Gastank: 962 Euro
Innenisolierung und Verkleidung, Materialkosten: ca. 1 400 Euro
Farbe: ca. 500 Euro
Brunnen: 240 Euro
Material für das Dach: 1 338 Euro

Zu den Kosten, die demnächst auf uns zukommen:

Dach: 3 200 Euro
Außenanlage: Platten und Kies: 2 000 Euro, Gitter und Montage: 1 300 Euro
Alarmanlage: 1 200 Euro
Kläranlage gesamt: 1 500 Euro
Sonstiges, Bauantrag usw.: 1 200 Euro

Veranschlagte Gesamtkosten 2006 + 2007 ca. 38 000 Euro!
Ausgegeben wurden bis jetzt schon 26 200 Euro!

Die Kassenlage ist so, dass die veranschlagten Gesamtkosten bis Ende 2007 aufgebracht werden können. Das haben wir den Spendern, den Zuschüssen, den Mitgliedsbeiträgen und den enormen Eigenleistungen zu verdanken. Das Projekt: „Schaffung eines Versammlungs- Schulungs- und Ausstellungsraumes“ der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen steht vor seiner glücklichen Vollendung. Wir danken allen, die durch ihre Arbeit und durch ihre finanzielle Unterstützung dabei geholfen haben.
 

 

 

 

Pressekonferenz zur Einweihung und Dank an die Sponsoren

23.04.2007

Zum So., d. 6. Mai 2007, um 11.00 Uhr lädt der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen zu einer Pressekonferenz nach
Springhirsch, Ortsteil Nützen an der B4, ein.
Der neue Container als Versammlungs--, Schulungs-- und Ausstellungsraum soll der Öffentlichkeit vorgestellt und eingeweiht werden. Außerdem soll den Sponsoren gedankt werden, ohne deren finanzielle Unterstützung das große Projekt nicht hätte verwirklicht werden können. Dazu wird eine Sponsorenwand enthüllt, die die Namen der Großspender aufführt.

Hier seien schon einige der Großspender genannt:
a. Bürgerstiftung schleswig-holsteinische Gedenkstätten (Kiel)
b. Stiftung der Sparkasse Südholstein (Pinneberg)
c. Stadt Quickborn
d. Stadt Kaltenkirchen
c. Stadt Bad Bramstedt
d. Flughafen Hamburg GmbH
e. Rotary Bad Bramstedt
f. Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur

Der zu einem günstigen Preis erworbene gebrauchte Container,
bestehend aus fünf Elementen, wurde unter der Regie von Jürgen Fock in Eigenleistung hergerichtet und innen ausgebaut. Bitte überzeugen Sie sich selbst!
Im Anhang finden Sie zwei Fotos. Das eine zeigt den Container vorher, das andere nachher. Zudem finden Sie eine Skizze, die die Lage der Gedenkstätte an der B4 zeigt.

 

 

 

Oettinger wurde wieder abgehängt

18.04.2007

Im Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen sahen Besucher ein Foto von Dr. Gerhard Hoch und Günter Oettinger, das anlässlich der Verleihung des Bürgerpreises in Dezember 2006 in Berlin entstanden war. Nachdem erste Meldungen über Oettingers Trauerrede für Hans Filbinger erschienen waren, haben wir spontan und erschrocken das Foto entfernt. Dass es sich dort nicht mehr befindet, hat Dr. Gerhard Hoch dem Ministerpräsidenten Oettinger in einem Brief mitgeteilt.

Der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg ist ein viel beschäftigter Mann. Er spielt auf vielen Hochzeiten, ist ein fleißiger Pragmatiker und bemüht sich nach allen Seiten. Im Dezember 2006 ehrte er Dr. Gerhard Hoch als „unermüdlichen Streiter für die Aufdeckung der Verbrechen des NS-Systems.“ Im April 2007 sagte er auf der Trauerfeier für seinen verstorbenen Vorgänger Filbinger: „…Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen andere…“ Wir staunen ob solcher Flexibilität. Hans Filbinger konnte sich tatsächlich wie Millionen andere nicht der „Faszination“, dem „Charme“ und der „Verführung“ des NS-Regimes entziehen. Erst war er SA-Mitglied und gehörte seit 1937 der NSDAP an. Als der Krieg in seinen letzten Zügen lag, beteiligte er sich als Marinerichter an Todesurteilen gegen junge Fahnenflüchtige. Ohne solche Mitwirkung von Millionen z. T. begeisterten Mitläufern und Mittätern wäre das NS-Regime nicht zu jener Höchstform an Unmenschlichkeit aufgelaufen. Gerade die Verführbarkeit von „normalen“, „netten“ und „ordentlichen“ Menschen innerhalb des verbrecherischen Systems ist das Erschreckende. Darüber müssten junge Leute aufgeklärt werden. Mit einem Eingestehen seiner Schuld und der Scham, als Richter die grundlegende Forderung nach der Würde des Menschen außer Acht gelassen zu haben, hätte Hans Filbinger einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung späterer Generationen leisten können. Aber er leugnete und rechtfertigte sich sogar mit dem schrecklichen Satz: „Was damals recht war, kann heute nicht unrecht sein.“

Günter Oettinger bediente seine konservativen CDU-Freunde im Südwesten der Republik und merkte nicht einmal, dass er damit sich selber in die Reihe der Leugner, Verharmloser und Verdränger stellte. Ihm fehlte das Gespür dafür, auf welch gefährlichem Pfad er sich bewegte. Nach dem für ihn überraschenden Aufschrei in der Republik ruderte er erst erschrocken in alle Richtungen (Schlagzeile der FR vom 16.April), um sich dann nach einem Machtwort von Frau Merkel von sich selbst zu distanzieren.

Es ist eine gefährliche Lesart zu behaupten, Filbinger und Millionen andere seien innerlich Gegner des NS-Regimes gewesen und hätten sich nur äußerlich nicht entziehen können. Diese Art der Geschichtsfälschung ist ja nun hinlänglich von der Forschung als solche erkannt worden. Dass nun Oettingers Versuch so kläglich gescheitert ist, stimmt froh. Zwar wurden die konservativen Verdränger und Schönfärber zurückgepfiffen. Aber der Vorgang zeigt doch, dass sie immer noch da sind. Wachsamkeit ist geboten.

 

 

 

Denkwürdige Veranstaltung im Rathaus Kaltenkirchen

29.01.2007

Der 27. Januar wird seit einigen Jahren als nationaler Holocaustgedenktag in Deutschland begangen. Viele Parlamente, so auch der Deutsche Bundestag am 29.01.07, gedenken in Veranstaltungen der Deportation und Vernichtung der Juden und der Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands. Anlass ist der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27.01.45. Auch Kaltenkirchen, und das zum ersten Mal an hervorragender Stelle, nämlich im Ratssaal des Rathauses, gedachte in einer gut besuchten Veranstaltung der Opfer nicht nur der in Auschwitz, sondern auch der unzähligen Opfer vieler Außenlager, Arbeitslager, Zwangsarbeiterlager usw., die Deutschland damals flächendeckend überzogen, so auch der im Kaltenkirchener Außenlager gequälten und zu Tode gebrachten KZ-Häftlinge.

Prof. Dr. Matthias PfüllerProf. Dr. Matthias Pfüller von der Hochschule Mittweida, Leiter des Projektes „Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern“, war vom Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen eingeladen worden, über die „Bedeutung kleiner Gedenkstätten als Lernort“ zu referieren. Trotz des schwierigen Themas waren 42 Zuhörer gekommen, was zeigt, dass das Erinnern an vergangenes Unrecht als eine für die Gestaltung der Zukunft sehr wichtige Aufgabe von immer mehr Menschen wahrgenommen wird.

 Gäste der Veranstaltung, darunter der Kreispräsidenten des Kreises Pinneberg Tiemann, der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen Stefan Sünwoldt und der Kaltenkirchener Bürgervorsteher Ulrich Siefert.

Uta Körby, Vorsitzende des Trägervereins, begrüßte die Gäste, darunter den Kreispräsidenten des Kreises Pinneberg Tiemann, den Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen Stefan Sünwoldt und den Kaltenkirchener Bürgervorsteher Ulrich Siefert. Sie wies darauf hin, dass der nationale Holocaustgedenktag inzwischen zu einer kommunalen und öffentlichen Angelegenheit geworden ist, weshalb der Ratssaal im Rathaus der geeignete Ort für eine solche Veranstaltung ist. Das Argument, zuweilen noch zu hören, der privatrechtliche Trägerverein sei wie irgendein anderer Kultur- oder gar Sportvereine anzusehen, denen das Rathaus für Veranstaltungen nicht zur Verfügung stehen dürfe, sei damit nun schnell widerlegt. Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte erfülle eine wichtige im öffentlichen Interesse stehende Aufgabe. Das unterstrich auch Dr. Gerhard Hoch, indem er auf ein jüngst von ihm gehörtes Zitat „Man konnte doch nichts wissen“ hinwies. Er zeigte auf, wie man in Kaltenkirchen doch wissen konnte, denn 550 KZ-Häftlinge waren im August 1944 am Kaltenkirchener Bahnhof angekommen, Tote wurden auf dem Bahnsteig abgelegt und dann zog sich ein kilometerlanger Zug von Elendsgestalten in der typisch blau-grau gestreiften Häftlingskleidung vom Marschweg, über den Krausen Baum hinaus bis zur Betonstraße, vielhundertfaches Klappern der Holzschuhe, begleitet vom Gebrüll der Wachsoldaten, ein Vorgang, der über zwei Stunden gedauert haben musste, und der sich in den folgenden Monaten öfters wiederholte, weil Nachschub aus Neuengamme immer wieder die verstorbenen oder arbeitsunfähig geschundenen Häftlinge ersetzte. Dr. Hoch stellte die Frage, warum man nach dem Krieg nichts mehr davon wissen und nicht mehr daran erinnert werden wollte. Die Grundmuster des mehr oder weniger bewussten Prozesses der Verdrängung nach dem Kriege zu erforschen, sei eine lohnende Aufgabe.

Bürgermeister Stefan Sünwoldt sprach ein beeindruckendes Grußwort. Er erinnerte sich an einen Vorfall in Magdeburg, als seine Frau, die aus Afghanistan stammt, von rechten Stiefelträgern angemacht und angerempelt worden war. Er betonte, wie wichtig heute die Erinnerungsarbeit überall in Deutschland sei, um rechtsradikalen Gesinnungsgenossen das Wasser abzugraben. Der Kampf gegen Fremdenhass und das Einstehen für ein menschliches Miteinander müsse jederzeit Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte sein. Auch Kreispräsident Tiemann unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung der Gedenkstättenarbeit für mehr Toleranz und Mitmenschlichkeit in der Gesellschaft. Er kam von einer vormittäglichen Veranstaltung im Pinneberger Kreistag, die er initiiert und zu der er auch Dr. Gerhard Hoch eingeladen hatte.

Der Vortrag von Prof. Dr. Matthias Pfüller über die Bedeutung kleiner Gedenkstätten war geeignet, den ehrenamtlichen Kräften des Trägervereins Kaltenkirchen Mut zu machen und ihnen Anregungen zu geben für die weitere pädagogisch aufklärende Arbeit an der Gedenkstätte. Besonders seine Betonung der Tatsache, dass kleine Gedenkstätten am Ort des ehemaligen Geschehens wirksamere Arbeit leisten könnten als die wenigen großen, fernen Gedenkstätten, war von den Vorstandsmitgliedern mit Genugtuung gehört worden.

Prof. Pfüller war zuvor von Jürgen Gill über die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch geführt worden, und stand noch unter dem Eindruck der dort gesehenen bescheidenen, aber sehr eindringlichen Erinnerungsstücke und Dokumente. Die Nähe, die Überschaubarkeit, die Dichte der Eindrücke seien in den großen Gedenkstätten wie Neuengamme, Buchenwald oder Dachau usw. wegen deren erschlagenden Informationsfülle nicht erreichbar. Natürlich haben die großen Gedenkstätten ihre wichtige Aufgabe zu erfüllen, die wollte Prof. Pfüller nicht klein reden. Aber gerade die kleineren Gedenkeinrichtungen, wären sie doch nur zahlreicher, an den Orten des Geschehens in unmittelbarer Nachbarschaft leisteten eine nicht zu unterschätzende Eindringlichkeit der Begegnung mit der Vergangenheit vor der eigenen Haustür. Im Deutschen Reich gab es flächendeckend KZ-Außenkommandos, Arbeitslager, Zwangsarbeiterunterkünfte, Kriegsgefangenenlager, Verladebahnhöfe für KZ-Häftlinge und zu deportierende Juden, Erziehungslager, Hinrichtungsstellen usw., so dass es in Deutschland kaum eine Stelle gab, besonders an wichtigen Verkehrswegen, wo keine menschenverachtenden Vorgänge abgelaufen sind und wo es keine Einrichtungen dafür gegeben hat. Viel zu wenige Gedenksteine, Hinweistafeln oder kleine Gedenkorte gäbe es in Deutschland, so Pfüller, die an die Opfer erinnerten und die den Überlebenden und deren Angehörigen den Ort ihres Leidens zeigten. Dass sich nun der Bahnchef Herr Mehdorn weigerte, in diesem Jahr Gedenktafeln mit Bildern, Dokumenten und Fotos an Bahnhöfen aufzustellen, die an die mit Güterwagen der Reichsbahn in die Vernichtungslager transportierten 3 Millionen Juden, Männer, Frauen und Kinder, erinnern und mahnen sollten, sei ein Skandal. Das hätte schon viel früher geschehen sollen. Was es heute an Gedenkeinrichtungen gäbe, spiegelte in keiner Weise die flächendeckende Dichte der damaligen Orte des Verbrechens wider. Umso wertvoller und unterstützenswerter seien die kleinen Gedenkstätten, die an den Orten des Geschehens tatsächlich den Schülern und Jugendlichen, aber nicht nur denen, als Lernort zur Verfügung stehen. Direkt, konkret erfahrbar und vielleicht sogar zu eigener Recherche und Forschung anregend, seien diese kleinen Gedenkstätten viel besser geeignet als die großen.

Prof. Pfüller formulierte zehn Punkte, die kleine Gedenkstätten als wichtige Lernorte zukunftsfähig und unverzichtbar machen. Im Einzelnen kann aus Platzgründen nicht auf alle Punkte eingegangen werden. Genannt seien hier der Punkt, der die professionelle Gestaltung von Ausstellungswänden fordert, der Punkt, der die Verknüpfung der Gedenkstätten im Lande untereinander, also eine Form der Vernetzung empfiehlt und der Punkt, der die pädagogische Öffnung vorschlägt, also Jugendliche nicht mit zuviel fertigem Wissen zustopft, sondern ihnen Raum offen lässt für eigenes Untersuchen und Forschen und der ihr Interesse weckt. Prof. Pfüllers Vorschläge wurden von den anwesenden Vorstandsmitgliedern sehr aufmerksam gehört. Sie werden im bestehenden Arbeitskreis des Trägervereins demnächst diskutiert und gewürdigt.

In der anschließenden Aussprache meldete sich ein Zuhörer zu Wort, der beklagte, dass der Trägerverein zu sehr sich auf Vergangenes konzentriere und die Gegenwart außer Acht ließe und dass er zu sehr den Kontakt zu allen politischen Kräften suche, auch zur CDU, was der Besuch des Ministerpräsident Harri Carstensen an der Gedenkstätte und die die Auszeichnung von Gerhard Hoch in Berlin durch Ministerpräsident Oettinger zeige. Uta Körby betonte, dass der Kontakt des Trägervereins zu allen demokratischen Kräften und Parteien eine unverzichtbare Voraussetzung einer erfolgreichen Arbeit sei und dazu gehöre seine sichere und gedeihliche Verankerung in der Region. Was den Gegenwartsbezug der Arbeit anginge, verlöre man den nie aus den Augen, ja es sei ein Hauptziel der Arbeit, dass sich Gewalt und Unrecht nicht wieder ausbreiten könnten. Die Menschenrechtsverletzungen in Guantanamo seien natürlich ein wichtiges Thema auch im Trägerverein, was, das gestand sie zu, wegen des Vergangenheitsbezuges seiner Hauptarbeit öffentlich wohl nicht so auffiele.

 

 

 

 

Rückschau auf das Jahr 2006

21.01.2007

Die von Uta Körby verfasste Rückschau auf das Jahr 2006 kann kann hier (Microsoft Word) oder hier (PDF) aufgerufen werden. Darin werden die Schwerpunkte unserer Gedenkstättenarbeit im vergangen Jahr sowie ein Ausblick auf das Jahr 2007 dargestellt.

 

 

 

Vortrag von Prof. Dr. Matthias Pfüller am 27. Januar (Ankündigung)

16.01.2007

Am Samstag, 27. Januar 2007 um 16.00 Uhr im Rathaus der Stadt Kaltenkirchen – Ratssaal – referiert Prof. Dr. Matthias Pfüller zu dem Thema: “Bedeutung kleiner Gedenkstätten als Lernort.“ Vor 62 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Die kleinen und die großen Gedenkstätten in Deutschland nehmen dieses Ereignis zum Anlass, in öffentlichen Veranstaltungen daran zu gedenken und gleichzeitig aktuelle Fragen der Erinnerungskultur zu diskutieren. Dem schließt sich auch die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen an.

Der Trägerverein freut sich, Prof. Dr. Matthias Pfüller als Referenten für die Gedenkveranstaltung gewonnen und den Ratssaal des Kaltenkirchener Rathauses als Veranstaltungsort bekommen zu haben.

Der Vortrag von Prof. Pfüller beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen der pädagogischen Bedeutung und Arbeit von Gedenkstätten. Da die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen nach der Errichtung eines zweiten Containers und mit dem Aufbau einer neuen Ausstellung in eine neue Phase eintritt, stehen Anregungen für Orientierung, Zielsetzung und Schwerpunktbildung der zukünftigen Arbeit in Kaltenkirchen auf der Tagesordnung. Prof. Pfüller von der Hochschule Mittweida ist Leiter eines Projektes „Politische Memoriale - Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern“ und kann über die heutige Erinnerungskultur in dem neuen Bundesland berichten, das zwar nach über vierzigjähriger DDR-Erfahrung über andere Vorbedingungen verfügt, uns aber interessante Aspekte bieten kann.

Welche Chancen haben regionale Gedenkstätten, Jugendlichen, Schülern und Bürgern die Auseinandersetzung mit der NS-Herrschaft zu ermöglichen? Was können kleine Gedenkstätten an Bildungsarbeit als Lernort der Geschichte leisten? Was können sie gegen eine Ausbreitung von rechtsradikalem Gedankengut unter Jugendlichen tun? Wie wichtig sind sie auch in Zukunft noch als Erinnerungs-, Gedenk- und Begegnungsorte?

