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KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen in Springhirsch
Nr. 56 vom 10. Februar 2009
Vortrag von Prof. Pohl in Kaltenkirchen
Projekt:
Tägliche Öffnung der Gedenkstätte 2009
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1. Vortrag von Prof. Pohl in Kaltenkirchen:
Prof. Dr. Karl Heinrich Pohl von der Uni Kiel referierte am 25. Januar 2009 im Ratssaal der Stadt
Kaltenkirchen.
Das brisante Thema: SH und der Nationalsozialismus – Überlegungen zur Vergangenheitsbewältigung im nördlichsten Bundesland.
Der interessante Vortrag soll hier ganz knapp inhaltlich skizziert werden:
- SH, das braune Musterland: Schleswig-Holsteiner waren schon vor 1933 Musternationalsozialisten gewesen. Sie wussten genau, worauf sie sich einließen: Antisemitismus, Rassismus, Abschaffung des Parlamentarismus, Unterdrückung von Sozialismus und Liberalismus, die Verfolgung alles Fremden und Modernen usw.
- Strukturelle Gründe: SH war überwiegend evangelisch, besaß eine überwiegend agrarische Struktur und zeichnete sich durch eine besonders schwache Stellung der Sozialdemokratie aus.
- Die geistige Elite an der Uni Kiel: Sie neigte noch stärker als anderswo in Deutschland nationalsozialistischem Gedankengut zu: Rassenkunde, Euthanasie, deutscher Vorposten gegen Dänemark, völkische Geschichtswissenschaft, Nazifizierung der Jugend, juristische Verklärung des Nazi-Systems usw.
- Die scheiternde Entnazifizierung nach 1945: Weißwäscher, Persilscheine, positive Leumundszeugen bewirkten mit der Zeit ein nationalsozialistisches Netzwerk in den Landes-Ministerien, in der Spitze der Landespolizei, in der Landesjustiz usw.
- Beispiele konkreter Auswirkungen: Die Witwe von Reinhard Heydrich erhielt 1958 ihre Witwenbezüge, während NS-Opfer dreißig Jahre länger warten mussten. Werner Catel, der maßgeblich an der nationalsozialistischen Kindereuthanasie beteiligt gewesen war, wurde 1954 zum Leiter der Kinderklinik nach Kiel berufen.
- Ende der Zeit der Vertuschung und Abwiegelung: Seit den neunziger Jahren begann die Aufarbeitung der Vergangenheit, sichtbar an der Ringvorlesung, die sich mit der Nazivergangenheit der eigenen Universität beschäftigt.
- Der Blick auf die Nachkriegsgeschichte in SH: Vielleicht sollte er stärker historisiert und weniger moralisiert sein. Der Blick auf Chile, Spanien, Südafrika könnte sehr hilfreich sein, die Frage zu beantworten, „Kann man tatsächlich gesellschaftliche Eliten komplett austauschen? Was wäre der ökonomische Preis, der dafür zu zahlen sei? Hätte man in SH fast die gesamte Elite ins Gefängnis stecken und auf deren Fachwissen verzichten sollen?“
- Trotz versäumter Aufarbeitung der Geschichte in SH gediehen allmählich demokratische Verhältnisse: Man stellt fest, dass die Demokratie am besten in politisch und ökonomisch stabilen Zeiten gedeihen kann. Ein Glücksfall auch in SH! Das gelang hier mit der Zeit ohne den totalen Elitenaustausch. Oder gerade deshalb?
- Die Notwendigkeit der Aufarbeitung der Vergangenheit für einen besseren Neubeginn: Dieser Anspruch wurde gegenüber der verfallenen DDR mit pedantischer Gründlichkeit vollzogen. Pohl: „Psychologisch kann man diese Eilfertigkeit und Gründlichkeit nach 1989 wohl als Versuch deuten …“, die eigenen Versäumnisse bei der Aufarbeitung der Nazivergangenheit „stellvertretend an den Bürgern der DDR nachholen zu wollen.“
2. Projekt: Tägliche Öffnung der Gedenkstätte 2009:
Der Verwirklichung dieses
Projektes sind wir einen entscheidenden Schritt vorangekommen.
Wenn alles gut geht, wird ab dem 1. April 2009 für Thomas Saretzki ein zunächst befristeter Einstellungsvertrag wirksam. Damit ist vorerst für 2009 mit der Option einer Verlängerung auf 2010 die tägliche Öffnung der Gedenkstätte sichergestellt.
Die Arbeit der Gedenkstätte als Lernort der Geschichte, als Ort der Erinnerung, Mahnung und Begegnung kann nur gelingen, wenn sie in der Region präsent ist und gebührend wahrgenommen wird.
In diesem Zusammenhang erinnern wir an unseren Spendenaufruf im Newsletter Nr. 55!
3. Bramstedter Automobilclub:
In einer Broschüre des ADAC hat der Bramstedter Automobilclub bezogen auf den Abschnitt Hamburg – Kiel Rallye-Fragen für interessierte Autotouristen veröffentlicht. Die kulturell interessanten Anlaufpunkte liegen diesmal alle an der B4.
So ist auch die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch mit zwei Aufgaben vertreten. Wer sie beantworten will, muss die Gedenkstätte aufsuchen und im Dokumentenhaus nachforschen. Erfahrungsgemäß wird diese Kulturrallye von vielen Autotouristen aus ganz Deutschland gerne wahrgenommen.
Die Aufnahme der Gedenkstätte erfolgte, weil die durchreisenden Organisatoren Anfang Dezember sie geöffnet vorfanden.
4. Besucher 2008:
An der Gedenkstätte sind im Jahr
2008 genau 3 218 Besucher gezählt worden.
Durch die akribische Zählung seit Januar 2008, die von unseren Ein-Euro-Kräften vorgenommen wurde, konnte diesmal diese genaue Zahl ermittelt werden.
Für das laufende Jahr 2009 wird die Besucherzahl von 3 500 angepeilt. So, wie das Jahr bisher angelaufen ist, bestehen gute Aussichten dafür.
5. Häftlingslisten durchforstet:

Thomas Saretzki hat
sich die Mühe gemacht, alle verfügbaren Häftlingslisten (Neuengamme und
Wöbbelin) durchzuarbeiten.
Er fand 908 verschiedene Namen von KZ-Häftlingen, die während des Bestehens des Außenlagers (August 1944 bis April 1945) in Kaltenkirchen gewesen sind. Von diesen Häftlingen sind 214 nachweislich in Kaltenkirchen verstorben, viele andere davon fanden an anderen Orten oder auf Transporten den Tod und nur ein Teil überlebte.
Doch es sind längst nicht alle auf diesen Listen erfasst worden.
Text und Fotos: Jürgen Gill
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Trägerverein
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Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V.
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Homepage der KZ-Gedenkstätte: http://www.kz-kaltenkirchen.de
Vorsitzende: Uta Körby
Bankverbindung:
Konto: 250 276 20, Sparkasse Südholstein (BLZ 230 510 30)
Kontakt:
E-Mail zum Trägerverein
(Jürgen Gill) oder zum Webmaster der Homepage (Jörn Wommelsdorff):
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