Newsletter
KZ-Gedenkstätte
Kaltenkirchen in Springhirsch
Nr. 46 vom 5. Dezember 2007
Die Kirche und der Trägerverein
Hinrichtungsstätte
Fred Göttner
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1. Die Kirche und der Trägerverein:
Der Gottesdienst am Volkstrauertag 2007 machte das inzwischen erreichte positive Verhältnis der Ev. Luth. Kirchengemeinde Kaltenkirchen zum Trägerverein sichtbar. Die Vorsitzende des Trägervereins, Uta Körby, wirkte darin mit und konnte in der Michaeliskirche an die Opfer des KZ-Außenkommandos Kaltenkirchen erinnern. Pastorin Martina Dittkrist erwähnte den früheren Kaltenkirchener Pastor Ernst Szymanowski (1927 – 1933 Pastor in Kaltenkirchen, 1934 bis 1935 Probst von Segeberg). Sie sagte wörtlich: „Wie haben die Menschen in unserer Kirchengemeinde das hitlersche System mit gestützt und gefördert? Dazu gehört natürlich auch die Erinnerung an den früheren Pastor Szymanowski, der gleichzeitig aktives und führendes Mitglied der NSDAP und der Waffen-SS war.“ Der erschütternde Lebenslauf des NS-Täters Szymanowski wurde in der Kirche in weiteren Einzelheiten nicht konkret vorgestellt. Er soll hier im Newsletter kurz skizziert werden: Pastor Szymanowski, der sich später Biberstein nannte, quittierte 1935 seinen kirchlichen Dienst und wurde als führender SS-Mann 1943 in der besetzten Ukraine zum Massenmörder an jüdischen Frauen und Kindern. Man verurteilte ihn 1947 in Nürnberg zum Tode, begnadigte ihn später auf Betreiben der Kirche und entließ ihn dann vorzeitig in die Freiheit. Pastorin Dittkrist: „Auch als evangelische Kirchengemeinde in Kaltenkirchen sind wir erst langsam dabei, uns unserer eigenen historischen Mitverantwortung zu stellen…“ Ein wichtiger und ernst zu nehmender Schritt ist getan worden.
2. Hinrichtungsstätte Fred Göttner:
Am
Volkstrauertag legte nachmittags der Trägerverein Blumen an der Stelle ab, wo
am 5. Sept. 1942 der 22-jährige Sanitätsunteroffizier erschossen worden war.
Dort hatte vor einem Jahr der Trägerverein ein Gedenkkreuz errichtet. 21
Personen beteiligten sich an der Gedenkwanderung von Springhirsch nach
Moorkaten. Dr. Gerhard Hoch erläuterte den Anwesenden die damaligen Ereignisse
um Fred Göttner: „Eine unbedachte Tat wurde ihm zum Verhängnis. Nach einem
Luftangriff auf Rostock soll er aus den Trümmern eine Schreibmaschine an sich
genommen haben…Ein erbarmungsloser Mechanismus nahm seinen Lauf… Das
Kriegsgericht des Luftgaues XXI in Hamburg verurteilte den jungen Unteroffizier
paragraphentreu zum Tode…“ Das Archiv der Kirchengemeinde Kaltenkirchen weist aus,
dass Fred Göttner am 8.09.1942 auf dem Kaltenkirchener Friedhof beerdigt worden
ist. Der örtliche Pastor Johannes Thies war offenbar so „feinfühlig“, den
Eltern mitzuteilen, ihr Sohn sei bei einem Luftangriff aus Rostock schwer
verwundet worden und dann „gottergeben gestorben“. Heute befindet sich das Grab
in Albersweiler im Südwesten der Republik. Nichts weist dort auf die wahre
Todesursache hin.
3. Vertrag verlängert:
Unserem
Hausmeister, Herrn Horstmann, hat die VHS-Kaltenkirchen den Vertrag mit uns um
drei Monate verlängert. Wir sind sehr glücklich darüber, weil wir so auch im
Winter das Haus der Gedenkstätte für Besucher öffnen können. Außerdem ist so
gewährleistet, dass innerhalb der beiden Gebäude und außen im Gelände unter der
Woche täglich für Ordnung gesorgt ist und Pflegemaßnahmen durchgeführt werden
können. Von Montag bis Freitag zwischen 9.00 und 15.00 Uhr halten wir also die Häuser für Besucher offen. Ob wir wieder nach dem 3. März 2008 einen derart zuverlässigen Hausmeister bekommen werden, ist sehr fraglich.
4. Besuchergruppen:
Auch im
November hatten wir den Besuch mehrerer Gruppen. Der Kreisverband Segeberg „Die
Linke“ besuchte uns mit 15 Personen Mitte November, die „AG Stolpersteine“ aus
Barmstedt kam mit 25 Personen, Ende November arbeiteten Vertreter anderer
Gedenkstätten auf Einladung von Uta Körby bei uns und eine Lehrergruppe der
Dietrich-Bonhoeffer-Realschule aus Kaltenkirchen informierte sich mit 10
Personen im neuen Haus. Aus dem Kreis der Lehrer kam die Anregung, dass
zukünftig Lehrerkonferenzen nicht nur der eigenen, sondern auch anderer Schulen
im neuen Haus der Gedenkstätte durchgeführt werden könnten. Der Raum erschien
ihnen als bestens dafür geeignet, hell, groß, freundlich und anregend. Einige Lehrer
versprachen, in anderen Kollegien dafür zu werben. Von den Möglichkeiten des
neuen Schulungs- und Versammlungsraumes unserer Gedenkstätte waren viele
überrascht.
5. Fotoband:
Das
Mitglied des Trägervereins, der Hauptschullehrer Heinrich Pantel, hatte die Gestaltung
eines Fotobandes für die Familie des jüngst verstorbenen Roger Rémond,
ehemaliger KZ-Häftling in Kaltenkirchen, angeregt und mit Jürgen Gill die die
Arbeit daran aufgenommen. Dr. Gerhard Hoch stand dem Vorhaben beratend zur
Seite. Inzwischen wurde das Fotoalbum, bestehend aus 28 Fotos und Texten von
Heinrich Pantel und Jürgen Gill, weitgehend fertig gestellt. Es erzählt die
Geschichte der Entwicklung der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen von den Anfängen
bis heute in mit knappen Texten unterlegten Bildern. Es sollen Exemplare in
deutscher und französischer Sprache hergestellt werden. Wir freuen uns, der
Familie von Roger Rémond ein solches Geschenk rechtzeitig zu Weihnachten
überreichen zu können.

Text und Fotos: Jürgen Gill
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Trägerverein
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Trägerverein der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch e.V.
Eine Online-Version dieses Newsletters finden Sie hier.
Homepage der KZ-Gedenkstätte: http://www.kz-kaltenkirchen.de
Vorsitzende: Uta Körby
Bankverbindung:
Konto: 250 276 20, Kreissparkasse Südholstein (BLZ 230 510 30)
Kontakt:
E-Mail zum Trägerverein
(Jürgen Gill) oder zum Webmaster der Homepage (Jörn Wommelsdorff):
Bitte nutzen Sie unser Kontaktformular auf unserer Homepage http://www.kz-kaltenkirchen.de
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