Der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen Stefan Sünwoldt als Hausherr des Ratssaales und der Kreispräsident Tiemann des Kreises Pinneberg werden Grußworte sprechen.

Im Anschluss an den Vortrag erhoffen wir uns eine lebhafte Diskussion über die Zukunft und Chancen von Gedenkstätten. Alle interessierten Bürger sind herzlich eingeladen. Wir hoffen, dass viele Bürger kommen werden und die Gelegenheit von Kontakten und Gesprächen nutzen. Der Eintritt ist frei!
 

 

 

 

Nationaler Bürgerpreis für Dr. Gerhard Hoch

05.01.07

1.	Ministerpräsident Oettinger überreicht Dr. Gerhard Hoch die Urkunde des Bürgerpreises 2006Am 11. Dezember wurde Gerhard Hoch mit dem Bürgerpreis 2006 ausgezeichnet. Er wurde damit für sein Lebenswerk geehrt. Er hatte diesen Preis bereits im November auf Landesebene in Kiel erhalten, jetzt erfolgte die Auszeichnung auf Bundesebene. Die Preisverleihung fand im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin statt. Moderator der Veranstaltung war Thomas Roth, Leiter des Hauptstadtstudios. Die Laudatio auf Gerhard Hoch hielt Herr Oettinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Er würdigte darin Gerhard Hochs Lebensleistung, die beispielhaft sei für die glaubwürdige Wandlung von einem überzeugten Anhänger des Nationalsozialismus – als junger Mensch - hin zu einem unermüdlichen Streiter für die Aufdeckung der Verbrechen des NS-Systems.

Der Bürgerpreis wird seit einigen Jahren verliehen, um das ehrenamtliche Engagement von Menschen in unserer Gesellschaft hervorzuheben. In diesem Jahr ging es um den Bereich ‚Kultur verbindet’. Das allgemeine Motto lautet: für mich, für uns, für alle. Der Preis wurde vom Deutschen Städtetag, vom Deutschen Städte- und Gemeindebund, dem Deutschen Landkreistag sowie von engagierten Bundestagsabgeordneten ins Leben gerufen. Die Preisgelder werden von der Stiftung der Sparkassen zur Verfügung gestellt. Die Auszeichnungen erfolgen in den Kategorien Junioren, Alltagshelden, Arbeit & Engagement sowie Lebenswerk. Zunächst werden die Preise auf Landesebene vergeben, 2.	Versunken in die Betrachtung eines Filmbeitrags über die Arbeit auf der KZ-Gedenkstätte – v. l. n. r.: Thomas Roth, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, Gerhard Hoch und Ministerpräsident Oettingerdann wird aus den Gewinnern der nationale Preisträger ermittelt. Für die Kategorie Lebenswerk kann man sich nicht selber bewerben, sondern muss dafür vorgeschlagen werden.

Um so größer war die Freude, dass die Jury dem Vorschlag von Uta Körby gefolgt ist, Gerhard Hoch für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement für die Erforschung des NS-Geschichte und die Arbeit auf der von ihm begründeten KZ-Gedenkstätte zu ehren. Einige Vorstandsmitglieder begleiteten Gerhard Hoch bei der Preisverleihung und erlebten einen eindrucksvollen Festakt. Das ansehnliche Preisgeld von 5.000 EURO hat Gerhard Hoch bereits dem Trägerverein für die Gestaltung einer neuen Ausstellung gestiftet. Wir gratulieren ihm zu den Auszeichnungen und danken ihm für die großzügige Spende!

 

 

 

Holzkreuz und Windlichter am Volkstrauertag

19.11.06

Am Volkstrauertag hatte der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen wie jedes Jahr zu einer Gedenkwanderung von der Gedenkstätte in Springhirsch zur Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer in Moorkaten aufgerufen. 14 Personen waren an dem regenreichen Tag gekommen, unter ihnen der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen Stefan Sünwoldt und der Kaltenkirchener Pastor Martin Goetz-Schuirmann. Zum Gedenken an die vielen anonymen Toten, zum einen an die sowjetische Kriegsgefangenen und zum anderen an die KZ-Opfer des Außenkommandos Kaltenkirchen, stellten die Teilnehmer Windlichter auf die Gräber in Moorkaten. Auf dem fast drei Kilometer weiten Weg durch das Übungsgelände der Bundeswehr wurde diesmal ein Holzkreuz getragen, das an der Hinrichtungsstätte Fred Göttner, ca. 300 m östlich der Gräberstätte, eingegraben werden sollte.

Die Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer in Moorkaten zeigte sich wegen des windstillen Dauerregens und der herbstlichen Laubfärbung diesmal in einer merkwürdig zwielichtigen Stimmung von Trauer und Hoffnung, wozu die angezündeten Windlichter das Ihrige beitrugen.

Fred GöttnerAnschließend bewegten sich die Teilnehmer hinüber zur Hinrichtungsstätte Fred Göttner. In einer Kiesgrube am Rande des Moorkatener Waldes nördlich der Betonstraße, wo einst das Wasserwerk stand, wurde der 22-jährige Sanitätsunteroffizier Helmut Alfred Göttner wegen "Plünderei" nach einem Todesurteil des Kriegsgerichtes des Luftgaues XI hingerichtet. Er wurde an einen Pfahl gefesselt, ihm wurden die Augen verbunden und 12 Kameraden hatten den Auftrag, das Urteil zu vollstrecken. Das geschah am 5. September 1941.

Dr. Gerhard Hoch schilderte den Vorgang und die Zusammenhänge, von denen er durch Zeugenaussagen erfahren hatte. Aus nichtigem Anlass, wegen einer Schreibmaschine, die er nach einer Bombennacht an sich genommen hatte, und weil die Wehrmacht ein abschreckendes Zeichen setzen wollte, wurde Fred Göttner erschossen und ein junges Leben ausgelöscht.

Dr. Hoch fragte die Teilnehmer: "Wissen Sie, warum man den Todeskandidaten die Augen verband? Nicht, weil man dem, der erschossen werden sollte, ein wenig von der Angst nehmen wollte, nein, sondern weil man den Schützen ersparen wollte, ihrem zu erschießenden Kameraden in die Augen zu schauen."

Der Bürgermeister Stefan Sünwoldt und der Pastor Martin Goetz-Schuirmann ließen es sich nicht nehmen, das Holzkreuz und die erläuternde Tafel eigenhändig einzugraben. Sie setzten damit ein Zeichen. Unmenschliche Gesinnung, unmenschliche Strenge, Hass und Krieg dürfen nirgendwo auf der Welt gedeihen. Und wo es Anzeichen solcher Inhumanität gibt, müssen wir ihnen entschieden entgegentreten. Dr. Hoch: "Die Schützen damals gehorchten. Wer sich weigerte oder drückte, riskierte allenfalls Ansehensverlust, riskierte, zukünftig als "Weichei" zu gelten. Mehr nicht!"

Auch heute gilt es, wachsam zu sein. Unser eigentlich gesundes Streben nach Anerkennung, nach Beachtung und Wertschätzung darf uns nicht blind machen für inhumane, für menschenverachtende Hintergründe, denen anzupassen wir uns hüten sollten.
 

 

 

 

Einladung zum Volkstrauertag

Pressemittelung vom 07.11.2006

Am Sonntag, den 19. November gedenkt der Trägerverein KZ-Gedenkstätte der Toten und der Ermordeten, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ums Leben gekommen sind. Die Bürger sind eingeladen, sich am Nachmittag um 14.00 Uhr an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch zu treffen. Gemeinsam soll quer über das heutige Bundeswehrgelände zur Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer in Moorkaten gewandert werden. Dabei wird ein Holzkreuz getragen. An der Gräberstätte werden Windlichter abgestellt.(Bitte mitbringen!) Danach geht es zur in der Nähe befindlichen Hinrichtungsstätte "Fred Göttner", wo das mitgetragene Holzkreuz aufgestellt wird.

Dr. Gerhard Hoch, Frau Uta Körby und weitere Vorstandsmitglieder werden die Teilnehmer begrüßen und sachkundig führen. An der Hinrichtungsstätte wird Dr. Hoch die besondere Bedeutung des historischen Ortes näher erläutern.

Die knapp drei Kilometer weite Wegstrecke von Springhirsch nach Moorkaten beansprucht etwa 40 Minuten Weges zu Fuß. Auf Wunsch werden Teilnehmer anschließend mit dem Auto zur KZ-Gedenkstätte in Springhirsch zurückgefahren.

Die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch finden die Besucher an der B4 ca. 3km südlich von Lentföhrden.
 

 

 

Bürgerpreis 2006 für Dr. Gerhard Hoch

07.11.2006

Dr. Gerhard Hoch hat den Bürgerpreis 2006 in der Kategorie "Lebenswerk" für seine Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein erhalten. Die Urkunde des Bürgerpreises, der mit einem namhaften Geldbetrag verbunden ist, wurde Dr. Hoch Anfang November in festlichem Rahmen in Kiel überreicht. Damit wurde das Lebenswerk eines Mannes ausgezeichnet, der schon ab 1975 gegen große Widerstände die Geschichte des Nationalsozialismus im südlichen Schleswig-Holstein erforscht und dem Vergessen entrissen hat.

Dr. Gerhard HochZum dritten Mal wurde im Zusammenwirken des Sozialausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtages mit dem Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein ein Bürgerpreis für ehrenamtliches Engagement verliehen. Hintergrund ist die bundesweite Initiative für Bürger-Engagement "für mich, für uns, für alle", die von Bundestagsabgeordneten mit den Städten, Gemeinden, Landkreisen Deutschlands und den Sparkassen gegründet wurde. Diesmal stand der Bürgerpreis unter der Thematik "Kultur verbindet". In der Urkunde heißt es u.a.: "Im Jahr 2006 standen Menschen und Projekte im Mittelpunkt, die im Bereich Kultur einen wichtigen Beitrag zum Zusammenleben in unserem Land leisten."

Es wurden in diesem Jahr Initiativen, Projekte und Einzelpersonen ausgezeichnet, die mittels Kunst, Musik, Theater oder Literatur erreichten, dass Menschen zueinander fanden, dass Gemeinsamkeiten geschaffen und Grenzen zu anderen Kulturen und Ländern überwunden wurden. Es teilten sich diesmal fünf Preisträger, zugeordnet in verschiedenen Kategorien, den Preis von insgesamt 10 000 Euro, der von den Sparkassen zur Verfügung gestellt worden war. Das waren Theater- und Musikgruppen und Bürgerinitiativen, die mit Behinderten, mit Benachteiligten und mit Menschen teilweise länderübergreifend arbeiteten. Darunter eben auch Dr. Gerhard Hoch als Einzelperson, der mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen einen großen Beitrag für das Miteinander in unserem Lande und für die Völkerverständigung europaweit geleistet hat.

Schirmherr des Bürgerpreises ist der Landtagspräsident Martin Kayenburg. Jörg-Dietrich Kamischke, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein und Siegrid Tenor-Alschausky, Vorsitzende des Sozialausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtages, würdigten die Preisträger und überreichten die Urkunden.
 

 

 

Polnische Austauschschüler legen Steine nieder

21.09.2006

Jüngst besuchte eine Gruppe polnischer Austauschschüler die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch und legte 18 mit Namen von verstorbenen KZ-Häftlingen beschriftete Feldsteine nieder.
Jüngst besuchte eine Gruppe polnischer Austauschschüler die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch


Die polnische Schule XLI Liceum Ogolnoksztalcace aus Lodz ist Partnerschule der IGS Thesdorf und schickte für eine Woche 13 Schülerinnen und Schüler nach Pinneberg. Die polnische Schülergruppe hatte zusammen mit deutschen Schülern der IGS ein interessantes Programm zu bewältigen, das sie u.a. auch nach Springhirsch führte. Denn diesmal stand die Arbeit an dem Projekt "Steine" während der Austauschwoche im Mittelpunkt. Die polnischen Schülerinnen und Schüler beschrifteten 18 Feldsteine mit den Namen von im Kaltenkirchener KZ-Außenlager verstorbenen KZ-Häftlingen. Damit wurde die Sammlung der 214 Steinen komplettiert, die den in Kaltenkirchen verstorbenen KZ-Häftlingen die Würde und Achtung wiedergeben, die ihnen damals genommen worden waren. Die Steingruppe liegt am Rundweg im Gedenkstättengelände und bildet für Besucher einen eindrucksvollen Ort der Trauer und der Besinnung.

Die 30-köpfige Besuchergruppe aus Polen und der IGS Thesdorf ließ sich über drei Stunden lang von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Trägervereins Jürgen Gill über das KZ-Außenlager Kaltenkirchen und über das Schicksal der KZ-Häftlinge unterrichten. Die polnische Gruppe wurde von den beiden polnischen Deutschlehrerinnen Teresa Szulc und Kasia Orcyk geleitet, die während der Führung die Übersetzungsarbeit leisteten. Auf deutscher Seite betreuten Petra Grove und Uwe Amthor die Gruppe.

Polnische Austauschschüler legen Steine nieder

Als die polnischen Schülerinnen und Schüler ihre 18 beschrifteten Steine an der dafür vorgesehenen Stelle zu den anderen Steinen legten, entdeckte eine der polnischen Lehrerinnen den Namen ihrer Familie, ein Name, der in Polen sehr selten ist. Ihr Großvater dieses Namens war von den Deutschen verschleppt worden und seitdem verschollen. Der Vorname allerdings fehlte auf dem Stein, weil er unbekannt ist, so dass eine eindeutige Identifizierung nicht mögliche war. Es entstand aber ein Augenblick intensiver Trauer, der nicht nur die Betroffene erfasste.
 

 

 

Tag des offenen Denkmals

03.09.2006

Am zweiten Septembersonntag findet auch in diesem Jahr wieder der "Tag des offenen Denkmals" statt. Die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch bietet deshalb am Sonntag, d. 10.09.06, ab 14.00 Uhr den Besuchern eine besondere Führung auf dem Gelände der Gedenkstätte an und zeigt im Dokumentenhaus den Film "Vergessene Lager". Dr. Gerhard Hoch, Ehrenvorsitzender, Uta Körby, Vorsitzende, und Jürgen Gill, stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins freuen sich, ab 14.00 Uhr zahlreiche Besucher willkommen heißen zu dürfen. Wer schon früher kommen möchte, findet die Gedenkstätte ab 11.00 Uhr wie jeden Sonntag geöffnet vor.

 

 

 

Prof. Danker: Professionalisierung und Musealisierung bestimmen die Zukunft der Gedenkstättenarbeit

11.06.2006

Uta Körby, Vorsitzende des Trägervereins und Prof. DankerProf. Dr. Uwe Danker stellte jüngst in Kaltenkirchen vor fachkundigem Publikum seine „Thesen zur Gedenkstättenarbeit in Schleswig-Holstein“ vor. Er war von der Vorsitzenden des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen, Uta Körby, eingeladen worden. Prof. Danker ist u. a. Vorsitzender der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätte. Damit sitzt er an der entscheidenden Stelle der Vergabe von Mitteln für die Gedenkstättenarbeit im Lande. Die Förderrichtlinien der Bürgerstiftung stellen Anforderungen an die bestehenden Gedenkeinrichtungen, die er maßgeblich beeinflusst. Er formulierte in Kaltenkirchen seine Vorstellungen darüber, welchen Ziele und welche Aufgaben die Gedenkstättenarbeit in der Zukunft sinnvoll und förderwürdig machen. Es sei jetzt an der Zeit, die unbequeme Sinnfrage zustellen.

Prof. Danker untersuchte in seiner Darstellung die Zukunftsfähigkeit von sechs Zielsetzungen der Gedenkstättenarbeit:


1. Die Gedenkstätte als Ort des Gedenkens an die Opfer, deren Würde wieder hergestellt werden muss, und zwar genau an dem Platz, wo sie ihnen genommen wurde. Hierbei handele es sich um eine zeitlose Aufgabe, d. h. die Gedenkstättenarbeit wird dies auch zukünftig leisten müssen.


2. Die Gedenkstätte als Ort der Erinnerung und der Trauer für die Opfer und ihre Nachkommen. Um ihre Identität wieder zu gewinnen und für ihre eigene Glaubwürdigkeit, brauchen die überlebenden Opfer den sichtbaren Beweis für das ihnen damals zugefügte Leiden. Wer vergeblich nach dem realen Ort seines Leidens suchen muss, dem nimmt man auch heute noch seine Identität und Würde. Und genau dieses z. B. wird bis heute den Opfern des Arbeits- und Erziehungslagers Nordmark in Kiel zugefügt, weil an dieser Stelle in Kiel eine detaillierte Information über die damalige Leiden fehlt. Die überlebenden Opfer beginnen an sich selbst und an ihrer Erinnerung zu zweifeln, eine Ursache möglicher psychischer Erkrankungen. Aber diese Aufgabe der Gedenkstätten wird sich mit dem Wegsterben der Opfer in absehbarer Zukunft erledigen.


3. Die Gedenkstätte als Ort der Begegnung von Opfern und deren Nachkommen mit den Mitgliedern der ehemaligen Tätergesellschaft. Damit leistet sie überregionale Friedensarbeit und ein interkulturelles Zusammenrücken. Aber dieser Täter-Opfer-Ausgleich ist ebenfalls wie bei Punkt 2 biologisch begrenzt und wird zukünftig in seiner Wichtigkeit abnehmen. Der Ausgleich zwischen Täterenkeln und Täteropfern ist eine fragliche Angelegenheit.


4. Die Gedenkstätte als außerschulischer Lernort zur Vermittlung affektiver Erfahrung von NS-Gewalt. Sie löst Betroffenheit aus. Die Spuren im regionalen Umfeld, also in geografischer Nähe, können Emotionen erzeugen. Hierbei handelt es sich allerdings um ein sehr schwieriges Terrain, das viel pädagogisches Fingerspitzengefühl verlangt. Dies wird auch noch in Zukunft geleistet werden können.


5. Die Gedenkstätte als Ort kognitiver Wissensaneignung. Was hat sich damals zugetragen, warum hat es sich zugetragen? Fragen nach der Herrschaftsstruktur des nationalsozialistischen Staates, nach Verfolgung, Mitläufertum, Widerstand usw., geschichtliches Wissen also! Dabei kann die Gedenkstätte Anstöße und Anregungen geben für ein weiteres Lernen außerhalb. Das eigentlich vertiefende Lernen fängt demnach erst außerhalb der Gedenkstätte an.


6. Die Gedenkstätte als Ort des Mahnens: „Nie wieder!“ Die gegenwärtigen Gefahren durch den Rechtsextremismus lösen in der Öffentlichkeit, bei Politikern und in den Medien oft den Reflex aus, rechtsextreme Jungendliche zu einer Gedenkstätte zu schicken in der Hoffnung, sie dort durch Betroffenheit und Wissensaneignung von ihrem gefährlichen Weg abbringen zu können. Das funktioniert aber nicht. Bei denen, die durch irgendwelche Gründe zum Rechtsextremismus neigen, bewirkt der Besuch einer Gedenkstätte in der Regel nichts. Das Wissen und die Aufklärung über die geschichtlichen Ereignisse schützen vor Gewalt überhaupt nicht. Die Defizite jugendlicher Gewalttäter der rechten Szene haben ganz andere Ursachen und lassen sich nicht durch Geschichtswissen beseitigen.

Nur drei Punkte, so führte Prof. Danker zusammenfassend aus, hätten noch zukünftig Bedeutung: Erstens die Wiederherstellung der Würde der Opfer, zweitens die –allerdings durchaus problematische- Vermittlung affektiver Erfahrung und drittens die kognitive Wissensvermittlung. Er stellte der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen ein sehr gutes Zeugnis aus, indem er hier alle heute relevanten Kriterien in besonderem Maße erfüllt sieht. Das hielt ihn aber nicht davon ab, für ganz Schleswig-Holstein kritisch festzuhalten, dass ein Missverhältnis bestünde zwischen ehrenamtlicher und hauptamtlicher Arbeit im Gedenkstättenbereich. In Schleswig-Holstein gäbe es nur eine hauptamtlich in einer Gedenkstätte beschäftigte Person, so in Ladelund. Sonst würde die Arbeit allein von ehrenamtlichen Kräften getragen. Das Verhältnis müsse sich in Zukunft zugunsten der hauptamtlichen Tätigkeit ändern, forderte Prof. Danker, der sich der damit verbundenen Kosten bewusst war.

In Zukunft werde sich die Modernisierung der Gedenkstättenarbeit in Richtung Professionalisierung und Musealisierung entwickeln müssen. Professionelle Museumsmacher, die sich auf die Bedürfnisse der Besucher nach Information und Unterhaltung einstellen, werden die Arbeit machen. Gegenwärtig sei die Musealisierung der Gedenkstättenarbeit noch nicht auf der Höhe der Zeit. Hier herrsche Revisionsbedarf.

In der anschließenden Diskussion gingen die Zuhörer besonders auf den Begriff „Musealisierung“ ein. Sie taten sich schwer damit. Prof. Danker entgegnete, dass die Gedenkstätten zukünftig an den modernen Methoden der Museen nicht vorbei kämen, nämlich sich auf die verschiedenen Erwartungen von Museumskonsumenten nach Lernen und Unterhaltung einzustellen. Das Holocaustdenkmal in Berlin führte er als gelungenes Beispiel an.

Altbischof Karl-Ludwig KohlwageAltbischof Karl-Ludwig Kohlwage, der unter den Zuhörern weilte, setzte sich mit der pessimistischen Einschätzung des Professors auseinander, dass rechtsradikale Jugendliche durch die Gedenkstättenarbeit kaum zu erreichen seien. Hier antwortete Prof. Danker, dass der öffentliche Reflex von Politikern und Medien, sich bei rechtsradikalen Ereignissen Heilung durch Gedenkstätten zu erhoffen, naiv sei. Aber die Vermittlung des „Nie wieder“ sei gegenüber normalen Jugendlichen durchaus angebracht. Diese zu stärken, damit sie sich besser von den Gewaltbereiten abgrenzen könnten, sei eine sinnvolle Aufgabe.
 

 

 

Vortrag von Prof. Dr. Uwe Danker in Kaltenkirchen (Ankündigung)

26.05.2006

Prof. Dr. Uwe Danker kommt am Donnerstag, den 8. Juni 2006, ins Bürgerhaus nach Kaltenkirchen. Im Kaminzimmer um 19.00 Uhr beginnt sein Vortrag zum Thema: "Thesen zur Gedenkstättenarbeit in Schleswig-Holstein". Veranstalter ist der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V.

Vor welchem Wandel stehen die KZ-Gedenkstätten 60 Jahre nach dem Kriegsende?
Was bedeutet der Verlust von Zeitzeugen für die pädagogische Arbeit?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich zurzeit auch ein Arbeitskreis des Trägervereins, der sich durch die Ausführungen von Prof. Danker wertvolle Anregungen für die eigene Gedenkstättenarbeit erhofft. Natürlich ist die Öffentlichkeit zu dem Vortrag, an dessen Ende eine lebhafte Diskussion erwartet wird, herzlich eingeladen.

Prof. Dr. Uwe Danker ist Direktor des Instituts für Zeit- und Regionalgeschichte sowie des Instituts für Geschichte und ihre Didaktik der Universität Flensburg. Er ist Vorsitzender der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten.

Zu dem Vortrag im Kaminzimmer des Kaltenkirchener Bürgerhauses am Do. 8. Juni 2006 um 19.00 Uhr lädt der Trägerverein alle Bürger herzlich ein. Der Eintritt ist frei!

 

 

 

Zehn Jahre KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

09.05.2006

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Mitgliederversammlung 2006

Die Jahreshauptversammlung des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen fand diesmal besondere Aufmerksamkeit bei den Mitgliedern und Gästen, denn die Gedenkstätte konnte auf zehn Jahre Bestehen und Entwicklung zurückblicken. Wegen des schönen Wetters und der Enge des Dokumentenhauses fand sie im Freien statt.

Die Vorsitzende des Trägervereins Uta Körby zog eine positive Bilanz der Entwicklung des letzten Jahres, seitdem der neue Vorstand im Amt ist. Dr. Gerhard Hoch, der die Gedenkstätte maßgeblich vorangetrieben hatte, von Anfang an Vorsitzender des Trägervereins gewesen und vor einem Jahr aus Altersgründen zurückgetreten war, bestätigte während seines anschließenden Rückblickes den Erfolg des Überganges in jüngere Hände. Uta Körby zeigte sich in ihrem Jahresbericht erfreut über die Entwicklung der Besucherzahlen. Sie hob besonders hervor, dass Schulklassen aller Schularten und aus vielen Gemeinden der Umgebung die Gelegenheit wahrgenommen haben, Geschichtsunterricht am authentischen Ort zu erleben. Wegen der Weiterentwicklung der Gedenkstätte und aus schulinternen Gründen hätten sich allerdings die pflegerischen Helferdienste durch Schüler, wie sie früher angedacht gewesen waren, als nicht praktikabel erwiesen. Die großen Ferien oder schulische Belange standen oft dann entgegen, wenn Pflegearbeiten am nötigsten gewesen wären. Aber die Nutzung der Gedenkstätte durch Schulklassen als Lernort der Geschichte besonders im Herbst, Winter und im zeitigen Frühjahr habe sich erfreulich intensiviert.

Mit ihren Hinweisen auf mehrere öffentliche Veranstaltungen des letzten Jahres und auf laufende und bevorstehende Vorhaben und Projekte unterstrich sie die erfolgreiche Arbeit des Vorstandes seit der Übernahme der Geschäfte vor einem Jahr. Dafür dankte sie den einzelnen Mitgliedern des Vorstandes unter starkem Applaus der Zuhörer. „Die gute Zusammenarbeit und das reibungslose Miteinander aller Vorstandsmitglieder und ihr ehrenamtliches Engagement je nach Zeit und Kraft schafften es, dass der pädagogische Auftrag der Gedenkstätte so erfolgreich erfüllt werden konnte“, schloss die Vorsitzende.

Anschließend referierte der Ehrenvorsitzende Dr. Gerhard Hoch, der seine Rückschau unter das Thema stellte: „Die Wahrnehmung des ehemaligen KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen“. Er wies die Zuhörer auf den Aufsatz von Jürgen Gill hin: „Die Geschichte der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen“, der im Dokumentenhaus aus Anlass des Jubiläums in ansprechender Form für die Besucher ausliege. Damit begründete er den interessanten Schwerpunkt seiner Ausführungen darauf, wie die Menschen nach dem Kriege mit der Geschichte ihrer eigenen Umgebung umgegangen sind. Die äußerst interessanten Ausführungen Dr. Hochs können an dieser Stelle nicht im Einzelnen näher dargestellt werden. Sie zeigen und belegen, wie hier in der Region Jahrzehnte lang das Konzentrationslager in Springhirsch an der R4, heute B4, verharmlost, verdrängt und schließlich vergessen worden ist. Dr. Hoch nannte ein Beispiel aus dem Jahr 1961: „An der Gräberstätte in Moorkaten fand damals ein Feldgottesdienst für eine Bundeswehreinheit statt. Die Segeberger Zeitung zitierte aus der Predigt des Geistlichen: „Wir stehen hier an den Gräbern unserer ehemaligen Gegner ohne Hass und Rachegedanken.“ Die dort verscharrten, zu Tode gequälten, verhungerten und geschundenen KZ-Häftlinge mochten sich über soviel Edelmut im Grabe umgedreht haben. Jahrzehntelang bis in die neunziger Jahre firmierte das Massengrab in Moorkaten unter der Bezeichnung „Kriegsgräberstätte“, was sie nie war. Denn hier lagen und liegen zu Tode geschundene KZ-Opfer und verhungerte sowjetische Kriegsgefangene, keine im Kampf `gefallenen` Soldaten, wie 45 Jahre lang mit der falschen Bezeichnung suggeriert wurde.“ Soweit Dr. Hoch.
Ich, der ich über die Mitgliederversammlung berichte, füge hinzu –zugegeben überspitzt formuliert: Die Bezeichnung „Kriegsgräberstätte“ erweckte doch den Eindruck und die Vorstellung, als seien die KZ-Opfer als unvermeidliche Folge kriegerischer Auseinandersetzungen anzusehen, sozusagen „Kollateralschäden“ kriegerischer Handlungen. Subtiler und raffinierter konnte man im Nachhinein die Vernichtungsmaschinerie der KZs nicht rechtfertigen.

Dr. Hoch erzählte weiter, wie er 1975 auf das KZ-Außenkommando in Springhirsch aufmerksam gemacht wurde, wie er danach unter erheblichen Schwierigkeiten und Widerständen recherchiert habe. Aber er fügte am Schluss auch hinzu, dass sich in den letzten zehn Jahren die Haltung der Menschen zur nationalsozialistischen Vergangenheit der eigenen Region gründlich ins Positive gewandelt habe.

Aus dem Zuhörerkreis meldete sich am Ende des Referates von Dr. Hoch Peter Gudelius aus Quickborn und drückte sein Erstaunen darüber aus, dass die Nordbaracke des damaligen KZ-Lagers bis 1973 noch an der B4 gestanden habe. Hier sei die Kneipe „Astra Klause“ untergebracht gewesen. Den rastenden Fernfahrern wäre vielleicht übel geworden, wenn sie gewusst hätten, an welchem Ort sie ihr Bier tranken. Dr. Hoch bedauerte, dass er mit seiner Recherche zwei Jahre zu spät gekommen war. Die intakte Baracke hätte sich zur Einrichtung einer Gedenkstätte angeboten. In Quickborn, so ergänzte Peter Gudelius weiter, stünde bis heute ein gut erhaltener Rotsteinbau, in dem bis zum Mai 1945 51 jüdische Kriegsgefangene untergebracht waren. Als Quickborner Lehrer dort mit ihren Klassen anschaulichen Geschichtsunterricht durchführen wollten, gerieten sie derart unter Druck, dass sie sich zurückzogen und darauf verzichteten, das Gebäude mit ihren Schülern betreten zu wollen.

Maren Grimm und Oliver Gemballa mit Dr. hc. Gerhard Hoch

Zum Schluss kamen die beiden ehemaligen Studenten, Maren Grimm und Oliver Gemballa, zu Wort. Beide hatten vor mehr als zehn Jahren einfach eigenmächtig Grabungen entlang der B4 vorgenommen, als die zuständigen Behörden die Einrichtung einer Gedenkstätte mit dem Hinweis noch ablehnten, die Gräberstätte in Moorkaten genüge. Sie hatten das Buch von Gerhard Hoch „Zwölf wiedergefundene Jahre“ gelesen. Mit ihrem Engagement nach dem Motto `einfach handeln und nicht lange reden´ begann die Entwicklung der Gedenkstätte. Denn es trat der günstige Umstand auf, dass der Grund und Boden, auf dem das KZ-Lager gestanden hatte, inzwischen der Flughafengesellschaft Hamburg gehörte, die von nun an großzügig bis heute jede Aktivität zur Entwicklung der Gedenkstätte unterstützte. Beide, Maren Grimm und Oliver Gemballa, wurden vom Vorstand eingeladen, in einer gesonderten öffentlichen Veranstaltung im Sept. 2006 über ihre Erfahrungen näher zu berichten und ihr umfangreiches Foto- und Filmmaterial vorzuführen.

Aus der Versammlung meldete sich auch der Bürgermeister von Bad Bramstedt, Hans-Jürgen Kütbach, zu Wort, der Mitglied im Trägerverein ist, und sprach dem Vorstand seinen ausdrücklichen Dank für die so engagiert geleistete Arbeit aus. Er streifte in seinen Ausführungen das Schicksal des Juden Oskar Alexanders, dem Gründer der Rheumaklinik in Bad Bramstedt, der in einem KZ sein Leben ließ und dessen Lebensgeschichte Dr. Gerhard Hoch in einem Buch dargestellt hatte. Zum Schluss sagte Kütbach in Anspielung auf das jüngste Vorhaben des Trägervereins, nämlich einen zweiten Container zur Schaffung eines Schulungs- und Versammlungsraums aufzustellen: „Wenn ich den Vorstand des Trägervereins sehe, wie er in diesem Jahr erfolgreich gearbeitet hat, dann bin ich sicher, es wird ihm auch die Finanzierung des zweiten Containers in absehbarer Zeit gelingen“. Zuvor hatte sich auch der Kaltenkirchener Bürgervorsteher Ulrich Siefert anerkennend geäußert. Er hatte die Kasse des Vereins geprüft und die vorbildliche Arbeit des Kassierers Reinhold Krause und die der anderen Vorstandsmitglieder ausdrücklich gelobt.
Jürgen Gill

 

 

 

Jahreshauptversammlung 2006

27.04.2006

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Der Trägerverein hat seine Mitglieder (Freunde, Gäste und Besucher sind willkommen) zur Jahreshauptversammlung 2006 eingeladen. Sie findet statt am Sonntag, den 7. Mai 2006, um 11.00 Uhr auf der Gedenkstätte in Springhirsch an der B4.

Diesmal steht die Jahreshauptversammlung unter einem besonderen Stern. Denn genau vor zehn Jahren begann an dieser Stelle die KZ-Gedenkstätte zu wachsen. Man kann also auf ein zehnjähriges Bestehen zurück schauen und ein Jubiläum feiern. Deshalb wird der Ehrenvorsitzende Dr. Gerhard Hoch einen Rückblick auf diese zehn Jahre geben. Zudem sind Oliver Gemballa und Maren Grimm zu der Versammlung eingeladen worden, die beide damals als Studenten beim Start der Gedenkstätte einen maßgeblichen Anteil hatten.

Jürgen Gill

 

 

 

Quickborn unterstützt die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

26.04.2006

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Schüler im Dokumentenhaus der GedenkstätteIn der jüngsten Sitzung des zuständigen Ausschusses der Stadt Quickborn wurde beschlossen, dem Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch einen Zuschuss von 1 000 Euro zu gewähren. Die Gedenkstätte hatte einen Zuschussantrag für die Anschaffung eines zweiten Containers gestellt. Der zweite Container sei notwendig zur Einrichtung eines Schulungsraumes, den der Trägerverein für seine Aufklärungs- und Informationsarbeit mit Schulklassen dringend benötige, so hatte die Vorsitzende des Trägervereines, Uta Körby, dem Ausschuss erläutert. Denn das vorhandene Dokumentenhaus sei zu eng und für die Aufnahme einer Schulklasse völlig ungeeignet.

Alle drei im Ausschuss vertretene Fraktionen, der von dem SPD-Vertreter Olaf Nuckel geleitet wird, erkannten die Bildungsarbeit des Trägervereins als wichtig und wertvoll an. Auch Schüler aus Quickborner Schulen besuchten häufig die Gedenkstätte, um sich am Ort des Geschehens und außerhalb der Schulmauern intensiv mit der jüngsten Vergangenheit zu beschäftigen, hieß es. Der dringend benötigte Schulungsraum sei deshalb auch im Interesse Quickborns, das betonten die Vertreter der CDU, der SPD und der Grünen im Ausschuss. Deshalb beschlossen sie nach eingehender Diskussion über die Höhe des Zuschusses einstimmig, dem Trägerverein 1 000 Euro für die Anschaffung des Containers zu bewilligen. Das ist ein wertvoller Teilbetrag für die Gesamtkosten von ca. 32 000 Euro, die benötigt werden.

Da der Verein von der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten jährlich bezuschusst wird, der Spendeneingang durch Besucher im Dokumentenhaus nicht unerheblich und ein Sponsorenaufruf an namhafte Betriebe und Einrichtungen in der Region ergangen ist, stellt dieser Zuschuss von 1 000 Euro ein nicht unbedeutender Stein im Mosaik des Gesamtbildes dar, zumal er durchaus auch eine Signalwirkung auf andere Kommunen in den Kreisen Pinneberg und Bad Segeberg hat.

Uta Körby, die Vorsitzende, und Jürgen Gill, ihr Stellvertreter, dankten dem Kulturausschuss der Stadt Quickborn für das freundliche Entgegenkommen. "Mit dem Zuschuss der Stadt Quickborn im Rücken werden wir es leichter haben, weitere Unterstützer für das Projekt zu bekommen," betonte Jürgen Gill.

Jürgen Gill

 

 

 

Colette Rey, Tochter von Richard Tackx, in Kaltenkirchen

26.04.2006

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Dr. Gerhard Hoch und Colette Rey vor dem Schild in Kaltenkirchen: "Richard-Tackx-Straße"Am südwestlichen Stadtrand von Kaltenkirchen im Neubaugebiet zwischen Waldweg und Im Brook liegt die Richard-Tackx-Straße. Richard Tackx, 1944/45 KZ-Häftling in Kaltenkirchen, ragt aus der großen Zahl der Häftlinge heraus, weil durch seinen Einsatz, der ihm das Leben hätte kosten können, 68 verstorbene französische Kameraden 1951 exhumiert und identifiziert werden konnten. Damit riss er sie aus der Anonymität, die damals von den Machthabern gewollt war. Statt einfach so zu verschwinden wie so viele andere polnische oder russische Leidensgenossen, konnten sie in der Heimaterde begraben und von ihren Angehörigen betrauert werden.


Dr. Gerhard Hoch, Frau Gimpel und Colette Rey vor dem Haus in Springhirsch Ende April besuchte die Tochter von Richard Tackx, der in den achtziger Jahren verstorben ist, Kaltenkirchen. Dr. Gerhard Hoch und Jürgen Gill begrüßten sie, ihren Mann und ein befreundetes französisches Ehepaar an der KZ-Gedenkstätte in Kaltenkirchen. Wie zu erwarten war, wandelte die Tochter Colette Rey wissbegierig und mit höchster Aufmerksamkeit auf den Spuren ihres Vaters. Die Vertreter des Trägervereins hatten es organisieren können, dass man von der Gedenkstätte in Springhirsch auf dem gleichen Weg zur Gräberstätte in Moorkaten wanderte, den damals der Funktionshäftling und Anführer des Beerdigungskommandos, Richard Tackx, vom Lager zum Massengrab nehmen musste. Das Wetter spielte an diesem herrlichen Frühlingstag mit. So konnte ihr Dr. Hoch unterwegs erzählen, wie ihr Vater den Verstorbenen heimlich Erkennungsmarkierungen mit ins Massengrab gegeben hatte. Denn Richard Tackx wusste, dass der Krieg für Deutschland bald verloren sein würde und er, wenn er überlebte, dafür sorgen könnte, die Verstorbenen ihren Familien zu übergeben.

Richard Tackx überlebte den fürchterlichen KZ-Aufenthalt, weil er und zwei Kameraden im April 1945 während einer Bombennacht aus dem Lager geflohen und von einer Anwohnerin, Herta Petersen, in ihrem Hause versteckt und bis zum Eintreffen der Engländer versorgt worden war. Danach noch im Mai 1945 gelang es ihm mit aus der Umgebung von Alveslohe zusammengetrommelten französischen Zwangsarbeitern und überlebenden Häftlingen über 100 Holzkreuze an der Stätte der Massengräber aufzustellen. Damit war die Stelle in Moorkaten gekennzeichnet und konnte 1951 wieder gefunden werden. Heute befindet sich dort die von der Stadt Kaltenkirchen gepflegte Gräberstätte, die es ohne Richard Tackx nicht gäbe. Denn nach dem Kriege pflegten sehr schnell Zeugnisse der unseligen Vergangenheit in Vergessenheit zu geraten. Die über 100 Kreuze waren nicht zu übersehen, wenn auch Jahrzehnte lang durch die irreführende Bezeichnung "Kriegsgräberstätte" die eigentlich dort Begrabenen aus dem Blickfeld verschwinden sollten.

Zuletzt führten Dr. Gerhard Hoch, Uta Körby, die später zur Gruppe gestoßen war, und Jürgen Gill die französischen Gäste hinüber zum Haus von Frau Gimpel, die damals dem KZ-Außenlager Kaltenkirchen gegenüber wohnte, die Häftlinge täglich sah und die den Häftling Richard Tackx kennen lernte, weil er als Tischler aus dem Lager abgeordnet gewesen war, die Zimmerdecken ihres Hauses zu täfeln. Danach gehörte auch sie zu dem sehr kleinen Kreis dem Lager gegenüber wohnenden Frauen, die den Häftlingen durch Lebensmitteln halfen. Colette Rey freute sich außerordentlich, Frau Gimpel zu treffen und kennen zu lernen, die noch heute eine lebhafte Erinnerung an Richard Tackx, Colette´s Vater, hat. Frau Gimpel: "Sie sehen Ihrem Vater verblüffend ähnlich, wie aus dem Gesicht geschnitten."

Jürgen Gill

 

 

 

Französische Schüler in Kaltenkirchen

02.04.2006

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An einem verregneten Sonntag Anfang April 2006 besuchten 25 französische Schülerinnen und Schüler die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch. Französische Schülerinnen und Schüler im viel zu engen Dokumentenhaus lauschen den interessanten Ausführungen von Dr. Gerhard HochBegrüßt wurden sie vom Ehrenvorsitzenden des Trägervereins Dr. Gerhard Hoch, von der Vorsitzenden Uta Körby und von dem stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Gill. Sie wurden begleitet von Robert Pincon (84), einem ehemaligen KZ-Häftling in Neuengamme. Außerdem empfing sie eine kleine Schülergruppe aus Bad Bramstedt. Dr. Hoch erzählte ihnen im Französische Schüler legen Blumen am ehemaligen Appellplatz niederDokumentenhaus die Geschichte des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen und seine eigene Geschichte als NS-geprägter Hitlerjunge, junger Mann und Soldat, dem erst nach dem Krieg die Augen über seine unselige Prägung geöffnet worden waren. Anschließend begaben sich alle auf einen Rundgang über das Gedenkstättengelände, legten Blumen am ehemaligen Appellplatz ab und gedachten der vielen Opfer des Lagers.

 

Die französischen Gastschüler im Gespräch mit Schülern des 
Jürgen-Fuhlendorf-Gymnasiums aus Bad BramstedtDie Schülerinnen und Schüler aus Frankreich gehörten zu einer Schülergruppe, die schon an den Tagen zuvor Gedenkeinrichtungen in Neuengamme und in Hamburg besucht hatte. Die in der Mehrzahl 15-jährigen Jugendlichen kamen aus Chambly, einem Ort unweit nördlich von Paris. Ihre Schule, genannt nach einem in ihrer Heimat bekannten Autor, Jacques Prevert, hatte sie ausgewählt, Einrichtungen des Gedenkens nationalsozialistischer Gewalt in Norddeutschland zu besuchen.

 

Um die Möglichkeit der Begegnung zwischen französischen und deutschen Jugendlichen zu nutzen, organisierte der Trägerverein eine solche Begegnung an der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen. Drei Schülerinnen und ein Schüler des  Jürgen-Fuhlendorf-Gymnasiums in Bad Bramstedt, alle des Französischen mächtig, standen während des Besuches den französischen Gäste für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

 

Besonders der Teil des Vortrages von Dr. Hoch, der die eigene Biografie betraf, interessierte die Gäste aus Frankreich besonders. 1933, als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, war Gerhard Hoch 10 Jahre alt. Wie alle Jungen seines Jahrganges gehörte er zur Hitlerjugend. Wer damals etwas auf sich hielt und Erfolg und Anerkennung anstrebte, schwamm mit auf der Welle der nationalen Begeisterung. Die Erweiterung Deutschlands auf Kosten der osteuropäischen Völker, die als Menschen geringeren Wertes eingestuft wurden, setzte die Bereitschaft der jungen Leute zu Kampf und Krieg voraus. So konnte es auch Gerhard Hoch kaum erwarten, als Soldat in den Krieg zu ziehen und für Deutschlands Größe zu kämpfen. In dem kleinen Dorf Alveslohe dachten alle so. Niemand wollte zurückstehen oder gar als Querulant angesehen werden. Erst in der englischen und amerikanischen Gefangenschaft nach dem Zusammenbruch gingen Gerhard Hoch die Augen auf über das Ausmaß der Verführung, die seine Generation erfahren hatte. Beispiele praktischer Demokratie in England haben ihm einen Prozess des Umdenkens ermöglicht. Nach seiner Rückkehr 1948 in sein Heimatdorf Alveslohe erlebte er entsetzt, dass seine Altersgenossen noch immer dem alten Denken verhaftet waren. Verlorene Generation! Dr. Gerhard Hoch hatte sich als einer der Wenigen daraus befreit.

 

Anschließend führte die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Robert Pincon, ehemaliger KZ-Häftling in Neuengamme, spricht das SchlusswortKörby, die französischen Schülerinnen und Schüler über das Gelände der Gedenkstätte und erläuterte die Lage und die entsetzlichen Einzelheiten des ehemaligen Lagers. Am Drehstein, der den Ort des Appellplatzes markiert, legten die französischen Gäste Blumen nieder und gedachten der zahlreichen Opfer während der kurzen Zeit des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen. Robert Pincon, der 84-jährige ehemalige KZ-Häftling und fast Altersgenosse von Gerhard Hoch, sprach das Schlusswort: „In KZ-Neuengamme kamen Häftlinge aus vielen europäischen Ländern zusammen. Damals begann Europa. Europa muss zusammenwachsen. Denkt daran!“

Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzender des Trägervereins)

 

 

 

Eindrucksvolle Gedenkveranstaltung vor interessiertem Publikum

29.01.2006

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Bürgermeister Sünwoldt legt Blumen auf den SargsteinDie KZ-Gedenkstätte in Springhirsch lud aus Anlass des 27. Januar, dem Tag der Befreiung von Auschwitz, die Öffentlichkeit zu einer Gedenkveranstaltung ins Dokumentenhaus. Auf Notsitzen rückten die 34 Besuchern im Dokumentenhaus eng zusammen. Frau Uta Körby, die Vorsitzende des Trägervereins, begrüßte die Gäste, erläuterte den Ablauf und machte angesichts der Enge im Raum darauf aufmerksam, wie sehr ein Versammlungs- und Schulungsraum benötigt würde. Der Bürgermeister der Stadt Kaltenkirchen, Stefan Sünwoldt, und der Kreispräsident des Kreises Segeberg, Winfried Zylka, sprachen mehr als nur ein Grußwort. Jeder der beiden drückte auf eigene Weise seine Betroffenheit über die ungeheuren und unvorstellbaren Verbrechen der Deutschen während des Zweiten Weltkrieges aus. Sie formulierten übereinstimmend, dass die Erinnerung an diese Schuld der Deutschen nie verblassen kann und dass sich an diese Rückbesinnung die Hoffnung knüpfe: Es darf sich hier und in der Welt Vergleichbares nie wiederholen.

Dr. h. c. Gerhard Hoch referiert im Dokumentenhaus Das Hauptreferat hielt Dr. h. c. Gerhard Hoch zu dem Thema: "Wie konnten aus ganz normalen Menschen `Täter` werden?" Dr. Hoch gelang es auf eine ungeheuer authentische Weise die Wurzeln von Auschwitz auch hier in der Region, auch hier bei unseren Vorfahren und sogar hier bei uns selber aufzudecken. "Auschwitz ist also gar nicht so weit weg." Der Weg in die Vernichtung der Juden in Auschwitz wurde auch hier bereitet. Von den Kanzeln der Kirchen herab, von den Lehrerpulten her, von den Rednertribünen herunter war der Hass und die Verachtung gegenüber denen gepredigt worden, deren spätere physische Vernichtung auf diese Weise vorbereitet wurde. Und dann haben die vielen mitgeholfen und waren beteiligt, all jene, die das Heer der Helfer und Mitwirkenden bildeten in den kommunalen Verwaltungen, wenn die Listen der jüdischen Mitbürger zusammengestellt wurden, die Eisenbahner, wenn die Waggons zusammengestellt wurden, die deutsche Wehrmacht, wenn in den besetzten Gebieten Säuberungsaktionen stattfanden, Polizei-Bataillone auch aus unserer Heimat, wenn Frauen, Kinder und Männer zusammengetrieben und erschossen wurden, die Industrie, das Handwerk, die Arbeiter, die Beamte und Akademiker, alle halfen mit, die Vernichtungsmaschinerie in Gang zu halten. Für die Täter, ganz "normale" Deutsche, unsere Vorfahren, Väter, Großväter, Urgroßväter, war das Quälen und Töten von Menschen zur Arbeit geworden, die gut organisiert und gut ausgeführt werden wollte.

Dr. Hoch formulierte: "Meine Generation wurde eingeübt zu Tätern. Und nur ein gnädiges Schicksal bewahrte die meisten, auch mich, vor dem finalen Tun." Dem Kaltenkirchener Pastor von 1926 bis 1933, Ernst Szymanowski, war so gesehen das Schicksal nicht gnädig, er qualifizierte sich zu einem Führer eines Einsatzkommandos der SS in Russland und ließ Tausende jüdischer Frauen, Kinder und Männer töten. Doch der Fingerzeig auf ihn wie auf die anderen Massenmörder entschuldet nicht die Millionen Deutschen, die die Täter getragen haben. Dr. Hoch erinnerte sich an seine Jugend in Alveslohe und hat noch heute die Melodie im Ohr, gesungen von Bauern und ihm vertrauten Dorfgenossen: "Wenn das Judenblut vom Messer spritzt ..."

Doch es gab auch Beispiele von Menschlichkeit, auf die Dr. Hoch gerne zurückblickte, von Menschlichkeit auch in unserer Nachbarschaft, leider nur sehr wenige angesichts der vielen, die den Wahn getragen haben. So erwähnte er Frau Herta Petersen, die geflohene KZ-Häftlinge in ihrem Haus versteckte und ihnen so das Leben rettete. Er wies auf einen unbekannten Wachsoldaten hin, der einem Häftling zur Flucht verhalf. Er nannte Else Stapel, die zusammen mit Frau Petersen Häftlingen Essbares zuschob und, nachdem die drei französischen Häftlinge nach dem Eintreffen der Engländer gerettet waren, einem von ihnen ihr Auto lieh, damit er in die Heimat nach Frankreich zurückfahren konnte.

Die beeindruckten Gäste spazierten anschließend hinüber zur ehemaligen Wald- und Gartenstadt Springhirsch, wo Frau Petersen und Frau Stapel einst gewohnt haben. Aber ihre Wochenendhäuser stehen nicht mehr. Auch die Stelle, wo sie gestanden haben, kennt man heute nicht mehr.

Unter den vielen Gästen der Veranstaltung entwickelten sich während des Spazierganges manche Gespräche und Verabredungen. Die neue Kaltenkirchener Pastorin, Frau Dittkrist, versprach eine enge Zusammenarbeit mit dem Trägerverein und verabredete eine Führung über die Gedenkstätte.

Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzender des Trägervereins)

 

 

 

Gedenkveranstaltung anlässlich des 27.01.45

17.01.2006

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Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit. Aus diesem Anlass lädt der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen die Bürger zu einer Gedenkveranstaltung am Sonntag, den 29.01.06 um 11.00 Uhr in die KZ-Gedenkstätte Springhirsch ein. Die Gedenkstätte liegt an der B4 etwa 3 km südlich von Lentföhrden. (Siehe Skizze im Anhang)

Dr. h.c. Gerhard Hoch referiert im Dokumentenhaus über das Thema: "Wie konnten ganz normale Menschen zu Tätern werden?" Im Interesse der Gestaltung einer zukünftigen humanen Gesellschaft ist es wichtig, dass sich die jetzigen Generationen mit dieser Frage beschäftigen. Der interessante Vortrag sollte zu einer lebhaften Diskussion herausfordern.

Für die Gedenkveranstaltung haben der Kaltenkirchener Bürgermeister Stefan Sünwoldt und der Segeberger Kreispräsident Winfried Zylka ihre Teilnahme zugesagt. Sie werden Grußworte sprechen.

Danach wird den Besuchern eine kurze Führung über das Gedenkstättengelände angeboten, bevor es hinüber geht in das Gelände der ehemaligen Wald- und Gartenstadt Springhirsch. Direkt gegenüber auf der westlichen Seite der damaligen Reichsstraße 4 lebten während der Existenz des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen zahlreiche Menschen, meistens Frauen mit ihren Kindern, die die Vorgänge im KZ-Lager nebenan täglich beobachten konnten. Reste der Wald- und Gartenstadt Springhirsch stehen heute noch. Ein Spaziergang dort kann heute eine ziemlich genaue Vorstellung davon vermitteln, wie die Menschen damals in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem KZ-Lager gelebt haben.

Der Trägerverein hofft auf eine gute Beteiligung an dieser interessanten Gedenkveranstaltung.

Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzende des Trägervereins)

 

 

 

Über 120 Marine-Rekruten und Zeitsoldaten an der Gedenkstätte

03.12.2005

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Die Soldatinnen und Soldaten treten zum Besuch der Gedenkstätte an.Diszipliniert, in voller Montur und in Reih- und Glied waren sie angetreten, die über 120 Soldaten der 7. Inspektion der Marineunteroffizierschule in Plön. Zwei und eineinhalb Tage hatten sie zuvor auf dem Übungsplatz der Bundeswehr in der Kaltenkirchener Heide bei Nässe und Kälte geübt und in Zelten übernachtet. Die Gesichter geschwärzt, in tarnfarbenen Anzügen und mit dem Gewehr auf dem Rücken standen die Soldaten, unter ihnen auch einige Soldatinnen, neben dem Dokumentenhaus und warteten auf die drei Vorstandsmitglieder des Trägervereins, die sie über die Gedenkstätte führen sollten. Der stellvertretende Vorsitzende Jürgen Gill begrüßte die versammelten Soldaten und Soldatinnen und drückte seine Freude über deren Interesse aus, das sie mit ihrem Besuch bekundeten. Die Soldatinnen und Soldaten informieren sich sehr interessiert im Dokumentenhaus.

In drei Gruppen ließen sich anschließend die Wehrpflichtigen mit ihren Anführern über das Gelände der Gedenkstätte führen. Sie hörten sehr interessiert zu und stellten wissbegierig Fragen nach dem KZ-Außenlager, das vom Sommer 1944 bis zum Frühjahr 1945 an dieser Stelle bestanden hatte.

Zwei Fragen interessierten besonders:

1. Die Frage nach der Haltung der Menschen damals, die in der Umgebung des Lagers gelebt und die Qualen der geschundenen KZ-Häftlinge beobachtet hatten.

2. Die Frage nach der Haltung der damaligen Wachsoldaten, die die Häftlinge zu bewachen hatten.

Die aufgeschlossenen Soldatinnen und Soldaten erfuhren, dass die Bevölkerung in der Umgebung, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mit der Einrichtung des KZ und den Zuständen dort völlig einverstanden war und die unmenschliche Behandlung der Häftlinge für notwendig hielt. Die im KZ Eingesperrten und Weggeschlossenen seien Gegner und Feinde Deutschlands gewesen, alles "Volksschädlinge", "Abschaum" der Menschheit und Verbrecher, um die es nicht schade sei.

Die Wachsoldaten im KZ-Außenkommando Kaltenkirchen, so erfuhren die Besucher weiter, erfüllten damals mit gutem Gewissen und in gehorsamer Pflichterfüllung ihren Dienst. Wer Härte gegenüber den Häftlingen walten ließen, galt als guter Soldaten. Wer Mitleid mit den geschundenen Häftlingen zeigte, galt als "Weich-Ei". Wer wollte schon bei seinen Vorgesetzten oder bei seinen Kameraden als "Weich-Ei" angesehen werden?

Mit solchen Einstellungen und Haltungen der Bevölkerung und der Wachsoldaten konnte es mitten in Deutschland, so auch hier bei uns, ungehindert geschehen, dass Menschen zu Tode geschunden wurden. So gab es allein hier während der kurzen Zeitdauer der Existenz des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen vermutlich über 500 tote Häftlinge.

Solche und ähnliche Fragen, nämlich wie das Unrecht hier in unserer unmittelbaren Nachbarschaft reibungslos hatte geschehen können, stellten die jungen Soldatinnen und Soldaten auch nach der Führung, als sie in kleineren Gruppen das Dokumentenhaus besuchten, die Ausstellung dort studierten und Infomaterial durchstöberten.

Mit dem Kapitänleutnant und Inspektionschef Holger Kempter, der für den Besuch verantwortlich war und die Marine-Rekruten hergeführt hatte, wurde verabredet, dass zukünftig der Kontakt zwischen der 7.Inspektion der Marineunteroffiziersschule und dem Trägerverein weiter bestehen und noch ausgebaut werden soll. Man war sich einig, dass die Erinnerung an das Vergangene die Voraussetzung ist für eine demokratische und menschenwürdige Zukunft.

Zum Schluss sei hier der Kabarettist Dieter Hildebrand zitiert: "Vergesslichkeit ist fahrlässiger Umgang mit der Zukunft".

Fotos und Text von Jürgen Gill
 

 

 

Gedenkwanderung am Volkstrauertag

16.11.2005

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Etwa dreißig Bürger trafen sich am Volkstrauertag zum frühen Nachmittag an der KZ-Gedenkstätte Springhirsch, um quer durch das Gelände des Truppenübungsplatzes der Bundeswehr zur Gräberstätte Moorkaten zu wandern. Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, begrüßte die Teilnehmer, stellte ihnen kurz die KZ-Gedenkstätte vor und lud sie ein, nach Rückkehr von der Wanderung das Dokumentenhaus zu besuchen und sich die darin befindliche Ausstellung anzusehen. Dr. Gerhard Hoch und weitere Mitglieder des Vorstandes führten die Teilnehmer durch die herbstliche Landschaft.

Der Trägerverein hatte vom Standortältesten der Bundeswehr in Boostedt eine Route durch das Truppenübungsgelände vorgeschlagen bekommen. Ein knappe Stunde lang führte der Weg durch den herbstlichen Kiefern-, Eichen-, und Birkenwald mit dem lebendigen Unterholz und dann schließlich am Waldrand entlang, der einen Blick auf ein riesiges, flaches und offenes Gelände zuließ, dessen Ausmaß die Teilnehmer in Erstaunen versetzte. Am Südrande dieses weiten Geländes befand sich damals die Start- und Landebahn des Kaltenkirchener Militärflugplatzes, den die KZ-Häftlinge des Außenlagers in Springhirsch während der Schlussphase des Zweiten Weltkrieges ausbauen mussten. Von der ehemaligen Start- und Landebahn ist nunmehr nichts mehr zu sehen. Allenfalls zeichnet sie sich heute durch den Zuschnitt der von Wäldern eingefassten großen offenen Fläche ab. Die Bundeswehr trägt sich mit dem Gedanken, bis zum Jahre 2009 den Truppenübungsplatz aufzugeben, dessen nördlicher Teil Gemeindegebiet von Nützen und dessen größter südliche Teil zum Gebiet von Kaltenkirchen gehört. Die wandernden Teilnehmer waren sich darin einig, dass sich hier einmal ein wertvolles Naherholungsgebiet entwickeln könnte.

An der Gräberstätte Moorkaten, die von der Stadt Kaltenkirchen gepflegt wird, zündeten die Teilnehmer Windlichter an und stellten sie an den Grabstellen ab. Dr. Hoch berichtete über die hier bestatteten Toten. Ab 1941 wurde an dieser Stelle ein Massengrab für die unzähligen verstorbenen sowjetischen Kriegsgefangenen angelegt. Die Kriegsgefangenen waren im Krankenrevier des Moorkatener "Russenlagers" gestorben, das bis gegen Ende 1943 im Moorkaten existierte, ehe es nach Gudendorf (Dithmarschen) verlegt wurde. Und hierher brachte vom Sommer 1944 bis zum Frühjahr 1945 das Beerdigungskommando des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen die verstorbenen KZ-Häftlinge. Das Beerdigungskommando wurde angeführt vom französischen KZ-Häftling Richard Tackx, der seinen verstorbenen französischen Kameraden illegalerweise Erkennungsmarken mit ins Grab legte. Er überlebte und sorgte 1951 dafür, dass sehr viele Toten bei der Exhumierung, die weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt stattfand, identifiziert und in die Heimat übergeführt werden konten. Erst 1976 erhielt die Gräberstätte ihre heutige würdige Gestalt und war noch bis in die achtziger Jahre verschleiernd "Kriegsgräberstätte" genannt worden. Heute steht auf dem Hinweisschild richtigerweise "Gräberstätte für sowjetische Kriegsgefangene und KZ-Opfer", obwohl am Eingang der Zuwegung zur Gräberstätte noch eine alte Marmortafel die verschleiernde Bezeichnung führt.

Anschließend bewegten sich die Teilnehmer durch den Wald zur nahegelegenen Hinrichtungsstätte Fred Göttner. Neben der alten Wasserpumpstation, die das damalige gesamte Militätgelände mit Wasser versorgte, wurde am 5. Sept. 1941 der 22-jährige Unteroffizier Fred Göttner hingerichtet. Er hatte in den Trümmern eines zerbombten Hauses eine intakte Schreibmaschine gefunden und an sich genommen. Dr. Gerhard Hoch berichtete den Teilnehmern von dieser unverhältnismäßig strengen Bestrafung des jungen Mannes, der hier neben dem Pumpenhaus, von dem noch Reste zu sehen sind, erschossen worden war. Den Eltern in Südwestdeutschland hatte man mitgeteilt, dass ihr Sohn bei einem Bombenangriff der Alliierten um Leben gekommen sei. Zunächst war Fred Göttner auf dem Kaltenkirchener Friedhof beigesetzt worden. Nach dem Krieg wurden seine Überreste in die Heimatgemeinde übergeführt, wo sich sein Grab heute ohne jeglichen Hinweis auf die wahre Todesursache befindet.

Danach wanderten die Teilnehmer zur Gedenkstätte zurück. Sie berichteten einstimmig, einen sehr intensiven und denkwürdigen Nachmittag erlebt zu haben.

Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzender des Trägervereins)
 

 

 

Gedenkwanderung am Volkstrauertag nach Moorkaten

01.11.2005

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Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte in Springhirsch lädt zu einer Gedenkwanderung nach Moorkaten ein. Am Volkstrauertag, den 13. Nov. 2005, treffen sich die Teilnehmer um 14.00 Uhr an der KZ-Gedenkstätte in Springhirsch (an der B4 zwischen Bilsen und Lentföhrden). Alle Bürger sind herzlich eingeladen. Die Wanderung führt durch das Übungsgelände der Bundeswehr zunächst zur Gräberstätte Moorkaten und danach zur nahegelegenen Hinrichtungsstätte Fred Göttner. An der Gräberstätte werden Windlichter angezündet und an der Hinrichtungsstätte Blumen niedergelegt.

Die Gedenkwanderung über das Bundeswehrgelände ist angemeldet. Der Standortälteste der Bundeswehr hat seine freundliche Zustimmung erteilt.

In der Gräberstätte für Kriegsgefangene und KZ-Opfer befinden sich einmal die Massengräber von unzähligen sowjetischen Kriegsgefangenen und zum andern die Gräber von zahlreichen KZ-Häftlingen des Neuengammer Außenkommandos Kaltenkirchen. Zunächst waren ab 1941 an dieser Stelle sowjetische Kriegsgefangene verscharrt worden, die im Krankenrevier des Stalag X Schleswig, Zweiglager Heidkaten (von 1941 - 1943), gestorben waren. Dann vom Sommer 1944 bis Frühjahr 1945 wurden hier vom Beerdigungskommando des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen Hunderte KZ-Häftlinge begraben, die den unmenschlichen Zuständen im KZ-Lager zum Opfer gefallen waren. Dr. Gerhard Hoch, der die Geschichte der beiden Lager recherchiert hat, wird die Teilnehmer, wenn sie es wünschen, näher informieren. Es werden Windlichter des Gedenkens und der Trauer angezündet und in der Gräberstätte abgestellt.

Danach setzt sich der Pilgerzug zur Hinrichtungsstätte Fred Göttner in Bewegung, die in unmittelbarer Nähe liegt. Vor dem Wasserpumpwerk Moorkaten befindet sich eine Waldlichtung, die vor 64 Jahren, am 5. Sept. 1941, zum Hinrichtungsplatz für Fred Göttner wurde. Der damals 22 Jahre alte Luftwaffen-Unteroffizier Fred Göttner war vom Kriegsgericht des Luftgaus XI Hamburg zum Tode verurteilt worden, weil er nach einem Bombenangriff in Rostock in den Trümmern eines Hauses eine Schreibmaschine gefunden und mitgenommen hatte. Fred Göttner wurde in der Waldlichtung an einen Pfahl gefesselt, ihm die Augen verbunden und von zwölf Soldaten der Sanitätsausbildungsabteilung der Luftwaffe XI Kaltenkirchen-Moorkaten, erschossen. Hier werden Blumen niedergelegt und des jungen Mannes gedacht, der das Opfer einer grausamen und menschenverachtenden Disziplinvorstellung in Wehrmacht und Militärjustiz geworden war. Auch hier ist Dr. Gerhard Hoch gerne bereit, auf Wunsch der Teilnehmer näher zu informieren. Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, wird einige Worte des Gedenkens sprechen.


Jürgen Gill
(Stellvertr. Vorsitzeder und Sprecher des Trägervereins)

 

 

 

Vor 64 Jahren in Kaltenkirchen

24.08.2005

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Am 5. September 1941 wurde der 22-jährige Sanitätsunteroffizier Fred Göttner in Kaltenkirchen-Moorkaten erschossen. Damit wurde ein Todesurteil des Kriegsgerichtes Luftgau XI Hamburg wegen Unterschlagung einer Schreibmaschine vollstreckt.

Das Foto zeigt die Hinrichtungsstelle, wie sie heute aussieht. Man erkennt noch die Reste der alten Pumpstation, von Kräutern und Sträuchern überwuchert.Fred Göttner, geb. am 30.11.1919 in Albersweiler bei Annweiler, hatte, bevor der Krieg entfesselt wurde, Medizin studiert. Wie alle jungen Männer seines Jahrganges wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Er diente als Sanitäts-Unteroffizier bei der Luftwaffe. Was nun im Jahre 1941 geschah, dokumentierte, mit welcher Hysterie und Strenge Kriegsgerichte gegen eigene Soldaten vorgingen. Man glaubte, nur durch unerbittliche Strenge könne für die Kampfmoral der Truppe gesorgt werden.

Was war Fred Göttner vorgeworfen worden? Während eines Bombenangriffs in Rostock hatte der Sanitätsunteroffizier Göttner in den Trümmern eines zerbombten Hauses eine intakte Schreibmaschine gefunden und an sich genommen. Offenbar war er dabei beobachtet und denunziert worden. Das Kriegsgericht Luftgau XI Hamburg verurteilte ihn daraufhin zum Tode. 12 Kameraden der Unteroffiziers-Lehrkompanie der Sanitätsausbildungsabteilung der Luftwaffe XI Kaltenkirchen - Moorkaten vollstreckten das Urteil am 5. September 1941 auf der Waldlichtung vor dem Wasserpumpwerk in Moorkaten. Fred Göttner wurde am 8. Sept. 1941 auf dem Kaltenkirchener Friedhof beerdigt und nach dem Krieg, am 14. Jan. 1950 nach Albersweiler, seinem Heimatort, überführt.

Heute können wir die Hinrichtungsstätte nördlich der Betonstraße etwa gegenüber der Geflügelfarm im Wald entdecken. Hier findet man noch Betonreste und den überdeckten Brunnenschacht des alten Pumpwerkes mitten im überwucherten Gelände (Siehe Foto). Die Waldlichtung, wo das Erschießungskommando seine Arbeit verrichtete, ist noch erkennbar.

Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen will mit einigen Vorstandsmitgliedern am 5. September die recht unzugängliche Stelle aufsuchen und durch Niederlegen von Blumen an Fred Göttner erinnern, der als junger Mann einer unmenschlichen Vorstellung von Disziplin und Gehorsam in der deutschen Armee geopfert worden war.

Jürgen Gill
 

 

 

Filmvorführungen im Dokumentenhaus

22.08.2005

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Am kommenden Sonntag, dem 28. August, zeigt der Trägerverein im Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte interessierten Besuchern den von Schüler gedrehten Film "Vergessene Lager". Jeweils um 11.00 Uhr, um 13.00 Uhr und um 15.00 Uhr soll eine Vorführung des 40 Minuten langen Streifens stattfinden. Anlass ist der 1. September 1939, als Nazideutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg entfesselte. Der Videofilm informiert über das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen, zeigt den Lageralltag und enthält ein Interview mit dem Überlebenden des Lagers, dem Franzosen Roger Remond. Der Trägerverein wünscht sich eine hohe Besucherzahl. Besucher finden außerdem im Dokumentenhaus umfangreiches Infomaterial und eine Ausstellung, die über die Vorgeschichte, über das Lager selber und über seine Nachkriegsgeschichte anschaulich in Bildern und Grafiken informiert. Der Katalog der Ausstellung kann erworben werden.

Jürgen Gill
(Pressesprecher und stellvertr. Vorsitzeder)
 

 

 

Der neue Bürgermeister von Kaltenkirchen besucht die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

04.07.2005

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Der Bürgermeister von Kaltenkirchen, Stefan Sünwoldt, besuchte mit zwei Abteilungsleiterinnen der Stadtverwaltung die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch, um sich ein Bild von der Anlage, dem historischen Hintergrund des ehemaligen KZ-Außenkommandos und der Intention der Gedenkstätte zu machen. Dr. Gerhard Hoch, Ehrenvorsitzender des Trägervereins, Jürgen Gill, stellvertretender Vorsitzende und Jürgen Fock, zuständig für die Instandhaltung der Außenanlage, führten den Bürgermeister über die Gedenkstätte. Der zeigte sich beeindruckt von der Anstrengung des Trägervereins, die Erinnerung an das vergangene Unrecht wach zu halten und betroffen von den Zuständen im Kaltenkirchener KZ-Lager zwischen Sommer ´44 und Frühjahr ´45.

Im anschließenden Gespräch im Dokumentenhaus stellte Stefan Sünwoldt Fragen, u.a. nach der Akzeptanz der Gedenkstätte bei der Bevölkerung im hiesigen Raum. Er zeigte sich besonders erfreut darüber, dass 21 Schulen in der Region als Patenschulen regelmäßig Schulklassen ab der neunten Klasse zur Gedenkstätte schicken, um hier einen zeitgeschichtlichen Unterricht am Ort der vergangenen Ereignisse zu erleben. Oft besuchen anschließend einzelne Schüler mit ihren Eltern die Gedenkstätte. Die Frage nach der Akzeptanz hatte er gestellt, weil er von einem älteren Mitbürger in Kaltenkirchen vor der Gedenkstätte und ihrer pädagogischen Arbeit gewarnt worden war. Dr. G. Hoch und Jürgen Gill erläuterten ihm, dass solche Stimmen durchaus vereinzelt immer noch auftauchten, die KZ-Gedenkstätte aber im Allgemeinen sehr positiv in der Region angenommen werde. Man nannte Beispiele: Die VHS-Südholstein kommt zuweilen mit ihren Lerngruppen, um sich führen zu lassen, sie stellt ABM-Kräfte zur Verfügung, Kirchengemeinden schicken Konfirmandengruppen, Schulen schicken Schulklassen, Bundeswehrschule Appen schickt auszubildenden Soldaten, Vereine kommen als Radlergruppen usw.

Zum Schluss bedankte sich der Bürgermeister für die Führung und für die vielfältigen Informationen, "die erst einmal sacken" müssten. Man verabredete, sich regelmäßig ein- oder zweimal im Jahr im Rathaus zu einem Gespräch über aktuelle Probleme zu treffen.

Jürgen Gill
(Stellvertretender Vorsitzende und Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Großzügige Spende der Stiftung der Kreissparkasse Südholstein

24.06.2005

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Die Stiftung der Kreissparkasse im Kreis Segeberg stiftete dem Trägerverein aus Stiftungsmitteln 1.500 Euro für die Anschaffung eines Notebooks und eines Farblaserdruckers. Der Trägerverein lädt anlässlich der Einweihung der Geräte zu einem Pressetermin am Di., den 28.06.05, um 16.00 Uhr ins Dokumentenhaus in Springhirsch ein. Der Trägerverein freut sich über diese großzügige Spende, weil nunmehr das Dokumentenhaus für seine pädagogische Erinnerungsarbeit komplett ausgerüstet ist. Er dankt der Stiftung für ihre Unterstützung seiner Arbeit sehr herzlich.

Nicht zum ersten Mal ist damit dem Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen von der Kreissparkasse Südholstein geholfen worden. Ein Böschungsmäher für die schwierig zu pflegende Außenanlage, eine Videoanlage zur Visualisierung der Informationen im Dokumentenhaus, der Transport und die Aufstellung des Containers, der jetzt als Dokumentenhaus genutzt wird, sind von der Stiftung der Kreisparkasse schon früher gesponsert worden. Computer und Drucker stellen nunmehr eine wichtige Komplettierung der Inneneinrichtung des Dokumentenhauses dar. Sie werden zur Herstellung des vielfältigen Infomaterials benötigt und dienen der Büroarbeit im Dokumentenhaus, das seit einem Jahr von ABM-Kräften besetzt ist, die dort Aufsicht führen, Büroarbeit leisten und zur Pflege der Gedenkeinrichtungen eingesetzt sind.

Zu dem Pressetermin am 28.06.05 um 16.00 Uhr laden wir Sie herzlich ein und würden uns freuen, wenn Sie kommen könnten.


Jürgen Gill
(Stellvertretender Vorsitzende und Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Uta Körby erste Vorsitzende - Dr. Gerhard Hoch Ehrenvorsitzender

21.06.2005

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Die Mitglieder des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen haben einen neuen Vorstand gewählt. Dr. Gerhard Hoch hat seinen Vorsitz abgegeben. Er will sich jetzt voll auf seine historische Forschungsarbeit konzentrieren. Er wird aber als Ehrenvorsitzender dem Trägerverein, den es ohne ihn nicht gäbe, als Berater und Ideengeber verbunden bleiben. Uta Körby, Sonderschullehrerin in Barmstedt, die von der ersten Stunde an im Trägerverein, zunächst als Schriftführerin und zuletzt als stellvertretende Vorsitzende, mitgearbeitet hatte, wurde einstimmig zur ersten Vorsitzenden gewählt. Bis auf einen Neuen haben alle Neugewählten schon im alten Vorstand Ämter innegehabt, so dass ein bruchloser Übergang und die Weiterarbeit im Sinne des ausgeschiedenen Vorsitzenden Dr. Hoch gewährleistet ist.

Zahlreich waren die Mitglieder des Trägervereins zu ihrer Jahreshauptversammlung erschienen. Es war vor dem Dokumentenhaus in Springhirsch ein Zelt aufgebaut worden, um für die Mitglieder und Gäste einen würdigen Rahmen zu schaffen. Das Dokumentenhaus hätte die vielen Personen nicht aufnehmen können, ein Umstand, der umso deutlicher werden ließ, wie notwendig ein zweiter Container zur Schaffung eines Schulungs- und Versammlungsraumes wäre. Es hatten sich viele Gäste an der Versammlung beteiligt, weil auch sie den scheidenden Vorsitzenden Dr. Gerhard Hoch ehren wollten. Dr. Hoch begrüßte die Mitglieder und die Gäste, unter denen sich der Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär Franz Thönnes, der Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach aus Bad Bramstedt, der Altbürgermeister Ingo Zobel aus Kaltenkirchen, der Bürgermeister Klaus Brakel aus Nützen und der Historiker Dr. Reimer Möller von der Gedenkstätte Neuengamme befanden. Dr. Hoch begründete seinen Rücktritt mit seinem Alter und dem Wunsch frei zu sein für seine historische Forschungsarbeit, er bedankte sich bei den Vorstandsmitgliedern, die ihm zuvor die Arbeit und jetzt den Rücktritt leicht gemacht hätten, weil er sicher sein könne, dass die Gedenkstättenarbeit in gutem Sinne fortgeführt werde. Wie später einer der Gäste anmerkte, war es dem scheidenden Vorsitzenden gelungen, Nachfolger zu finden und einzuarbeiten, eine nicht selbstverständliche Vollendung seiner Lebensleistung, nämlich sicherzustellen, dass die von ihm geschaffene Gedenkstätte auch ohne ihn ihre Aufgaben erfüllen kann.

Danach wählte die Mitgliederversammlung folgende Personen alle einstimmig in den Vorstand:

1. Uta Körby als Erste Vorsitzende, bisher stellvertretende Vorsitzende
2. Jürgen Gill als Stellvertretenden Vorsitzenden, bisher Schriftführer und Pressesprecher
3. Reinhold Krause als Kassenwart, bisher Kassenwart
4. Ingrid Schulz-Pankratz als Schriftführerin, bisher Beisitzerin
5. Jürgen Fock als Beisitzer, bisher Beisitzer
6. Inga-Martina Toft als Beisitzerin, bisher Beisitzer
7. Jürgen Wiese als Beisitzer, bisher Beisitzer
8. Uwe Czervonka als Beisitzer, neu im Vorstand

Von links nach rechts: Jürgen Gill, Ingrid Schulz-Pankratz, Uwe Czervonka, Dr. Gerhard Hoch, Reinhold Krause, Uta Körby, Jürgen Fock, Inga-Martina Toft, Jürgen Wiese

Der neue Vorstand in dieser Besetzung wird die Arbeit ohne Brüche fortsetzen können, weil alle Vorstandsmitglieder bis auf einen schon in der bisherigen Vorstandsarbeit mit ihren Schwerpunkten und Fähigkeiten eingesetzt und eingeübt waren. Zu den Arbeitschwerpunkten und Stärken der einzelnen Vorstandsmitgliedern ist folgendes zu sagen:

1. Die Erste Vorsitzende Uta Körby, Sonderschullehrerin in Barmstedt hatte bisher schon die Vorstandssitzungen vorbereitet und geleitet, die anstehenden Aufgaben koordiniert und ihren zeitlichen Rahmen abgesteckt, Kontakte zu anderen Gedenkstätten und zu einschlägigen Persönlichkeiten geknüpft, Veranstaltungen des Trägervereins initiiert und Schulklassen zur Gedenkstätte geführt. Diese Schwerpunkte wird sie weiter verfolgen
2. Der Stellvertretende Vorsitzende Jürgen Gill, pensionierter Lehrer aus Kaltenkirchen wird seine bisherigen Aufgaben fortsetzen, die darin bestanden, den Vorsitzenden in seiner alltäglichen Gedenkstättenarbeit zu entlasten, Pressearbeit zu leisten, den monatlichen Newsletter der Homepage zu verfassen, Führungen in der Gedenkstätte zu übernehmen und die ABM-Kräfte zu betreuen.
3. Der Kassenwart Reinhold Krause, Firmenangestellter in Hamburg, wohnhaft in Kaltenkirchen, wird die Kasse weiterhin so vorbildlich führen wie bisher, ein Glücksfall für den Trägerverein.
4. Die Schriftführerin Ingrid Schulz-Pankratz, Realschullehrerin in Kaltenkirchen wird weiterhin wie bisher eine wertvolle Mitarbeiterin sein, die so oft bereit war, die Sonntagsaufsicht im Dokumentenhaus zu übernehmen
5. Der Beisitzer Jürgen Fock, Realschullehrer in Kaltenkirchen, wird der Gedenkstätte weiterhin mit seinem handwerklichen Geschick zur Verfügung stehen, die ABM-Kräfte betreuen und mit Arbeit versorgen. Ohne ihn hätte die Außenanlage der Gedenkstätte nicht die ansehnliche Gestalt, die sie heute hat.
6. Die Beisitzerin Inga-Martina Toft, Fachbuchverkäuferin in Kaltenkirchen, wird sich weiterhin für die Besetzung der Sonntagsaufsichten im Dokumentenhaus verantwortlich fühlen.
7. Der Beisitzer Jürgen Wiese, pensionierter Schulleiter aus Bad Bramstedt, wird die Beziehungen zu den Patenschulen intensivieren und weiterhin Jürgen Fock bei Instandhaltungs- und Aufbauarbeiten im Gedenkstättengelände behilflich sein.
8. Der Beisitzer Uwe Czervonka, Schulleiter aus Bad Bramstedt, wird die Kontakte zu den Schulen der Region verbessern und die Geschichtslehrer motivieren, mit ihren Klassen die Gedenkstätte zu besuchen.

Uta Körby und Dr. Gerhard Hoch Die Zweite Hälfte der Jahreshauptversammlung galt der Verabschiedung und der Ehrung des bisherigen Vorsitzenden Dr. Gerhard Hochs. Dazu ergriff der Altbürgermeister Ingo Zobel das Wort und würdigte die Lebensleistung des Ausgeschiedenen. Er sagte: "Wer nicht Anstoß erregt, der bewegt auch nichts." Damit spielte er auf die Widerstände in den siebziger und Anfang der achtziger Jahre an, die Dr. Hoch bei seinen Recherchen über die regionale Nazivergangenheit erfahren hat. Er, Ingo Zobel, habe viel von Dr. Hoch gelernt, dessen Beharrlichkeit und hartnäckige Aufklärungsarbeit ihm imponiert habe. Die Bildungsarbeit des Trägervereins, den Dr. Hoch ins Leben gerufen habe, und bei dessen Entstehung er als Bürgermeister habe Hilfestellung geben können, sei ein Segen für die Region. Er sprach die schwierige Wirtschaftlage Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre an, die die Menschen veranlasst habe, Feindbilder zu entwerfen, Schuldige zu brandmarken und Menschen auszugrenzen. Heute sei es deshalb umso wichtiger, solchem Ungeist durch Bildung, Aufklärung und Erinnern das Wasser abzugraben. Dies leiste der Trägerverein in hervorragender Weise. Dafür dankte der ehemalige Bürgermeister aus Kaltenkirchen dem Trägerverein und seinem Gründer ausdrücklich.

Der Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretär Franz Thönnes schloss sich in seiner Dankesrede seinem Vorredner an. Dr. Gerhard Hochs Lebenswerk werde mit der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen als ein sichtbarer und konkreter Ausdruck seiner Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit gekrönt. Mit Mut und Beharrlichkeit habe er die "Geschichte von unten" angepackt und die nationalsozialistische Geschichte in der eigenen Heimatregion erforscht. Heute sei die Erinnerungskultur als nationale Aufgabe etabliert. Dazu habe auch Dr. Gerhard Hoch seinen Beitrag geleistet. Er habe nicht nur zurück, sondern auch nach vorne gesehen immer mit der Mahnung und dem pädagogischen Engagement, dass in Zukunft nie wieder unmenschlicher Geist die Menschen erfasse könne. Dr. Hoch sei mit seinem Einsatz für Frieden und Mitmenschlichkeit Vorbild für uns alle und besonders für die jungen Menschen. Er überreichte dem ausgeschiedenen Vorsitzenden ein Buch über den Deutschen Bundestag und dem Vorstand des Trägervereins ein Laminiergerät.

Dr. Reimer Möller von der Gedenkstätte Neuengamme würdigte Dr. Gerhard Hoch als einen seiner Lehrer, dessen Beispiel er gerne nachgeeifert habe. Damals habe Dr. Hoch mit ihm zusammen zu den Gründungsmitgliedern des AKENS (Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein) gehört und sei seitdem sein Weggefährte. Dr. Hoch habe mit seiner Erforschung der regionalen Zeitgeschichte und seinen allgemein verständlichen
Veröffentlichungen mehr Wirkung erzielt als die meisten Historiker, deren Werke nur innerhalb der Hochschulen kursieren.

Die gewählte neue Vorsitzende Uta Körby überreichte Dr. Gerhard Hoch ein persönliches Geschenk des neuen Vorstandes. Es handelt sich um die Einladung zu einer gemeinsamen Landpartie mit ihm und seiner Frau zu einem Ort seiner Wahl in Schleswig-Holstein. "Damit handelt der Vorstand nicht ganz uneigennützig, hat er doch dann selber das Vergnügen, mit Dr. Hoch und seiner Frau
die kulinarischen und landschaftlichen Reize Schleswig-Holsteins zu genießen," betonte die neue Vorsitzende. Dies als Dank des Vorstandes an seinen Ehrenvorsitzenden!

Jürgen Gill
(Stellvertretender Vorsitzende und Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Abschied des ersten Vorsitzenden Dr. Gerhard Hoch

07.06.05

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Am Sonntag, den 19.06.05, um 11.00 Uhr findet an der Gedenkstätte in Springhirsch die Jahreshauptversammlung des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V. statt. Auf dieser Mitgliederversammlung wird der erste Vorsitzende, Dr. Gerhard Hoch, sein Amt aus Altersgründen niederlegen. Der gesamte Vorstand muss von den Mitgliedern neu gewählt werden.
Zur Ehrung des zu verabschiedenden Vorsitzenden werden u.a. der ehemalige Bürgermeister von Kaltenkirchen, Ingo Zobel, und der Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär, Franz Thönnes, einige Worte auf der Versammlung sprechen.

Dr. Gerhard Hoch übergibt an seine Nachfolger eine lebendige, im Bewusstsein der Region fest verankerte und ihren Aufgaben gerecht werdende KZ-Gedenkstätte. Er legt seine Funktionen in die Hände von Frauen und Männern, die er zuvor in langer Zusammenarbeit darauf vorbereitet hat, so dass die zukünftige Gedenkstättenarbeit in seinem Sinne gesichert ist. Unter seiner Regie war die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch entstanden, ausgebaut und gestaltet worden. Auf der Mitgliederversammlung am 19.06.05 soll er zum Ehrenvorsitzenden des Trägervereins gewählt werden, was mit dem Wunsche verbunden wird, dass er den Nachfolgern weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen und die zukünftige Entwicklung seines Werkes begleiten möge.

Dr. Gerhard Hoch, der scheidende Vorsitzende des Trägerverein, wird jedoch seine historischen Forschungen fortsetzen, eine Arbeit, die vor zehn Jahren die Idee der Einrichtung einer Gedenkstätte zur Folge hatte, einer Erinnerungsstätte an das Neuengammer KZ-Außenlager Kaltenkirchen, auf das er im Zuge seiner zeitgeschichtlichen Recherchen in der Region gestoßen war. Die Idee, hier vor Ort für die junge Generation eine Informations- und Erinnerungsstätte zu errichten mit dem Ziel, der vielen nationalsozialistischen Opfer zu gedenken und ein Zeichen dafür zu setzen, dass zukünftig niemals wieder Menschen ausgegrenzt, gedemütigt und zu Tode gebracht werden.

Dr. Hoch hatte seit 1975 zu den ersten zeitgeschichtlichen Forschern gehört, die sich mit der nationalsozialistischen Geschichte der Heimatregion beschäftigt haben. Er erbrachte damit eine Pionierleistung, die auch in anderen Regionen viele Nachahmer gefunden hat. Der Begriff "Kaltenkirchensyndrom" machte damals auf Grund einer ZDF-Sendung bis in die achtziger Jahre hinein seine Runden durch die Bundesrepublik. Der Begriff meinte das Verdrängen, das Nichterinnern und die Tabuisierung der nationalsozialistischen Vergangenheit vor der eigenen Haustür. Denn das Ausklammern- und Nicht-Daran-Rühren-Wollen, wie es Dr. Hoch in Kaltenkirchen -seine Arbeit behindernd- erlebte und was auch das ZDF hier feststellte, war nicht nur in Kaltenkirchen, sondern bundesweit eine Erscheinung gewesen. Was waren die Gründe dafür? Angst vor dem "Nestbeschmutzer", wie man Dr. Hoch manchmal in seiner Heimat titulierte? Die Ursachenforscher stießen bald auf den noch immer lebendigen Ungeist der Vergangenheit. Zum Glück ist das heute anders. Und das ist nicht zuletzt auch das Verdienst von Dr. Gerhard Hoch. Die nunmehr hier in unserer Region fest verankerte und akzeptierte Einrichtung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen ist das sichtbare und konkrete Ergebnis dieser seiner Arbeit. Heute hat der Name Kaltenkirchen in Deutschland, in Frankreich, in den Niederlanden, in Polen und anderswo einen sehr guten Klang und den verdankt die Stadt auch der unbeirrten und engagierten Arbeit von Dr. Gerhard Hoch.

Der Trägerverein lädt die Vertreter der Presse recht herzlich zu der Mitgliederversammlung am 19.06.05 ein.


Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Mit dem Rad an die Stätte eines Verbrechens

08.05.05

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In der Nacht vom 3. zum 4. Mai 1945 ermordete eine SS-Einheit in Kampen ohne erkennbaren Anlass zehn serbische Zwangsarbeiter durch Schüsse in Kopf und Hals.

Die etwa 16 Mann starke Gruppe der Serben lebte seit 1941 in einer Unterkunft in Kampen und arbeitete auf Bauernhöfen in der Umgebung. Sie konnten sich frei bewegen und kehrten jeden Abend nach der Arbeit in ihre Unterkunft zurück. Am Abend des 3. Mai 1945 herrschte eine gespenstische Atmosphäre. Den ganzen Tag über war auf den Straßen lebhafter Verkehr gewesen. Deutsche Soldaten auf dem Rückzug, sich absetzende SS-Einheiten und fliehende Nazigrößen hatten die Straßen belebt. Nun war Ruhe eingekehrt, eine ungewöhnliche Stille breitete sich aus, als hielte jedermann den Atem an, so kurz vor dem Eintreffen der Engländer. Eine aus Hamburg gekommene SS-Einheit hatte sich in der Nähe zur Übernachtung niedergelassen. Gegen 22.00 Uhr betraten sie die Unterkunft der Serben und griffen sich jeweils zwei von ihnen heraus, entfernten sich mit ihnen etwa 300 Meter und erschossen sie. Das ging so Zug um Zug, bis schließlich die noch verbliebenen Serben zu fliehen versuchten. Zwei von ihnen wurden dabei erschossen, vieren gelang die Flucht. Von einem ist überliefert, dass Bauer Möller ihn auf dem Dachboden verstecken konnte. Ein anderer hatte an der Mordstelle nur eine Fleischwunde erhalten und sich tot gestellt. Er überlebte verletzt und war später ein wichtiger Zeuge der Mordtat.

Die Radlergruppe diskutierte vor Ort sehr kontrovers die Frage, ob die Bevölkerung von Kampen und die örtlichen Kräfte, nämlich Polizei und in der Nähe kampierende Soldaten nicht hätten eingreifen und die Morde verhindern können. Was vorging, hatten alle mitbekommen. Die Einwohner verharrten offensichtlich ängstlich hinter ihren Gardinen. Legen wir heutige Maßstäbe an, hätten sie handeln müssen. Es gilt aber auch die Frage zu stellen: Was hätten wir in der damaligen Situation getan? Ängste, Vorprägungen, Einstellungen gegenüber diesen Serben, die ganze gespenstische Atmosphäre am Vorabend des Kriegsendes, alles dies und manches mehr dürften eine Rolle gespielt haben.

Warum mordeten die SS-Leute? Waren sie von einem jungen deutschen Landarbeiter (damals 16 Jahre alt) gegen die Serben aufgehetzt worden? War es ihr Frust über den verlorenen Krieg? Es wird im Dunkeln bleiben. Schon in den ersten Monaten nach der Kapitulation wurden in Kampen durch englische und jugoslawische Offiziere Untersuchungen angestellt, die aber im Sande verliefen. Auch 1962 wurde ein Verfahren der Staatanwaltschaft in Kiel ergebnislos eingestellt, freilich unter merkwürdigen Umständen, da das Ermittlungsmaterial der englischen und jugoslawischen Untersuchungsbehörden überhaupt nicht einbezogen worden war.

Die Radtour endete auf dem Kaltenkirchener Friedhof, wo die zehn ermordeten Serben ihre letzte Ruhestätte fanden. Dass sie dort ein ordentliches Begräbnis erhielten und ihre Namen im Kirchenbuch verzeichnet wurden, hatte Bauer Möller veranlasst und Pastor Thies in die Wege geleitet. Heute finden wir dort zwei größere Gedenksteine vor, in die die Namen der Serben eingraviert sind. Wer die ansehnliche Gräberstätte gestaltet hat und wie sie dorthin gekommen ist, weiß heute niemand. Die überlebenden serbischen Kameraden und die Familien der Opfer? Es gäbe in der Angelegenheit noch Einiges zu erforschen.

Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Neue Öffnungszeiten der KZ-Gedenkstätte

08.05.05

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Seit Anfang Mai ist die Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch auch wochentags von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. Ausgenommen sind der Montag und der Freitag. An den Wochenenden können wir das Dokumentenhaus für Besucher ebenfalls öffnen, und zwar an den Sonnabenden von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr und an den Sonn- und Feiertagen von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Auch außerhalb dieser Öffnungszeiten ist das Gelände der Gedenkstätte jederzeit zugänglich. Ein Faltblatt, das den Rundgang erläutert, kann einem Infokasten entnommen werden. Im Dokumentenhaus steht zu seinen Öffnungszeiten eine Aufsicht zur Verfügung, die Fragen gerne beantwortet. Außerdem befindet sich hier eine umfangreiche Ausstellung, die über die Vorgeschichte des ehemaligen KZ-Lagers, über das das Lager selber, seinen Alltag und seine Bedeutung, und über die Nachkriegsgeschichte des Lagers informiert. Man kann Bücher, den Katalog der Ausstellung und vielfältige Schriften erwerben. Der Trägerverein lädt herzlich zu einem Besuch der KZ-Gedenkstätte ein.

Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Absage der Angress-Veranstaltung

06.05.05

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Zu unserem großen Bedauern teilt uns jetzt Prof. Dr. Werner Angress mit, dass er erkrankt ist und am Donnerstag, den 12.5.05, nicht kommen kann. Damit müssen wir die Veranstaltung im Kaminzimmer des Bürgerhauses Kaltenkirchen, die um 19.00 Uhr stattfinden sollte, absagen.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Werner Angress (85) damals zu den "Ritchie Boys" gehörte, junge deutsche Männer, oft Juden, die vor den Nazis aus Deutschland geflohen und nach den USA ausgewandert waren, dort im Kamp Ritchie als Soldaten ausgebildet und am Krieg gegen Deutschland teilgenommen hatten. Die Ritchie Boys waren besonders motiviert gewesen, durch ihren
Kampf und ihre psychologische Kriegsführung Deutschland vom Faschismus zu befreien. Darüber wurde jüngst ein Film gedreht, der jetzt in den Kinos ist und auch im 1.Programm des Fernsehens am Mo, den 9.05.05, um 21.45 Uhr gezeigt wird.

Schade, wir hätten Prof. Werner Angress gerne in Kaltenkirchen erlebt.

Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Drei, die das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen überlebt haben

05.05.05

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Eine große Gruppe Franzosen, 48 Personen, besuchten Anfang Mai die Gräberstätte Moorkaten und die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch. Unter ihnen befanden sich drei ehemalige Häftlinge des Kaltenkirchener KZ-Lagers, Paul Krattinger, Roger Remond und Piere Vigne. Auf der Gedenkstätte, das einen Eindruck von der Beschaffenheit des ehemaligen Lagers gibt, wurden sie von ihren Erinnerungen überwältigt. Sie erzählten von ihren schrecklichen Erlebnissen. Vor den Gedenksteinen standen sie lange. Unter den beschrifteten Steinen entdeckten sie Namen verstorbener Kameraden.

Für die drei Überlebenden war die Begegnung mit ihrer Vergangenheit ein schmerzliches Erlebnis, man sah es ihnen an. Einer von ihnen, Piere Vigne, rettete sich in den schwarzen Humor. Er sagte: "Ein schöner Ausflug war das hierher gewesen, Unterkunft vom Feinsten, hervorragendes Essen und immer schönes warmes Wetter." Paul Krattinger erzählte: "Wenn wir von der Arbeit zurückkamen, war unsere dünne durchnässte Sträflingskleidung steif gefroren. So legten wir uns abends auf die Pritsche. Morgens war die Kleidung immer noch gefroren." Wenig später erzählte er von einem Häftlingstransport, den er miterlebt hatte. In einem verschlossenen Güterwaggon mit Dach, dicht, dunkel und stinkend, sei er mit vielen anderen Häftlingen eingepfercht gewesen. Der Zug habe fünf Tage auf freier Strecke gehalten. Niemand hätte geöffnet, niemand habe ihnen Nahrung oder Wasser gegeben. Am Ziel sei der Waggon geöffnet worden. Die meisten waren tot. Er hat überlebt. Heute ist er 83 Jahre alt.

Roger Remond kam nie darüber hinweg, dass alle seine Kameraden aus seinem Dorf, die mit ihm verschleppt worden waren, in Kaltenkirchen gestorben sind. "Warum habe ich überlebt?" fragte er immer wieder, als er vor den Gedenksteinen stand und die Namen seiner toten Kameraden entdeckte. Auf die Frage, ob die Darstellung des Lagers, ob er die durch Lattenbegrenzungen dargestellten ehemaligen Baracken wieder erkenne, also ob die Rekonstruktion durch die Gedenkstätte so korrekt sei, antwortete er: "Ich war nach der Befreiung in einem so schlechten Gesundheitszustand, dass mir das Gedächtnis darüber, wie es hier einmal ausgesehen hat, völlig ausgelöscht wurde."

Zum Schluss konnten sie nicht aufhören, sich bei den Vertretern des Trägervereins für die Erinnerungsarbeit, die mit der KZ-Gedenkstätte sichtbar ist, zu bedanken. Lange standen die Franzosen in Gruppen beieinander und sprachen lebhaft über die Ereignisse vor 60 Jahren. Es war ein aufregender, nachdenklicher und informativer Vormittag. Die Begegnung der Franzosen mit den Deutschen litt nur manchmal unter Sprachschwierigkeiten. Aber es herrschte eine freundschaftliche Atmosphäre. Verständigung und Freundschaft können sich auch ohne Sprache einstellen.

Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Prof. Dr. Werner Angress als Zeitzeuge im Bürgerhaus Kaltenkirchen

28.04.05

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- Nachtrag vom 06.05.05: Die Veranstaltung musste krankheitsbedingt abgesagt werden -

Prof. Dr. Werner Angress aus Berlin besucht auf Einladung des Trägervereins KZ-Gedenkstätte die Städte Kaltenkirchen und Barmstedt. Am 12. und am 13. Mai spricht er als Zeitzeuge vormittags mit Schülern aus Kaltenkirchen bzw. aus Barmstedt. Am Donnerstagabend, den 12.05.05, um 19.00 Uhr steht er den Bürgern zu einem Kamingespräch im Kaminzimmer des Bürgerhauses Kaltenkirchen als Zeitzeuge und Buchautor zur Verfügung.

Werner Agress wurde 1920 in Berlin geboren. Seine jüdische Familie emigrierte 1937 aus dem Nazideutschland nach Holland. Er wanderte als 19-Jähriger 1939 in die USA aus und entkam so den Nazischergen. 1941 ging er zur amerikanischen Armee und nahm als amerikanischer Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Als Fallschirmspringer war er an der Invasion in Frankreich beteiligt und marschierte mit der vorrückenden amerikanischen Armee nach Deutschland, seinem früheren Heimatland. Er gehörte der amerikanischen Einheit an, die Anfang Mai 1945 das KZ-Auffang-
lager Wöbbelin bei Ludwigslust in Mecklenburg befreite. Hier begegnete er den überlebenden KZ-Häftlingen und war erschüttert über deren Zustand. Er war entsetzt zu sehen, welche Verbrechen an wehrlosen Menschen in Deutschland verübt worden waren. Unter den elenden KZ-Häftlingen befanden sich auch einige von denen, die am 16.4.45 aus Kaltenkirchen hierher gebracht worden waren.

Später machte Werner Agress in Amerika als Professor für Geschichte eine Universitätskarriere und lebt heute wieder in seiner Geburtsstadt Berlin. Seine Mutter und seine beiden Brüder hat er 1945 in Amsterdam lebend wiedergetroffen. Aber sein Vater war von den Nazis in Auschwitz umgebracht worden.

Prof. Dr. Werner Angress kommt nach Kaltenkirchen und Barmstedt, weil er als Zeuge einer unruhigen Zeit gerne mit jungen Leuten spricht. Die Geschichtslehrer der beiden Realschulen in Kaltenkirchen werden mit Schülern der 10. Klassen am 12.05.05 vormittags in der Aula der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule Kaltenkirchen mit ihm zusammen einen lebendigen Zeitzeugenunterricht gestalten. Einen Tag später wird das Gleiche in der Förderschule Barmstedt geschehen. Zeitgeschichtlicher Unterricht kann nicht lebendiger und autenthischer sein!

Der Trägerverein KZ-Gedenkstätte lädt die Bürger am Do., d. 12.05.05, um 19.00 Uhr zu einem Kamingespräch mit Prof. Dr. Werner Angress ins Bürgerhaus Kaltenkirchen ein und hofft auf eine rege Beteiligung.

>>> Informationen und Foto erhalten sie im Internet unter
www.ritchieboys.com/DE/boys_angress.html

Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Der ehemalige KZ-Häftling Roger Remond aus Frankreich in Kaltenkirchen

27.04.05

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Am Donnerstag, den 5. Mai 2005, besucht Roger Remond mit seiner Familie Kaltenkirchen. Als KZ-Häftling im KZ-Außenlager Kaltenkirchen verbrachte Roger Remond im Winter 44/45 schlimme Monate. Er überlebte. Sieben Kameraden aus seinem Dorf in Frankreich überlebten die KZ-Haftbedingungen nicht.

Roger Remond bei seinem letzten Besuch in Kaltenkirchen 1995Der damals siebzehnjährige Roger Remond war mit sieben weiteren Kameraden aus seinem Dorf im Südosten Frankreichs als Geiselhäftling nach Deutschland, und zwar ins Konzentrationslager Neuengamme, verschleppt worden. Deutsche Soldaten hatten alle Bewohner des Dorfes aus ihren Häusern geholt und die arbeitsfähigen jungen Männer als Geiseln gefangen genommen, um Druck auf den französischen Widerstand auszuüben. Roger und seine Kameraden kamen zum Arbeitseinsatz ins Außenkommando Kaltenkirchen. Hier wurde die Start- und Landebahn des Militärflugplatzes Kaltenkirchen verlängert.

Die sieben Kameraden aus dem Dorf überlebten die unmenschlichen Arbeits- und Lagerbedingungen nicht. Roger kehrte 1945 in sein Dorf zurück und musste die schlimme Nachricht vom Tod der Kameraden den betroffenen Familien überbringen. Eine Familie verlor alle drei Söhne. Bis heute stellt sich der jetzt 78-Jährige immer wieder die Frage: "Warum habe ich überlebt und sie nicht?"

Roger Remond besucht jetzt nicht das erste Mal Kaltenkirchen. 1978 und 1995 weilte er schon einmal hier und traf Dr. Gerhard Hoch, zu dem er bis heute Kontakt hält. Aus Anlass der Eröffnung der erneuerten Gedenkstätte Neuengamme am 4. Mai unternehmen er und andere ehemalige französische KZ-Häftlinge mit ihren Familienangehörigen eine Busreise nach Norddeutschland. Der Bus wird gegen 8.30 Uhr an der Gräberstätte Moorkaten erwartet. Anschließend gegen
9.00 Uhr wird die Reisegruppe die KZ-Gedenkstätte in Springhirsch erreichen. Presse und Besucher sind herzlich eingeladen, Roger Remond zu treffen und zu befragen. Allerdings sind dafür Französischkenntnisse erforderlich. Eine Dolmetscherin des Trägervereins wird behilflich sein.

Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Fahrradtour zum Gedenken an zehn ermordete Serben

26.04.05

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In den Abendstunden des 3. Mai 1945 erschoss ohne den geringsten Anlass eine SS-Einheit in Kampen/Nützen zehn serbische Zwangsarbeiter. Die Serben waren Kriegsgefangene, die seit Jahren in Kampen bei Bauern gearbeitet hatten. Da sie dabei immer fleißig und geschickt zu Werke gingen, erwarben sie sich bei der einheimischen Bevölkerung einen guten Ruf. Die SS-Leute zogen nach dem Verbrechen nach Norden weiter. Untersuchungen nach dem Krieg führten zu keinem Ergebnis. Die Tat blieb ungesühnt.

Für den Donnerstag, den 8. Mai um 11.00 Uhr lädt der Trägerverein KZ-Gedenkstätte alle Bürger zu einer Fahrradtour zum Gedenken an die zehn ermordeten Serben ein. Treffpunkt mit dem Rad ist um 11.00 Uhr der AKN-Bahnhof Nützen, wo zunächst Dr. Gerhard Hoch in kurzer Form über die damaligen Ereignisse informieren wird. Dann fährt die Gruppe durch Nützen nach Kampen zu dem Ort der Geschehnisse am Abend des 3. Mai 1945. Hier erfahren die Teilnehmer weitere Einzelheiten über das damalige bis heute ungesühnte Verbrechen. Anschließend geht die Radtour über den Kamper Weg nach Kaltenkirchen. An der Gräberstätte des Kaltenkirchener Friedhofs, wo die zehn Serben ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, endet die Tour mit stillem Gedenken.

Der Trägerverein hat ein Faltblatt gestaltet, das über die damaligen Ereignisse genauer informiert und den Teilnehmern mitgegeben wird. Über eine rege Beteiligung freut sich der Veranstalter. An der Gedenkfahrt kann man auch mit dem Auto teilnehmen, die Zielpunkte AKN-Bahnhof Nützen, Kampen und Friedhof sind mit dem Auto erreichbar.

Das Foto zeigt etwa die heutige Stelle, wo vor genau sechzig Jahren das Verbrechen an den Serben stattgefunden hat.


Jürgen Gill
Pressesprecher des Trägervereins

 

 

 

Angehörige eines niederländischen KZ- Opfers in Kaltenkirchen

18.04.05

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Die Nichte und der Neffe von Arie Roders besuchten mit ihren Ehepartnern Kaltenkirchen. Am 2. Januar 1945 war ihr Onkel als KZ-Häftling im Außenlager Kaltenkirchen in Springhirsch an den Entbehrungen und Qualen einer fast zweijährigen Haftzeit gestorben. Bis vor einem Jahr besaß die Familie keinerlei Informationen über das Schicksal ihres Familienangehörigen Arie Roders. Sie wählten für ihren Aufenthalt in Kaltenkirchen den Zeitpunkt, an dem das Gedenkkonzert in der Michaeliskirche Kaltenkirchen stattfand. Sie verbanden mit ihrem Konzertbesuch ein sehr persönliches Anliegen.

Wie vor einiger Zeit berichtet, war Arie Roders im März 1943 morgens von der Gestapo abgeholt worden und seitdem für seine Frau, seine Eltern und seinen beiden Brüdern verschollen gewesen. Erst die Nichte und der Neffe entdeckten nach fast sechzig Jahren bei ihrer Suche im Internet, dass ihr Onkel in Kaltenkirchen verstorben ist und seine Ruhestätte hier irgendwo liegen muss. Arie Roders war verhaftet worden, weil er als kleiner Beamter im Amsterdamer Einwohnermeldeamt die Peronaldaten jüdischer Mitbürger zu vernichten suchte. Er wollte damit die Deportation jüdischer Familien in die Vernichtungslager stören und erschweren. In den Familien seiner beiden Brüder kursierten nach dem Kriege und kursieren bis heute verschiedene Geschichten über den Vorgang, weil es Dokumente darüber, wie es genau gewesen ist, nicht gibt. Die Gestapo pflegte unerwünschte Personen ohne Gründe und schriftliche Urteile einfach so verschwinden zu lassen. In der einen Familie wird erzählt, er habe an dem Brand, den es im Einwohnermeldeamt tatsächlich gegeben hat, ursächlich mitgewirkt. In der anderen Familie wird ergänzt, er habe selber jüdische Karteikarten zerrissen und die Schnipsel aufgegessen. Wie auch immer, das steht fest, er wurde verhaftet, weil er offensichtlich am Verschwinden und an der Vernichtung jüdischer Meldepapiere beteiligt war und verraten wurde. Damit gehört er zu denen, die durch menschliches Handeln Widerstand geleistet und ihr Leben geopfert haben. Deshalb sollte sein Name nicht vergessen werden und mit höchster Achtung immer wieder genannt werden.

Der Trägerverein hatte für Arie Roders im Dokumentenhaus eine kleine Vitrinenausstellung eingerichtet. Diese entdeckten nun die Nichte und der Neffe, als sie die KZ-Gedenkstätte besuchten. Mit Tränen in den Augen und Trauer im Herzen, aber auch voller Stolz auf ihren Onkel standen sie nunmehr vor der Vitrine, erzählten von den Geschichten, die sie von ihren Vätern, das waren die Brüder, über Arie, ihrem Onkel, als Kinder gehört haben.

Unsere Besucher aus Holland zusammen mit Dr. Gerhard Hoch und Jürgen Fock vom Trägerverein vor den Gedenksteinen Am Rundweg durch das Gedenkstättengelände liegen Feldsteine, die mit den Namen und Todesdaten von in Kaltenkirchen verstorbenen KZ-Häftlingen beschriftet sind. Unter ihnen findet man auch den Stein Arie Roders. Hier legten die Verwandten Frühlingsblumen nieder und standen lange in stillem Gedenken. Am Vortage hatten die Besucher aus den Niederlanden auf der Gräberstätte Moorkaten Windlichter angezündet und an verschiedenen Stellen abgestellt. Vermutlich ruhen hier irgendwo zusammen mit den vielen anderen Unbekannten die Gebeine von Arie Roders, einfach anonym verscharrt, und nach dem Kriege hat sich niemand gefunden, die Familie Roders, Frau, Eltern und Brüder, darüber in Kenntnis zu setzen, dass Arie in Kaltenkirchen begraben liegt, obwohl der Name, Todesdatum und Todesort auf einer Neuengammer Liste verzeichnet waren.

Rene´Roders, der Neffe, überreichte aus Dankbarkeit über die gedenkende Arbeit des Trägervereins dem Vorsitzenden Dr. Gerhard Hoch ein sehr altes Dokument aus den fünfziger Jahren über die Arbeit des Amsterdamer Einwohnermeldeamtes, in dem Arie Roders an einer Stelle erwähnt wird.

Rene´Roders schrieb sich einige Namen von in Kaltenkirchen verstorbenen niederländischen KZ-Häftlingen auf, die er auf den beschrifteten Steinen fand, um in Holland nach deren Familien zu forschen.

Übrigens, in den beiden Familien, die der Nichte und die des Neffen, durften die Kinder die deutsche Sprache nicht erlernen. Somit fanden die Gespräch in Kaltenkirchen in englischer Sprache statt. Wenn aber der Kontakt so herzlich und freundschaftlich verläuft wie jetzt während des Besuches in Kaltenkirchen, dann ist das ein gutes Beispiel dafür, wie Versöhnung der beiden Völker doch stattfinden kann.

Das Foto zeigt die Besucher aus Holland zusammen mit Dr. Gerhard Hoch und Jürgen Fock vom Trägerverein vor den Gedenksteinen

Jürgen Gill
Pressesprecher des Trägervereins

 

 

 

Großes Gedenkkonzert in der Michaeliskirche Kaltenkirchen

18.04.05

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Da waren sich alle Besucher einig: Das war ein großer Konzertabend. In ihrer Geschichte dürften die Mauern der Michaeliskirche Kaltenkirchen selten Töne solcher Qualität gehört haben. Der Wilsteraner Ausnahme-Organist und Komponist Hartwig Barte-Hanssen hat mit seinem Ensemble in Kaltenkirchen ein Zeichen gesetzt, das in der Geschichte der Kaltenkirchener Kirchengemeinde als ein herausragendes Ereignis die Köpfe und Herzen verändernd weiter wirken wird.

Pastor Götz-Schuirmann, der die Andacht an den Opfergräbern im Kaltenkirchener Friedhof eine Stunde vor Konzertbeginn leitete. Der Konzertabend stand unter dem Motto: "Im Gedenken an die Opfer" und wollte an die Leiden der KZ-Häftlinge des Außenlagers Kaltenkirchen und an die unselige Geschichte des Kaltenkirchener Pastors und späteren SS-Mannes Ernst Szymanowski/Biberstein erinnern, der zum Massenmörder geworden war. Der Abend sollte die Türen zu den Herzen und Köpfen der Zuhörer öffnen, damit durch Trauer und Erinnern, durch Tränen und Nachdenken alle Verhärtungen sich lösen können. Insbesondere sollte für die Anliegen des Trägervereins KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen die Tür zum Kirchenvorstand Kaltenkirchen geöffnet werden. Der Alvesloher Pastor Martin Götz-Schuirmann trat dabei während der Vorbereitungen und am Konzertabend als Vermittler in hervorragender Weise hervor.

Gewaltig bis zur Unerträglichkeit wühlte das große Werk des international bekannten und geschätzten Komponisten Hartwig Barte-Hanssen "Klage ´Mein Gott, mein Gott, warum...?´", die Herzen der Zuhörer auf. Barte-Hanssen leitete das Ensemble aus Sopran, Bariton, Orgel und Kammerorchester selbst. Viele in der gut gefüllten Michaeliskirche waren sich später einig, ein bedeutendes und großes Kunstwerk gehört zu haben, das sie sich wünschten, auf CD wiederzuhören. In der Mitte stehend die Sopranistin Angela Kentsch mit Blumen, rechts neben ihr sitzend Hartwig Barte-Hanssen ebenfalls mit BlumenDie Sopranistin Angela Kentsch (Itzehoe) drückte hinterher im Gemeinderaum ihre Auffassung dazu so aus: "In diesen Tagen werden so viele Gedenkreden gehalten, gute und notwendige Ansprachen des Erinnerns und Gedenkens. Aber diese erreichen nur die Köpfe. Mit der Musik und mit der Kunst jedoch erreichen wir die Herzen der Menschen und nur hier kann Heilung erfolgen." Das Werk bewirkt beim Hörer ein Aufruhr der Gefühle. Dem Komponisten ist es mit seiner schon `postmodern` zu nennenden Komposition gelungen, die Zuhörer für einen Moment jene Unerträglichkeit der seelischen und körperlichen Qualen der Opfer spüren zu lassen, ein großes Kunstwerk!

Auch die zweite Aufführung, die Komposition für Streichorchester: Monumentum "Im Gedenken an die Opfer" von Barte-Hanssen, in seiner Diktion ganz anders als die erste, rührte die Zuhörer, hier mehr starke Gefühle der Trauer und des Andenkens. Erstaunlich die Variabilität dieses Komponisten!

Die danach vorgetragenen vier Chorstücke von Johann Sebastian Bach, Conrad Kocher, Randall Thompson und Peter C. Lutkin gaben einen Ausblick in eine hellere Zukunft nach soviel Leid und Schuld der Vergangenheit. Auch musikalisch waren somit die Worte des Historikers Dr. Gerhard Hoch an diesem Abend umgesetzt worden: " Der schmerzhafte Weg an die Wurzeln, an die Quelle des Unheils, die Begegnung mit den Opfern stärkt uns für die Aufgaben zum Heil und zu einer hoffnungsvollen Zukunft." Hervorzuheben sei an dieser Stelle die selten gehörte Reinheit, Klarheit und musikalische Qualität des Chors, ein erstaunliches Ereignis in der Michaeliskirche Kaltenkirchen.

Pastor Götz-Schuirmann als Hausherr, Dr. Gerhard Hoch vom Trägerverein und Propst Stefan Block sprachen begrüßende, einführende und geleitende Worte. Es war ein großer Abend, an dem leider die anderen Kaltenkirchener Pastoren wegen entgegenstehender Verpflichtungen sich entschuldigen ließen. Erfreulich, dass der frühere, jetzt aber nicht mehr in Kaltenkirchen wirkende Pastor Both anwesend war.

An der musikalischen Ausführung waren beteiligt:
Bach-Vokal-Enseble Wilster
Angela Kentsch (Itzhoe), Sopran
Kai Schnabel (Hamburg), Bariton
Streicherensemble Itzehoe (Konzertmeister: Ralf Kröger)
Hans Henning Möller (Glückstadt), Trompete
Tord Siemen (Wilster), Pauken
Gustav Hintz (Wilster), Fagott
Dr. Martin Hintz (Neumünster), Kontrabass
Jan Christoph Hadenfeldt (Kiel), Orgel
Die musikalische Leitung hatte Hartwig Barte-Hanssen

Der Komponist und die Solisten verzichteten wegen des Anliegens an diesem Abend auf ein Honorar. Für die übrigen Kosten halfen dem Trägerverein die Stadt Kaltenkirchen und die Raiffeisen Bank Kaltenkirchen durch eine großzügige Spende. Der Trägerverein KT-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch dankte später im Gemeinderaum den Musikern mit Blumen für den gelungenen Abend

Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Öffnungszeiten des Dokumentenhauses

11.04.05

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Das Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch muss im April an den Wochentagen geschlossen bleiben. Wir bemühen uns in Zusammenarbeit mit der VHS-Kaltenkirchen um eine Werktagsöffnung ab Mai 2005. Doch an den Sonn- und Feiertagen können wir ab sofort von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr das Dokumentenhaus öffnen. Freiwillige Helfer stehen uns zur Verfügung, die an den Sonntagen Aufsicht führen. Trotzdem können wir weitere Helfer gut gebrauchen. Es handelt sich um eine sehr interessante Aufgabe, Besuchern die Ausstellung, das Infomaterial und das Lagermodell zu erläutern. Wer Interesse hat, kann zu uns über unsere Homepage "www.kz-kaltenkirchen.de" Kontakt aufnehmen.

Sonst ist das Außengelände der Gedenkstätte zu jeder Zeit für Besucher zugänglich. Aus einem Infokasten kann ein Faltblatt entnommen werden, das die Besucher auf dem Rundweg begleitet und sie über die einzelnen Stationen informiert.

Jürgen Gill
(Pressesprecher des Trägervereins)

 

 

 

Gedenkkonzert in der Michaeliskirche Kaltenkirchen

01.04.05

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Die Ev.Luth. Kirchengemeinde Kaltenkirchen und der Trägerverein KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V. laden die Bürger zu einem Kirchenkonzert 16.04.05 um 19.00 Uhr in der Michaeliskirche Kaltenkirchen ein. Zur Aufführung kommen u.a. zwei Kompositionen des Komponisten Hartwig Barte-Hanssen, "Monumentum" und "Auschwitz-Klage". Der Komponist selber dirigiert sein Streichorchester. Einführende Worte von Propst Stefan Block und Dr. Gerhard Hoch komplettieren das gemeinsame Gedenkkonzert der Kirchengemeinde und des Trägervereins.

Das Konzert soll einen neuen Anstoß zur Geschichts- und Trauerarbeit in Kaltenkirchen genau sechzig Jahre nach dem Kriegsende bewirken. Denn genau vor sechzig Jahren, am 16. April 1945, durchschritten die bis dahin überlebenden KZ-Häftlinge des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen zum letzten Mal das Lagertor. Angetrieben von 84 Wachsoldaten der Luftwaffe und zwei SS-Männern marschierten sie über den Marschweg zum Kaltenkirchener AKN-Bahnhof. Diesen Evakuierungsmarsch konnten viele Kaltenkirchener beobachten. In Güterwagen der AKN ging es anschließend zu einer letzten qualvollen Fahrt nach Wöbbelin in Mecklenburg. Viele starben während des Transports und im noch furchtbareren Sammellager Wöbelin.

Die Komposition " Monumentum" will an das KZ-Lager Kaltenkirchen erinnern. Ihr liegt ein Gedicht von Jens Harder zugrunde, das den Titel " Der Wald des Vergessens" trägt. Das Gedicht beklagt die Tatsache, dass das KZ-Außenkommando Kaltenkirchen nach dem Kriege so lange vergessen war. Es hatte im Bereich des Kirchspiels Kaltenkirchen gelegen, also im Zuständigkeitsbereich des damaligen Pastor Thies. Auch er, und damit unterschied er sich nicht von den vielen, wollte nach dem Kriege nicht an das Lager erinnert werden.

Die zweite Komposition "Auschwitz-Klage" will an den unseligen ehemaligen Kaltenkirchener Pastor Ernst Szymanowski erinnern, der später im besetzten Osten zum Massenmörder geworden war. Vom November 1927 bis zum November 1933 war der Nationalsozialist (Pg. Nr. 40 718) Ernst Szymanowski Pastor in Kaltenkirchen gewesen und hatte menschenverachtendes Gedankengut mit den Aufgaben seines Amtes verquickt. Später kündigte er seine kirchlichen Ämter und wurde Sturmbannführer der SS (Nr. 272 692). Vom Sept. 1942 bis Juni 1943 war er Führer des SS-Einsatzkommandos 6 in der Ukraine. Nach eigenen Angaben vor dem Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg leitete er die Vergasung und Erschießung von 2000 bis 3000 jüdischen Menschen, meist Frauen, Kinder und Alte. In Nürnberg zum Tode verurteilt, erwirkten kirchliche Kreise unter der Leitung von Propst Richard Steffen 1951 zunächst eine Umwandlung der Strafe in lebenslängliche Haft und dann 1958 seine endgültige Freilassung. In Neumünster lebte er noch lange als ein unerkannter Täter mitten unter uns. Sein Name und sein unheilvolles Wirken gerieten in Vergessenheit. Den nachwachsenden Generationen in Kaltenkirchen wurde somit die Möglichkeit genommen, diesen schrecklichen Abschnitt der Geschichte kennen zu lernen und zu verarbeiten. Erinnern, Gedenken und Verarbeiten sollen im Blick auf eine demokratische und humane Zukunft nunmehr verstärkt geschehen.

Das Gedenkkonzert in der Michaeliskirche am 16.04.05 will also an dunkle Abschnitte unserer Geschichte hier vor Ort erinnern, der vielen zum größten Teil namenlosen Opfer gedenken, ihnen die genommene Würde zurückgeben und sie betrauern. " Der schmerzhafte Weg an die Wurzeln, an die Quelle des Unheils, die Begegnung mit den Opfern stärkt uns für die Aufgaben zum Heil und zu einer hoffnungsvollen Zukunft." (Dr. Gerhard Hoch)

Eine Stunde vor Konzertbeginn, also um 18.00 Uhr, findet auf dem Kaltenkirchener Friedhof an den Opfergräbern eine Andacht für die NS-Opfer in Kaltenkirchen statt. Die daran teilnehmen wollen, treffen sich auf dem Parkplatz des Friedhofes "Heidland".

Wir laden alle Bürger recht herzlich zu dem Konzert in die Michaeliskirche ein und freuen uns über einen zahlreichen Besuch.

 

Nachtrag:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich berichtete über das Kirchenkonzert am 16.04.05 um 19.00 Uhr in der Michaeliskirche Kaltenkirchen. Der Komponist Hartwig Barte-Hanssen, der das Konzert mit seinem Streichorchester leitet und eigene Kompositionen aufführt, hat einen internationalen Ruf. Er selber wird für sein Konzert in Kaltenkirchen kein Honorar verlangen. Er verzichtet darauf, um der Sache des Gedenkens und Andenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zu dienen. Wir sind ihm zu größtem Dank verpflichtet. Nur die Musiker seines Orchesters erhalten eine Aufwandsentschädigung. Somit kann das Gedenkkonzert Eintritt frei gehalten werden. Über eine Spende der Besucher würden sich natürlich die Veranstalter freuen.

Für das Entgelt der Musiker haben wir von der Stadt Kaltenkirchen und von der Raiffeisenbank in Kaltenkirchen eine großzügige Spende erhalten. Diese Spendenbereitschaft hat der Kaltenkirchener Bürgermeister Ingo Zobel angeregt. Auch die Ev. Luth. Kirchengemeinde Kaltenkirchen hat ihren finanziellen Beitrag geleistet. Wir danken allen Spendern recht herzlich.


Jürgen Gill
Pressesprecher des Trägervereins

 

 

 

Soldaten besuchen die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen

21.01.2005

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25 Soldaten der Ersten Unteroffiziersschule der Luftwaffe Appen besuchten jüngst die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch. Hauptfeldwebel Mark Lohrer leitete die Gruppe. Dr. Gerhard Hoch führte die Soldaten über das Außengelände, informierte sie eingehend über das ehemalige Lager und diskutierte später mit ihnen im Dokumentenhaus u.a. über den damaligen Lagerführer Otto Freyer. Die Soldaten zeigten sich besonders an der Frage des Konfliktes zwischen soldatischem Gehorsam und dem persönlichen Gewissen sehr interessiert.
Die Soldaten der Ersten Unteroffiziersschule der Luftwaffe Appen verfolgen die Ausführungen von Dr. Hoch.
Dr. Hoch stellte im Dokumentenhaus mit Hilfe eines Overheadprojektors den Soldaten mehrere besonders interessante Dokumente, Quellentexte, Urkunden und Fotos vor. Anhand eines Fotos, das den Lagerführer Otto Freyer in SS-Uniform zeigte, entzündete sich die Diskussion. Denn Otto Freyer, eigentlich Hauptmann der deutschen Wehrmacht, hatte sich dem Befehl seines Vorgesetzten gebeugt, als der ihn an die SS abordnete. Dort sollte er, obwohl er gar nicht zur SS gehörte, die SS-Uniform tragen, um den, wie es hieß, "sauberen Rock der Wehrmacht" nicht zu beschmutzen.

Unwillig und innerlich ablehnend erfüllte Otto Freyer bis zum Januar 1945 seine Aufgabe als Lagerführer des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen, bis endlich seinem Gesuch auf Rückversetzung in seine alte Wehrmachtseinheit nachgegeben wurde. Aber in der Zeit seiner Lagerführung sind Hunderte von KZ-Häftlinge durch Hunger, Krankheit, Überforderung und Mord ums Leben gekommen. Zwar hat er sich über die Zustände im Lager bei einigen Frauen in Springhirsch ausgeweint, sich aber nicht getraut, gegenüber seinen menschenschindenden SS-Unterführern durchzusetzen. Die drohten Meldung in Neuengamme zu machen.

Die Soldaten diskutierten nun die Frage, ob er nicht doch mehr für die Menschlichkeit hätte riskieren sollen. Was wäre ihm passiert? Ansehensverlust! Vorwurf der "Humanduselei"! Unehrenhafte Abschiebung zurück zur Wehrmacht! Allenfalls drohte die Abkommandierung an die Front! Heute ist bekannt, dass niemand zu Verbrechen gezwungen wurde. Man hatte vielfältige Nachteile zu ertragen, ja. Aber den "Befehlsnotstand", auf den sich so viele Massenmörder nach dem Kriege beriefen, gab es so nicht. Einige Soldaten sagten: "Otto Freyer ist mitgeschwommen, er wollte nicht auffallen und hat damit vielleicht sogar positiver gewirkt, als ein scharfer Hund an seiner Stelle angerichtet hätte. Andere sagten, wenn es Befehle gibt, die eindeutig gegen Menschlichkeit und geltendes internationales Recht verstoßen, dann darf der Befehl verweigert werden. Bei den Menschenrechtsverletzung durch amerikanische und britische Soldaten an irakischen Häftlingen hat es Soldaten gegeben, denen das Gewissen schlug und die von ihrem Gewissen veranlasst wurden, die Folterungen publik zu machen. Wie schwer es aber in manchen Augenblicken ist, sich gegen unmenschliche Behandlung zu wehren, zeigten Beispiele der jüngsten Zeit in der Bundeswehr, als Rekruten von ihren Ausbildern bei sog. Folterungsübungen gequält worden waren.

Nach mehr als zwei Stunden verließen nachdenkliche Soldaten die Gedenkstätte.

Jürgen Gill
Pressesprecher

 

 

 

Öffentliche Führung über die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch

19.01.2005

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Der Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen bietet interessierten Bürgern eine fachkundige Führung über das Gelände der Gedenkstätte an. Anschließend werden im Dokumentenhaus Fragen beantwortet, Einzelheiten näher erläutert und der Videofilm über das ehemalige KZ-Außenkommando vorgeführt. Mit dieser Veranstaltung am

Sonnabend, 29. Jan. 2005, um 14 Uhr
an der Gedenkstätte in Springhirsch

haben die Besucher die seltene Gelegenheit, sich eingehend und umfassend über die Geschehnisse vor sechzig Jahren hier in unserer Region zu informieren. Alle Bürger, die erfahren wollen, wie es damals in unserer unmittelbaren Nachbarschaft unter den Augen der Bevölkerung solch ein KZ-Lager hat geben können, sind herzlich eingeladen. Der Videofilm, der im Dokumentenhaus anschließend gezeigt wird, wurde von Schülern der Realschule Kellinghusen gedreht und ist derselbe, der im Nov. letzten Jahres im Bürgerhaus Kaltenkirchen unter Anteilnahme einer großen Zuschauermenge uraufgeführt wurde.

Anlass der Veranstaltung ist die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Jan. vor sechzig Jahren. Dazu wird es im Bundesgebiet an vielen Stellen Gedenkveranstaltungen geben. Wir wollen mit unserer Gedenkstättenführung am 29. Januar nicht noch eine weitere Auschwitzgedenkveranstaltung hinzufügen, sondern mit unserer Informationsveranstaltung ergänzend darauf hinweisen, dass nicht nur im fernen Auschwitz und in anderen Vernichtungslagern des Ostens Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen stattgefunden haben, sondern überall im damaligen Reich, auch hier in unsere Nachbarschaft. Ein dichtes Netz von Konzentrationslagern und ihren Außenlagern überzog das Reichsgebiet. Hier wurden unter den Augen der Bevölkerung Menschen gequält, ausgebeutet und deren Leben vernichtet. Wir fragen deshalb, wie es möglich war, dass viele unserer Großeltern und Urgroßeltern und so viele Ältere in unserem Bekanntenkreis behaupten konnten, sie hätten von den Verbrechen der Nationalsozialisten und ihrer Mitläufer nichts gewusst. Im KZ-Außenkommando Kaltenkirchen waren KZ-Häftlinge aus Neuengamme untergebracht, die als billige und auszubeutende Arbeitskräfte zum Bau am Militärflugplatz Kaltenkirchen an Kaltenkirchener Bau- und Handwerksbetriebe ausgeliehen worden waren.

Der Trägerverein stellt sich auf eine große Besucherzahl ein und kann, wenn nötig, in zwei Gruppen über das Gedenkstättengelände führen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Jürgen Gill
Pressesprecher

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